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Marketing

Endlich Freelancer! So überlebst du dein erstes Jahr als selbstständiger SEO

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Jonas Weber

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SEO-Freelancer Jonas Weber (Foto. Xing)

Jonas arbeitet seit einem guten Jahr als freier SEO-Berater für diverse Unternehmen. Hierbei handelt es sich sowohl um laufende als auch einmalige Beratertätigkeiten. Als früherer Google-Search-Quality-Mitarbeiter ist er nach wie vor mit dem Unternehmen eng verbunden, unter anderem als aktiver Marketing-Expert für die Bereiche SEO und SEM.

t3n: Wie war dein Ausbildungsweg? Woher hast du deine SEO-Skills?

Weber: Der Einstieg war meine praktische Diplomarbeit zum Thema Kosten-Nutzen von Web-Usabilty und SEO im Lufthansa-Konzern. Ab diesem Zeitpunkt hat mich das Thema SEO nicht mehr los gelassen, vor allem immer in der Kombination mit Web-Usabilty. Die Kombination der beiden Elemente muss nämlich kein Widerspruch sein.

Noch während der Diplomarbeit habe ich mich bei Google beworben – nach acht Vorstellungsgesprächen klappte es mit einer Stelle im Search-Quality-Team von Google in Dublin. Das war natürlich ein Traum und die beste Ausbildung, die man sich wünschen kann. Die Lernkurve war extrem steil, die Insights sehr wertvoll. Ich profitiere heute noch jeden Tag davon. Viele Punkte, die ich in der Diplomarbeit nicht beantworten konnte, wurden im Nachhinein aufgeklärt.

Nach meiner Google-Zeit habe ich eine Online-Marketing-&-SEO-Agentur gegründet (inzwischen die Anteile verkauft) und dort in fünf Jahren vor allem auf der anderen Seite viel dazu gelernt: in der Kundenbetreuung und -Beratung. Jetzt bin ich SEO-Freelancer, habe wieder mehr Zeit für das Kernthema SEO und lerne jeden Tag weiter dazu.

t3n: Wie bleibst du auf dem Laufenden?

Weber: Zunächst mal zeigt mir Google jeden Tag das Captcha, das heißt, dass ich die Suche so oft benutze, dass Google mich als "Maschine" identifiziert und ich mich per Zeicheneingabe wieder als Person verifizieren muss. So habe ich auf Projektarbeiten in diversen Unternehmen schon die ganze Abteilung bezüglich Google-Suchen lahm gelegt. Diese Frequenz der Suchen ist wichtig, um zu sehen, was sich bei Google tut und wie die Ergebnisse ausgespielt werden.

Des weiteren bin ich auf vielen Fachkonferenzen unterwegs (zuletzt auf der Google Experts Summit im Google Headquarter in Mountain View), meistens auch als Referent. Sowohl bei den Vorträgen als auch beim Networken in den Pausen nehme ich immer wieder den ein oder anderen Tipp mit.

Ich verfolge die offiziellen Blogs und Hangouts von Google und die wichtigsten Industry-Blogs aus den USA und Deutschland. Natürlich werte ich bei allen Kunden auch sehr viele Daten aus. In meinem Facebook-Stream schlagen viele SEO-Experten und Ex-Kollegen gute Links und Artikel vor.

t3n: Wie akquirierst du neue Kunden?

Weber: Hier versuche ich eher den indirekten Weg über den Ausbau einer nachhaltigen Reputation zu gehen als den Weg der direkten Kaltakquise. Nachdem ich Google verlassen hatte, um mich selbständig zu machen, habe ich viel Eigen-Pressearbeit betrieben.

So haben viele Websites Interviews mit mir veröffentlicht. Dies führte wie bei einem Schneeballeffekt dazu, dass größere Medien über die kleinen Blogs auf mich aufmerksam wurden (sehr viele Journalisten recherchieren auch über Google). So gab es dann unter anderem Interviews beziehungsweise Erwähnungen bei Spiegel.de, Chip.de und Focus.de.

Zusätzlich bin ich auf vielen Konferenzen als Referent präsent, bei diversen Startup-Veranstaltungen als SEO-Mentor (unter anderem Google-Launchpad, Uni-München). Dies führt dazu, dass der Trigger der meisten Anfragen nicht meine eigene Website ist, sondern die Platzierung auf anderen Websites oder die Präsenz auf Offline-Veranstaltungen.

Die wichtigste Akquisemethode ist aber die Weiterempfehlung, also Mund-zu-Mund. Freelancer haben ein begrenztes Zeitbudget. Oft kann es schon ausreichen, dass zufriedene Kunden aktiv weiterempfehlen.

t3n: Welche Startausstattung/ Wieviel Kapital sollte man zum Start parat haben?

