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Protonet in Erklärungsnot: Neue Y-Combinator-Förderung provoziert Aufstand der Crowdinvestoren

Seit Protonet vor kurzem die prestigeträchtige Förderung durch die Startup-Schmiede Y Combinator vermeldet hat, muss sich das deutsche Vorzeige-Startup unbequeme Fragen von seinen Seedmatch-Investoren gefallen lassen. Es geht um eine vermeintlich reduzierte Unternehmensbewertung, den Verdacht der Zweckentfremdung von Geldmitteln und einen undurchsichtigen Firmenumbau. Kleinanleger befürchten, unliebsam aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Antworten darauf liefert Protonet erst, als t3n das Unternehmen mit den Vorwürfen konfrontiert.

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Protonet: Y Combinator-Förderung wirft Fragen auf

Eigentlich schien die Startup-Romanze perfekt. Im Februar verkündete das deutsche Hardware-Startup Protonet, das für seine sicheren und orangefarbenen Serverboxen im Sommer 2014 drei Millionen Euro von 1.800 Crowdinvestoren über eine Seedmatch-Kampagne eingesammelt hatte, seine Expansion in die USA.

Ermöglicht wurde dieser Schritt durch die Zusage von Y Combinator, das 2012 in Hamburg gegründete Jungunternehmen in sein legendäres Förderprogramm aufzunehmen. Wer Y Combinator nicht kennt: Der Startup-Inkubator mit Sitz im Silicon Valley zeichnet verantwortlich für die Entdeckung großer Technologie-Highflyer wie Airbnb oder Dropbox. Wenn es für ein Startup also ein perfektes Sprungbrett für den Einstieg in den US-Markt gibt, dann Y Combinator.

Für die Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum ist die Y Combinator-Förderung ein Ritterschlag. Für Seedmatch-Investoren hingegen Anlass zur Sorge. (Foto: Protonet)
Für die Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum ist die Y Combinator-Förderung ein Ritterschlag – für Seedmatch-Investoren hingegen Anlass zur Sorge. (Foto: Protonet)

Angesichts dieses Ritterschlags gab sich Protonet-Gründer Ali Jelveh verständlicherweise euphorisch: „Die Beratung und das Know-how von Y Combinator wirken sich extrem positiv auf unsere Produkte und unsere Geschäftsentwicklung aus“, kommentierte er die Aufnahme. Auch Jared Friedman, Partner bei Y Combinator, blickte voraus: Protonet habe das Potenzial, „den Markt für Geschäftslösungen im Bereich Content-Management mit einem Volumen von 25 Milliarden US-Dollar nachhaltig zu verändern“.

Wie sich jetzt jedoch herausstellt, stößt die neue Förderung bei den Seedmatch-Investoren offenbar auf wenig Begeisterung. Mehr noch: Viele Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Förderung und der Vorstellung einer neuen Produktlinie bringen Protonet in arge Erklärungsnot. Unter anderem geht es um eine vermeintlich reduzierte Unternehmensbewertung, eine mögliche Zweckentfremdung von Investorengeldern und einen undurchsichtigen Firmenumbau. Kleinanleger befürchten, unliebsam aus dem Unternehmen gedrängt zu werden.

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Unternehmensbewertung sorgt für Verwirrung

Auf all das schließen lassen mehrere Screenshots aus dem nicht-öffentlichen Investor-Relations-Bereich von Seedmatch, die t3n aus anonymer Quelle zugespielt wurden. Dieser einem Online-Forum nicht unähnliche Bereich ist nur für die Investoren zugänglich, die tatsächlich in ein bestimmtes Startup investiert haben. In diesem Fall: Protonet. Aus den Screenshots wird ersichtlich, wie Seedmatch-Nutzer das Hamburger Startup seit Wochen mit unbequemen Fragen löchern und sich zugleich über die unzureichende Kommuniktionspolitik beschweren.

