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Amazon Prime Air: Warum die Technik Amazons Drohnen-Plänen (noch) einen Strich durch die Rechnung macht

Amazon Prime Air: Warum die Technik Amazons Drohnen-Plänen (noch) einen Strich durch die Rechnung macht

Drohnen in der Luft, die Amazons Paketzusteller ersetzen sollen? Ein paar Videoaufnahmen von gelben Octocoptern und die Botschaft, dass die Luftfahrtbehörde an einer Gesetzesänderung arbeitet: Fertig ist Air, fertig ist das Weihnachtsmarketing. Doch ist die Technik überhaupt schon so weit?

Amazon Prime Air: Warum die Technik Amazons Drohnen-Plänen (noch) einen Strich durch die Rechnung macht

Amazon Prime Air. (Screenshot: YouTube)

Amazon Prime Air: Ist die Drohnen-Steuerung schon so weit?

Was Amazon-Chef Bezos verspricht, klingt auf den ersten Blick beeindruckend: Mini-Drohnen sollen kleinere Bestellungen bis zu einem Gewicht von 2,5 Kilogramm binnen 30 Minuten ausliefern – das Ganze heißt dann Amazon Prime Air. Doch bevor wir uns der schönen Vorstellung hingeben, sollten wir uns fragen, was nötig ist, damit eine überhaupt autonom die Paketzustellung realisieren kann.

Zwei Konzepte sind denkbar: vollautonomer Flug und Fernsteuerung durch einen Menschen. Zuerst könnten wir schauen, was State of the Art in der autonomen Steuerung von Drohnen ist. Die ETH Zürich dürfte wohl mit an der Spitze der Entwicklung stehen, weshalb es sich lohnt, dort einen Blick auf die aktuellen Veröffentlichungen und Videos zu werfen.

Start und Ziel

Amazon Prime Air: Die Acht-Kilometer-Flugzone um das Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld. (Karte: Google Maps)
Das kleinste Problem bei der Drohnen-Lieferung sind Start- und Zieladresse. Startadresse ist das Logistikzentrum, das beispielsweise in Bad Hersfeld an der Autobahn liegt. Der 16-Kilometer-Flugradius muss ja für Hin- und Rückweg ausreichen, weshalb er auf effektiv acht Kilometer zusammenschmilzt. Damit dürfte man in dieser Region vielleicht ein paar hundert Menschen erreichen.

Die Zieladresse ist Amazon bekannt, und so weiß die Drohne zumindest, in welche Richtung sie losfliegen soll.

Die Drohne unterwegs: Wo lang fliegen?

Das größte Problem bei autonomen Vehikeln (UAV) ist eigentlich, dass sie ziemlich dumm sind. Sie können komplexe Situationen nicht einfach einschätzen und eine Lösung präsentieren. Ein Flug von A nach B ist aber eine extrem komplexe Situation. Als Beispiel könnte man die Mercedes S-Klasse mit ihrer autonomen Fahrt von auf den Spuren von Bertha Benz nutzen, um das Problem zu verdeutlichen.

Die Strecke wurde vorab extrem detailreich vermessen, jede Ampel war auf den Zentimeter genau kartiert, Häuserecken, Ampelmasten, Schilder – alles diente zur Eigenortung des Fahrzeugs, das aber selbst noch mit einer Vielzahl an Sensoren ausgestattet war. Das Stichwort lautet hier „SLAM“ (Synchronous Location and Mapping). Ein autonom fahrendes Fahrzeug, das im Falle eines PKW nur zweidimensional (also in der Ebene) agieren muss, benötigt detaillierteste Informationen über die eigene Position.

