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Facebook ist tot, lang lebe Facebook! Wird das soziale Netzwerk zur Mobile-App-Company?

    Facebook ist tot, lang lebe Facebook! Wird das soziale Netzwerk zur Mobile-App-Company?

(Foto: kupicoo / iStock)

Schon länger sagen Kritiker Facebooks Niedergang voraus. Dessen ungeachtet ist das soziale Netzwerk immer noch erfolgreich und verfolgt konsequent seine Strategie: aus Facebook eine Mobile-App-Company machen. Was bedeutet das für Unternehmen, die auf Facebook werben und mit ihren Kunden interagieren?

Zugegeben: Facebook ist nicht mehr gerade sexy. Nach mittlerweile elf Jahren hat es sich der ehemalige MySpace-Herausforderer längst als Platzhirsch gemütlich gemacht. Er ist generationenübergreifend in der Mitte der Gesellschaft angekommen. 2015 fragt sich auch kein Unternehmen mehr, ob es dort vertreten sein soll oder nicht. Die Frage ist eher: Wie kann es dort heute noch aus der Masse herausstechen? Und: Kann Zuckerberg Facebook so weiterentwickeln, dass es für Nutzer und Unternehmen gleichermaßen spannend bleibt?

Denn die kritischen Stimmen zu Facebook mehren sich. Ob es um Datenschutz und Privatsphäre, manipulierte Newsfeeds oder sinkende organische Reichweite geht –  überall macht sich Unmut breit. Und was das Unternehmen an Neuem anpackte – den Snapchat-Klon Poke, den eigenen E-Mail-Dienst oder das Werbe-Format „Deals“ – alles ging in die Hose.

Selbst der Android-Launcher „Facebook Home“, der sich zunächst einer gewissen Beliebtheit erfreute, landete irgendwann im Nirwana des Google-Play-Stores. Und auf das gerüchteumwobene Facebook-Handy warten wir bis heute. Kein Wunder, dass Facebooks Image leidet. Gerade Teenager wenden sich zunehmend ab – und spannenderen neuen Networks wie Vine oder Snapchat zu.

Totgesagte leben länger

Nichtsdestotrotz: Facebook ist nach wie vor das soziale Adressbuch, auf das kaum noch jemand verzichten mag. Immerhin hat ein Facebook-Nutzer durchschnittlich 342 Kontakte. Und auch von den letzten Quartalszahlen können die Betreiber anderer sozialer Netzwerke nur träumen: Die Zahlen vom letzten Oktober zeigen einen Umsatz von cirka einer Milliarde US-Dollar. Der Umsatz pro Nutzer stieg auf beachtliche 2,40 US-Dollar.

Die finanziellen Erwartungen, die sich aus dem Börsengang von Facebook im Mai 2012 ergaben, trugen ihren Teil dazu bei, dass Zuckerberg eine neue Strategie formulierte, mit der er die dominante Position von Facebook nicht nur verteidigen, sondern ausbauen wollte. Dabei sollten Unternehmen zukünftig bessere Möglichkeiten bekommen, sich im „Datenparadies Facebook“ zu präsentieren und in Kontakt mit ihren Kunden zu treten. Den privaten Nutzern sollte im Gegenzug ein besseres Gesamterlebnis geboten werden. Keine Zeit für Spielchen also. Time for Business.

Facebook und das Mobile-App-Network

Heute nutzt bereits mehr als ein Drittel der knapp 1,4 Milliarden Nutzer Facebook auf dem Smartphone oder dem Tablet. Tendenz steigend. Dem Trend der mobilen Internetnutzung folgend, entschlossen sich die Kalifornier dazu, zu der mobilen Facebook-App eine Flotte weiterer spezialisierter Apps ins Produkt-Portfolio aufzunehmen, die man entweder selbst entwickeln oder einkaufen würde. Das nötige Kleingeld hatte man durch das gut angelaufene Anzeigengeschäft mittlerweile erwirtschaftet.

Los ging es mit der Messenger-App und der Seitenmanager-App. Darüber hinaus sicherte sich Facebook 2012 die beliebte Foto-App Instagram mit ihren damals bereits 40 Millionen aktiven Nutzern – und der Option für Unternehmen, ihre Kunden mittels Fotos oder Videos und einem originellen Storytelling besser zu erreichen. Die Instagram-Apps Hyperlapse (Zeitraffer) und Bolt (Messenger) erweitern diese Möglichkeiten noch. Seitdem kann sich Facebook über das stetig wachsende Instagram freuen –  nur Tumblr wuchs 2014 noch schneller.

WhatsApp und Co.

