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DuckDuckGo: „Eine Verletzung des Datenschutzes wäre unser Ruin“ [Interview]

DuckDuckGo: „Eine Verletzung des Datenschutzes wäre unser Ruin“ [Interview]

Nutzer-Tracking, personalisierte und Datenschutz sind in Zeiten der NSA-Affäre wichtige Themen – auch und gerade für . Wir haben Gabriel Weinberg getroffen, den Gründer des Google-Konkurrenten DuckDuckGo, und mit ihm über diese Themen gesprochen.

DuckDuckGo: „Eine Verletzung des Datenschutzes wäre unser Ruin“ [Interview]

DuckDuckGo – Eine Suchmaschine profitiert vom NSA-Skandal

Menschen fangen an zu verstehen, was die Aufhebung der Privatsphäre bedeutet.

Die Suchmaschine DuckDuckGo hat im letzten Jahr eine Milliarde Anfragen verarbeitet und ist kräftig gewachsen. Vor allem von der NSA-Affäre hat DuckDuckGo profitiert, da versprochen wird, alle Suchanfragen nur anonymisiert zu speichern. Wir haben mit Gabriel Weinberg von DuckDuckGo gesprochen – über Datenschutz, und personalisierte Werbung.

t3n.de: Hallo Gabriel. Wie ist es zur Idee von DuckDuckGo gekommen? Und was bedeutet eigentlich der Name?

Gabriel Weinberg: Meine erste Internet-Firma habe ich direkt nach dem College gegründet, seitdem mache ich nichts anderes. Je nachdem, wie man zählt, ist DuckDuckGo mein viertes oder zehntes Unternehmen. Ich habe also erst Erfahrung gesammelt, bevor ich hiermit angefangen habe. Zum Glück habe ich nicht direkt angefangen, eine Suchmaschine zu entwickeln, sondern erst an anderen Projekten gearbeitet. Nachdem ich das für etwa ein Jahr getan habe, hatte ich eine Idee, die für eine bessere Nutzererfahrung bei der Websuche mit weniger Spam und schnelleren Antworten sorgen könnte, sodass ich mich entschieden habe, eben diese bessere Lösung zu entwickeln und zu sehen, was passiert.

Der Name kommt von einem Kinderspiel, „Duck Duck Goose“, aber es gibt hier wirklich keine tiefgründige Bedeutung. Der Name hat auch meiner Frau gefallen, was, wie ich finde, ein guter Indikator ist.

DuckDuckGo CEO with Logo
DuckDuckGo-CEO Gabriel Weinberg. (Foto: DuckDuckGo)

t3n.de: Im Moment profitiert DuckDuckGo sehr stark von der NSA-Affäre. Glaubst Du, dass es zu einer Sensibilisierung der Nutzer kommt?

Gabriel Weinberg: Menschen fangen an zu verstehen, was die Aufhebung der Privatsphäre bedeutet und schauen sich aktiv nach Alternativen um. Auch wenn uns erst ein kleiner Prozenzsatz kennt, haben wir heute über 100 Prozent mehr Zugriffe als zu der Zeit vor den NSA-Enthüllungen.

Die Leute kommen zu uns wegen des besseren Datenschutzes und bleiben dann, weil sie eine bessere Nutzererfahrung mit weniger Spam, Werbung und besseren Suchergebnissen bekommen.

DuckDuckGo Traffic
Das Wachstum von DuckDuckGo. (Grafik: DuckDuckGo)

DuckDuckGo: „Personalisierte Ergebnisse führen in eine Filterblase“

t3n.de: DuckDuckGo sitzt in den USA, warum sollte man euch vertrauen, wo doch euer Firmensitz genau in dem Land liegt, das großflächig überwacht?

Gabriel Weinberg: Erstens sind wir gesetzlich an unsere Datenschutzbestimmungen gebunden und könnten dafür ins Gefängnis kommen, wenn wir sie willentlich verletzen. Zweitens baut unser kompletter Ruf auf diesen Datenschutzbestimmungen auf. Wenn wir sie wissentlich verletzen würden, wäre das unser Ruin. Da wir im wahren Sinne des Wortes keinerlei Nutzerdaten wie zum Beispiel IP-Adressen speichern, kann auch kein Unternehmen etwas mit unseren Daten anfangen, da sie alle wirklich anonym sind. Es gibt übrigens bei Security Stack Exchange eine gute allgemeine Diskussion zu dem Thema.

t3n.de: Google sammelt Daten, um die Suchergebnisse zu optimieren. Ist ein personalisiertes Suchergebnis für den Nutzer nicht besser?

Gabriel Weinberg: Nicht unbedingt, denn personalisierte Ergebnisse führen in eine Filterblase. (Anmerkung der Redaktion: Laut DuckDuckGo führt eine personalisierte Suche nicht zu einem informativeren, sondern nur zu einem persönlicheren Ergebnis. Durch fehlende „Neutralität“ gehen Informationen verloren. Detailliert wird das auch unter dem Link Filterblase und auf der Webseite von Gabriel beschrieben.)

Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen zeigen wir dem Nutzer nur eine einzige Werbeanzeige.

t3n.de: Wie optimiert Ihr die Suchergebnisse, ohne Daten zu sammeln?

Gabriel Weinberg: Wir speichern anonyme Suchanfragen, aber auch hier nicht personalisiert, da wir keine IP-Adressen oder eindeutige Browserkennungen speichern. Wir verwenden diese aggregierten, nicht-personenbezogenen Suchanfragen, um Dinge wie zum Beispiel Rechtschreibfehler zu verbessern.

t3n.de: Euer Geschäftsmodell baut auf Werbung auf. Trotzdem beteiligt Ihr euch aktiv am Kampf gegen Tracking-Cookies. Seid ihr dadurch nicht uninteressant für die Werbeindustrie?

Gabriel Weinberg: Es ist ein Mythos, der besagt, dass Suchmaschinen die Nutzer tracken müssen, um Geld mit der Websuche zu verdienen. Wenn du nach einem Begriff suchst, können wir Werbung nur basierend auf diesen Begriff anzeigen. Wenn du nach einem Auto suchst, zeigen wir Autowerbung an. Das braucht kein Tracking, sondern basiert auf der Suche und nicht auf der Person. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen, die dem Nutzer bis zu 15 Werbeanzeigen präsentieren, zeigen wir nur eine einzige.

t3n.de: Wie oft nutzt du Google?

Gabriel Weinberg: Meistens nutze ich Google für die Bildersuche und die Karten. Wir haben eine Funktion, die sich „Bangs“ nennt. Der „!Bang“-Befehl sucht auch direkt in anderen Suchmaschinen. Stell dir vor, du willst bei Google zum Beispiel nach Taschen suchen. In diesem Fall brauchst du bei DuckDuckGo einfach nur „!gi Taschen“ einzugeben und wir zeigen direkt die Bildersuche von Google an.

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