Demzufolge sorgt zunächst die im Zuge der Y-Combinator-Förderung offenbar erheblich reduzierte Unternehmensbewertung für Verwirrung. Wie dem offiziellen FAQ der Startup-Schmiede zu entnehmen ist, investiert Y Combinator pauschal 120.000 US-Dollar in jedes seiner neu aufgenommenen Portfolio-Unternehmen und streicht im Gegenzug eine Beteiligung in Höhe von sieben Prozent ein. Das entspricht einer Bewertung von rund 1,7 Millionen US-Dollar. Wie ein Kleinanleger auf Seedmatch jedoch anmerkt, müsse man „kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Bewertung niedriger ist, als die bisher für Protonet angenommene.“

Im Sommer 2014 sammelte Protonet über eine Crowdinvesting-Kampagne bei Seedmatch drei Millionen Euro ein. Nach dem Einstieg von Y Combinator zeigen sich Kleinanleger allerdings besorgt. (Screenshot: Seedmatch)
Im Sommer 2014 sammelte Protonet über eine Seedmatch-Kampagne drei Millionen Euro ein, jetzt sorgen sich Kleinanleger um den Wert ihres Investments. (Screenshot: t3n)

Auch wenn die Richtigkeit dieser Aussage wie folgend dargelegt mit Vorsicht zu genießen ist, lohnt ein Blick auf die Vergleichswerte: Bei der vielbeachteten Seedmatch-Kampagne im Sommer 2014 soll Protonet noch eine Bewertung in Höhe von 11,9 Millionen Euro (circa 13,4 Millionen US-Dollar) ausgerufen haben. Selbst bei der ersten Crowdfinanzierung Ende 2012 – die ebenfalls auf Seedmatch stattfand und bei der rund 200.000 Euro zusammenkamen – soll die Bewertung mit zwei Millionen Euro höher gewesen sein als beim jetzt abgeschlossenen Y-Combinator-Deal.

Stimmen diese Zahlen, scheint die Aufregung der Crowdinvestoren zumindest in der Theorie durchaus berechtigt. Für ihr an Protonet gewährtes partiarisches Nachrangdarlehen hätten sie dann nämlich deutlich weniger „Gewinnanteile“ zu deutlich höheren Kosten erworben als Y Combinator – und das, obwohl die Kleinanleger durch ihren früheren Einstieg das im Vergleich zum Inkubator aus dem Silicon Valley vielfach höhere Investment-Risiko hatten. Wirklich fair wäre das nicht – klammert man aus, dass Protonet die Förderung wohl in erster Linie als Türöffner für Folgeinvestments in Anspruch genommen hat.

Erschwerend hinzu käme für die Crowd nach dieser Logik eine erhebliche Verwässerung ihrer erworbenen Anteile. Bedeutet: Wenn ein Startup eine Folgefinanzierung durchführt, kann dies dazu führen, dass die prozentuale Investmentquote der Alt-Investoren sinkt. Das ist zunächst einmal nichts Schlimmes. Denn in der Regel sinkt die Investmentquote proportional zur Steigerung des jeweiligen Unternehmenswerts, sodass eine Beteiligung nach einer Verwässerung wertmäßig unverändert bleibt.

Da Protonet jedoch vermeintlich bewusst eine deutlich geringere Unternehmensbewertung für die Teilnahme am Y-Combinator-Förderprogramm in Kauf genommen hat, gehen etliche Erst-Investoren von einer Schmälerung der Crowd-Beteiligungswerte aus. Allerdings handelt es sich bei der jetzt geringer bewerteten Firma Protonet Inc. um eine Neugründung und nicht die Protonet GmbH, in die die Seedmatch-Investoren ihr Geld investiert haben. Weder lassen sich die Bewertungen zweier im Zuge des später noch thematisierten Firmenumbaus gegründeten Gesellschaften vergleichen, noch liegen uns die Verträge zwischen diesen beiden Firmen oder Informationen zur genauen Verteilung der Vermögenswerte (Assets) vor.

„Uns war deutlich geringere Bewertung bewusst“

Diese und andere auf den zwei nachfolgenden Artikelseiten dargestellten Unstimmigkeiten klärte Protonet zum Unmut der Crowdinvestoren („Eure Informationspolitik ist unter aller Kanone!“) in den vergangenen Wochen allerdings nicht auf.

