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Interview

VW-Tochter Moia: So will der Chef mit E-Shuttles Milliarden umsetzen

    VW-Tochter Moia: So will der Chef mit E-Shuttles Milliarden umsetzen
E-Shuttles statt Dieselgate: Moia-CEO Ole Harms soll Volkswagen mit Hilfe von Moia Beine machen. (Foto: Moia)

Im Interview spricht Ole Harms, der CEO von Volkswagens junger Konzernmarke, über Algorithmen für seine ehrgeizigen Shuttle-Pläne und darüber, weshalb man sich bei VW gegen Carsharing entschieden hat.

Wer sich bei Moia mit dem Dienstwagen im Kopf bewerbe, der habe das Thema Mobilität, wie man es hier in Berlin nun lebe, nicht ganz durchdrungen, heißt es bei Volkswagens neuer Vorzeigemarke. Seit gerade mal einem halben Jahr ist diese nun aktiv, noch wenig bekannt – und sie soll Mobilität endlich auch bei den Wolfsburgern neu denken.

Im kommenden Jahr möchte man in zwei deutschen Städten einen On-demand-Shuttle-Service einführen, den Bürger per App rufen können – und der preislich günstiger sein soll als das eigene Auto oder Taxifahren. So lautet zumindest die Vision.

Das Logo von Moia. (Bild: Moia)
Das Logo von Moia. (Bild: Moia)

Am Berliner Kemperplatz, direkt neben dem Potsdamer Platz gelegen und nicht weniger gewienert, hat man sich also eingerichtet: in einem hippen Coworking-Space, dem die Hauptstadt zumindest ausblickstechnisch zu Füßen liegt. Überall hier schwirren junge Menschen herum, die verschiedenen Startups angehören und die vermutlich gemein haben, dass sie irgendetwas zum Besseren verändern wollen.

Überraschen kann da auch nicht, dass dieses Interview in einem für junge Firmen demonstrativ untypischen Büro stattfindet: glänzende metallene Stühle auf Teppich, die Wandverkleidung erinnert an klassische Kaschan-Auslegeware. Und die Porzellantassen tragen die Aufschrift „Always do what you love“, ein Auszug aus dem Mission-Statement des mittlerweile auch in Berlin ansässigen Coworking-Space-Anbieters We Work, dessen Räumlichkeiten Moia hier nutzt. Und der amerikanische Spruch passt natürlich auch ein bisschen zum Selbstverständnis der hier lebenden Moianer.

Deren VW-erprobter Häuptling, Ole Harms, CEO der New-Mobility-Marke, war zunächst für Beratungsfirmen tätig, unter anderem für Capgemini, und ist anschließend über die Volkswagen Consulting in den Konzern eingestiegen, wie er erzählt. Dort habe er das Top-Management beraten, und später habe ihn ein Vorstand direkt angesprochen, ob er denn nicht nur für ihn arbeiten wolle.

Während dieser Zeit war Harms, mit Bart und Turnschuhen ausgestattet und wie der Rest seiner internationalen Truppe ganz ohne Anzug, unter anderem in Brasilien bei der VW-Tochter Seat und in den USA tätig. Mit dem Thema Innovation beschäftige er sich mittlerweile seit drei bis vier Jahren, sagt er, überhaupt lägen ihm die „neuen Themen“ sehr am Herzen.

Um seiner Vision von einer preisgünstigen Shuttle-Flotte Leben einzuhauchen, hat sich Moia erst im Mai das finnische Unternehmen Split geleistet, das die für den reibungslosen Betrieb nötigen komplexen Algorithmen und somit das Herzstück des noch in der Entwicklung befindlichen neuen VW-Produkts zuliefern soll.

Mit der Hamburger Hochbahn, die in der Hansestadt die U-Bahnen und viele Busse betreibt, gibt es seit vergangener Woche nun auch einen ersten Partner, der den „kollaborativen Ansatz“ mit Städten unterstreichen soll, den man auch in Zukunft pflegen möchte.

