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Analyse

Mega-Trends 2017 – 8 Experten und ihre Prognosen fürs neue Jahr

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Karriere: Algorithmen mischen zunehmend mit bei der Personalgewinnung

Joachim Diercks: „Algorithmen mischen zunehmend mit bei der Personalgewinnung.“ (Foto: Twitter)
Joachim Diercks: „Algorithmen mischen zunehmend mit bei der Personalgewinnung.“ (Foto: Twitter)

Ich hatte Ende 2014 bereits das Thema „Matching“ als einen der HR-Zukunftstrends formuliert und ich sehe mich durch die Entwicklung seitdem mehr als bestätigt: Zahlreiche Unternehmen und Plattformen haben inzwischen sogenannte Matching-Verfahren zur beruflichen Orientierung oder auch als Auswahlinstrument eingeführt.

Das ist aber nur das sichtbare Ende der Entwicklung. Hinter den Kulissen passiert da noch viel mehr: Google bastelt fleißig an seiner Cloud-Jobs-API und selbst die Europäische Kommission mischt mit dem ESCO-Projekt ordentlich bei diesem Thema mit. Algorithmen werden Inhalte von Karriere-Websites personalisieren und Stellenanzeigen zunehmend nach Passung ausgespielt, wobei diese Passung immer stärker durch Algorithmen bestimmt wird. Auch die Beurteilung von Bewerbern und Mitarbeitern, ja sogar die Prognose der Kündigungswahrscheinlichkeit, all das wird noch viel stärker auf errechneten Werten beruhen. Einiges kann man bereits erahnen, vieles davon wird 2017 sehr viel sichtbarer werden.

Ich erhoffe mir, dass Personaler diese Entwicklung, die sich nicht aufhalten lassen wird, proaktiv mitgestalten. Denn es handelt sich keineswegs nur um eine Frage der Technik beziehungsweise der Informatik. Im Gegenteil: Wie uns die „Echokammer/Filterblasen“-Problematik nachdrücklich vor Augen führt, dürfen Algorithmen eben nicht alleinig in den Händen der Techies liegen. Es bedarf immer einer inhaltlich beurteilenden Instanz. Sonst droht die Gefahr, dass Algorithmen basierend auf reinen Scheinkorrelationen unsinnige Ergebnisse produzieren oder falsche Matching-Resultate sich wie in einer Echokammer immer mehr verstärken. Das wäre dann nicht nur inhaltlich schlecht, sondern auch ethisch bedenklich.

Bezüglich dieser dringend nötigen „proaktiven Mitgestaltung“ von HR bin ich allerdings eher nicht so optimistisch für 2017. Leider.

Joachim Diercks ist Geschäftsführer der CYQUEST GmbH mit Sitz in Hamburg. Unter dem Oberbegriff Recrutainment erstellt er Lösungen aus den Bereichen der Eignungsdiagnostik sowie Berufs- und Studienorientierung für Unternehmen und Hochschulen. Mit dem Recrutainment-Blog führt er einen der meistgelesenen deutschsprachigen HR-Blogs.

Soziale Medien: Es geht um die Machtverteilung im Netz – um Algorithmen und Cola

Ingrid Brodnig: „Es geht um die Machtverteilung im Netz – um Algorithmen und Cola.“ (Foto: Ingo Pertramer)
Ingrid Brodnig: „Es geht um die Machtverteilung im Netz – um Algorithmen und Cola.“ (Foto: Ingo Pertramer)

2017 werden wir über algorithmische Transparenz sprechen: Das heißt nicht, dass große Plattformen wie Facebook oder Google ihren Programmiercode und somit ihre Betriebsgeheimnisse offenlegen müssen. Sehr wohl aber braucht es einen fairen Deal für uns Konsumenten. Wir sollten das Recht haben, die Mechanismen zu verstehen, denen wir uns online aussetzen. Wir könnten dann auch besser durchblicken, wieso sich Falschmeldungen und Hass im Netz so rasant verbreiten.

Ein Gedankenexperiment: Wer sich im Supermarkt eine Cola kauft, bekommt auf der Flasche genau aufgelistet, welche Inhaltsstoffe das Getränk beinhaltet. Das geheime Cola-Rezept wird dabei jedoch nicht verraten. Warum fordern wir nicht das selbe von Plattformen wie Facebook und Google, deren Algorithmen wesentliche Informationen für die Menschheit filtern?