GPS absolut nicht ausreichend

Die Positionsinformationen, die durch Eigenortung über ein Globales Navigationssystem zu beziehen sind, reichen in ihrer Qualität überhaupt nicht aus, um eine autonome Navigation in einer Stadt (wo die Menschen ja wohnen) zu realisieren. In den Videos der ETH Zürich sind aus diesem Grund auch immer Infrarotkameras zu sehen, welche die weißen Punkte an der Drohne tracken. Somit sind Ort und Lage jederzeit bekannt, und die Drohne kann ihre Position regeln. Wie schwer es trotzdem ist, zeigt dieses Video der ETH Zürich:

Ist das Umfeld nicht bekannt und statisch, sind Sensoren nötig

Hätte Amazon das Problem gelöst, dass der Konzern exakt weiß, wo die Drohne sich befindet (wobei GPS nicht als exakt zu werten ist), hat er noch das Problem, dass er nicht allein in einer statischen Umgebung unterwegs ist. Selbst wenn Amazon Jahre investiert und eine 3D-Kartierung des gesamten Liefergebiets vornimmt – es ist nicht statisch. Die Welt ändert sich. Baustellen entstehen, Gerüste an Häusern, Fahnenmasten, Freileitungen, Bäume, die Jahreszeiten, Hochhäuser, Baukräne – und schließlich muss man irgendwo landen, man muss auf den Boden finden.

Eine Kartierung und anschließende fixe Navigation von Start zu Ziel (Offline) ist für diesen Anwendungszweck absolut keine Möglichkeit.

Die Drohne benötigt Sensoren – und die benötigen Strom

Für den tatsächlichen Einsatz benötigt eine Drohne Sensoren – eine Menge Sensoren, wie auch der Artikel „Autonomous Exploration in Unknown Urban Environments for Unmanned Aerial Vehicles“ von David Hyunchul Shim und Hoam Chung zeigt. Für die detailreiche Erkennung von Hindernissen ist mindestens ein Laserscanner nötig. Die Verarbeitung der Daten muss in Echtzeit auf der Drohne geschehen. Eventuell ist sogar Videosensorik notwendig, um Hindernisse zweifelsfrei zu erkennen. Datenschützer wären die ersten, die mit dem Luftgewehr am Straßenrand stehen würden.

Die Verarbeitung der Umfeldsensordaten, die Pfadplanung um die Hindernisse herum sowie die Regelung der Drohne benötigen alleine schon mehr Energie, als derzeit mobil in diesem Maßstab in der Luft unterwegs sein kann. In aktuellen Veröffentlichungen zur Pfadplanung ist von Intel-Core i7-870 Prozessoren die Rede, welche die Pfadplanung in Echtzeit übernehmen können. Das muss mit in die Luft! Die Acht-Kilometer-Reichweite schmilzt zusammen auf ein nicht mehr nutzbares Einzugsgebiet.

Selbst wenn alle technischen Probleme gelöst wären, gäbe es immer noch das Problem der Haftung. Auf dieser Stelle tritt die Automobilindustrie schon seit Jahren – und es ist auf juristischer Ebene noch keine Lösung gefunden.

Einzige Möglichkeit für Amazon Prime Air: Ferngesteuerte Drohnen

Es gäbe noch die Variante, dass die Drohne von einem Menschen „teleoperiert“ wird, wie man so schön sagt. Dabei muss das Live-Videobild aber in Echtzeit zum Steuerungsrechner übertragen werden – und die vom Menschen erzeugten Steuerbefehle wieder zurück an die Drohne. Dabei ist davon auszugehen, dass die Video- und Datenübertragung nicht wie beim US-Militär über Satelliten geschehen wird, sondern über das normale Mobilfunknetz. An dieser Stelle darf man nicht den Fehler machen und laut rufen: „Die AR.Drone kann ich auch über WLAN steuern!“ Funkverbindung besteht in dem Fall direkt zwischen AR.Drone und Smartphone, die Latenz ist relativ gering.

Bei der Übertragung über Mobilfunk und Internet – jeweils hin und zurück – ist mit erheblicher Latenz zu rechnen – von der realisierbaren Datenqualität mal ganz abgesehen. Ich selbst habe von 2010 bis 2012 in einem Projekt zur Echtzeitsteuerung über das Internet gearbeitet und auch wir konnten die nötige Latenz nicht garantieren. Wenn ein YouTube-Video mal stockt, ist das ärgerlich. Wenn eine Drohne keine Steuerbefehle bekommt, wird es gefährlich.

