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Bist du eine gute Führungskraft? Finde es raus – mit der „Digital Leadership Canvas“

Bist du eine gute Führungskraft? Finde es raus – mit der „Digital Leadership Canvas“

Die Digitalisierung stellt Hierarchien, Arbeitsorganisation und Methoden der Kollaboration auf den Kopf. Aber wie stellen Führungskräfte sich am besten darauf ein? Das Modell der Digital Leadership Canvas liefert Antworten.

Bist du eine gute Führungskraft? Finde es raus – mit der „Digital Leadership Canvas“

(Foto: Shutterstock)

Immer mehr Menschen arbeiten heute ganz anders als vor ein paar Jahren: Digitale Tools ermöglichen ortsunabhängige Teams, Diskussionen in größeren Gruppen und neue Prozesse der Kollaboration und Entscheidungsfindung. Die Digitalisierung bedeutet Demokratisierung: Immer mehr Personen können mitreden, eingebunden werden, etwas beisteuern.

Doch was bedeutet eigentlich Führung, wenn nicht nur der direkte Zugriff auf die Mitarbeiter abhanden kommt, sondern auch immer mehr auf Augenhöhe agiert wird?

„Traditionelle Leadership-Konzepte greifen nicht mehr“

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Christiane Brandes-Visbeck. (Foto: Ahoi Consulting)

Die Kommunikationsberaterin und Dozentin Christiane Brandes-Visbeck ist dieser Frage erstmals im Sommer 2014 mit Studierenden nachgegangen. In den gängigen „Leadership Styles“, die sie ihrer Vorlesung vorgestellt hatte, fanden die Teilnehmer sich nicht wieder. Also erarbeiteten sie, welche Ausprägungen klassischer Führungsstile heute überholt sind und wie ein zeitgemäßes Leadership-Konzept stattdessen aussehen müsste.

Das Ergebnis: Wie sie führen wollen und können, müssen Führungskräfte heute mehr denn je selbst für ihren individuellen Unternehmenskontext erarbeiten, sagt Christiane. „Wir haben rausgearbeitet, wie wichtig es ist, das eigene Führungsverhalten zu reflektieren und zu analysieren. Das bedeutet gleichzeitig, dass man es bis zu einem gewissen Grad selbst definieren und ausgestalten kann.“

Führung im digitalen Zeitalter: Weg von Status- und Prozessdenken

Für Christiane bedeutet Digital Leadership, den digitalen Wandel anzuerkennen, seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt zu analysieren und den eigenen Führungsstil entsprechend anzupassen. „Aus meiner Sicht kommt in der Arbeitswelt der Zukunft nur die Führungskraft zurecht, die unabhängig von klassischen Arbeitsprozessen und ihrem Status im Unternehmen Menschen zu agilem, lösungsorientiertem und wertschätzendem Handeln motivieren kann.“

Dazu gehörten gute Selbstorganisation und ein Gespür für Menschen ebenso sehr wie der Mut, Unsicherheiten auszuhalten und auch mal eine Ansage zu machen. Ebenfalls unerlässlich: die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und lebenslang zu lernen.

Arbeit im Team: Im digitalen Zeitalter haben Status und Arbeitsroutinen einen geringeren Stellenwert. (Foto: Shutterstock)
Arbeit im Team: Im digitalen Zeitalter haben Status und Arbeitsroutinen einen geringeren Stellenwert. (Foto: Shutterstock)

Wer seine Stärken und Schwächen in diesen Bereichen kennt, kann verbindlich agieren und seine Entscheidungen gegenüber Mitarbeitern begründen. Während sich die Auswahl der einzelnen Führungsinstrumente durchaus situativ ändern kann, bleiben die zugrunde liegenden Werte nämlich gleich und sorgen für Zuverlässigkeit im Umgang mit den Mitarbeitern.

Mit der Digital Leadership Canvas will Christiane Führungskräften ein Instrument an die Hand geben, um sich ihrer Führungsqualitäten und -methoden stärker bewusst zu werden und sie im Hinblick auf die eigene Rolle im Unternehmen zu reflektieren.

Wegweiser für moderne Führungskräfte: Die Digital Leadership Canvas

„Es geht um besseres Führen im Sinne der Company.“

Die Digital Leadership Canvas orientiert sich am Modell der in der Startup-Szene populären Business Model Canvas, die Unternehmensgründern hilft, ihre Geschäftsidee schnell und trotzdem gründlich aus allen relevanten Perspektiven abzuklopfen. Auch die Digital Leadership Canvas ist wie ein Baukasten aufgebaut, der die verschiedenen Aspekte moderner Führungsarbeit umfasst.