Weber: Im Prinzip ist fast kein Kapital von Nöten, da ja Services und Zeit verkauft werden. Bei einer gewissen Expertise sind ohne lange Vorlaufzeit Einnahmen möglich. Bis auf einen leistungsfähigen Laptop sind zunächst mal keine größeren Anschaffungen zu tätigen. Es ist möglich die Freiberuflichkeit von zu Hause durchzuführen, die meiste Software kriegt man kostenfrei oder sehr günstig. Somit existieren für einen Freiberufler am Anfang im Prinzip keine Fixkosten.

Ich bin ein Fan von Cash-Flow-Wachstum, also nur Geld ausgeben und reinvestieren, das davor auch erwirtschaftet wurde. Am Anfang keine teuren Kredite, Büros, Möbel, Autos. Alles kann im Bedarfsfall variabel dazu gebucht werden. Mit diesem Vorgehen wird vermieden sich seine eigene Freiberuflichkeit inklusive einem zu optimistischen Businessplan schön zu rechnen. Ausgaben werden erst getätigt, wenn Aufträge da sind.

t3n: Unter welchem Stundensatz würdest du nie arbeiten?

Weber: Wir könnten die Frage auch so formulieren: was ist mein Einsatz dem beauftragenden Unternehmen wert? Viele meiner Neukunden kommen zum Beispiel wegen Rankingproblemen oder einer Penalty. Die Lösung eines derartigen Problems kann dem Kunden in kurzer Zeit sehr viel Geld einbringen, teilweise im siebenstelligen Bereich pro Monat.

Umgekehrt kann falsches SEO auch viel kaputt machen. Somit wird immer auch für Know-how bezahlt und nicht nur für den Stundensatz. Aus diesem Grund ist meine Mindestbuchung ein bis drei Tage, je nach Größe der Website. Mein Mindesttagessatz ist immer im vierstelligen Bereich. Wenn es Sinn macht, wähle ich gerne ein Modell aus Fixbetrag und Erfolgsbonus.

t3n: Hast du einen branchenspezifischen Spar- oder Tooltipp?

Weber: Die meisten SEO-Experten unterschätzen die funktionale Tiefe der Google-Search-Console (früher Webmastertools). Inzwischen sind hier so viele Daten und Einstellungen vorhanden, dass kleine Webmaster nicht unbedingt ein weiteres Tool benötigen. Ich finde hier alle Keywords, die in Google Analytics und Co. verschleiert werden.

Onpage.org ist bis zu 100 gecrawlten Seiten kostenfrei. Betreut ein SEO-Freelancer nur Kunden mit kleinen Websites, kann das zunächst reichen. Für die Umsetzung der technische Onpage-Fundamentals und Content-Analyse ist Onpage.org ein geniales Tool mit benutzerfreundlichem Interface. Sonst hat jedes Tool seine Stärken und Schwächen. Mein aktuelles Lieblingstool für Linkanalysen ist ahrefs.com, für internationale und komplexe Einsätze kommt niemand an Searchmetrics vorbei – die SAP-Version der SEO Tools.

t3n: Hast du sonst noch einen Rat, den du jemandem mit auf den Weg geben würdest, der sich als SEO-Freelancer versuchen will?

Zunächst mal kann er sich gerne bei mir melden, des öfteren brauche ich Unterstützung. Ich empfehle niemandem, den Job zu kündigen und Freelancer zu werden, bevor er erste Kunden hat. SEOs haben keinen guten Ruf, Kaltakquise ist keine gute Strategie. Meine Kunden bekommen täglich Anrufe und E-Mails mit dubiosen SEO Angeboten, teilweise von „Google zertifizierten SEO Beratern“. Das ist Quatsch, so ein Zertifikat gibt es nicht!

Besser ist es sich zu überlegen: Was könnte mein Alleinstellungsmerkmal sein und wie kann ich es heraus arbeiten. Zum Beispiel könnte ein früherer Journalist und SEO-Fan sich auf das Thema „Content Marketing für SEO“ spezialisieren. Er wird einen anderen Zugang zu Journalisten haben, das überzeugt auch Kunden. Oder ein früherer Online-Shop-Besitzer könnte sich auf „SEO für Online Shops“ stützen, er kennt die Probleme und Bedürfnisse der Shopbetreiber. Ein bestehendes und funktionierendes Netztwerk mitzubringen, ist Gold wert.

Markus Deutscher

Vielen Dank für die hilfreichen Infos. Werde versuchen das ein oder andere umzusetzen.

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