Das Schlimmste Szenario für eine Regelung ist die Totzeit, die sich auch einer verzögerten Übertragung ergibt. Ist sie noch dynamisch, kann kaum ein Flug garantiert werden. Als einfaches Experiment zu Hause kann man sich einen Besenstiel auf den Finger stellen und ihn aufrecht balancieren. Der Besenstiel ist die Drohne, die geflogen werden soll. Nun fliegt diese Drohne in ein Funkloch, beispielsweise Abschattung durch ein Gebäude oder eben einfach nur Edge statt 3G oder LTE. Um das zu Haus zu simulieren, einfach die Augen von jemandem zuhalten lassen und abwarten, was mit dem Besenstiel passiert.

Fazit: 99 Prozent Marketing, ein Prozent Innovation

Das eine Prozent Innovation rechne ich, weil die Äußerungen des Amazon-CEO dazu geführt haben, dass du jetzt diesen Artikel gelesen hast und vielleicht eine gute Idee hast, wie man die angesprochenen Probleme lösen könnte! Denn das Amazon Prime Air eine gute Idee ist, bestreitet niemand.

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22 Antworten
  1. von Mario am 02.12.2013 (14:21 Uhr)

    Danke Paul!

    Endlich mal ein Artikel, der sich fundiert mit dem Thema auseinandersetzt.
    Auch das Fazit ist absolut treffend.

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  2. von Jan am 02.12.2013 (14:28 Uhr)

    Bei uns im Büro war es auch direkt Gesprächsthema Nummer 1 und wir haben direkt ähnlich viele Fragezeichen gefunden. Toll, dass Du alles noch einmal zusammen gefasst hast :)

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  3. von Stan am 02.12.2013 (15:07 Uhr)

    Ich denke, man kann UAV's absolut nicht mit autonomen Kraftfahrzeugen vergleichen, denn so viel Verkehr hat man am Himmel nun auch (noch) nicht.

    Baustellen? Für die Luftschlösser?

    Ebenso denke ich, dass man mit dem nötigen Kleingeld durchaus in der Lage ist, Ein stabiles Kommunikationsnetz zu bilden, denn Amazon plant sicher nicht, die dronen via Google's Push API, IRC oder Webserver zu steuern.

    Dieser Artikel liest sich beinahe so, als würde der Author davon ausgehen, die Dronen müssten am Straßenverkehr teilnehmen, deswegen hier nochmals die erklärung:

    UAV: unmanned AIR vehicle


    GPS - Zentimetergenau:
    http://swift-nav.com/piksi.html

    Zookal starts “world first” delivery-by-drone service in Sydney:
    http://pando.com/2013/10/14/zookal-starts-world-first-delivery-by-drone-service-in-sydney/

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  4. von tgoehlert am 02.12.2013 (15:19 Uhr)

    GPS nicht genau genug? für was?

    Versuchst du des weiteren auszudrücken, dass es derzeit noch keine Technik gibt, um U(X)V's fern zu steuern?

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  5. von Kian am 02.12.2013 (15:23 Uhr)

    Ganz so negativ würde ich sag Ganze nun auch nicht sehen, denn:

    1. Die Drohnen machen natürlich nur in den Gebieten Sinn in denen jetzt auch schon Google Same Day Delivery anbietet (was übrigens selbst wochenlang getestet super funktioniert), also Ballungsgebiete wie San Francisco oder Manhattan oder Ähnliches, dort ist die Reichweite von 8km kein Problem normalerweise

    2. Ich habe selber eine Drone und es macht gar keinen Sinn mühsam durch Häuserschluchten zu fliegen, da die Drohnen ziemlich hoch fliegen können würde man aus meiner Sicht viel sinnvoller einfach auf ein paar hunder Meter Höhe steigen, auf schnurgeradem Weg zum Ziel fliegen und dann dort passend landen. So könnte man sogar ggf. die Landung noch per Hand machen, da die gesamte Flugstrecke der Flug autonom passieren könnte.

    Sicherlich habt Ihr Recht und es ist keine Technik für den Massenmarkt, aber in Afrika werden die Drohnen ja schon für Medizinlieferungen erfolgreich eingesetzt.

