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Coworking-Space unter Palmen: So klappt das Arbeiten überall

Coworking-Space unter Palmen: So klappt das Arbeiten überall

Es ist egal, wo ihr arbeitet, wenn ihr nur den und eine Internetverbindung braucht. Wir haben eine Checkliste für euch, mit der das Arbeiten im Coworking-Space zum Erfolg wird.

Coworking-Space unter Palmen: So klappt das Arbeiten überall

Arbeiten unter Palmen. (Foto: anda (: / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Man muss nicht gleich am Strand arbeiten, aber ein Co-Working-Space am Meer ist schon nett.
Man muss nicht gleich am Strand arbeiten, aber ein Coworking-Space am Meer ist schon nett. (Foto: Timo Stoppacher)

Man muss kein Reiseleiter, Hotelangestellter oder Surflehrer mehr sein, wenn man da arbeiten will, wo andere Urlaub machen. Dank Internet, Cloud-Lösungen und eines starken Euro kann jeder, der zum Arbeiten nur einen Computer braucht, die Welt bereisen und dabei weiter seiner Arbeit nachgehen. Als digitaler Nomade wird am Strand gecodet, entwickelt und getextet.

Das gilt aber nur, wenn ihr die Selbstdisziplin habt, morgens den tropischen Strand links liegen zu lassen. Der Arbeitsurlaub will gut vorbereitet sein, damit er gelingt.

Kann ich überhaupt woanders arbeiten?

Diese Frage muss sich zunächst jeder stellen. Als Angestellte werdet ihr in vielen Firmen wohl für verrückt erklärt, wenn ihr fragt, ob ihr zwei Wochen oder mehr am anderen Ende der Welt arbeiten dürft. In der deutschen Präsenzkultur ist selbst das Homeoffice trotz steigender Zahlen oft noch ein Problem. Wenn das einer durchzieht, kann er damit rechnen, dass ihm der Neid der Kollegen entgegen schlägt. Und natürlich werden die Ergebnisse der Abwesenheit besonders kritisch beäugt. Sollte dann daheim noch ein unvorhergesehenes Ereignis eintreten und ihr sitzt am Strand und könnt nicht helfen ist guter Rat teuer — und wahrscheinlich war das der letzte Ausflug aus dem Büro.

Da haben es Selbstständige in gewisser Weise einfacher. Wer keinen Chef hat, packt seinen Koffer und ist weg. Aber hier ist es natürlich wichtig, den Kunden weiter wie gewohnt zur Verfügung zu stehen. Wer in der Regel vor Ort beim Kunden arbeitet (oder sogar scheinselbstständig ist), wird auf die gleichen Probleme stoßen wie ein Angestellter. Wer für seine Kunden sowieso nur eine E-Mail-Adresse und eine Stimme am Telefon ist, hat schon bessere Chancen. Ist die Erreichbarkeit sichergestellt: gute Reise! Bei weiter entfernten Zielen solltet ihr dennoch an die Zeitverschiebung denken. Wenn ihr in Asien unterwegs seid, ist der deutsche Büronachmittag euer Abend. In der anderen Richtung beginnt der deutsche Arbeitstag oft mitten in der Nacht.

Die persönlichen Voraussetzungen

Wenn der Chef zustimmt oder ihr euch selbst die Reise „erlaubt” habt, stellt euch ganz selbstkritisch die Frage, ob ihr die Disziplin aufbringt, angesichts des türkisblauen Wassers am Traumstrand den Laptop aufzumachen. Wer darauf ohne mit der Wimper zu zucken mit „Ja“ antwortet, kann getrost loslegen. Wer allerdings skeptisch ist, sollte ein reduziertes Pensum einplanen. Zum Beispiel zwei Wochen weg sein, aber nur eine Woche zum Arbeiten einkalkulieren. Und ihr solltet einen Notfallplan parat haben, falls ihr in der Zeit gar nichts schafft.

An vielen Traumstränden sind in den letzten Jahren richtige Coworking-Spaces entstanden, oft mit angeschlossener Unterkunft. Man bucht dann Büro und Wohnung in einem. Da hier der Fokus auf dem Büro liegt (oder liegen sollte), ist die technische Infrastruktur meistens gegeben. Genauso gut kann man sich einen Büroplatz suchen und eine separate Unterkunft, zum Beispiel mit einer Ferienwohnung oder AirBnB. Wer auf eigene Faust nur eine Ferienwohnung mietet, muss sicherstellen, dass er auch von dort ins Netz kommt. Viele Hotels haben mittlerweile auch WLAN-Zugang für ihre Gäste, oft jedoch zu gepfefferten Preisen.

