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OwnCloud: Open-Source-Dropbox-Alternative auf eigenem Server

OwnCloud: Open-Source-Dropbox-Alternative auf eigenem Server

Das Open-Source-System OwnCloud will eine sichere und datenschutzkonforme Alternative zu , & Co. sein. Sébastien Etter stellt den Dienst in einem Gastartikel vor.

OwnCloud: Open-Source-Dropbox-Alternative auf eigenem Server

 

Ursprünglich erschienen bei byteinvader.ch

Wieder Herr über die eigenen Daten werden

Wir alle kennen Cloud-Anbieter wie Dropbox, Google und Co., die Meisten werden wohl auch einen dieser Dienste nutzen. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit der Dropbox und nutze diese auch auf täglicher Basis. Dropbox synchronisiert bei mir Dokumente, Daten von Apps, schlichtweg alles. Der Dienst hat einfach ein kleines Problem: Die Daten sind nicht mehr wirklich eure. Hier setzt ownCloud an.

ownCloud kann auf dem eigenen installiert werden. Wer nicht über einen eigenen Server verfügt, der kann auch für billige Preise einen speziellen ownCloud-Server mieten, auf welchen nur das Benutzen von ownCloud erlaubt ist. Diese sind meist auch für recht billige Preise erhältlich. Empfehlenswert ist hier beispielsweise ownCube, bei welchem man 1.50 Euro pro Monat bezahlt, als Gegenleistung erhält man eine ownCloud-Installation mit 25 Gigabyte.

Aber was genau ist der Vorteil einer eigenen Cloud? Man ist der Herr über die Daten. Hier ist man sich eher sicher, dass nicht jemand nachschaut. Man hat eine gewisse Sicherheit und ist nicht von einem US-Riesen abhängig. Natürlich, auch hier braucht man einen Hoster, komplett unabhängig ist man also hier auch nicht. Ich bin aber ganz ehrlich: Dies waren nicht die ausschlaggebenden Argumente für mich, ownCloud auszutesten. Ich persönlich hatte einfach Lust, einen neuen Cloud-Anbieter auszuprobieren.

Und was soll ich sagen? ownCloud hat es mir irgendwie angetan. Der Anbieter kann eigentlich alles, was Dropbox kann und mehr. Was mir sehr gut gefällt ist die Möglichkeit, in ownCloud Apps zu installieren. Zu den Apps kommen wir später, ich möchte beim Webinterface und den Upload-Möglichkeiten beginnen.

Auf der linken Seite des Webinterface findet ihr die Navigation mit euren installierten Apps, auf der rechten Seite im grossen Abschnitt befindet sich der Dateibrowser (bzw. die Anzeige der ausgewählten App). In diesem Inteface könnt ihr euch, wie ihr das von Dropbox gewohnt seid, durch all eure Dateien browsen und ausgewählte Dateiformate, darunter Bilder, Musik-Dateien oder auch Dokumente, anzeigen lassen.

Was ist mit diesen Dateien weiterhin möglich? Ihr könnt sie herunterladen, umbenennen und freigeben. Dabei könnt ihr auswählen, ob ihr die Datei einem gewissen User, der die gleiche ownCloud-Installation benutzt, oder über einen Private- bzw. Public-Link teilen wollt. Mit letzterer Funktion könnt ihr die Dateien logischerweise auch über Twitter & Co. freigeben.

Als letzte Funktion erwähnenswert ist die History-Funktion, eine Funktion, die vielen ebenfalls von Dropbox bekannt sein wird. Mit dieser Funktion könnt ihr Dateien, die ihr zu unrecht bzw. falsch bearbeitet habt, wieder auf einen älteren Stand zurücksetzen.

Der Upload über’s Webinterface kann neben dem normalen Upload-Dialog des jeweiligen Betriebssystem auch über Drag & Drop getätigt werden, zudem funktioniert auch der Upload von iOS 6 problemlos, dieser unterstützt aber nur den Upload von Bildern.

