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Infrastruktur

Warum die eSim von Apple und Samsung eine Katastrophe für Nutzer und Netzbetreiber ist

    Warum die eSim von Apple und Samsung eine Katastrophe für Nutzer und Netzbetreiber ist

(Foto: Shutterstock)

Die eSim kommt, eine fest im Mobilfunkgerät verbaute Simkarte, die Kunden angeblich einen flexibleren Umgang mit Netzbetreibern ermöglichen soll. Das exakte Gegenteil wird der Fall sein, sagt t3n-Redakteur Jochen G. Fuchs.

Die Pläne für eine „Embedded Sim“ sind weit gekommen. Die Verhandlungen zwischen der GSM-Association – dem Industrieverband, der weltweit alle Mobilfunknetzbetreiber vertritt und die GSM-Standards festlegt – sowie Samsung und Apple stehen wohl kurz vor dem Abschluss. Bald schon sollen Kunden ihren Netzbetreiber nicht mehr durch eine Simkarte, sondern direkt auf dem Smartphone auswählen können. Jubel und Freude ist allerdings nicht angebracht, denn die Abschaffung der Sim-Karte könnte sich zum größten anzunehmenden Unfall für die Mobilfunknutzer entwickeln.

smartphone
Noch haben wir die freie Wahl, welchen Tarif und welchen Netzbetreiber wir nutzen wollen. Die eSim könnte das verändern. (Foto: © Kaspars Grinvalds - Fotolia.com)

Der ultimative Kontrollverlust für Nutzer und Netzbetreiber

Zwei maßgebliche Player aus der Telekommunikationswelt, beide Lieferanten von Soft- und Hardware und verschiedenen ergänzenden Diensten, setzen sich mit den Mobilfunkprovidern aller Länder an einen Tisch und verhandeln über die Einführung einer neuen, fest eingebauten Simkarte, der eSim. Was kommen könnte, wird jedoch alles andere als „einen flexibleren Umgang mit Netzbetreibern“ ermöglichen, wie die Welt zur eSim schreibt. Die Separierung von Simkarte und Endgerät ist für den Nutzer der Garant einer freien Entscheidung. Welches Smartphone mit welchem Tarif genutzt werden soll, kann heute jeder selbst entscheiden. Doch wenn die eSim kommt, ist diese Entscheidungsmöglichkeit dahin. Dann wird vorrangig der Hardwarehersteller und zweitrangig der Netzbetreiber bestimmen, was in das Endgerät kommt.

Der Aktivierungsvorgang der eSim wird softwareseitig direkt auf dem Endgerät durchgeführt – welche Anbieter und Tarife dort angeboten werden, hängt völlig vom Hersteller ab – denn der Hersteller hat die Software unter Kontrolle. Und die Auswahl hängt dann davon ab, mit welchen Netzbetreibern die Hardwarehersteller Verträge abschließen.

handytarif
Mit der eSim wird der Endkunde zukünftig direkt auf dem Smartphone seinen Anbieter und seinen Tarif wählen. © Glaser - Fotolia.com

Die Situation im deutschen Mobilfunkmarkt

Die Anzeichen für eine solche, restriktive Entwicklung lassen sich an der aktuellen Situation im Markt ablesen: Bisher sind attraktive Geräte im Netzbetreibervertrieb und auf Veranlassung der Hersteller wie Apple immer mit teuren Tarifen gekoppelt gewesen. Oft gibt es die selben Tarife für einige Euro weniger, wenn sie mit einem beliebigen anderen Endgerät abgeschlossen werden. Kein Wunder: Bekommt Apple doch „Airtime“ von seinen Vertragspartnern, wird die Beteiligung an den Kundenumsätzen der Provider genannt, die irgendwie refinanziert werden muss. Bei jedem neuen High-End-Gerät treten Industrie und Handel erneut in Verhandlungen: Wer bekommt den neuen Top-Seller als erster, zu welchen Konditionen – oder bekommt gar jemand das begehrte iPhone gleich ganz exklusiv? Wie bei T-Mobile damals.

