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Ratgeber

Diese Aussagen lassen dich im Vorstellungsgespräch als Lügner auffliegen

    Diese Aussagen lassen dich im Vorstellungsgespräch als Lügner auffliegen
Vorstellungsgespräch: Mit diesen Aussagen tust du dir keinen Gefallen. (Foto: Shutterstock)

Wer unehrlich ist, stellt ein Risiko für Arbeitgeber dar. Welche Aussagen dich im Vorstellungsgesprächen kaum vertrauenswürdig erscheinen lassen, erklärt Karriere-Coach Karin Zintz-Volbracht.

Wer von sich behauptet, er hätte keine Schwächen, lügt wie gedruckt. Doch wie können sich solche kleinen Lügen auswirken? Wir haben mit Karriere-Coach Karin Zintz-Vollbracht über Unwahrheiten im Lebenslauf und dem Vorstellungsgespräch gesprochen. Die Expertin steht uns Rede und Antwort zu Fragen wie: Wann ist eine Notlüge okay? Wie prüfen Personaler heutzutage den Wahrheitsgehalt von Aussagen? Und wie sollten Bewerber mit Schwächen und Lücken umgehen?

Lebenslauf und Vorstellungsgespräch: „Geht ehrlich mit euren Lücken und Schwachstellen um.“

Vorstellungsgespräch: „Kleine Lügen funktionieren wie ein Klebstoff.“ (Foto: Karin Zintz-Volbracht)

t3n.de: „Kleine Lügen tun nicht weh“, singt Bariton Max Raabe. Gilt das auch im Vorstellungsgespräch?

Karin Zintz-Volbracht: In ganz engen Grenzen stimmt das. Kleine Lügen funktionieren tatsächlich wie ein süßer Klebstoff zwischen Menschen. Die Psychologie hat ziemlich gut erforscht, dass Komplimente oder Schmeicheleien positive Verbundenheit schaffen und den Zusammenhalt fördern.

Doch wir leben in Zeiten von Internet und Social Media. Viele von uns haben eine digitale Chronik, die auch für andere transparent ist. Da gilt das Sprichwort: Lügen haben kurze Beine. In dem Moment, in dem die Korrektheit von Aussagen im Vorstellungsgespräch überprüfbar wird, kann auch eine kleine Lüge für den Bewerber schmerzhaft werden.

Wann denn zum Beispiel?

Wenn ich mich im Job-Interview freundlich über die Architektur des Firmengebäudes äußere und danach ein Foto des Gebäudes auf Facebook poste mit dem Text „Nicht wirklich schön, aber hoffentlich mein nächster Arbeitsplatz“, dann kann so eine kleine Klebstoff-Lüge schnell nach hinten losgehen.

Welche Notlügen sind okay?

Lügen darf man zum Beispiel bei Fragen zu Privatleben, Heiratsabsichten, sexueller Neigung oder Schwangerschaft und Kinderwunsch. Tabu ist auch die Frage nach einer Parteimitgliedschaft oder die, ob man schon mal gewerkschaftlich aktiv gewesen ist. Lügen ist außerdem beim bisherigen Einkommen erlaubt. Man darf sogar beim Alter schummeln. Fragen zu professionellen Dingen muss man jedoch wahrheitsgemäß beantworten. Dazu gehören die Themen Ausbildung, beruflicher Werdegang, Nebenbeschäftigungen, Verfügbarkeiten und Umzugsbereitschaft. Auch eine möglicherweise nicht auf den ersten Blick erkennbare Schwerbehinderung oder ein Wettbewerbsverbot für Manager dürfen nicht mit einer Lüge beantwortet werden.

Welche Aussagen lassen einen Bewerber sofort als Lügner auffliegen?

Wenn ein Bewerber auf die Frage nach möglichen Schwächen zum Beispiel so Dinge sagt wie: „Ich habe eigentlich keine Schwachstellen“ oder „Ich wende meine Schwächen in Stärken“, dann geht das als pure Angeberei durch. Geübte Interviewer, die sehr genau hinhören, entwickeln auch ein Ohr für feinsprachliche Elemente: Worte wie „immer“, „nie“, „keiner“, „absolut“ oder „total“ gelten als sprachliche „Weichmacher“. Damit steht schnell die ganze Aussage drumherum auf dem Prüfstand.

Wie kann unsere Körpersprache uns verraten?

Wenn man einem echten Profi in Bewerbungsgesprächen gegenübersitzt, dann beobachtet der natürlich auch die Körpersprache. Wenn der Bewerber zum Beispiel bei der wortreichen Antwort zur Frage, warum er seinen letzten Job gekündigt hat, harten Augenkontakt sucht, sich an die Nase fasst, dann die Arme verschränkt und sich im Stuhl zurücklehnt, ist klar: Die Geschichte wird wohl so nicht stimmen.

Bei welchen Aussagen prüfen Unternehmen im Nachhinein den Wahrheitsgehalt?

Das Minimum ist ein Abgleich der Angaben im Anschreiben, im Lebenslauf, in den Zeugnissen und im Gespräch. Passt das zusammen? Ist das stimmig? Bewerber sollten auch damit rechnen, dass Referenzgeber tatsächlich nochmal angerufen werden. Aussagen über Auslandsaufenthalte können schnell auf dem Prüfstand stehen. War das nur ein langer Urlaub oder eine professionell gestaltete Zeit? Fremdsprachenkenntnisse werden oft auch gern direkt im Gespräch getestet. Da wechselt der Interviewer einfach mal ins Englische oder Chinesische – und der Bewerber fängt im schlimmsten Fall an zu stammeln.