Apps

Wir bleiben erstmal noch beim Webinterface, wandern aber gemütlich zu den Apps. Die meisten Apps werden euch bei der Installation von ownCloud schon mitgeliefert, sie müssen nur noch über die Einstellungen aktiviert werden. Einige Beispiele von Apps möchte ich euch erst auflisten und dann auf die eine oder andere davon eingehen:

  • Kalender
  • Bookmarks
  • Kontakte
  • Media-Player
  • Task-Manager
  • PDF-Viewer
  • TextEditor
  • URL-Shortener

Kalender & Kontakte

Bei einem Webdienst nicht fehlen dürfen logischerweise Kalender und Kontakte. Beide verfügen über ein schickes Webinterface und lassen sich bei Bedürfnis auch in iCal oder Outlook integrieren. Es wird ein Link generiert, den ihr in eurem favorisierten Kalender-Programm abonnieren könnt.

Der Kalender verfügt nur über Standard-Funktionen, weiter reichende Einstellungen und Möglichkeiten, wie diese beispielsweise Google anbietet, sucht ihr bei ownCloud vergebens. Es können keine “fremden” Kalender abonniert werden – dies ist ein Feature, welches mir eindeutig fehlt. Ganz ehrlich: ownCloud ist keine ernst zu nehmende Alternative zu Diensten wie iCloud und Google, was die Verwaltung von Kalendern und Kontakten angeht.

À propos Kontakte: Auch diese lassen sich mit ownCloud verwalten und auch hier vermisse ich ein paar weitergehende Einstellungen. Die Kontakte können zwar mit euren Programmen und Geräten synchronisiert werden, aber auch hier fehlt an jeder Ecke das eine oder andere Feature. Und auch hier setzt sich leider ein Bild fort, wie es sich konstant durch ownCloud zieht: Gutes Prinzip, gute Idee, an der Umsetzung hapert es aber noch ein wenig. Dazu später mehr.

Task-Manager / 2do-App

Wenn wir schon gerade bei den Produktivitäts-Applikationen von ownCloud unterwegs sind, dann möchte ich doch die ToDo-App für ownCloud nicht außen vor lassen. Diese muss optional hinzu installiert werden und wird bei der Installation nicht mitgeliefert. Mit dieser App könnt ihr einfache Listen erstellen, darin können Tasks erstellt werden, in denen sich Notizen und Due-Dates eintragen lassen. Die Tasks-App ist aber mehr Frust als Lust, die Bedienung ist irgendwie kompliziert und die App macht garantiert etwas anderes als ihr wollt.

Bookmarks

Hach ja, so langsam wird diese ownCloud-Installation zur eierlegenden Wollmilchsau. Was darf da nicht fehlen? Genau, Bookmarks bzw. Lesezeichen. Ihr könnt Lesezeichen entweder über’s Webinterface oder – immerhin – über ein Bookmarklet hinterlassen.

Synchronisation

Wie von Dropbox gewohnt ist, verfügt natürlich auch ownCloud über Clients, mit denen man die Dateien synchronisieren kann. Es gibt, genau wie bei Dropbox, einen Desktop-Client. Er ist erhältlich für OS X, Windows und Linux und verfügt unter jeder Plattform über den selben Funktionsumfang.  Ihr könnt einen Ordner auf eurer Festplatte auswählen, mit dem sich ownCloud dann synchronisiert.  Es können, anders als bei Dropbox, aber auch andere Ordner unabhängig von eurem ownCloud-Verzeichnis für den Sync ausgewählt werden. Dieser Client unterstützt aber nur die Dateien, für die Verwaltung von Tasks usw. müsst ihr weiterhin die Weboberfläche nutzen.

Wichtig für solche Dienste sind auch immer Apps für mobile Plattformen. Für ownCloud gibt es bisher leider nur eine App für , die iOS-Version befindet sich laut den Entwicklern aber bereits bei Apple im Review-Prozess. Deshalb sollte es theoretisch nur eine Frage der Zeit sein, bis die App es auch auf unsere iPhone schaffen. Sobald diese erscheint, werde ich hier natürlich darüber berichten.

Fazit

ownCloud ist wirklich ein ernstzunehmender Kontrahent von Dropbox, Gooogle Drive und Co. Die Entwickler müssten hier und da noch ein wenig weiter Arbeiten, noch ein wenig mehr in die Details investieren, dann könnte durchaus etwas aus diesem Projekt werden. Ich persönlich nutze ownCloud immer wieder gerne, aber habe für den Dienst bisher immer noch keinen Platz in meinem Workflow gefunden. Irgendwie will es einfach nicht klappen zwischen uns beiden. Das Problem liegt hier wohl an der überlegenen Konkurrenz. Ich nutze immer Dropbox, bin damit auch extrem zufrieden, für Dokumente weiche ich durchaus mal auf Google Drive aus. Das reicht auch schon.