Wer in den zurückliegenden Jahren zum Marktstart eines attraktiven Gerätes in einem Elektromarkt, einer Netzbetreiberfiliale oder eines TK-Fachhändlers lief, bekam in den ersten Tagen oft nur zu hören: Das Gerät gibt es jetzt erst mal nur mit Vertrag. Das Phänomen ist mittlerweile seltener zu finden, aber immer noch präsent. All diese Verrenkungen dienen dazu, wertvolle Laufzeitverträge abzuschließen, die immer noch wichtig für die Netzbetreiber sind – obwohl die Tendenz immer mehr zur Prepaid-Karte geht. Denn diese Verträge sichern sowohl einen höheren, als auch einen festen durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz.

Die Endkunden kratzt das oft wenig, die teuren Verträge bleiben links liegen und die begehrten Geräte werden einzeln und ohne den Zwangsvertrag gekauft. Eine Prepaid-Simkarte oder eine andere, separat abgeschlossene Vertrags-Simkarte ist schnell besorgt.

Der zwiegespaltene Netzbetreiber

Im Spiel um die eSim, das schon seit einigen Jahren gespielt wird, sitzen die Netzbetreiber zwischen den Stühlen, denn die Simkarte ist der direkte Kontakt zum Endkunden. Können die direkt auf dem Smartphone den Netzbetreiber und den Vertrag wählen, wird der Kontakt zum Kunden minimiert. Vodafone beispielsweise hat sich schon kritisch zu dem Konzept geäußert.

Der Handel wird in diesem Szenario auch nicht begünstigt, denn die lukrativen Vertragsabschlüsse werden durch die direkte Aktivierung am Handel vorbeigeschleust – ein Punkt, der für Netzbetreiber aber eher positiv zu betrachten sein wird. Es spart schlicht Provisionen, die nicht an den Handel ausgezahlt werden müssen.

Apple will die eSim schon lange einführen, scheitert aber seit Jahren am Widerstand der Netzbetreiber. Die Tatsache, dass Apple und Samsung den Widerstand scheinbar überwunden haben, lässt vermuten, dass ein gemeinsamer Nenner gefunden worden ist: die Kontrolle über Anbieter- und Tarifwahl.

Der zukünftige eSim-Standard muss den Kunden schützen

Die eSim entreißt dem Endkunden jegliche Kontrolle über Anbieter oder Tarifwahl, denn sicher dürfte sein: Die Anbieterauswahl in den begehrten High-End-Geräten wird vorselektiert sein. Beileibe nicht jeder Anbieter wird vertreten sein und schon gar nicht jeder Tarif – lässt sich doch mit der eSim und der Softwareauswahl endlich wunderbar festlegen, welche Tarife in welchem Endgerät zur Verfügung stehen. Wie diese Tarife aussehen könnten, darauf gibt uns vielleicht die Tarifauswahl der aktuellen Apple Sim einen Vorgeschmack.

Um dieses Szenario zu vermeiden, müsste der zukünftige eSim-Standard gewährleisten, dass jeder Hardwarehersteller im Aktivierungsprozess eine Art „Wildcard“ einbaut – einen Menüpunkt „Sonstige Netzbetreiber“ zum Beispiel, der es dem Endkunden erlaubt, den gewünschten Netzbetreiber und die Nutzerkennung von Hand einzugeben. Ansonsten heißt es bald: Auf Wiedersehen Tariffreiheit, auf Wiedersehen Selbstbestimmung.

Hallo eSim.

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16 Reaktionen
grunewaldkieker
grunewaldkieker

Das haben sich die Netzbetreiber auch ein bisschen sich selber zuzuschreiben - die hohen Roaming-Kosten könnten über die eSim ausgehebelt werden. Digital Natives sind Nomaden...