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  6. von tpk am 02.12.2013 (15:29 Uhr)

    Und jetzt mal kurz angenommen, die Technik wäre nicht das Problem und so ne Drohne könnte 100km fliegen. Das würde immer noch das Geschäftsmodell von Amazon komplett auf den Kopf stellen. Amazon lebt schließlich davon, dass in einem großen Land wie Deutschland wieviele Logistikcentren das Geschäft abwickeln? 2 oder 3 oder 10? Selbst mit dem Radius von 50 km wären schlagartig zig Centren notwendig, da wären wir ja wieder beim Einzelhandel zurück ...

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  7. von tgoehlert am 02.12.2013 (15:31 Uhr)

    UAV: unmanned AIR vehicle


    Und warum sollte Amazon sich gedanken um Baustellen machen? Luftschlösser? :D

    Nein, im ernst.. Da sitzen wirklich schlaue Leute dahinter. Es gibt schon diverse Feldversuche und spätestens das Militär zeigt uns, dass man Drohnen durchaus über eine längere Distanz fernsteuern kann. Eventuell habt ihr damals für euer Projekt einfach nur die falschen Hilfsmittel / übertragungswege gewählt.


    GPS - Zentimetergenau:
    http://swift-nav.com/piksi.html

    Zookal starts “world first” delivery-by-drone service in Sydney:
    http://pando.com/2013/10/14/zookal-starts-world-first-delivery-by-drone-service-in-sydney/

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  8. von tgoehlert am 02.12.2013 (16:39 Uhr)

    Versteht mich bitte nicht falsch. Amazon wird ganz sicher keine UAV's verwenden, um Pakete 8km weit zu liefern. Aber die forschung auf diesem Gebiet ist erstaunlich und entwickelt sich rasend schnell. Es gibt schon Sinnvolle Einsatzgebiete für UAV's, diese sind aber sicherlich nicht in Großstädten bei Lieferdiensten zu finden. Ich denke nur, dass gerade in verbindung mit den "City Sense" versuchen ein solches szenario heute schon technologisch umsetzbar wäre. Das problem mit dem autonomen fliegen wird in den nächsten 2 bis 3 jahren zu lösen sein. Nun kommt es hier, genau wie in vielen anderen Gebieten, auf die Entwicklung im Gebiet "Energy harvesting" sowie Energiespeicher an (Bis 2015 sollen die 50% marke bei der effizienz von Solarzellen geknackt werden). Ich meine auch, dass man einen Copter nicht mit einem Auto vergleichen sollte, wenn es um autonomes handeln geht, da die unterschiedlichen Anforderungen zu groß sind. Ein Auto kann nun mal nicht nach oben oder unten ausweichen, ist im normalfall schwerer und muss zudem noch mit anderen verkehrsteilnehmern interagieren (oder halt die direkte "interaktion" vermeiden ;)

    Desweiteren ist es selbst für Amateuere/Laien/Hobbyisten, so wie ich es einer bin, ohne viel Geld/Wissen möglich, eine 8 Kanal Audio/Video Verbindung via Funk (Bereich 500 - 800 Mhz) zu realisieren, die ohne weiteres 1 - 1,5 Km zulässt.



    Vergesst nicht das wir einen Rover auf dem Mars steuern können.

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  9. von Paul Balzer am 02.12.2013 (20:18 Uhr)

    Hallo Tino,

    falls du mal kurz auf die Piksi Webseite schaust:
    http://docs.swift-nav.com/wiki/File:Console_solution_view.png
    So sieht eine Positionsmessung mit einem GPS aus. Die HDOP steht dort auf 17m mit 6 Satelliten. Wenn du zwischen Häusern landest, kannst du hoffen, dass du 3 Satelliten siehst.

    Zookal ist ein Startup, was Investorengelder einsammeln möchte. Mehr als das Video und die aufgeschnappte PR Meldung von der Webseite sowie ein Video, was eine Drohne starten zeigt, ist da auch nicht. Selbe PR Nummer wie Amazon jetzt.

    Dein dritter Kommentar ließt sich ja nun wieder ganz anders.

