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Zu Besuch beim IKEA der Zukunft: Wie 99chairs den E-Commerce umräumt

Zu Besuch beim IKEA der Zukunft: Wie 99chairs den E-Commerce umräumt

Ein Samstag bei IKEA, für viele ist das die Hölle. Stressfreier und vor allem individueller zur möblierten Wohnung soll man mit 99chairs kommen. Das E-Commerce-Startup will den Curated-Shopping-Trend auch für Möbel adaptieren. Wir haben die Gründer in Berlin besucht und festgestellt: Um das IKEA der Zukunft zu bauen, muss man selbst nicht schön eingerichtet sein.

Zu Besuch beim IKEA der Zukunft: Wie 99chairs den E-Commerce umräumt

(Foto: © Michael Hübner)

99chairs, ein E-Commerce-Startup auf Europaletten

Die erste Frage, die man Frank Stegert und Julian Riedelsheimer beim Gespräch auf ihrer als Sitzgelegenheit umfunktionierten Europalette stellen muss, ist die: „Wann wart ihr eigentlich das letzte Mal bei IKEA?“ Die Frage ist absolut berechtigt, denn den für ein Gründerquartier in Berlin-Mitte so typischen Kitsch sucht man in ihrem spartanisch eingerichteten Büro vergeblich. Bis auf eine Handvoll Skizzen und Architektur-Zeitschriften, die an den Wänden kleben, sieht es aus, als seien Stegert, Riedelsheimer und ihre Mitarbeiter erst gestern Nacht eingezogen.

Die 99chairs-Gründer im Gespräch mit t3n-Redakteur Daniel Hüfner. (Foto: Michael Hübner)
Die 99chairs-Gründer im Gespräch mit t3n-Redakteur Daniel Hüfner. (Foto: Michael Hübner)

Die Räume wirken mit ihrer nackten Raufasertapete extrem kühl, überall wimmelt es von Kabeln und auf den hastig aneinander gereihten Schreibtischen stehen oft nicht mehr als ein paar Wasserflaschen und MacBooks. Die Antworten von Stegert und Riedelsheimer fallen demzufolge nicht überraschend aus: „Bei IKEA war ich zuletzt vor ein paar Monaten, aber wirklich nur für den üblichen Kleinkram“, sagt Stegert. „Ewig her“, wirft Riedelsheimer ein, „ich kaufe alles nur noch online“. Vielleicht liegt das daran, dass beide genauso wenig Zeit und Lust haben, das blaue Möbelhaus aufzusuchen wie ihre Kunden, die sie seit einigen Monaten mit ihrer Idee beglücken wollen. Willkommen bei 99chairs, dem IKEA der Zukunft.

Mit wenigen Klicks zur möblierten Butze

IKEA der Zukunft, das heißt in diesem Fall: na klar, , der allerdings soll viel mehr bieten als bloß eine Website, einen Bestellknopf und die Lieferung frei Haus. Bei 99chairs hat man ein Geschäft aus einer Servicelücke geschneidert, die bei praktisch jedem der unzähligen Möbelfachgeschäfte vorherrscht: eine schlüsselfertige, aber individuell auf jeden Kunden zugeschnittene Wohnungseinrichtung, konzipiert von Profis. Nichts von der Stange.

Zwar bieten neben Möbeldomänen wie IKEA inzwischen auch viele Online-Anbieter wie Home24 oder Westwing ein riesiges Angebot mit daran angeschlossenen Dienstleistungen wie Lieferung und Montage an. Wie die einzelnen Möbelstücke aber im Detail aussehen und ob sie am Ende überhaupt eine in sich stimmige und geschmackvolle Einrichtung ergeben, wissen Besteller vorher nicht. Mit der Idee von Stegert und Riedelsheimer soll sich das ändern.