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Mario H.
Mario H.

Ich würde erst einmal abwarten. Der Weg ist noch weit, und wie die Politik und ggf. Gerichte reagieren, weiß man auch nicht.
Davon abgesehen: wer würde eine Kröte wie einen vorgewählten Anbieter und evtl. sogar Tarif schlucken, um das neue Samsung XYZ zu kriegen? Ob die sich damit nicht wirklich ins eigene Fleisch schneiden würden? Bei Apple könnte ich mir das schon eher vorstellen.
Disclaimer: hab ein Firmen-iPhone und finde mein privates Androidphone wesentlich besser :)

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herbie
herbie

Also, ich kann die Initiative von Apple und Samsung nur unterstützen. Ja, es hängen Arbeitsplätze an der SIM Karte, aber noch viel mehr Kosten für den Endverbraucher. Es werden jährlich Milliarden für SIM Karten-Reader und SIM-Karten Logistik verschleudert. Die Netzbetreiber machen trotz allem Stöhnen immer noch Gewinne mit 30% EBIT und mehr, davon können andere Industrien nur träumen.
Das Thema wird sich durch Angebot und Nachfrage von selbst regulieren. Und die ach so armen Netzbetreiber werden bei dem Ganzen auch ihren Schnitt machen, z.B. über Servicegebühren beim Anbieterwechsel und Einsparungen bei der SIM Logistik

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Max
Max

Hallo Jochen,

ein sehr guter Artikel, endlich sieht jemand das Thema mal kritischer. Genau das befürchte ich nämlich: die Auswahl der Tarife und der Netzbetreiber wird beschränkt sein, wenn ich eine eSIM habe. Für den Nutzer ist das fast ausschließlich negativ: günstige Alttarife, billige Discounter-Tarife oder Tarife mit Sonder-Konditionen stehen unter Umständen nicht zur Auswahl. Auch ist möglicherweise kein schneller und komfortabler Wechsel des Anbieters mehr möglich, etwa wenn man im Urlaub mal für 3 Tage eine Discounter-SIM einlegen möchte anstatt der Vodafone-SIM. Oder wenn man kurz den Empfang mit der SIM eines Freundes testen möchte. Ich sehe die Entwicklung daher äußerst kritisch und hoffe, dass hier noch viele Journalisten ein Auge drauf werfen werden.

p.s.: du schreibst, die Tendenz würde hin zu Prepaid gehen. Das ist definitiv nicht der Fall (auf dem deutschen Markt zumindest nicht). Im Gegenteil: Prepaid ist eher rückläufig, die Tendenz geht hin zu Postpaid (dort aber oft ohne Laufzeit!). Siehe zum Beispiel Statista: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/176644/umfrage/handy-vertrag-oder-prepaid/

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Jochen G. Fuchs

Hallo Max,

vielen Dank.

Postpaid ohne Vertrag stemmt sich hier wirklich etwas gegen den Trend, da hast du recht. Die Statistik kommt mir allerdings sehr seltsam vor. Beispielsweise Telefonica weist in seinen Zahlen einen Postpaid-Anteil von lediglich rund 44 Prozent aus. Und der Prepaid-Zuwachs liegt deutlich über dem Postpaid-Bereich. https://blog.telefonica.de/2015/05/vorlaeufige-kennzahlen-fuer-das-erste-quartal-2015-telefonica-deutschland-profitiert-im-ersten-quartal-vom-mobilen-datengeschaeft-und-deutlichen-fortschritten-bei-der-integration/

Viele Grüße,
Jochen

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powpow
powpow

Gab es Geld von den Providern für den Artikel?

Denn das sind die einzigen für die es negativ ausgeht bzw. die schon immer gegen die "freie" Wahl waren. Und genau die boykottieren das schon ewig. Das jetzt wo endlich die eSIM kommt, so ein Artikel entsteht, und das auch noch bei t3n die eigentlich immer alles neue total abfeiern (Gefahren und Nachteile neuer Google Android releases werden zB nie angesprochen, TPM etc...nie angesprochen).