Wie kann man sich so einen Faktencheck vorstellen?

Immer häufiger und ohnehin bei wichtigen Jobs in der Regel durch eine Online-Recherche. Was steht im öffentlichen Facebook-Profil? Was hat der Bewerber getwittert? Welche Aktivitäten sieht man auf Xing oder LinkedIn? Passt das mit den Aussagen der Bewerbung zusammen? Sind die Instagram-Fotos über das Auslandspraktikum reine Party- und Strandbilder? Das ist ja alles verfügbar und wird im Zweifelsfall auch gesichtet.

Können Angestellte eigentlich nachträglich entlassen werden, wenn eine Lüge etwas später auffliegt?

Ja. Wenn jemand bei Job-relevanten Angaben zu früheren Tätigkeiten und Erfahrungen, bei Praktika und Sprachkenntnissen schummelt, kann das zur Kündigung führen. Grobe Lebenslauf-Kosmetik wie gefälschte Schulzeugnisse, Uni-Abschlüsse oder Arbeitszeugnisse kann alles Wahre aufs Spiel setzen. Und die Kündigung kann in schweren Fällen auch lange nach der Probezeit sogar fristlos erfolgen. Also in den entscheidenden Fragen besser klug bei der Wahrheit bleiben.

Und lieber auch direkt ehrlich mit seinen Fehlern umgehen?

Also ich rate immer dazu, ja. Geht ehrlich mit euren Lücken und Schwachstellen um. Arbeitet lieber an einem „Roten Faden“, der auch widersprüchliche Elemente im Lebenslauf miteinander verbindet. Zeigt, dass ihr euch entwickeln möchtet und mit vermeintlichen Schwächen aktiv umgeht.

Danke für das Gespräch!

Wie tickt eigentlich das Unternehmen? Welche Kultur wird gelebt? Wie steht es um die Aufstiegschancen? Bewerber sollten im Vorstellungsgespräch genau nachfragen, meint Karriere-Coach Karin Zintz-Volbracht im Interview. Lies auch: Fangfragen nur für Bewerber? So fühlt ihr im Vorstellungsgespräch dem Arbeitgeber auf den Zahn

Update vom 29. September 2017: Aufgrund von Leserkritiken hat die t3n-Redaktion den Beitrag neu aufgezogen. Dem Interview ging zuvor ein Listicle voraus, der eurem und auch unserem qualitativen Anspruch bei genauerer Betrachtung nicht standhielt.

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7 Reaktionen
PeterPane
PeterPane

“Auch eine möglicherweise nicht auf den ersten Blick erkennbare Schwerbehinderung oder ein Wettbewerbsverbot für Manager dürfen nicht mit einer Lüge beantwortet werden.”

Bzgl. der Schwerbehinderteneigenschaft und der geltenden Rechtsprechung, sollte der Redakteur seinen Artikel nach etwas mehr Recherche noch einmal überarbeiten! So entstehen auch Fake-News ;)

Antworten
FAB
FAB

Beim Alter darf man schummeln..?
Was macht das für einen Sinn. Die Daten liegen dem zukünfitgen Arbeitgeber doch durch Lebenslauf usw. vor.
Da schießt man sich doch nur ein Eigentor!

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Kiezkickerde

Im Lebenslauf steht nur das, was Du da selbst rein schreibst?! Wenn du es als 48,5 -
jähriger nicht schaffst, deine “Mitte 40“- Altersangabe auch im Lebenslauf zu übertragen, solltest du das in der Tat aufgrund von zu erwartenden Nachteilen vielleicht besser lassen.
Ansonsten zwingt dich doch niemand, überhaupt eine Altersangabe zu machen, klugen Personalern ist es scheißegal, ob du am 15.02. oder am 28.06. Geburtstag feierst, und dein ungefähres Alter sollte sich aus deinem Werdegang und bisherigen Tätigkeiten ergeben.

Vielleicht möchtest du dich aber auch einfach mal über das Thema “anonyme Bewerbung“ informieren...?

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Kiezkickerde

"Auch eine möglicherweise nicht auf den ersten Blick erkennbare Schwerbehinderung oder ein Wettbewerbsverbot für Manager dürfen nicht mit einer Lüge beantwortet werden."

Unsinn, jedenfalls in dieser Pauschalität. Eine Schwerbehinderung muss grundsätzlich nicht angegeben werden, sofern sie sich nicht auf die Arbeitsleistung auswirken wird. Im Zweifel gehen einem bei einer Verneinung halt Nachteilsausgleiche flöten, aber mehr auch nicht.

Antworten
Joachim
Joachim

Huch, wo sind denn die ganzen negativ und durchaus gerechtfertigten Kommentare hin?
Redaktionelle Bestleistung liefern und dann den Kopf in den Sand stecken :)

Antworten
Andreas Weck

Hallo Joachim, die Kommentare bezogen sich auf einen älteren Artikel, der hinter der URL lag. Wir haben einen qualitativeren Beitrag zusammen mit einer Expertin produziert und somit auf die Kritiken reagiert. Mit dem neuen Artikel haben sich dann quasi auch die Kritiken für uns erledigt.

Gruß, Andreas

Antworten
Joachim
Joachim

Besten Dank.

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