Aber ich empfehle euch, mal einen Blick auf ownCloud zu werfen. Ihr könnt auf deren offizieller Seite mal einen Blick in die Demo-Anwendung werfen, damit ihr mal einen Einblick erhalten könnt. Allen voran lege ich ownCloud allen an’s Herz, die sowieso einen eigenen Server haben und die Open-Source-Software kurz austesten möchten. Falls ihr aber keinen Server habt und euch denkt, dass ihr die Anwendung doch mal testen möchtet, dann lege ich euch spezialisierte Hoster wie ownCube ans Herz.

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11 Antworten
  1. von Nico am 16.07.2012 (18:10 Uhr)

    Super Sache! Gleich mal installieren :)

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  2. von richpages am 16.07.2012 (23:48 Uhr)

    Habe es heute installiert und getestet. Was mir noch fehlt ist eine kostenfreie Synchronisation von Kontakten und Kalender für Android und Outlook. Mit dem IPad klappt die Zusammenarbeit schon perfekt.

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  3. von Martin / Dimido IT am 17.07.2012 (06:17 Uhr)

    Seit, drei Monate nutze ich OwnCloud und bin ganz zufrieden! Verbesserungswürdig finde ich die Dokumentation auf den Seiten der Entwickler - besonders im Bezug zur nötigen PHP5-Version auf dem eigenen Server! Hier hatte ich das unschöne Problem, dass ich von 3.x auf 4.0 ein Update fuhr und ich nicht gewarnt wurde, dass OwnCloud eine neuer Version von PHP5 als Basis verlangte!

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  4. von Enrico am 17.07.2012 (06:17 Uhr)

    ein echt colles Teil. Da muss man sich noch weiter mit beschäftigen

    Vielen Dank

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  5. von Thorsten Orth am 17.07.2012 (07:21 Uhr)

    Super Sache,
    gibt es denn eine Verschlüsselung für die Daten? Kontaktdaten sollten nicht einfach so im Web gespeichert werden. Eigener Server hin oder her. Ansonsten wäre ich dabei.

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  6. von Tristan Lins am 17.07.2012 (10:48 Uhr)

    Für Cloud liebhaber die Wert auf Client-seitige Verschlüsselung legen kann ich Wuala empfehlen: http://www.wuala.com/referral/JCHHGM7BKPGJK6FMGPMB

    Wuala vereint die Möglichkeiten von Dropbox und anderen reinen "Online-Speichern" die man lediglich als Netzlaufwerk einbinden kann.
    In Wuala kann man gezielt Verzeichnisse lokal synchronisieren und zwar dahin wo man es hin haben will.
    Auf alles was man nicht lokal synchronisiert kann man via Netzlaufwerk (auch unter Mac und Linux) zugreifen. Das ist vor allem praktisch, wenn man nur wenig Speicher zur Verfügung hat (Netbook o.ä.). Das mag an das "Selective Sync" von Dropbox erinnern, in Wuala ist das aber viel besser gelöst.
    Des weiteren hat Wuala einen hervorragenden Desktop Client, mit dem man die Einstellungen alle vornehmen kann und auch ältere Versionen wiederherstellen kann. Das ganze funktioniert natürlich auch über die Website, aber mit dem Desktop Client läuft das deutlich einfacher.

    Noch ein großes Plus ist die Möglichkeit Backups von lokalen Verzeichnissen anlegen zu lassen. Anstatt kontinuierlich zu synchronisieren werden diese Verzeichnisse in einstellbaren Zeitabständen (jede Stunde, Tag, Woche, Monat) synchronisiert. Sehr praktisch für Verzeichnisse die sich kontinuierlich ändern und wo eine andauernde Synchronisation Problematisch wäre.

    Aber das beste überhaupt, die Verschlüsselung erfolgt auf dem Client selbst und NICHT erst in der Cloud!