Und die ganze Thematik ist auch nichts was die Nutzer ändern können, sondern die Politik einschränken kann. wären sie konsequent hätten sie das auch schon längst erwähnt, oder wären gar aktiv geworden.

Aber so.... ...nein.

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Jochen G. Fuchs

Hallo powow,

auf der einen Seite feiern wir deiner Meinung nach alles zu sehr ab, auf der anderen Seite wirfst du uns vor, dass wir käuflich sind, weil ich etwas nicht abfeiere.

Wie ich dieses Dilemma lösen soll weiß ich nicht. Das ist doch wohl ein klassisches Paradoxon, oder meinst du nicht?

Dass die Netzbetreiber das ewig schon boykottieren, steht übrigens schon im Artikel. Und ich kann ehrlich nicht verstehen, wie du darauf kommst, dass der Artikel den Netzbetreiber in Schutz nimmt. Das Gegenteil ist der Fall:

Ich schlussfolgere in dem Artikel, dass die Netzbetreiber einen Kuhhandel mit den Hardwareherstellern eingegangen sind und jetzt gemeinsam mit den Hardwarehersteller versuchen werden die Nutzer zu gängeln.
Zum Beispiel hier: „Dann wird vorrangig der Hardwarehersteller und zweitrangig der Netzbetreiber bestimmen, was in das Endgerät kommt.“

Kannst du mir erklären, wieso deiner Meinung nach die Netzbetreiber in meinem Artikel gut wegkommen? Ich schau mir die entsprechenden Formulierungen dann gerne an und diskutiere mit dir darüber.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

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Binary Impact
Binary Impact

Möglicherweise wird dadurch der Jailbreak noch populärer, was auch hier den Fortschritt (i.S.v Weiterentwicklung) fördert. Langfristig dürfte das sogar (gegen den Willen von Apple und Consorten) den User zur Selbstbestimmung drängen ;-)

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Viel Spaß
Viel Spaß

PrintRedaktionen schreiben Anfragen an Politiker, Redaktionen und Regierungen und Minister.
Das könnte man in diesem Falle auch machen. Leider haben wir nicht Taylor Swift im Rücken aber vielleicht kann man doch starke Prominenz eine Anfrage stellen lassen. z.b. die Grünen denen wir UMTS verdanken dürfen oder die Linke oder den Verbraucherschutz. Oder bekannte US-Blogger oder Tech-Medien oder auch Bild und Welt sind an diesen Themen interessiert.
Ihr kriegt ständig Rundbriefe und PR-Meldungen und wisst also haargenau was man besser machen kann. Also könntet Ihr das Volk indirekt mittels Meinungs-Multiplikatoren warnen.

Im Sommerloch sind auch harmlose Themen plötzlich Schlagzeile auf der Titelseite von Tageszeitungen z.b. wenn ein Kreis-Politiker irgendwas will.
Das Thema Griechenland ist ja vorbei. Da könnte man also wirksam agieren bis das nächste Somerloch-Thema auftaucht.

iPhones werden auch ohne offiziellen Vertriebsweg scharenweise im Iran, in Diktaturen oder Entwicklungsländern verkauft und irgendwie muss man ja seinen Tarif da rein bekommen.
Nett wäre wenn die EU eine Scheckkartengroße Preisliste vorschreibt die jeder Tarif haben muss damit man die Preise immer nachgucken kann.

Man sollte Apple und Samsung also fragen:
- Total freie Providerwahl ?
- Wie kommen die Daten in die eSIM rein ?
- Gehen mehrere Tarife parallel ? (siehe anderes Posting)
- Gibts eine Preisliste die man am Handy immer sehen kann ? Z.b. als App oder signierte Hinterlegung beim Preis-Ministeriums-Server so wie die Benzinpreise.
- Was macht man im Ausland wo keine Apple-Shops existieren ? Nennt ruhig Länder in der Anfrage.
...