Ein Vorschlag: Große Plattformen sollten ihre „algorithmischen Zutaten“ auflisten. Alle Faktoren, die der Algorithmus bei der Auswahl von Information berücksichtigt, werden genannt. Konzerne wie Facebook und Google müssten dann zwar nicht ihren Code (die geheime Rezeptur) offenlegen. Sehr wohl aber könnte jeder von uns nachlesen, was alles mitentscheidend dafür ist, welche Beiträge Facebook uns anzeigt – und welche nicht. Das wäre gewiss eine lange Liste, aber für viele Geeks und Journalisten interessant.

Die betroffenen Unternehmen sind von der Idee womöglich nicht begeistert. Manche Cola-Hersteller würden ihre Zutaten vermutlich auch lieber geheim halten. Doch 2017 wird jenes Jahr sein, in dem wir genau solche Ideen diskutieren: Wir werden über die Machtverteilung im Internet sprechen müssen, darüber, wer von den Algorithmen aktuell profitiert – und wie viel Macht auch dem Konsumenten zusteht.

Ingrid Brodnig ist Autorin des Buchs „Hass im Netz. Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können“ und Redakteurin des österreichischen Nachrichtenmagazins profil. Sie glaubt weiterhin, dass das Internet ein Tool für Demokratie sein kann – solange wir Bürger das einfordern. Sie twittert (@brodnig) und bloggt dazu.

Politik und Gesellschaft: Meinungsbildung braucht 2017 zwingend Digitalkompetenz

Lena-Sophie Müller: „Meinungsbildung braucht 2017 zwingend Digitalkompetenz.“ (Foto: Bedoy)
Lena-Sophie Müller: „Meinungsbildung braucht 2017 zwingend Digitalkompetenz.“ (Foto: Bedoy)

Die fortschreitende Digitalisierung bietet in Deutschland zweifelsohne große Entwicklungs- und Innovationspotenziale, erfordert aber auch immer ein aktives Mitgehen und Gestalten. 2017 werden wir als Gesellschaft besonders im Vorfeld der Bundestagswahlen noch stärker spüren, dass das mediale Umfeld sich verändert hat. Für die Meinungsbildung wird ein deutlich ausgeprägteres Verständnis der digitalen Welt und ihrer neuen Logiken, beispielswiese dem Echokammer-Effekt, erforderlich. Direktere und populistische Kommunikation in Social Media (man denke an Trump, AfD) und Social Bots zur Meinungsmache sowie Falschmeldungen werden wohl Teil der Realität sein. Logiken und Vertrauensanker, auf die Meinungsbildungsprozesse in analogeren Zeiten fußten, funktionieren nicht mehr bedingungslos.

Auch der Trend zur Automatisierung wird 2017 mit sich bringen, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sich zunehmend mit ethischen Fragestellungen auseinandersetzen und Leitplanken definieren werden. Diese Diskussion wird nicht auf den Bereich des autonomen Fahrens beschränkt bleiben, sondern sich auf den Gesundheits- und Pflegesektor, den Finanzmarkt, unseren gesamten Alltag ausbreiten. Nach welchem Wertekanon sollen die zugrundeliegenden Algorithmen in Zukunft Entscheidungen treffen? Sollten wir unsere Entscheidungsautonomie auf Maschinen und Algorithmen übertragen, wenn diese nachweislich besser sind als wir? Wo müssen wir einen offeneren Blick auf Digitalisierung entwickeln, um Entwicklungs- und Innovationspotenziale zu erschließen? 2017 werden wir zu diesen Themen den Beginn eines gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses sehen.