Messenger-Apps gehören zu den beliebtesten Mobile-App-Kategorien – nach E-Mail- und Wetter-Apps – und sind meist vorinstalliert. Mark Zuckerberg hatte mit dem Facebook-Messenger bereits ein Produkt für diesen Bereich, das funktionierte und weiterentwickelt werden sollte. Um das immer wichtiger werdende Thema zeitnah auszubauen, kaufte er im Frühjahr 2014 für 19 Milliarden US-Dollar WhatsApp.

Dieser Schritt machte Facebooks Mobile-App-Strategie langsam für alle transparent. WhatsApp hatte die SMS zu diesem Zeitpunkt bereits bei vielen Smartphone-Nutzern abgelöst. Facebook Messenger mit rund einer halbe Milliarde aktiver Nutzer pro Monat soll vor allem Märkte wie die USA bedienen, in denen WhatsApp nicht so weit verbreitet ist.

Die Facebook-App Slingshot ist nach dem Vorbild der Foto-Messenger-App Snapchat gebaut, konnte ihren Mega-Erfolg aber nicht erreichen. (Screenshot: sling.me)
Die Facebook-App Slingshot ist nach dem Vorbild der Foto-Messenger-App Snapchat gebaut, konnte ihren Mega-Erfolg aber nicht erreichen. (Screenshot: sling.me)

Teil dieser App-Strategie ist es, nicht nur bestehende Selbstläufer ins Portfolio zu integrieren, sondern auch mit neuen Themenfeldern zu experimentieren. Allein 2014 erschienen mit Paper, Slingshot, Mentions, Rooms und Groups fünf neue Apps.

Paper

Paper ist ein Social Reader, der seit Frühjahr 2014 und bislang nur in Amerika verfügbar ist. Die App funktioniert nicht nur als News-Reader, sondern auch als Standard-Facebook-App.

Slingshot

Die weltweit gefeierte Messenger-App Snapchat galt als Vorbild für Slingshot. Anders als bei Snapchat muss man erst ein Foto zurücksenden, bevor man ein erhaltenes Foto anschauen kann. Ein Hype um Slingshot stellte sich allerdings nicht ein.

Mentions

Die als Promi-App bekannt gewordene Facebook-App Mentions richtet sich an Personen des öffentlichen Lebens, deren Account Facebook bereits verifiziert hat. Schauspieler, Musiker, Politiker, Sportler und viele mehr bekommen hier einen Überblick über die Konversationen, in denen es entweder um sie oder um die sogenannten Trending Topics geht.

Mit der App Rooms können Unternehmen virtuelle Räume einrichten, in die sie auch Nicht-Facebook-User einladen können, etwa um exklusive Informationen mit Markenbotschaftern zu teilen. (Screenshot: rooms.me)
Mit der App Rooms können Unternehmen virtuelle Räume einrichten, in die sie auch Nicht-Facebook-User einladen können, etwa um exklusive Informationen mit Markenbotschaftern zu teilen. (Screenshot: rooms.me)

Rooms

Seit November 2014 gibt es in Deutschland Rooms, die erste App, die komplett vom Rest des Facebook-Universums abgekapselt ist. Mit ihr lassen sich Diskussionsräume erstellen und freigeben. Eine Einladung dazu erfordert weder einen Facebook-Account noch eine E-Mail-Adresse. Die App steht noch ganz am Anfang, könnte aber für Unternehmen interessant werden, die exklusive Informationen verteilen möchten.

Groups

Ende 2014 nutzten 650 Millionen Menschen weltweit die Gruppenfunktion bei Facebook. Um den Zugriff zu erleichtern, entwickelte man die App Groups, über die man per Smartphone in Gruppen interagieren oder sie administrieren kann. Unternehmen können Gruppen nutzen, um etwa Heavy User ihrer Community vorab zu kontaktieren und als Markenbotschafter aufzubauen. Zudem eignen sich Groups als Diskussionsforen für Events.

Links und Literatur

  1. Facebook-Studie
  2. Die Quartalszahlen
  3. Social Network Apps
  4. Beliebteste Apps
  5. Promi-App Mentions
  6. Allfacebook über Rooms
  7. Facebook Groups App
  8. Groups für's Marketing
  9. Foot Locker auf Instragram
  10. Lufthansa auf Instagram
  11. Facebook-Manager David Marcus
  12. Facebook-Videos boomen

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1 Reaktionen
JeanetteDuester
JeanetteDuester

Sehr interessanter Artikel. Ich bin beeindruckt, wie Facebook über die Jahre immer wieder seine Strategie/ sein Geschäftsmodell ändert.

Man sieht es auch an Beispielen wie Amazon oder Google, die ganz großen sind die, die sich immer wieder neu erfinden und keine Angst vor komplett neuen Tätigkeitsfeldern haben.

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