Den passenden Coworking-Space finden

Es soll in einen Coworking-Space gehen? Dann googelt einfach nach Coworking und eurer Traumdestination. Und wer nicht weiß, wohin er soll, findet unter dem Suchwort „Digitale Nomaden” viele Links zu Blogs und Seiten mit Tipps und ganz wichtig: Erfahrungsberichte. Denn jeder Anbieter kann sich noch so eine schöne Homepage basteln: Wenn vor Ort alles anders als erhofft ist, kann sich das negativ auf die eigene Motivation und die Arbeitsleistung auswirken.

Deshalb vorher die Arbeitsbedingungen prüfen: Wie groß ist das Büro? Wer zuhause ein gemütliches Einzelbüro hat und sich dann mit südländischem Temperament im Großraum konfrontiert sieht, muss sich umgewöhnen. Auch Englischkenntnisse über das Schulenglisch hinaus können helfen, insbesondere wenn es zu Problemen kommt. Wer zum Coworking-Space noch die Unterkunft bucht, landet dann manchmal zwangsweise wieder in der WG — nur dass ihr euch dann eure Mitbewohner nicht aussuchen könnt. Hier hilft Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Mentalitäten.

Die technischen Voraussetzungen

Keine Idee für guten Content? Dann lieber welchen kaufen. (Bild: placeit.breezi.com)
Laptop mitbringen und loslegen — mehr Technik braucht es in der Regel nicht. (Bild: placeit.breezi.com)

Ihr arbeitet in erster Linie lokal auf eurem eigenen Rechner und braucht das Internet nur zur Kommunikation? Dann sollte das Arbeiten unterwegs kein Problem sein und selbst in Regionen ohne Internetversorgung könnt ihr in die Tasten hauen. Wer hingegen eine stabile leistungsstarke Internetverbindung braucht, weil er auf heimischen Servern arbeitet, muss sicherstellen, dass er online sein kann. Dank einheitlicher WLAN-Standards sollte die Verbindung mit einem WLAN ohne Weiteres möglich sein. Auf die Verbindung an sich habt ihr dann aber meistens keinen Einfluss. Notfallplan: Ein UMTS-Stick oder ein UMTS-Modem mit einer lokalen SIM-Karte, die ein Prepaidguthaben für einen Datentarif hat.

Da ihr in der Regel euren eigenen Laptop dabei haben werdet, gibt es nicht viel zu beachten. Nur an das Ladekabel solltet ihr denken und wenn ihr in ein Land mit anderen Steckdosen fahrt, müssen natürlich Adapter mit. Damit alle eure Gadgets mit Strom versorgt werden können, gehört eine Mehrfachsteckdose mit ins Gepäck.

Wie lange soll ich unterwegs sein?

Solange ihr wollt. Digitale Nomaden haben oft ihre feste Existenz zuhause komplett aufgegeben und ziehen durch die Welt. Soweit muss man nicht gehen. Auch zwei oder drei Wochen Tapetenwechsel bringen oft schon einen kreativen Schub. Kürzer sollte der Aufenthalt nicht sein, damit sich die Anpassung an das andere Klima und den möglicherweise geänderten Tagesrhythmus lohnt.

Sprechen wir über Geld

Klar, Coworking in Thailand ist günstiger als in den USA (wo ihr ohne Visum offiziell gar nicht arbeiten dürft). Und auch in vielen südeuropäischen Ländern sind die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger. Wer als digitaler Nomade durch durch die Welt zieht, sich in Euro oder Dollar bezahlen lässt und sich an einem günstigen Ort niederlässt, kann leben wie die Made im Speck. Coworking mit Unterkunft ist in Europa in der Regel für 300 Euro pro Woche zu haben. Dazu kommen Kosten für die Anreise und die Verpflegung. Um zuhause die Fixkosten im Griff zu haben, könnt ihr zum Beispiel eure eigene Wohnung untervermieten.

Was bringt einem der Arbeitsurlaub überhaupt?

Das ist eine Frage, die pauschal natürlich nur schwer zu beantworten ist. Man kommt halt mal raus aus der gewohnten Umgebung, hat mit Glück besseres Wetter und kann je nach Ziel ein ganz anderen Lifestyle genießen. Vielleicht bringt die andere Umgebung und die anderen Menschen neue Sichtweisen sowie neue Ideen. Was so ein Aufenthalt auf jeden Fall bringt: Erfahrung.

Coworking-Space auf Gran Canaria: Persönliche Erfahrungen des Autors

Die Mittagspause am Meer hatte schon was.
Die Mittagspause am Meer hatte schon was. (Foto: Timo Stoppacher)

Ich war gerade selbst zwei Wochen in einem Coworking-Space in Las Palmas auf Gran Canaria — und es war toll. Dummerweise war das Wetter schlecht und ich hatte mich eigentlich auf Frühling/Sommer eingestellt. Aber es war trotzdem eine schöne Erfahrung, mal zwei Wochen nicht zuhause am Schreibtisch zu sitzen, sondern in der Mittagspause mal eben am Atlantik ein Sandwich zu essen.