Protonet-Mitgründer und CEO Ali Jelveh muss die besorgten Crowdinvestoren besänftigen. (Foto: © Leonard Koerner)
Protonet-Mitgründer und CEO Ali Jelveh muss die besorgten Crowdinvestoren besänftigen. (Foto: © Leonard Koerner)

Auch ein Zwischenruf von Mitgründer Ali Jelveh vom 19. März, in dem er die „verzögerten Updates“ mit einem erhöhten Arbeitspensum begründet, enthielt außer einem Link zur Verbreitung der laufenden Crowdfunding-Kampagne für die neue Produktlinie ZOE, keine wesentlichen Informationen. Stattdessen flüchtete sich das Startup in Durchhalteparolen – bat erst „um einige wenige Tage Geduld“ und verwies später dann auf den erst für Ende April geplanten Quartalsbericht.

Auf eine schließlich am Montag, den 18. April gestellte Anfrage von t3n zur Klärung der Sachverhalte reagierte Protonet ebenfalls nicht. Wie weitere uns vorliegende Screenshots belegen, sah sich Jelveh am darauffolgenden Dienstag, den 19. April, dann offenbar doch gezwungen, eine umfassende Stellungnahme mit Verweis auf unsere Anfrage gegenüber den Crowdinvestoren bei Seedmatch abzugeben.

Demnach sei Protonet bewusst gewesen, dass die Finanzierung durch Y Combinator „einer deutlich geringeren Bewertung entsprach, als von uns angepeilt“. Das Investment sei „nicht nur monetär zu sehen, sondern im Wesentlichen durch das Coaching und dem Netzwerk viel mehr wert“ als bloß die von der Startup-Schmiede zur Verfügung gestellten 120.000 US-Dollar. Angebote von US-Geldgebern würden diese Ansicht bestätigen und anschließende Bewertungen bewegten sich in einem „normalen“ Bereich.

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3 Reaktionen
Crowdfunding-Anleger

Problematisch sind die hohen Gewinnversprechen der Crowdinvesting-Plattformen. Wer glaubt, er könne hohe Renditen erzielen, hat nicht ausreichend erklärt bekommen, welch hohe Risiken sich im Crowdinvesting verstecken: Keine Mitsprache, Verwässerung, hohe Ausfallraten (!), Nachrangigkeit. Das hört sich alles erstmal harmlos an, lässt aber die Renditechance ziemlich schrumpfen. Das ist ja auch der Grund, weshalb Startups Crowdinvesting besonders mögen: Es bringt ihnen Geld und Reichweite und lässt ihnen alle Freiheiten. Die Crowd ist mit einem professionellen Investor leider überhaupt nicht auf Augenhöhe, weil ihr keine Mitsprache- oder Verhandlungsmöglichkeit bei der Bewertung der Startups eingeräumt wird.

drikkes

I dissed Protonet before it was cool. http://drikkes.com/?p=9559 Ihre Datenschutz-Kampagne vom letzten Jahr fand ich nämlich auch schon recht zweifelhaft, ebenso wie die Zusammenarbeit mit einer PR-Schmiede, die sonst vom Image her völlig konträre Kunden hat.

Ali Bi
Ali Bi

Seedmatch ist der größte Mist, meiner Meinung und Erfahrung nach. Ich habe schon bereits bei mehreren Finanzierungen mitgemacht und immer wieder gab es Ärger mit den Firmen, wie beispielsweise auch mit Refined Investment, die ihr damals finanziertes Produkt nun links liegen lassen und auf Investorenanfragen überhaupt nicht mehr reagieren. Auch auf der Schwesterplattform econeers gibt es solche Probleme. Und Seedmatch macht natürlich nichts. Um die Frage im Abschlussabsatz vorweg zu beantworten, Seedmatch ist es egal, wie die Startups mit den Investoren umgehen, das haben sie mir eindrucksvoll bereits mehrmals bewiesen. Von daher wird Seedmatch dieses "neue" Problem auch nicht zu lösen versuchen.

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