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Sermonis Libertas
Sermonis Libertas

Ich sehe zwar auch Nachteile in der eSIM, aber nicht unbedingt die gleichen und ebenso düster ausgerichtet.
Schon heute verarbeitet die Software der Hersteller die SIM-Karte. Schon heute kann Apple und Co. exklusive Verträge mit einzelnen Händlern abschließen.

Zudem ist es eine Frage der gesetzlichen Regelung. Zunächst einmal wissen wir nur, dass man sich auf einen Standard verständigt. Die Netzbetreiber, die Politik, die Software- und Hardwarehersteller werden nun auch die Regeln aushandeln müssen.
Ich sehe im Moment nicht, warum sich Gerätehersteller der Reichweite berauben sollten, die sie letztlich selbst erweiterten, denn Exklusivverträge mit Telekom und Co. sind unlängst gefallen. Es wird nach wie vor jedoch die Flagschiffe geben, welche nur über Premiumverträge subventioniert werden und die Geräte der letzten und vorletzten Generation den anderen Vertragswerken und Produkten überlassen.

Natürlich, muss man auch in einem Gerät, das man subventionsfrei gekauft hat, ein Prepaid-Tarfi nutzen lassen. Aber ich sehe eben nicht, warum Apple ein Interesse daran haben sollte, das zu unterbinden. Zumal das ganz klar ein Fall für die Wettbewerbshüter wäre. Also, abwarten. Diese Technologie kann sich auch in etwas Gutes wandeln. zumindest dann, wenn es eine Lösung gibt, die es mir auch erlaubt, die eSIM auf verschiedenen Geräten zu aktivieren, bzw. zu deaktivieren, so als würde ich die Karte austauschen. Aber auch das "Multicard-Konzept", wir dadurch doch eher befördert, denn beschnitten...

Antworten

Jochen G. Fuchs

Hallo Sermonis Libertas,

„Ich sehe im Moment nicht, warum sich Gerätehersteller der Reichweite berauben sollten, die sie letztlich selbst erweiterten, denn Exklusivverträge mit Telekom und Co. sind unlängst gefallen.“
Die Exklusivverträge sind imho gefallen, weil es technisch immer schwerer umzusetzen ist, den Nutzer einzuschränken. Mit der eSim eröffnen sich neue Perspektiven um Exlusivverträge umzusetzen. Das ist quasi meine These.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Antworten

mercalli12
mercalli12

In der Tat sind deine Ausführungen nicht von der Hand zu weisen. An eine wirklich simpel zu lösende Multi-SIM-Funktion hatte ich bisher nicht gedacht (ist für mich persönlich nicht von Interesse), aber in der Tat macht das Sinn. Wichtig wäre nur, dass der Kunde weiterhin frei entscheiden kann. Die Shops müssen Zugriff haben, um das gewünschte Angebot für den Kunden dort einzustellen. Das gute ist die Welt spart sich erheblichen Müll mit dem Wegfall der SIMs. Ich habe hohe Erwartungen an diese Technik. Auch was den Verkauf der Geräte angeht.

Antworten

mercalli12
mercalli12

Es ist in der Tat ein Szenario apokalyptischen Ausmaßes. Die Tarifwahl direkt auf dem Handy ist auch tragisch für Hollywood. Konnte man bei vielen Handys schon lange nicht mehr dramaturgisch den Akku rausnehmen, gehen jetzt auch noch zu entfernende SIMs flöten. Da hilft dann bei Homeland, 24 und Co nur noch die Holzhammermethode.

