Crowdfunding-Plattformen: Vorbilder Kickstarter & Co.
Wenn das Wort „Crowdfunding“ fällt, dann ist „Kickstarter“ meist nicht weit entfernt. Die amerikanische Plattform hatte einige spektakuläre Projekte anzubieten, beispielsweise die Facebook-Alternative Diaspora. An Kickstarter und Indiegogo orientieren sich viele andere Crowdfunding-Plattformen. Crowdfunding funktioniert auf den Plattformen nach drei Prinzipien:
- Das Prinzip des „Alles oder nichts“: Projekte werden nur dann finanziert, wenn die Zielsumme komplett erreicht wird. Dieses Prinzip ist ein großer Vorteil für die Crowdfunding-Plattformen, die so sicherstellen, dass sich die Initiatoren nicht mit einem Teil des Geldes davonmachen.
- Das Prämien-Prinzip: Je nach Finanzierungsbetrag gibt es eine unterschiedliche Prämie, die von den Projektiniatoren vorab festgelegt wird.
- Das Transparenzprinzip: Die Initiatoren und die Plattformen selber informieren so transparent wie möglich über die Entwicklungen der jeweiligen Projekte und halten so die Unterstützer auf dem Laufenden.
Auf Indiegogo und Kickstarter sind einige Dutzend Projekte angelaufen, die von Ideengebern aus deutschsprachigen Ländern stammen. Allerdings sind zwei Hürden zu überwinden: Für Projekte die sich in erster Linie an deutschsprachige Geldgeber wenden, sind die englischsprachigen Plattformen zu ungewohnt. Im Fall von Kickstarter kommt hinzu, dass es lange Zeit nur möglich war, ein Projekt mit einer amerikanischen Rechnungsadresse zu initiieren. Diese beiden Hürden versuchten die deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen zu umgehen.
Deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen
Mittlerweile gibt es ein gutes Dutzend deutschsprachiger Plattformen, die sich dem Thema Crowdfunding widmen. Die Plattformen sind dabei so unterschiedlich wie ihre Macher. In den grundlegenden Prinzip gibt es viele Ähnlichkeiten mit Kickstarter und Crowdfunding, aber reine „Copycats“ sind es nicht geworden. Innerhalb des letzten halben Jahres haben die Plattformen eigene Schwerpunkte und Heransgehensweisen an das Thema Crowdfunding entwickelt.
respekt.net
Die erste deutschsprachige Crowdfunding-Plattform wurde im Mai 2010 in Wien gegründet. Hinter der Plattform steckt der Verein respekt.net, der von 50 Privatpersonen gegründet worden ist. Die Plattform versucht, eine Lücke in der Finanzierung von sozialen, karitativen und ehrenamtlichen Projekten zu schließen, die es anscheinend in Österreich gab.
Respekt.net hat mit 138.000 Euro Finanzierungsvolumen (Stand 21. Juni 2011) und den meisten erfolgreich finanzierten Projekten den Spitzenreiterplatz der deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen sicher, auch wenn sie sich vorläufig hinsichtlich ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf Österreich konzentrieren.
startnext
Dass der österreichische Crowdfunding-Markt auch für andere Plattformen relevant ist, beweist startnext. Seit dem 15. Juni 2011 gibt es mit startnext.at eine eigene Anlaufstelle für das Alpenland.
Allerdings versteckt sich dahinter lediglich die schon unter startnext.de bereitgestellte Crowdfunding-Plattform für Kreative und Künstler. startnext hat im September 2010 auf der startkonferenz losgelegt. Die Plattform wurde von der Dresdener IT-Firma tyclipso.net entwickelt.
In Deutschland hat startnext bisher die meisten Projekte, wovon knapp drei Dutzend auch erfolgreich finanziert worden sind. Im Gegensatz zum Vorbild kickstarter müssen eingestellte Projekte erst in einer Fanphase Unterstützer sammeln, bevor das Projekt freigegeben wird.
startnext arbeitet als einzige Plattform mit der fidor Bank als Bezahlsystem zusammen, die sich einen Namen mit Community Banking macht. Seit Mai ist angekündigt, dass startnext gemeinnützig werden soll. Die Gebühren würden dann entfallen bzw. teilweise in einen Fond eingehen, der wiederum neue Crowdfunding-Projekte unterstützen soll.
