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Analyse

Amazon kauft Whole Foods: Die Geschichte hinter dem Deal und die Zukunft der Supermarkt-Kette

Alle Hintergründe zum Amazon-Whole-Foods-Deal. (Foto: Whole Foods Market)

Wie es dazu kam, dass Amazon Whole Foods kauft und was Amazons Jeff Bezos jetzt mit der Bio-Supermarkt-Kette vor hat.

John Mackey, der gegen Gier wetternde Hippie (New York Times), der sein Gehalt und seine Stock-Options aufgegeben hat und Jeff Bezos, der milliardenschwere CEO eines schnellwachsenden Technologie- und Handelskonzerns, der Idealist und der Kapitalist – ein ungleiches Paar. Und doch hat der Whole-Foods-CEO mit Amazon vermutlich einen Wunschkandidaten für den Verkauf bekommen, denn die wesentlich schlimmere Alternative, Wall-Street-Spekulanten, standen bereits vor der Tür. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Übernahme und ein Ausblick auf ein Whole Foods unter der Ägide von Amazon.

Wie es zur Whole-Foods-Übernahme kam

2013 war die Welt für die Premium-Bio-Kette Whole Foods scheinbar noch in Ordnung. Innerhalb von gut zwei Jahrzehnten wuchs die ursprünglich zehn Filialen starke Aktiengesellschaft, die aus einem einzelnen Supermarkt aus den achtziger Jahren in Austin, Texas stammte, auf mehr als 400 Filialen an – und wollte auf über 1.200 Filialen expandieren.

Der erste Whole-Foods-Market aus den 80ern. (Foto: Whole Foods Market)

Zuerst Expansion, dann Stagnation

In Wirklichkeit sah es hinter den Kulissen aber längst nicht mehr so gut aus, wie im vorangegangenen Jahrzehnt. In den 90ern startete Walmart den Verkauf von Lebensmitteln, was eine Schockwelle in die Industrie aussandte, die dazu führte, das alle wie Walmart sein wollten: Wenig Arbeitskräfte, billige, schmucklose Einrichtung und günstige Preise für billige Lebensmittel wurden im Laufe der Jahre auf einmal State-of-the-Art.

„Whole Foods ruhte sich auf seinen Lorbeeren aus.“

Whole-Foods-Gründer Mackey schaffte es in den Folgejahren mit seinem teilweise auf biologische und teilweise auf Gourmet-Lebensmittel ausgerichteten Konzept langsam aber sicher ein Klientel zu erobern, dass er selbst nie gedacht hätte zu erreichen: die amerikanische Mittelklasse. Die mittlerweile mehr Wert auf ausgewogene Ernährung legte, als ein Walmart sie liefern konnte – und sich in den hässlichen Einkaufsbaracken der schmucklosen Discount-Ära nicht mehr wohlfühlte. Die teureren Preise in der Whole-Foods-Kette schreckten diese Kunden nicht ab.

Doch Whole Foods ruhte sich in den Jahren, die auf Walmarts Markteintritt folgten, langsam aber sicher auf seinen Lorbeeren aus. Mackey schien zu denken, der Konkurrenz weit voraus zu sein, wie er dem Magazin Texas Monthly gegenüber zugibt.

Whole-Foods-CEO John Mackey. (Foto: Whole Foods Market)

Die Konsequenz: Die Pläne mussten Anfang 2017 endgültig fallen gelassen werden, die Anzahl der Filialen ist mit 464 nicht wesentlich angestiegen und das Unternehmen ist mit rund drei Milliarden Schulden hoch verschuldet. Wer heute in einen Walmart oder Kroger, einer der anderen führenden Lebensmittel-Ketten läuft, sieht wieso: Die selben hochwertigen Lebensmittel, wenn auch nicht in der gleichen üppigen und exklusiven Auswahl, sind auch dort zu finden. Die Billigheimer haben Premium gelernt, und verkaufen zu deutlich günstigeren Preisen als Whole Foods. Das kostet Kunden aus dem Mittelstand. Kroger hat Whole Foods im Bio-Segment 2016 im Umsatz überrundet.

Spekulanten treiben Whole Foods in die Enge

Es kam, wie es kommen musste, nach vorangegangenen Scharmützeln mit bereits vorhandenen Wall-Street-Investoren, geriet Whole Foods im April 2017 ins Zielvisier von Spekulanten. Während Whole-Foods-CEO Mackey am 10. April zur Tour mit seinem neuen, veganen Whole-Foods-Kochbuch startete, begann eine Investment-Firma namens Jana Partners heimlich eine Attacke und übernahm neun Prozent der Aktien. Mackey schwor öffentlich, dass die Spekulanten, die seiner Meinung nach nur auf schnelles Geld aus waren, Whole Foods nicht bekommen sollten. Noch im selben Monat schloss Mackeys Team vertrauliche Vereinbarungen mit Amazon zu dem möglichen Verkauf an Amazon ab, wie die New York Times berichtet. Die komplette Whole-Foods-Story gibt's bei Texas Monthly.

Mackey hat, wenn der Deal abgeschlossen ist, sein Ziel erreicht und die Spekulanten ferngehalten – auch wenn diese nach dem Verkauf ihrer neunprozentigen Anteile deutlich mehr Rendite gemacht haben dürften als Mackey. Der verdient laut der New York Times nur acht Millionen US-Dollar an dem Verkauf, die Spekulanten einen dreistelligen Millionen-Betrag.

Den eigenwilligen und idealistischen Mackey dürfte das zwar ärgern, aber nicht stören. Spannender für Mackey dürfte die Zukunft sein, die vor Whole Foods unter dem neuen Eigner Amazon liegt. Denn dort bieten sich völlig neue Möglichkeiten, einige davon betrachten wir im Folgenden.

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