Im Interview in der Firmenzentrale spricht Ole Harms über den „Stealth Mode“, in dem Moia sich derzeit noch befinde, angepeilte Milliardenumsätze innerhalb der kommenden Jahre und darüber, weshalb er „Hipster“ für ein Schimpfwort hält.

t3n.de: Du hast vor deiner Berliner Zeit bei Moia schon länger bei Volkswagen gearbeitet. Bist du eher VW-Apparatschik oder schon Hipster?

Ich hoffe: weder noch. Ich überlege gerade, was ein VW-Apparatschik überhaupt sein soll. Ich war erst Berater bei zwei externen Beratungsfirmen und bin dann über die Volkswagen Consulting in den Konzern eingestiegen. Hipster ist eh nur ein inhaltsleeres Schimpfwort, finde ich. Aber die Leute suchen heutzutage eben nach Symbolen. Als nach unserem Launch die ersten Artikel über Moia und mich herauskamen, hieß es oft: „Ui, der neue Vorstand sieht ja ganz anders aus!“ Und das Wichtigste war, dass ich Turnschuhe und einen Bart habe. Was ich dann doch nicht so wichtig finde. Fakt ist: Wir arbeiten, wie es eben passt in unserem Arbeitsumfeld. Wenn ich in Wolfsburg bin, trage ich auch Anzug und Krawatte. Und hier in Berlin bei Moia komme ich eben in V-Neck-Shirt, Jeans und Turnschuhen. Die Kleidung ändert nichts an meinem Mindset – und das bleibt raumgreifend und innovativ.

t3n.de: Volkswagen ist ziemlich spät dran, was alternative Mobilitätskonzepte angeht. Ist es so, dass man im Konzern grundsätzlich erst einmal schaut, was die Konkurrenz so macht, und dann dort reingeht, wo es sinnvoll scheint, weil sich eine Marktlücke aufgetan hat?

Ich glaube, dass es im Mobilitätssektor jetzt erst richtig losgeht. Natürlich ist es vorteilhaft, dass wir uns schon einmal ein paar Sachen angucken konnten, wie sie funktionieren – oder auch nicht funktionieren. Zum Beispiel im Bereich Carsharing …

t3n.de: Was hat da nicht funktioniert?

Naja, Carsharing hat mit Sicherheit einiges gebracht, um in dieses Geschäftsmodell reinzukommen, Kundenströme zu verstehen, Operations zu lernen und auch Denkweisen zu verändern. Aber es ist natürlich kein Geschäftsmodell, das maßgeblich groß skaliert auf der Welt. Solche Sachen und auch multimodale Plattformen haben wir uns sehr detailliert angeschaut und uns gefragt, ob sie relevant für uns sind. Letztendlich haben wir andere Schlüsse gezogen und unser Portfolio so aufgebaut, wie es ist. Ob das die richtige Entscheidung war, werden wir in ein paar Jahren sehen.

t3n.de: Jetzt ist es zunächst einmal Zeit für eine erste Bilanz. Moia wurde vor einem halben Jahr gegründet, außerhalb der Mobilitätsbranche kennt noch kaum jemand die Marke.

Wir sind noch im Stealth-Mode. Im Januar haben wir angefangen, nachdem wir im Dezember gelauncht haben. Im Moment verbringen wir sehr viel Zeit mit der Vorbereitung. Das heißt zum Beispiel: Onboarding der Teammitglieder. Aber was wir schon sagen können: Die Art und Weise, wie wir die Marke Moia kommuniziert haben und uns positionieren mit dem Konzern Volkswagen im Rücken, scheint für viele sehr ansprechend zu sein.

t3n.de: Aber in der breiten Öffentlichkeit kennt Moia noch keiner ...