mySherpas
Die Crowdfunding-Plattform mySherpas mit Sitz in München ist wie startnext ebenfalls im September 2010 gegründet worden. Die Gründer kannten sich schon aus anderen Startup-Projekten, daher ist es nicht verwunderlich, dass sich neben dem kreativen und sozialen Projekten auch Unternehmensgründungen auf mySherpas finden.
mySherpas machte bislang durch zahlreiche Erwähnungen in der klassischen Presselandschaft von sich reden, unter anderem für die erfolgreiche Finanzierung eines Bud Spencer Dokumentarfilms.
mySherpas machen die Ausnahme von der kickstarter-Regel, dass nur vollständig finanzierte Projekte ausgezahlt werden, in dem für „Orchideen-Projekte“, die in der Regel soziale Projekte sind, auch Teilbeträge möglich sind.
inkubato
Ebenfalls im Herbst 2010 gründete sich inkubato in Berlin. Einer der Projektgründer stammte aus dem Umfeld der legendären Berliner Bar25 - und so ist es nicht verwunderlich, dass auf inkubato der Bar25-Doku-Film mit mehr als 26.000 Euro das größte Finanzierungsvolumen aller erfolgreich finanzierten Plattform-Projekte hatte. Durch dieses Vorzeigebeispiel sind weitere Film-Crowdfunding-Projekte hinzugekommen und es scheint, dass inkubato sich sehr stark auf diesen Bereich spezialisiert.
VisionBakery
Die VisionBakery besteht aus einem Team von sieben Leipzigern, die sich zum Teil im Studium kennengelernt haben. Die Projekte von Visionbakery finden sich daher auch vor allem in der Nähe von Leipzig.
Das visionbakery-Team legt bei der Auswahl der Projekte großen Wert darauf, dass eine realistische Chance darauf besteht, dass die Projekte auch finanziert werden. Dadurch sind zwar auf visionbakery weniger Projekte eingestellt, die aber fast alle finanziert wurden.
pling
pling ist ebenfalls eine Berliner crowdfunding-Plattform, die durch die IT-Agentur TableofVisions konzipiert und erstellt wurde. Bei pling finden sich einige spektakuläre Crowdfunding-Projekte im Bereich der Unterhaltung. Unter anderem wurde dort das Saber Rider Projekt finanziert, ein Computerspiel, das sich an die bekannte Comic-Serie anlehnt. pling scheint sich im Bereich des IT-Crowdfunding zu etablieren.
friendfund
Eine weitere Berliner Firma gründete die Crowdgiving-Plattform Friendfund. Schon im Juli 2010 ging die erste Version an den Start, bei der ein Freundeskreis zum Beispiel ein gemeinsames Geschenk an ein Geburtstagskind finanziert hat. Im März 2010 wurde die Plattform überarbeitet und gleicht mittlerweile in den wesentlichen Funktionen den anderen Crowdfunding-Plattformen.
Spezialisierung als Vorteil?
Über die klassischen Crowdfunding-Plattformen hinaus gibt es mittlerweile weitere Plattformen, die sich auf bestimmte Aspekte des Crowdfunding spezialisiert haben.
Musik: sellaband, sonicangel
Auf der Plattform sellaband können Musik-Fans die Alben ihrer Lieblingskünstler mitfinanzieren. Sellaband gibt es schon seit 2006, aber in der aktuellen Form mit Sitz in München und Amsterdam erst seit Januar 2010. Sellaband war damit einer der Vorreiter im Musik-Crowdfunding, andere Plattformen wie SonicAngel, die ebenfalls bald in den deutschen Markt drängen wollen, haben sich daran orientiert.
Funding: Seedmatch, investiere.ch
Seedmatch hat sich auf das Crowdfunding von Unternehmen spezialisiert. Die Plattform aus Dresden, die im Sommer 2011 starten wird, erlaubt es Investoren, sich mit kleinen Beträgen von 250 Euro an Startups zu beteiligen. In der Schweiz hat sich mit investiere.ch ein ähnliches Portal entwickelt. In Deutschland sind weitere Startup-Crowdfunding-Plattformen geplant.
Spenden: Betterplace, Helpedia
Eine ganze Reihe von Plattformen nutzen die Crowdfunding-Prinzipen für das Spenden: Betterplace, Helpedia und ähnliche Plattformen. Hier wird auf Prämien verzichtet, aber dennoch werden Spenden nur dann ausgezählt, wenn eine bestimmte Summe erreicht worden ist. Sie sind zwar keine Crowdfunding-Plattformen im engeren Sinne, aber sie machen das Crowdfunding-Prinzip bekannter.
