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Disketten leben: Wie Floppy Disks heute noch immer zum Einsatz kommen

Nach ihrer Entwicklung 1969 war die Diskette bis Anfang der 90er das Nonplusultra – dann übernahmen die CD und der USB-Stick. Von den Möglichkeiten, die die Cloud heute bietet, ganz zu schweigen. Doch noch immer werden weltweit Floppy Disks verwendet. Warum?

3 Min. Lesezeit
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Die Floppy Disk lebt noch immer. (Bild: Brenda Rocha - Blossom/ Shutterstock)


An Disketten scheiden sich die Geister. Für die einen sind die Plastikfestplatten ein Stück Kindheit und wecken mit Gedanken an pixelige Computerspiele nostalgische Gefühle. Für die anderen sind sie ein nerviges Überbleibsel längst vergangener Tage, das verbannt werden sollte. So sieht das auch Taro Kono.

Der ehemalige japanische Verteidigungs- und Außenminister hat mittlerweile das Amt des Digitalministers inne – und sagt Disketten den Kampf an. Noch heute würden in Japan in über 1.900 Verwaltungsprozessen ­Disketten genutzt, und auch Bürger reichten Dokumente noch immer auf Disketten ein: Das ­twitterte Kono Ende August 2022. Dabei werden Disketten seit 2011 nicht einmal mehr neu produziert.

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Alle Disketten, die sich im Umlauf befinden, sind also mindestens elf Jahre alt und den modernen Standards eigentlich nicht mehr gewachsen. Doch die Betonung liegt deutlich auf „eigentlich, denn selbst ­Hightechbranchen schwören noch auf den Datenträger des vergangenen Jahrhunderts.

Disketten kommen noch immer zum Einsatz

Heutzutage gibt es drei Gruppen, die nach wie vor auf Disketten setzen. Zwei davon haben einiges gemeinsam: Es sind die Bastler und Künstler. Kollektive und Einzelpersonen, die Disketten für Kunst- und Werbezwecke nutzen, um einen gewissen Retro-Touch zu vermitteln, oder Nerds, die noch mal in ihre Kindheit eintauchen wollen und sich daran erfreuen, alte Spiele mit Disketten auf neuen Geräten zum Laufen zu bringen.

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Der britische Künstler Nick Gentry ist beispielsweise bekannt für seine großformatigen collagierten Porträts. Dabei bedient er sich alter Medienmaterialien wie VHS-Kassetten oder eben Disketten. Der Londoner will so die Aufmerksamkeit auf die Obsoleszenz von Materialien lenken, die einst als Notwendigkeit erschienen.

Die größte Nutzergruppe findet sich jedoch in der Industrie: Es kommen Disketten in Geräten zum Einsatz, die vor der Jahrtausendwende gebaut wurden und noch heute unersetzlich sind. Gerade in der Stickereibranche, dem Werkzeugbau und der Luftfahrt werden diese Industriemaschinen noch vielfach genutzt.

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„Disketten sind viel stabiler und zuver­lässiger als USB-Laufwerke.“

Hier umzusatteln, wäre mit enormen Kosten und Aufwand verbunden. Boeings Großraumflugzeug 747-400 – die Modelle wurden erstmals Ende der 1980er-Jahre gebaut – wird beispielsweise noch mit Disketten versorgt. Techniker speisen mit 3,5-Zoll-Disketten regelmäßig die Daten­banken der Flieger. Alle 28 Tage muss die Datenbank in diesen Maschinen­typen mit frischen Werten aktualisiert werden.

Dafür wurde damals ein herkömmliches Diskettenlaufwerk integriert, das auch heute noch genutzt wird. Ganz nach dem Motto „Never change a running System“. „Ich denke, Disketten sind viel stabiler und zuverlässiger als USB-Laufwerke“, sagt Tom Persky, die wohl weltweit letzte ­Größe im Diskettengeschäft. Persky ist Gründer von Floppydisk.com, einem US-amerikanischen Unternehmen, das sich dem Recycling von Disketten verschrieben hat.

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Auch neue und gebrauchte Disketten verkauft Persky nach wie vor in die ganze Welt – pro Monat vertreibe er „Tausende“. Aktuell beträgt sein Bestand nach eigenen Angaben noch eine halbe Million Disketten. Gerade industrielle Kunden sind auf Menschen wie ihn angewiesen, die nach wie vor mit Disketten handeln.

Doch auch Disketten-Guru Persky warnt: „Alle physischen Medien fallen irgendwann aus. Um die Daten sicher aufzubewahren, empfehle ich eine Festplatte, eine Backup-Festplatte und ein Cloud-Storage-Backup. Am besten alle drei zusammen.“ Und auch für Krypto-En­thusiasten hat Persky noch einen Tipp parat: „Speichert eure privaten Kryptoschlüssel niemals auf einer Diskette!“

Richtige Lagerung sorgt für lange Verwendbarkeit

Denn: Mit alten Computern und Betriebssystemen ist es jahrzehntelang möglich, Disketten aus den 80ern oder 90ern auszulesen. Der wichtigste Faktor ist dabei die passende Aufbewahrung. „Bei richtiger Lagerung funktionieren die Medien heute ungefähr so gut wie am Tag ihrer Herstellung“, sagt Persky. Die Magnetköpfe, die bei Disketten verwendet werden, haben zwar kein Haltbarkeitsdatum, verlieren aber irgendwann ihre Magnetisierung: Damit droht ein Datenverlust.

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Die meisten Hersteller geben an, dass auch nach 30 Jahren noch alle Daten verfügbar sein sollten. Allerdings nur unter optimalen Umweltbedingungen: Es muss eine stabile Temperatur herrschen, es darf also nicht zu kalt oder zu heiß werden. Außerdem müssen die Disketten vor Feuchtigkeit geschützt werden.

Die Lebensdauer ver­ringert sich zudem mit der Nutzung. Je häufiger das Medium verwendet wird, desto schneller endet seine Zeit. Somit müssen sich große Unternehmen und Verwaltungen doch irgendwann von der Diskette verabschieden. Und was macht Tom Persky dann? Der hat immer noch seine Künstler und Bastler.

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