Wer die Digital Leadership Canvas ausfüllt, sollte mit dem „Unsere Vision“ betitelten Feld ganz rechts in der obersten Zeile anfangen. Denn, so Christiane: „Die Digital Leadership Canvas betrachtet die Führungskraft in ihrer Verantwortlichkeit als Dienstleister für den Unternehmenserfolg. Es geht nicht so sehr um die Selbstverwirklichung als Leadership-Ass, sondern um das effektive Führen im Sinne des Unternehmens. Daher gibt die Vision des Unternehmens oder der Organisation den Rahmen vor, in dem sich das Selbstverständnis und das Handeln der Führungskraft bewegen.“

Mit Hilfe der ersten Zeile der Digital Leadership Canvas findet ihr eure Werte und Fähigkeiten heraus. Die vollständige Canvas von Christiane Brandes-Visbeck gibt es  hier zum Download.
Mit Hilfe der ersten Zeile der Digital Leadership Canvas findet ihr eure Werte und Fähigkeiten heraus. Die vollständige Canvas von Christiane Brandes-Visbeck gibt es hier zum Download.

Fähigkeiten, Ressourcen, Key Performance Indicators

Ist die gemeinsame Vision aufgeschrieben, finden daneben die persönlichen Werte, Fähigkeiten und Kenntnisse, Merkmale des eigenen Führungsstils und der Kreis der Personen, die einen in der Führungsarbeit unterstützen können, ihren Platz. „In der Mitte steht die zentrale Frage nach dem Unique Leadership Style, also dem, was einen Menschen als Führungsperson einzigartig macht“, erklärt Christiane, die empfiehlt, ruhig auch Freunde oder Kollegen in das Ausfüllen der Felder einzubinden: „Vielen Jüngeren fällt es schwer, sich selbst als Leader einzuschätzen. Wenn sie hören, was sie in den Augen anderer schon an führungsrelevanten Fähigkeiten und Kenntnissen mitbringen, sind sie total geflasht.“

In der zweiten Zeile der Digital Leadership Canvas geht es um Herausforderungen und benötigte Ressourcen. Die vollständige Canvas von Christiane Brandes-Visbeck gibt es  hier zum Download.
In der zweiten Zeile der Digital Leadership Canvas geht es um Herausforderungen und benötigte Ressourcen. Die vollständige Canvas von Christiane Brandes-Visbeck gibt es hier zum Download.

„Was kann ich gut? Wo brauche ich Hilfe?“

In der unteren Hälfte der Canvas geht es – etwas pragmatischer – um Hindernisse, die es zu überwinden gilt, Lösungsansätze und die dafür benötigten Ressourcen. Auch Erfolgsindikatoren beziehungsweise KPIs, anhand derer die Ergebnisse der eigenen Arbeit überprüft werden können, werden in die untere Zeile eingetragen. „Es ist durchaus legitim, diese KPIs selbst zu bestimmen. Das Verfahren ist vielen Leuten bekannt, die als Mitarbeiter gebeten werden, ihre Jahresgespräche schriftlich vorzubereiten. Außerdem können KPIs dabei helfen, benötigte und gewährte Ressourcen zu rechtfertigen.“

Wem hilft die Digital Leadership Canvas?

Die Digital Leadership Canvas soll allen helfen, die ihren Führungsansatz noch finden müssen oder ihn kritisch überprüfen wollen – ganz grundsätzlich oder weil bestimmte Veränderungen anstehen. Christiane sieht das Tool zudem als Wegweiser, wenn sich die Unternehmensvision – und daraus abgeleitet auch die Ziele der Führungskraft – ändern. Passen das eigene Verständnis und die Unternehmensausrichtung überhaupt nicht mehr zusammen, kann ein Jobwechsel nötig werden.

Sie wünscht sich, dass vor allem Startup-Gründer schon frühzeitig über ihren Führungsstil reflektieren, ihn in ihren Arbeitsprozessen berücksichtigen und als erfolgsrelevantes Merkmal in ihre Pitchdecks einbauen. Aber auch Führungskräfte etablierter Unternehmen könnten von der Arbeit mit der Digital Leadership Canvas profitieren, wenn es darum geht, sich auf die Digitalisierung der Arbeitswelt einzustellen und Change-Prozesse zu begleiten.

Die Digital Leadership Canvas könnt ihr hier runterladen. Sie kann frei verwendet werden, solange ihr die Urheberin nennt. Sie befindet sich noch im Beta-Modus, Feedback und Anregungen sind also sehr willkommen: Schreibt uns einen Kommentar oder nehmt mit Christiane Kontakt auf.

Die Digital Leadership Canvas ist von Clara Roethe designt worden.

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4 Antworten
  1. von Stephan Jäckel am 24.05.2015 (15:24 Uhr)

    Führung war schon immer situativ. Und genauso sind bestimmte persönliche Eigenschaften und Umgangsformen in manchen Situationen positiv und für die Zielerreichung förderlich und die gleiche Person mit den gleichen Eigenschaften in ganz anderen Situationen ein ungewolltes Hindernis auf dem Weg zum Erfolg.