Fazit zu Crowdfunding-Plattformen
Wer ein Projekt mit Crowdfunding finanzieren möchte, sollte sich ausreichend Zeit nehmen die Plattformen zu vergleichen. Nicht nur die Gebühren sollten ein ausschlaggebendes Kriterium sein, sondern auch dei Betreuung der Projekte und der persönliche Draht zu den Plattformgründern.
Einer Frage wird man dabei zukünftig besondere Aufmerksamkeit widmen: Stellt die Spezialisierung der Plattformen einen Vorteil für die Projektfinanzierung dar? Oder ist es besser, sich auf Crowdfunding-Plattformen zu engagieren, die eine möglichst große Reichweite haben, weil sehr unterschiedliche Projekte auf ihr zu finden sind. Was meint ihr?











19 Answers
von Andreas Von Gunten 06.07.2011 (12:19Uhr) 1.
c-crowd.com aus der Schweiz wäre allenfalls noch zu ergänzen: http://www.c-crowd.com/
von Die Woche in Links (27/11) | gumpelMEDIA 11.07.2011 (10:26Uhr) 2.
[...] Deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen auf einen Blick [...]
von Filipe da Costa (Innovestment GmbH) 19.07.2011 (00:04Uhr) 3.
Für Start-Ups auf der Suche nach Crowdfunding, bzw. Crowdinvestments geht im Herbst unsere Plattform http://www.innovestment.de an den Start. Auf Innovestment können Start-Ups sich interessierten Investoren präsentieren, und in einer Beteiligungsauktion Kapital einsammeln. Investoren können dabei schon ab einem Kapitaleinsatz von ca. 1000€ an den Auktionen teilnehmen, und sich bei Erfolg eine stille Beteiligung an den Start-Ups Ihrer Wahl sichern.
Interessierte Startups können sich bereits für Finanzierungen ab Herbst bewerben! Unter startups (at) innovestment.de freut sich das Innovestment-Team über Kontaktaufnahme!
von Links der Woche – KW 32 | blog.sek… 14.08.2011 (22:23Uhr) 4.
[...] Kickstarter. Ein Überblick über die deutschsprachigen Plattformen findet sich hier. Quelle: New York [...]
von Der Schwarm investiert « AdoaCotur… 19.08.2011 (10:00Uhr) 5.
[...] richtige Plattformen, die es Projekten erlauben, sich selbst zu präsentieren und Geld einzunehmen. Hier ist eine Liste von deutschsprachigen Schwarmfinanzierungs-Plattformen. Kickstarter ist eine amerikanische [...]
von Chris 05.09.2011 (13:06Uhr) 6.
Das soziale Netzwerk für sozial Engagierte http://www.einfachgeben.org wäre noch zu ergänzen.
Hier werden Hilfsprojekte und -Organisationen über Crowdfunding finanziert.
Diese Plattform unterscheidet sich von vielen anderen insofern als keine Kosten für die Nutzer entstehen bzw. 100% der gesammelten Gelder an die Hilfsorganisation weitergeleitet wird.
von Karsten Wenzlaff 06.09.2011 (08:40Uhr) 7.
Ich hab mir mal Einfachgeben angeguckt - so richtig scheint der Crowdsourcing/Crowdfunding-Aspekt nicht im Vordergrund zu stehen, oder? Für mich sieht das wie eine klassische Spendenplattform aus - selbst die Finanzierungsziele sind nicht so richtig angezeigt, wie das zum Beispiel bei Betterplace der Fall ist.
von Chris 06.09.2011 (08:51Uhr) 8.
Hallo Karsten!
Danke für das Feedback!
Sie haben vollkommen recht; aus der Historie heraus habe wir uns von der Spendenplattform hin zum Social Network mit Crowfunding-Features entwickelt.
Daher ist (noch) kein klarer Fokus hinsichtlich Crowdfunding erkennbar.
Unter http://www.einfachgeben.org/spendenaktionen finden sie die einfachgebenAKTIONEN unserer Mitglieder. Jeder kann für eine Hilfsorganisation oder ein Hilfsprojekt seine persönliche Spendenaktion starten (Spendenziel ist optional) und mit Freunden online Geld sammeln.