99chairs versteht sich dabei als kuratierter Shoppingdienst für den Möbelkauf im Internet. Bedeutet: Kunden kaufen beim Startup nicht bloß ein oder mehrere Möbelstücke, sondern werden nach einer individuellen Beratung mit einer Auswahl an passenden Einrichtungsgegenständen beliefert, wahlweise für ein einzelnes Zimmer oder die gesamte Wohnung. Die Möbel stammen vorwiegend von etablierten Möbelshops, die mit 99chairs zusammenarbeiten.

Im Büro von 99chairs sucht man Startup-Kitsch vergeblich. (Foto: Michael Hübner)
Im Büro von 99chairs sucht man Startup-Kitsch vergeblich. (Foto: Michael Hübner)

Registriert man sich auf der Website, füllt man zunächst einen standardisierten Fragebogen aus und gibt mehrere Variablen an – zum Beispiel den gewünschten Wohnstil („klassisch“, „skandinavisch“ oder „rustikal“), die bevorzugten Materialien (Holz, Glas oder Beton), und natürlich müssen auch Fragen zu Stoffen und Farbtönen beantwortet werden, die einmal die eigene Wohnung zieren sollen. Anschließend gibt es ein telefonisches Beratungsgespräch mit einem der von 99chairs beschäftigten Innenarchitekten, die basierend auf den gemachten Angaben ein individuelles Wohnkonzept ausarbeiten. Erst dann erfolgen Bestellung und Versand. Was gefällt, behält und bezahlt man, der Rest wird retourniert.

„Outfittery kannten wir natürlich schon“

Wer jetzt denkt: Moment mal, das habe ich doch irgendwo schon mal in einer ähnlichen Form bei anderen gesehen, irrt nicht. „Konzepte wie beispielsweise Outfittery kannten wir natürlich schon“, geben Stegert und Riedelsheimer zu. Verübeln kann man ihnen das freilich nicht. Immerhin hat sich „Curated Shopping“, so die Bezeichnung des Konzepts in der Branche, vor allem beim Versand von Kleidungsstücken bewährt.

Allein Outfittery konnte in nur zwei Jahren über 100.000 Kunden gewinnen und erzielt nach Hochrechnungen schon Umsätze von bis zu 25 Millionen Euro. Dementsprechend stellte sich für Stegert und Riedelsheimer die Frage: Warum das Prinzip nicht auch für Möbel und Wohnaccessoires erfolgreich machen? Beide sind äußerst zuversichtlich, wenn man sie nach dem Marktpotenzial fragt. „Grob schätzen wir das Marktvolumen allein für das Online-Geschäft mit Möbeln auf rund eine Milliarde Euro“, sagen die 26-jährigen Gründer.

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2 Antworten
  1. von Siguard L. am 07.09.2015 (14:30 Uhr)

    Ich habe es soeben ausprobiert, und muss sagen es gefällt mir nicht und ich musste beim ausprobieren schon sehr darauf achten die Seite nicht sofort zu schließen.

    Wenn ich endlos viele Formulare( In diesem Fall Bilder Klicken, und Formularfelder) ausfüllen möchte gehe ich zu einem Amt.

    Es macht mir keinen Spaß weil man gefühlt nicht zu irgendeinen Ergebnis kommt. Für mich ist es nur bekannte Outfitery-System in Möbeln gepresst, keinerlei Innovation, kein Seitenbesuch mit Aha-Erlebnis.

    Oder besser warum ich gerne bei in Klassischen Shop-Kaufe? Weil ich dort Produkte sehe und direkt was erwerben kann.

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  2. von Mikka am 08.09.2015 (12:39 Uhr)

    Das Design der Seite ist ja noch in Ordnung aber die Funktionalität absolut nicht zeitgmäß. Zuerst soll ich 1000 Dinge anklicken und werde als Resultat mit einem Anmeldeformular konfrontiert???? Und damit will man (irgendwann mal) Geld verdienen? ... kann ich mir nicht vorstellen.

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