Aber im Ernst: An der SIM hängen so viele Arbeitsplätze und die Tarife werden sicher nicht günstiger, weil die Netzbetreiber Provisionen sparen. Das wird sicher schön als zusätzlicher Gewinn verbucht. Beten wir, dass die absolute Wahlfreiheit notfalls per Gesetz gesichert wird.

Antworten

Sebastian Düvel

Mmh, technisch wäre dein Szenario sicher denkbar, aber ob der Kunde das so mit sich lassen lässt? Meinst du wirklich, Apple und erst recht Samsung wollen potenzielle Kunden abschrecken?

Wer sein Smartphone eh direkt mit Vertrag bei den großen Providern kauft, dem wird es egal sein, ob es die SIM nun gibt oder nicht, die wird eh nie gewechselt. Die anderen, die darauf wert liegen, wirklich jeden Tarif nutzen zu können, werden im Zweifel so ein Gerät nicht kaufen.

Wird aber in jedem Fall spannend, wie das dann gelöst wird, wenn es weiterhin freie Wahl geben sollte. Es gibt ja eine schier unbegrenzte Zahl von Anbietern und Tarifen: Wie will man die dem Nutzer präsentieren ohne ihn mit der riesigen Menge zu überfordern?

Antworten

Jochen G. Fuchs

Die Historie der Netzbetreiber spricht für sich Sebastian:

Ich habe oben ja schon angerissen, dass die Hardwarehersteller exklusive Verträge mit Netzbetreibern in der Vergangenheit abgeschlossen haben – das hatte dann oft einen Sim- oder Netzlock zur Folge.

Also eine Sperrung des Endgerätes für andere Netzbetreiber oder Simkarten, die Netzbetreiber greifen zu solchen Methoden um die Subvention der Hardware und die Investition in rückwärtige Backkonditionen, wie die Airtime, die an Apple ausgeschüttet wird, zu schützen.

Denn die Kalkulation geht bei solchen Jahresvereinbarungen zum Teufel, wenn nicht die Tarife mit den Geräten genutzt werden, die für die Kalkulation verwendet wurden.

Ob damit wirklich alle Kunden abgeschreckt würden?

Die gelockten Geräte wurden ja trotzdem verkauft. Dein Hinweis dass ja eh immer der selbe Netzbetreiber drin bleibt, weist ja schon darauf hin, dass das vielen Nutzern egal ist, ob ein Lock auf dem Gerät ist oder nicht.

Ich habe es aber auch hundertfach erlebt, dass Nutzern der Netzlock erst nach Ablauf des Vertrages richtig bewusst wurde: Sobald sie in einem Elektromarkt stehen und versuchen eine frisch gekaufte Simkarte einzulegen, die dann vom Gerät nicht angenommen wird.

Im Massenmarkt wird sich ein Klientel finden, dass dieser Einschränkung achselzuckend gegenüberstehen würde – weil es erst einmal keine Einschränkung spürt.

Der mündige Nutzer wird da sicher anders handeln. Und irgendwann auch einen Weg finden um mögliche Einschränkungen zu umgehen. Ein Netz- oder Simlock ist heute ja auch kein unlösbares Problem mehr.

Antworten

Sebastian Düvel

Sicher schreckt das nicht alle Kunden ab. Es ist ja auch erschreckend, welche schlechten alten Tarife viele Leute benutzen (und bezahlen), weil ihnen der Wechsel zu aufwendig bzw. das Angebot zu überwältigend ist.

Vielleicht würde da eine eSIM ja schon helfen, wenn man dort einfach einen neuen Tarif wählen kann, wo die Kosten klar sind und wo man eventuell default-mäßig keine riesige Auswahl hat sondern nur die gängigsten Tarife findet. (Klar sollte es trotzdem noch die Wahl für alle Tarife geben.)

PS: Wenn den Leuten nach Ende der Vertragslaufzeit auffällt, dass ihr Handy einen Lock hat, dann ist es ja nicht weiter wild, denn dann wird das eh überall kostenlos entsperrt.

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