Hier http://www.einfachgeben.org/spendenaktion_organisation/spenden-statt-geschenk ein Beispiel für eine erfolgreiche Aktion (mit Spendenziel).
Liebe Grüße aus Wien
Christian
von MeinWunsch.eu 11.10.2011 (18:56Uhr) 9.
MeinWunsch.eu ist erst seit wenigen Tagen online, hat aber durchaus Potential. Nicht zuletzt weil diese Plattform Crowdfunding für ALLE bietet und sich nicht nur auf StartUps, Firmeninhaber oder Künstler beschränkt. Zudem sind "Wünsche" dort kostenlos und ohne nerviges Zeitlimit. Zudem kann man bequem via sofortüberweisung.de Wünsche unterstützen.
von Erstes deutsches Startup per Online-Crow… 26.10.2011 (16:43Uhr) 10.
[...] Crowdfunding ist dabei keine Neuerfindung von Seedmatch. Populär wurde das Crowdfunding durch die Plattform Kickstarter, die einige spektakuläre Startups wie beispielsweise die Facebook-Alternative Diaspora finanziert hat. Auch im deutschen Sprachraum gibt es schon einige Crowdfunding-Plattformen, die wir euch hier bereit.... [...]
von Homophobia lautet der Arbeitstitel eines… 08.12.2011 (13:42Uhr) 11.
[...] die bekannteste und größte Plattform für Crowdfunding dürfte Kickstarter sein, aber auch in Deutschland gibt es inzwischen mehrere Plattformen. Das neue Filmprojekt „Homophobia„, ein Kurzfilm über homo- und transphobes Mobbing, [...]
von Die Masse macht´s: Crowdfunding auf lit… 15.12.2011 (15:40Uhr) 12.
[...] recht zahlreichen Plattformen anmelden (ein Überblick über die deutschen Websites findet sich hier), um sein Projekt vorzustellen oder in ein Projekt zu investieren. Im Kunst- und Kulturbereich [...]
von Nino Menno 12.01.2012 (14:28Uhr) 13.
In der Schweiz ist nun erstmals eine Crowdfunding Plattform mit dem Namen ordiris online gegangen, welche für Jedermann kostenlos zugänglich ist.
http://www.ordiris.com
Bin gespannt, ob sich ein solches Konzept auch in der Schweiz durchsetzen kann.
von Crowdfunding – bitte realistisch bleib… 24.01.2012 (09:06Uhr) 14.
[...] weil es kreative Sponsoring-Möglichkeiten geradezu provoziert und weil die Sache online über eine Crowdfunding-Plattform abgewickelt [...]
von Kickstarter erwartet für 2012 mehr Geld… 27.02.2012 (09:59Uhr) 15.
[...] Kickstarter gibt es inzwischen auch einige deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen (vgl. t3n für einen Überblick), die unterschiedliche Schwerpunkte und Modelle aufweisen. Während sich bei startnext.de vor allem [...]
von John 10.03.2012 (07:35Uhr) 16.
Ich habe mal eine Frage, weil ich mit dem Gedanken spiele, zu einem spaeterem Zeitpunkt eine Idee in Angriff zu nehmen.
Kann es nicht auch passieren, das mir jemand meine Idee stielt? Wenn es sich in meinem Fall um ein Internet-Startup handelt, also eine Internetplattform, diese ihr Finanzierungsziel nicht erreicht, aber ja in allen Details oeffentlich dargestellt wird, ist es doch ein leichtes fuer jemanden mit entsprechender Qualifikation, meine Idee umzusetzen oder?
von Crowdfunding - die Masse macht's m… 13.03.2012 (12:32Uhr) 17.
[...] Web: Liste deutschsprachiger Crowdfunding-Plattformen [...]
von Crowdfunding: Links und Infos | Peter We… 20.04.2012 (12:53Uhr) 18.
[...] und Infos Deutschsprachige Plattformen auf einen Blick. Crowdfunding-Newsletter von Wolfgang Gumpelmaier. Crowdfunding-Gruppe auf Facebook: [...]
von Hans Maier 20.04.2012 (13:44Uhr) 19.
wir bieten die 1. Party Crowdfunding Plattform an.
http://www.partyfux.de
hier können private Partypeople ganz einfach und kostenlos ihre Party sponsern lassen
Gruss