    Aber auch dazu: Wenn man in 3D einem Objekt ausweichen möchte, ist der rechentechnische Aufwand für die Trajektorienberechnung wesentlich höher.

    Die von dir beschriebene Funkstrecke ist natürlich realisierbar. Ich kann sogar mehrere HD Sender kilometerweit über DVB-T übertragen, alles kein Problem. Die Frage ist: Wie lange dauert das kodieren/dekodieren. Hier kommt die beschriebene Totzeit in's Spiel.

    Du kannst ja mal versuchen mit deiner Videofunkstrecke den Besen, den du auf dem Finger balancierst zu filmen und das zu übertragen. Dann schaust du nur auf den Empfangsbildschirm und balancierst den Besen. Mag vielleicht noch klappen, aber spätestens wenn du mit dem Empfänger hinter einem Haus verschwindest oder über mehrere Transceiver verteilen musst, dauert es einfach zu lange und der Besen ist nicht zu balancieren.

    Der Rover auf dem Mars ist nun wirklich das schlechteste Beispiel, denn der schleppt unzählige Sensoren mit um dort autonom navigieren zu können: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Curiosity-Es-gibt-keinen-Joystick-fuer-den-Mars-Rover-1748020.html

    Viele Grüße

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  10. von Technik und Fortschritt am 03.12.2013 (00:08 Uhr)

    Es gab hier doch einen Bericht über Drohnen-Belieferung in Australien. Die hatten wohl nicht mal eine Kamera für die Kollisions-Vermeidung:
    t3n.de/news/zookal-drohnen-liefererung-501892/

    Davon abgesehen kann man die Gebiete kartographieren jedes mal wenn man dort langfliegt oder mit dem Amazon-LKW langfährt.

    Und das die LKW als Mutterschiffe dienen wo in 2 Sekunden der Akku gewechselt wird um das nächste Paket oder Döner zu liefern sollte klar sein. Viele Akkus, einige Copter, viele Döner. Wobei die Akkus vielleicht mehr kosten als die Copter.

    Wer was will, findet Wege, wer was nicht will, findet Gründe.
    Ein guter Informatiker überlegt, wie man ohne Budget mit vorhandenem Material Amazons Plan so nah wie möglich kommt oder sogar übertrifft.
    Technik-Verhinderer gibts schon genug.
    Was ist besser ? Ein Postbote der an 50 Wohungen in der Plattenbausiedlung klingelt und Pakete liefert oder Copter-QR-Codes an den Balkons ? Amazon liefert die Aufkleber kostenlos und die Copter sehen und wissen und merken sich wo welche QR-Codes sind.

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  11. von Pingu am 03.12.2013 (08:45 Uhr)

    Ein vermeintlich fundierter Artikel, leider nicht ganz auf dem aktuellen Stand der Technik. Praktisch (fast) alle in diesem Artikel benannten Probleme sind mehr oder weniger gelöst bzw. werden bis 2015 gelöst sein.

    Ich glaube selber nicht an die technische Umsetzung von Amazon, weil meiner Meinung nach die (technischen) Probleme ganz woanders liegen, als wie sie hier im Artikel benannt sind.

    Einige Themen kurz angesprochen:
    — GPS
    Mit GPS lässt sich inzwischen sehr wohl auf unter 1 Meter genau positionieren. Das Thema hier ist Referenzpunkt und ähnliche Themen.
    GLONASS hingegen ist zurzeit für Positionierung noch nicht verwendbar. Hier gibt es noch Abweichungen im Bereich von mehreren 10 Metern. Die Russen haben die Laufbahnen für ihre Satelliten noch nicht ganz im Griff. Ich denke mal, auch bei Galileo werden diese Probleme in den ersten Jahren auftreten. Bis also Galileo cm-Genau nutzbar sein wird, werden noch einige Jahre ins Land gehen.
    Aber das ist alles kein Problem, denn GPS reicht vollkommen mit entsprechender zusätzlicher Sensorik (Gyro, …) und mit Hilfe von Referenzpunkten. Hiermit lassen sich inzwischen sogar einige Minuten schlechter GPS-Empfang überbrücken, ohne groß an Genauigkeit zu verlieren.