    Führung war auch schon immer gebunden an den ungeteilten Respekt auch gegenüber dem Geringsten; denn frei nach Friedrich dem Großen steht der Oberste an unterster Stelle und trägt Last und Verantwortung den Blick auf die gerichtet die von ihm aus gesehen am Höchsten stehen. Ohne die Fähigkeit Respekt zu gewähren kann man keine Respektsperson sein, deren "klarer Ansage" gefolgt oder vertraut wird.

    In sofern vermag ich im Artikel und der "neuen Forschung" nichts Neues zu erkennen. Eher das verständliche Bemühen einer vergleichsweise führungslos aufgewchsenen Generation einen Weg im Heute zu finden, wie sie ihren Aufgaben - und einige davon werden Führungsaufgaben sein selbst wenn es sich auf die eigenen Kinder beschränkt - gerecht werden kann.

    Sie wird sich dabei hoffentlich vom Gedanken des Besten Weges verabschieden und von der Messbarkeit in einem einzelnen Indikator (der in manchen situationen brauchbar in andeen zu Fehlentscheidungen führen kann). Was gute Führung in anderen Führern und auch in Geführten bewegt ist weit mehr als die kleine quantifizierbare Menge an Resultaten.

    Die hier angedeutete Abkehr von den Unternehmensprozessen wird sich dagegen hoffentlich nicht durchsetzen. Wenn die Führungsprozese zur Zielerreichung losgelöst werden von den auf den Kunden ausgerichteten Unternehmensprozessen, dann wird jedes so geführte Projekt zum Selbstzweck, zu einem Prozess mit Führung und Ergebnis aber ohne Passung in den gelebten Unternehmensalltag und noch schlimmer, ohne Pasung auf die Kundenbedürfnisse.

    Das sich dabei in der Softwareentwicklung Teams innerhalb eines Betriebes nicht mehr nur auf einen Prozess konzentrieren werden sondern anhand von Zusammensetzung, Fähigkeiten und Erfahrungen jeweils mit Arbeiten an ganz unterschiedlichen Prozessen von ihrer Führung betraut werden, an denen sie im Rahmen ihrer Tätigkeit dann ganz spezifische Maßnahmen verrichten werden, ist hiervon unbenommen.

    Dieser Form von Agilität steht jedoch seit über 30 Jahren die schlampige Dokumentation von fachlichen Prozessen wie auch von Software entgegen. Ganz so als wäre der schnelle Wandel von IT-Modetrends und die geringe Mitarbeiterbindung an ein Unternehmen, die die Schaffung einer eigenen Coding-Kultur erlauben würde, in der gelebte kulturelle Werte und Charakteristika die Dokumentation helfen zu beschränken, nicht schon schlimm genug.

    Die notfalls bestmögliche Führung war ist und bleibt meines Erachtens immer die ganz klare und eineindeutige Formulierung von Zielen (Briefing) und das offene Eingehen auf Hindernisse. Folgt jedem Erreichen eines (Teil)Zieles dann noch ein De-Briefing (Nacherzählen erfolgreicher und problematischer Punkte inkl. Kritik am Führenden mit dem Ziel der gemeinschaftlichen Verbesserung der Gruppe), dann ist man führungstechnisch schon viele Meilen vor der Mehrheit der Unternehmen, die noch immer ganz am Anfang stehen, was gute Führung betrifft. Ideal oder Perfekt gibt es ohnehin nicht!

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    • von Christiane Brandes-Visbeck am 26.05.2015 (09:02 Uhr)

      Lieber Stephan,

      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar.

      Ja, situatives Führen gibt es schon lange. Und genau wie Du finde ich es nicht zielführend, wenn Führungsprozesse von der Zielerreichung im Sinne des Kundeninteresses losgelöst werden.

      Ganz besonders freue ich mich über Deine Formulierung, sich vom "Gedanken des Besten Weges" verabschieden zu müssen. Anders als viele Führungsexperten und Leadership-Berater glaube ich nicht, dass es die eine "richtige Führung" gibt. Genau deshalb haben wir die Digital Leadership Canvas entwickelt. Es geht uns darum herauszufinden, welcher Leadership Style für die individuelle Führungspersönlichkeit mit ihren eigenen Möglichkeiten passend ist, in der jeweiligen Situation, mit Blick auf die Vision und die Ziele des Unternehmens (auch im Sinne von Kundeninteresse) und mit den Mitarbeitern und den Ressourcen, die einer Führungskraft aktuell zur Verfügung stehen.

      Es geht hier weniger um neue Forschung als um ein Leadership-Tool, das im Alltag Orientierung bieten kann. Einverstanden?

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  2. von Thomas am 25.05.2015 (09:13 Uhr)

    Dieser Artikel ist sehr informativ und kann tatsächlich schnell und gut umgesetzt werden!Danke

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