Das Büro hatte nur einen kleinen Haken: Es gab kein Tageslicht, was mir persönlich nicht gefallen hat. Dafür hat das Gesamtpaket aus Unterkunft, Lifestyle und Aufwand gepasst. Denn ich habe dort wirklich nette Leute getroffen und war im Prinzip genauso produktiv wie zuhause. Es war quasi tagsüber Arbeit und abends Urlaub. Was will man mehr?

Wenn Ihr Euch übigens für handfeste Tipps zu Tools und Workflows interessiert, lest euch doch unser Interview „Digitale Nomaden: 'Ortsunabhängig selbständig zu sein, ist kein Kindergeburtstag'“ durch.

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6 Antworten
  1. von Pierre am 09.03.2014 (17:03 Uhr)

    FYI, in Thailand dürft ihr auch ohne Visum offiziell gar nicht arbeiten. Wenige Kontrolle aber dann ist es schwer wieder rein zu kommen...

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  2. von Dimitri am 09.03.2014 (23:07 Uhr)

    Wenn man an seinem Notebook sitzt, Fernarbeit erledigt in Thailand aber seine Arbeit offiziell in Deutschland versteuert so arbeitet man doch offiziell gar nicht in Thailand?

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  3. von cephei am 09.03.2014 (23:35 Uhr)

    @Dimitri
    Richtig. Das Arbeitsvisum braucht man, wenn man für eine Thailändische Firma arbeitet und dann auch in Thailand Steuern bezahlt.

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  4. von mike am 10.03.2014 (01:43 Uhr)

    Mache diese Erfahrung gerade für fünf Wochen auf Bali und schreibe weiterhin für zwei meiner Kunden, habe allerdings das normale Pensum auf zwei bis drei Stunden am Tag bzw. ein, zwei Tage die Woche runtergeschraubt, um genug Zeit für entspanntes Urlauberleben zu haben. Was mir ergänzend noch einfällt:

    - Bedenkt, dass es nicht überall auf der Welt Internet nach gewohntem Standard gibt. Ich habe hier maximal eine 1000er-Verbindung, meist nur um die 300-500. Arbeiten mit üblicher Geschwindigkeit ist oft nicht und man verbringt vor allem bei klickträchtigen Aufgaben viel Zeit - mitunter sehr viel Zeit - damit, den Blick über den Horizont schweifen zu lassen und zu warten, bis sich Seiten (wir kennen das von Früher) Pixel für Pixel aufbauen. Gewissensfrage: Rechne ich die so verschenkte Zeit ab, oder gebe ich einen Nachlass? Der Kunde kann ja nix dafür, dass ich mich in ein Internet-Entwicklungsland verdrücke und sollte auch nicht dafür aufkommen müssen.

    - Habt einen Notfallplan parat, wenn Ihr wirklich dringende Sachen zu erledigen habt. Es kann durchaus vorkommen - mir ist es bereits passiert - dass es mal zwei Tage lang keinen Strom im Haus oder kein Internet gibt, weil irgendwo (ich bin per UMTS-Stick im www) eine Antenne abgerauscht ist. Auch Wasser war mal 24 Stunden weg, aber es juckt ja eh keinen, wenn Ihr stinkend und zersaust im "Büro" sitzt.

    - Es kann sein, dass Euer Auftraggeber (vor allem, wenn Ihr in sein CMS müsst) darauf besteht, dass Ihr eine sichere https-Verbindung habt, am eigenen Rechner bzw. Laptop arbeitet und Euer Passwort regelmäßig ändert.

    - Die Zeitverschiebung und die physische Entfernung kann manche Kunden abschrecken. Umso wichtiger ist eine gute Kommunikation bereits im Vorfeld und die Einhaltung von Deadlines oder besser noch vorzeitige Abgabe, damit man seine Brötchengeber nicht vergrault.

    Frohes Schaffen im Exil-Home-Office, ich kann es nur empfehlen!

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  5. von michaelh74 am 11.03.2014 (10:39 Uhr)

    @Timo: Las Canteras / La Cicer - gute Wahl ;-)

    Man sollte sich kein zu großes Arbeitspensum vornehmen. In der Regel ist man vor Ort nicht ganz so produktiv wie zuhause im Büro. Aber wenn man das mit einplant, ist das auch völlig OK so.

    Ansonsten sind meine Erfahrungen ählich. Internetverbindungen sind nicht überall gut und stabil. Hier sollte man sich im Vorfeld ausreichend informieren. Zeitverschiebung kann je nach Projekt / Kunde wirklich schwierig werden.

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  6. von Christopher Schmidhofer am 12.03.2014 (12:31 Uhr)

    Wer das mal in Kurz ausprobieren möchte, kann sich gerne an weXelwirken wenden. Wir planen gerade eine Woche am Rande der schwäbischen Alb, Coworking, Netzwerken und Spaß haben. Wir freuen uns über Anfragen und senden gerne Details.

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