    > Um Ihre Privatsphäre zu schützen, werden alle Dateien
    > auf Ihrem Computer verschlüsselt, bevor sie hochgeladen
    > werden. Beim Hochladen werden Ihre Dateien in kleine
    > Stücke (Fragmente) aufgeteilt und an verschiedenen
    > Orten abgelegt. Somit wird sichergestellt, dass Sie nie
    > eine Datei verlieren. Ihr Passwort wird niemals übertragen,
    > so dass niemand - nicht einmal wir als Anbieter - Zugriff
    > auf Ihre Dateien hat.

    Des weiteren sind die Datenschutzbestimmungen konform zu deutschem Recht und die Daten werden im europäischen Einflussgebiet, heißt in der Schweiz, Österreich und Deutschland gespeichert! Ja Schweiz gehört nicht zur EU, liegt aber im Einflussgebiet ;-)

    @t3n ich weiß nicht ob ihr schon mal über wuala berichtet habt, ich hab bisher noch keinen Artikel gesehen. Aber darüber könnt ihr auch mal berichten!

    Für Detailfragen empfehle ich das FAQ zu inspizieren: http://www.wuala.com/de/support/faq

    MfG Tristan

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  7. von Tristan Lins am 17.07.2012 (10:55 Uhr)

    PS: jetzt habe ich gar ncihts zu ownCloud geschrieben? Das sollte natürlich nicht sein :D

    Also ich habe ownCloud bereits vor ein paar Wochen, also noch bevor die aktuelle Version mit Desktop Client etc. da war getestet. Der ownCloud Server war allerdings fast im gleichen Funktionumfang, afaik ist jetzt lediglich die Versionierung hinzu gekommen.
    Allerdings hat ownCloud damals schwere Probleme mit großen Datenmengen gezeigt. Nachdem ich meine >40GB Dropbox einfach mal über WebDAV in die ownCloud kopiert habe, ist das ganze System fast zusammen gebrochen. Navigieren war nur noch mit extremer Wartezeit möglich.

    Kurz zu dem System:
    Als Webserver war nginx im Einsatz, PHP lief im FCGID. Die PHP Laufzeit war "endlos" und das Upload Limit auf 2GB pro File hochgeschraubt.

    nginx hat sich "zu Tode" gelangweilt, aber die PHP Prozesse und die MySQL Datenbank im Hintergrund waren "schwer" beschäftigt. Auch ein paar Tage später, als die PHP Scripte fertig gelaufen waren war das Ergebnis weiterhin ernüchternd. Das WebInterface war extrem langsam (obwohl sich zu diesem Zeitpunkt auch die Datenbank gelangweilt hat).

    Ich hoffe die ownCloud Entwickler legen hier nochmal nach. Für kleine Datenmengen ist ownCloud ganz interessant, bei größeren Datenmengen bricht es allerdings ein.

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  8. von Timo am 17.07.2012 (15:16 Uhr)

    Owncloud ist sicher ein interessantes Projekt.
    Leider funktioniert das Sharing nicht richtig und viele der Plugins laufen nicht.
    Zudem ist die Versionierung nicht sehr Speicher schonend umgesetzt (Komplettes Backup anstatt nur die Änderungen zu speichern).

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  9. von Bernd am 17.07.2012 (16:05 Uhr)

    @Thorsten: Für die Verschlüsselung schon mal Cloudfogger (http://cloudfogger.com) getestet? Diese kostenlose Lösung verschlüsselt alle Daten bereits clientseitig, also vor dem Upload in die Cloud.
    Damit löst du zwar nicht die Abhängigkeit vom Hoster hinsichtlich Datenverlust, kannst aber zumindest bezüglich Datenschutz auf der sicheren Seite sein.

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  10. von Erik am 17.07.2012 (17:32 Uhr)

    Wunderbare Sache. Hab schon 2 Kollegen dazu inspiriert... selbst möchte ich es auf meinem Webspace ausprobieren. Mir geht es dabei nicht um riesengroßen Speicherplatz, sondern um sichere Ablage und gleichzeitige Verfügbarkeit gewisser sachen. Den Kalender finde ich dabei eine super Dreinabe.

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  11. von rolandlatzel am 25.02.2015 (21:12 Uhr)

    Bei meinem Hoster kann ich owncloud auch ohne Probleme installieren - stellt sich mir nur die Frage ob das ohne SSL Sinn macht? Das SSL-Zertifikat müsste ich natürlich für recht teures Geld pro Jahr hinzubuchen.

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