Vielleicht nicht, aber eben in der Mobilitätsszene, die ja klein ist. Wir haben unsere Website zum Start der „TechCrunch Disrupt 2016“ gelauncht, ansonsten nichts promotet, keine einzige Stellenausschreibung gemacht – und bis heute trotzdem 1500 Bewerbungen bekommen. Und da sind Leute aus der ganzen Welt dabei.

t3n.de: Aber die Strahlkraft kommt von Volkswagen und nicht Moia, oder?

Naja, ich denke, dass unsere Vision verfängt, die Demokratisierung und das Neudenken von Mobilität – „Den Menschen ihre Stadt zurückgeben!“ Das merke ich auch in vielen Interviews, dass das ankommt. Und du weißt, du kannst die Vision umsetzen, weil du Zugriff auf Ressourcen und Möglichkeiten des Volkswagen-Konzerns hast.

t3n.de: Eure Vision ist etwas schwammig. Ihr wollt die Städte quasi „befreien“ und Staus künftig vermeiden.

Das wir ein bisschen unklar bleiben müssen, ist klar, denke ich. Weil wir in der Vorbereitung unseres Produkts jetzt nicht alles verraten wollen. Wir überlegen uns gerade ein paar Sachen, die es so noch nicht gibt, und die wollen wir auch nicht jedem sofort auf die Nase binden. Dieses „Schwammige“, wie du es nennst, ist uns also durchaus bewusst. Und diese Kritik können wir aushalten. Dennoch formulieren wir sehr klar, dass wir mit den Städten gemeinsam Lösungen für die jeweiligen Verkehrsprobleme entwickeln und anbieten wollen.

t3n.de: Deine Mission steht und fällt möglicherweise mit dem Preis, der für die Nutzung des Moia-Shuttles in Zukunft berechnet wird. Diesbezüglich hast du einmal gesagt, er soll sich an den Preisen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) einer Stadt orientieren. In Berlin kostet das Einzelticket 2,80 Euro. Wie willst du dieser Summe den Kampf ansagen? Wie kann das funktionieren?

Wir wollen eine Mobilitätsoption bieten, die es heute noch nicht gibt. Heute hat man grundsätzlich den öffentlichen Nahverkehr, das eigene Fahrzeug und das Taxi zur Auswahl. Wir wollen dazwischen landen – ohne allerdings auf einen Fahrpreis von 2,80 Euro zu kommen und so den ÖPNV zu kannibalisieren. Wenn du das tust, hast du nichts erreicht. Es geht uns also nicht darum, Leute, die schon kollektiv fahren, aus dem Bus rauszuholen und wieder ins Auto zu stecken.

t3n.de: Aber ihr wollt mit Moia schon so ein „Mittelding“ zwischen Taxi und Bus sein, oder?

Ja, genau.

t3n.de: Und wollt euch am billigen Fahrpreis orientieren …

Naja, ich sage mal so: Wenn ein Taxi günstig wäre, würde jeder Taxi fahren. Das ist der ultimative Service. Das kann sich aber nicht jeder leisten. Der öffentliche Nahverkehr dagegen ist günstig, hat aber die entsprechenden Einschränkungen durch die Taktung und die historisch gewachsene Wegeführung der Schiene. Wir wollen preislich über dem ÖPNV liegen – aber eben auch sehr viel günstiger sein als andere Mobilitätsoptionen. Das meinen wir mit Demokratisierung.

t3n.de: Und damit kann man Geld verdienen?

Das ist eine sehr gute und sehr wichtige Frage. Es geht in diesem Geschäft zum einen darum, ein Erlebnis zu schaffen, das einzigartig ist. Zweitens geht es um Effizienz und Auslastung. Man braucht die intelligentesten Algorithmen, um das effizienteste Pooling zu haben.

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Eine Reaktion
Ndreas
Ndreas

Als ich diesen Artikel las, musste ich sooooo lachen. Was für toller Kabarettist war mein erster Gedanke! Aber Stop, der Typ meint das erst!
Er verballert also total relaxt die Kohle, die tausende VW - Mitarbeiter erwirtschaften - tolles Konzept.

Toll Toll Toll

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