    — Objekterkennung
    Laserscanner macht keiner mehr. Laserscanner war eine Überbrückungstechnologie, wie die Mustererkennung noch nicht so weit war. Alle aktuellen Oberklassefahrzeuge haben heute entsprechend aufwändige Erkennungstechnologien an Board und keiner hat mehr Laserscanner. Die autonomen Google-Fahrzeuge sind übrigens Stand der Technik vom letzten Jahrhundert bei diesem Thema. Wir sind in der Fahrzeugtechnik wesentlich weiter.
    Auch wird dafür kein Intel i7 oder ähnliches eingesetzt. Wer das macht, hat wirklich keine Ahnung. Dafür werden spezielle FPGAs eingesetzt, wo man viele die Algorithmen viel optimaler parallelisieren kann (ähnlich den Prozessoren in den Grafikkarten).

    — Streckenplanung
    Die Streckenplanung wird nicht komplett autonom gemacht. Sie wird auch nicht komplett ferngesteuert gemacht. Es ist eine Kombination aus beidem. Das Thema haben wir aktuell auch bei der Car2Car-Kommunikation, wo ich dabei bin einige Themen technisch umzusetzen.
    Ähnlich wie in der Car2Car-Kommunikation ist es zusätzlich sinnvoll, wenn sich die Drohnen auch untereinander unterhalten, was wiederum ein Vorteil für die Positions- und Objekterkennung ist, denn Meldungen können hier über ein Mesh-Netzwerk weitergeleitet werden. Aktuell darf 802.11p zwar nur für Automotive (Car2Car) eingesetzt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass es noch erweitert werden kann, nachdem was ich bisher gesehen habe.

    — Energiemenge
    Auch wenn die Akku-Technologien noch ihre Probleme haben, ich denke, dass bis in 2015/16 einige Probleme zumindest so weit gelöst sind, dass die angesprochenen 30min Flugzeit kein Problem sein sollten. Hier könnte ich mir auch eine Steigerung um auf 1h vorstellen, auch unter Berücksichtigung des Energiebedarfs der oben genannten Elektroniken.


    Wirkliche Probleme sehe ich ganz woanders:
    — Soll die Drohne klingeln oder wie soll die Übergabe geschehen?
    Dieses Problem kann man meiner Meinung nach aktuell nur mit Strukturen wie den DHL-Packstationen lösen.

    — Rechtliche Dinge
    Dies sind die Gründe warum es sobald keine autonomen Fahrzeuge (Ausnahme: Sonderprojekte) auf deutschen Straßen geben wird, zumindest nicht vor 2020 oder gar vor 2025.

    Gruß
    Thilo

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  12. von tgoehlert am 03.12.2013 (08:56 Uhr)

    Ziel ist es doch eigentlich, dass der Copter den Besen autonom balanciert. Das Beispiel mit dem Rover kann ich so gar nicht unterschreiben, da wir hier 5 bis 10 Jahre in die Zukunft denken müssen. Schau dir doch mal den heutigen stand auf diesem Feld an und vergleiche diesen mit dem Stand, den wir vor 10 Jahren hatten. Gerade in Großstätden hätten wir großes Potential, neue Netzwerke zu schaffen. Man könnte zum Beispiel ein Meshnetzwerk für Straßenlaternen etablieren. Man braucht sich nur mal Googles "Project Baloon" an. Haben wir derzeit nicht genügend Möglichkeiten, müssen wir für neue Möglichkeiten sorgen.

    Wo immer wir Bewegung gezielt beeinflussen können, haben wir einen Kommunikationsweg.

    Gibt es denn Alternative Methoden zur Kollisionserkennung, die ohne "aufwendige" 3D Objekterkennung auskommen?

    Wieviel kontrolle habe ich über das Umfeld, indem die Drohne agieren muss und den Hindernissen, die ihm im Weg sein könnten?

    Ist das erkennen von Objekten im dreidimensionalem Raum wirklich ein Problem, auch auf die nächsten 5 bis 10 Jahre gesehen (Kinect & co)?