Es braucht also ein digitales Bauchgefühl, um sich selbstbestimmt und kritisch im Digitalen zu bewegen und einzubringen. Dass der Grundstein für diese Digitalkompetenz bereits in der Schule gelegt werden muss, darf 2017 nicht mehr in Frage gestellt werden. Denn, wer nicht ankommt in der Welt des Digitalen, wer die Regeln nicht verstehen lernt und die Chancen nicht für sich zu nutzen weiß, wird zunehmend benachteiligt sein. Die Folgen der Digitalisierung sind weitreichend und der Erfolg hängt von der positiven Gestaltung ab. 2017 werden wir (hoffentlich) eine chancenorientierte und reflektierte Debatte der gestaltenden Akteure der Digitalisierung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sehen, die nicht das Gefühl vermittelt, sich gegen die Folgen der Digitalisierung wehren zu müssen, sondern sich diese als Chance zueigen machen zu können.

Lena-Sophie Müller ist seit 2014 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Initiative D21 e.V. – Netzwerk für die digitale Gesellschaft von Politik und Wirtschaft. In dieser Position ist es ihr Anliegen, die gesellschaftlichen Implikationen der Digitalisierung in Deutschland aufzuzeigen und positiv mitzugestalten. Auf Twitter findet man sie unter @LSMueller.

Infrastruktur: Das mobile Web ist auf dem Vormarsch

Stephan Dörner: „Das mobile Web ist auf dem Vormarsch.“ (Foto: Twitter)
Stephan Dörner: „Das mobile Web ist auf dem Vormarsch.“ (Foto: Twitter)

Nachrichten vom Tod der App sind weit übertrieben. Tatsache ist jedoch, dass zahlreiche Erhebungen einen deutlichen Trend erkennen lassen: Viele Nutzer konzentrieren sich auf wenige, sehr häufig genutzte mobile Apps und rufen dafür viele Dienste des Internets verstärkt mit dem mobilen Browser auf.

Es ist nur verständlich, dass sich Smartphone-Nutzer nicht für jede der zahlreichen Websites und Dienste, die sie im Internet nutzen, eine eigene App herunterladen wollen. Je schneller Smartphones werden und je weiter sich Webbrowser samt ihrer Javascript-Engine entwickeln, desto geringer wird der gefühlte Unterschied zwischen nativer App und mobiler Website – bis er irgendwann ganz verschwindet.

Der Trend für das Jahr 2017 ist daher klar: Das mobile Web ist auf dem Vormarsch, während sich die App-Nutzung zunehmend auf wenige, sehr häufig genutzte Programme wie Facebook und Whatsapp beschränkt. Schon 2014 zeigte eine Erhebung, dass eine satte Mehrheit von 65 Prozent der Amerikaner im Schnitt null Apps pro Monat herunterlädt.

Doch was wird das nächste „große Ding“? Zumindest die Zutaten für die kommende Ära des Internets können heute schon erahnt werden: Deutlich schnelleres, überall verfügbares Internet, weitere Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz, eine weitere, noch stärkere Durchdringung mit Smartphones weltweit und immer größere Rechenkapazitäten, die dank Breitband-Internet überall verfügbar sein werden.

Wer diese Zutaten nimmt und daraus etwas baut, das für Menschen oder Unternehmen von Nutzen ist, hat gute Chancen, die nächste technische Revolution anzuführen.

Stephan Dörner ist seit Juli 2016 neuer Chefredakteur von t3n.de. Zuvor schrieb er Tech-Reporter beim Handelsblatt, dem Wall Street Journal Deutschland und der Welt über digitale Themen. Er interessiert sich für technologische Entwicklungen und wie sie Wirtschaft, Leben und Gesellschaft verändern.

Übrigens: Wer einmal abgleichen möchte, ob die Experten aus 2016 richtig lagen mit ihren Prognosen, kann gerne auch noch einmal einen Blick in die Mega-Trends 2016 werfen.

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2 Reaktionen
Netfix
Netfix

Bin über einen edutrainment-Newsletter auf Eure Seite und diese Vorschau gekommen, seht mir die undigitale Verspätung nach.
Die beitragenden Experten klingen leider wie die sprichwörtlichen Hamster im Laufrad. Ich hoffe, dass sich das irgendwann mal rächt. Ja, Ihr macht alles richtig, Tempo, Technik etc. Aber der Mensch, eigentlich Sinn von't Janze, kommt nicht mehr vor außer als Getriebener. Ihr tut mir Leid.

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Robert

Genau zu diesen Thema habe ich vor kurzen eine kleine Blog-Parade gestartet
Da könntet ihr ja praktisch mitmachen ;)

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