    Mein Fazit: Gerade im Bezug auf den Zeitraum ist es durchaus technologisch umsetzbar.

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  13. von tgoehlert am 03.12.2013 (09:50 Uhr)

    Eigentlich sieht die Praxis eher so aus ;)

    http://www.youtube.com/watch?v=w2itwFJCgFQ

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  14. von Paul Balzer am 03.12.2013 (10:05 Uhr)

    Hallo Pingu,
    Sensordatenfusion ist mir bekannt, ich beschäftige mich auch damit. Kannst du z.B. auch hier nachlesen: http://www.cbcity.de/das-extended-kalman-filter-einfach-erklaert
    Mit "Referenzpunkte" meinst du Differentielles GPS oder wie?

    Laserscanner sind keine Technologie aus dem letzten Jahrhundert. Aktuelle City-Notbremsassistenten (Beispiel VW Up) haben Lidar verbaut um Objektabstände genau zu erkennen. Dass (Stereo-)Video auch geeignet wäre, habe ich erwähnt. Das man das mit FPGA machen kann stimmt, das habe ich nicht erwähnt.

    Das die Akkuprobleme gelöst sind kannst du dir seit den 1980er Jahren immer wieder anhören. Einige Pressemitteilungen, dass der "Durchbruch" geschafft sei gießen immer wieder Öl in's Feuer. Wenn du dich mal mit Professoren des Chemieingenieurwesens unterhältst, wirst du schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.


    Tino,
    das Video zeigt eine mit Markern versehene Drohne in einem abgedunkelten Raum mit Infrarotkameras an jeder Ecke. Da ist die Position auf den cm bekannt. Da kann man das machen, bestreitet niemand.
    Es geht auch nicht darum, dass man das technisch (in Laborbedingungen) nicht gelöst bekommt sondern es geht um einen Serieneinsatz! Das ist eine ganz andere Situation. Da ist eine Fehlerquote von wenigen ppm notwendig um Produkthaftung etc. zu minimieren. Das sehe ich zum aktuellen Stand der Technik in 5 Jahren nicht.

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  15. von Pingu am 03.12.2013 (11:00 Uhr)

    Das Problem der Laserscanner ist einfach die Mechanik und die dadurch verbundene Anfälligkeit und die Kosten. Mechanik wird in Zukunft durch Software ersetzt.
    Es gibt natürlich immer Ausnahmeprojekte, wo mit Technologien, auch in Stückzahlen, "gespielt" wird. Normalerweise ist das bei den OEM der BMW. Hier hat VW mal bei Up! es probiert.
    Ansonsten ist es im VAG-Konzern eindeutig, dass aktuell auf die Radartechnik gesetzt wird. Durch das Modulkonzept bei VAG glaube ich kaum, dass LIDAR weiter Verbreitung finden wird. Das ist wie FlexRay im Tuareg. Ja, es ist drin. Trotzdem, VAG macht kein FlexRay.
    Laserscanner war Ende der 90er die stabilere Technik als Radar. Inzwischen sind viele der Probleme gelöst. In nächster Zukunft wird Kameratechnik dann Radar ablösen, da Kameratechnik robuster und preisgünstiger sein wird.
    Aber das ist ein anderes Thema und hat nur bedingt mit dem eigentlich Thema zu tun.

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  16. von tgoehlert am 03.12.2013 (11:00 Uhr)

    Paul,
    Das Bild über mir (auf das ich mich übrigens bezog) zeigt einen Copter, der mithilfe einer Waschmaschine ein Haus zerstört..

    Bei der Akkuproblematik bestreitet niemand. Aber eventuell könnte man dieses Problem durch effizienteres ernten von Energie kompensieren. Und auch hier gilt: 5 oder gar 10 Jahre sind ein langer Zeitraum, wenn es um Technologie geht.

    Wie Pingu schon sagte, wird es am ende die Kombination sein, die zum Ziel führt.

    Ich persönlich kann mich mit Drohnen im Lieferbereich nicht so wirklich anfreunden, aber sehe durchaus sehr großes Potenzial in anderen Gebieten.

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  17. von nk am 04.12.2013 (00:16 Uhr)

    Ob die Drone nun nen Besenstil balancieren kann oder ein Marsrover irgendwo im staubigen Hindernis-freien Niemandsland auf Befehl paar Meter fahren kann und Steine anbohren ist doch völlig irrelevant. Das große Problem bleibt doch die letzte Meile. Bei allem anderen als Reihenhaussiedlung, was tut die Drone dort? An der Tür klingeln? In den 4. Stock fliegen und ans Badfenster klopfen? Das ist doch affig.

    Und nein, es geht nicht um Luftschlösser. Auch nicht um Häuserschluchten. Gucken Sie sich mal Fußgängerwege und Stadtsituationen genau an. Falls ich meine Lieferung nicht mit dem Fesselballon in Empfang nehmen soll, ist reichlich egal, wieviel freier Luftraum da oben gegeben ist.

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  18. von nk am 04.12.2013 (00:19 Uhr)

    Oder geht das dann so: Klingeling, Anruf von Amazon. „Ihre Drone wäre jetzt da. Gehen Sie bitte raus auf die Straße in einen Bereich mit mindestens 3 Meter freiem Umfeld und weisen sie die Drone zum Landeanflug mit Winkbewegungen und lauten Hua-Hua-Rufen ein“

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  19. von Stefan am 04.12.2013 (12:33 Uhr)

    Bezüglich der gennannten Probleme im Bereich Sensorik, Navigation, Routenplanung usw.:

    Also mal angenommen
    - ein Bereich des Luftraumes würde für Drohnen frei gehalten, zB 300 bis 350 m Höhe
    - Sperrgebiete für Flughäfen, Hochhäuser, Fernsehmasten usw sind bekannt (muss ja nicht auf cm sein)
    - Drohnen steigen und sinken bei Start und Landung gerade auf die Flughöhe
    - Kollisionen unter Drohnen können untereinander vermieden werden
    - Koordinaten des Landeplatzes sind zumindest näherungsweise bekannt.

    Dann wäre die Navigation doch schon sehr vereinfacht. Dann bliebe doch eigentlich nur noch das Problem des Landeplatzes. Den könnte der Empfänger doch einfach mittels eines Senders markieren, der bei Registrierung zu PrimeAir zugeschickt wird. Mit diesem Sender würde man dann in Erwartung des Paketes im Garten, Parkplatz, Dachterrasse, Park usw. auf die Zustellung warten.

    Bezüglich Reichweite gilt es auch zu bedenken, dass es sich natürlich nur um ein begrenztes Sortiment sowie Ballungräume handelt, die in Frage kommen. Amazon könnte also durchaus kleine PrimeAir Lieferzentren an strategisch sinnvollen Orten errichten. Warenausgänge könnten dann mit LKW-Lieferungen vom "richtigen" Logistikzentrum kompensiert werden, durchaus auch mehrmals täglich.

    Das ist jetzt vielleicht alles recht naiv gedacht, aber wenn schon so viele Experten hier kommentieren würde mich schon interessieren, wo jetzt die Probleme liegen, die noch zu lösen sind :)

    Beste Grüße

    Antworten Teilen
  20. von nk am 05.12.2013 (00:44 Uhr)

    „Dann wäre die Navigation doch schon sehr vereinfacht. Dann bliebe doch eigentlich nur noch das Problem des Landeplatzes. Den könnte der Empfänger doch einfach mittels eines Senders markieren, der bei Registrierung zu PrimeAir zugeschickt wird. Mit diesem Sender würde man dann in Erwartung des Paketes im Garten, Parkplatz, Dachterrasse, Park usw. auf die Zustellung warten.“

    Und wie genau navigiert jetzte eine Drone zwischen zwei Balkons. Senkrecht steigen fällt da ja schon mal aus. Der Sender ist zugegeben eine clevere Idee (bspw. einfach ein RFID Tag), nur markiert der erstmal nur einen Punkt, keinen Anflugvektor :)

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  21. von tgoehlert am 05.12.2013 (11:13 Uhr)

    Ich stecke in der Materie leider nicht so tief drin, aber "Anflugvektor" für ein VTOL?

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