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Das eigene Haus hacken: So baust du dir eine Fernbedienung, die Türen öffnet

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Die Steuerung per Web

Mit der Android-App kann man auch von unterwegs auf OpenHAB zugreifen. Natürlich gibt es auch eine App für iOS.
Mit der Android-App kann man auch von unterwegs auf OpenHAB zugreifen. Natürlich gibt es auch eine App für iOS.

Eine solche Konstruktion lässt sich auch übers Web steuern: Es gibt zwei Webfrontends sowie native Apps für Android und iOS, die per REST mit OpenHAB kommunizieren. Die Konfiguration erfolgt über Items und Sitemaps. Über verschiedene Item-Typen wie Switch, Dimmer, Rollershutter, Number und String – die sich in Gruppen zusammenfassen lassen – können Bastler ihre Hardware verknüpfen. Diese Items und Gruppen lassen sich dann in einer Sitemap anordnen. Das Frontend nutzt diese wiederum, um die Items in einer Baumstruktur darzustellen.

Verschiedene Szenarien können so umgesetzt werden: In OpenHAB gibt es dafür sogenannte Scenes, mit denen sich mehrere Aktionen zusammenfassen lassen. Etwa, um eine Dinner-Scene zu definieren, die die Lampen anschaltet, die man beim Essen braucht – und eine TV-Scene, die den Fernseher und HTPC einschaltet und das Licht im Raum dimmt.

Türöffnen per JeeNodes: So kann es gehen

Mit zwei JeeNodes lässt sich bereits eine ganze Menge anfangen. Wer beispielsweise in ständiger Angst lebt, den Paketboten zu verpassen, kann sich leicht eine Fernbedienung für seinen Türöffner bauen. Dazu nötig ist zunächst das Wissen, wie ein Türöffner funktioniert – was schnell erklärt ist: Wenn eine Person den Taster für den Öffner drückt, schließt sich ein Stromkreis, der einen Elektromagneten im Türschloss mit Strom versorgt. Es summt und die Tür lässt sich öffnen.

Der Hobby-Hacker muss parallel zu dem Taster, der dafür sorgt, den Stromkreis zu schließen, ein Relais (also einen Schalter) einbauen. Dieses lässt sich dann per JeeNode aktivieren, wenn sich die Tür öffnen soll. Und wer schon dabei ist, eine Fernbedienung für den Türöffner zu bauen, kann auch gleich das Klingelsignal an die Fernbedienung weiterleiten.

Das ist in der Tat ähnlich einfach: Klingelt jemand an der Tür, schließt er damit den Stromkreis, der den Signalgeber (mechanische Klingeln sind ja selten geworden) versorgt und es bimmelt. Dazu ist das Wissen nötig, an welchen Kontakten das Klingelsignal anliegt, um es auszuwerten.

Der Schaltplan der Klingel: Der Vorwiderstand des Optokopplers richtet sich nach der Spannung beim Klingeln. 10kOhm sollte ein sicherer Wert sein.
Der Schaltplan der Klingel: Der Vorwiderstand des Optokopplers richtet sich nach der Spannung beim Klingeln. 10kOhm sollte ein sicherer Wert sein.

Als erstes gilt es also herauszufinden, an welchen Kontakten der Türklingel (oder Sprechanlage) das Klingelsignal und der Taster für den Öffner sich befinden. Das ist in der Regel nicht weiter schwierig, denn für die meisten Klingel- und Türsprechanlagen findet sich die entsprechende Dokumentation leicht im Web.

Sind die benötigten Kontakte identifiziert, kann man anfangen, die Schaltungen zu planen. Die JeeNode, die an die Klingelanlage angeschlossen wird, braucht ein Relais, um den Öffner zu betätigen und einen Optokoppler (ein Bauelement, dass der Übertagung von Signalen dient), um das Klingelsignal auszuwerten.

Der Schaltplan des Türöffners: VCC (Pin für positive Versorgungsspannung) und GND (Masse) müssen mit der Versorgungsspannung und Masse der JeeNode verbunden sein.
Der Schaltplan des Türöffners: VCC (Pin für positive Versorgungsspannung) und GND (Masse) müssen mit der Versorgungsspannung und Masse der JeeNode verbunden sein.

Die zweite JeeNode, die als Fernbedienung dient, benötigt einen Taster, um das Signal zur Betätigung des Öffners zu senden und einen Signalgeber. Das kann ein kleiner Summer oder eine LED sein – wer will, kann aber auch einen MP3-Player anschließen.

Für die Stromversorgung der JeeNodes reichen handelsübliche USB-Netzteile. Es eignen sich aber auch Netzteile ausgedienter Mobiltelefone. Wichtig ist, dass sie mehr als 4 Volt, aber möglichst nicht mehr als 9 Volt Gleichspannung liefern. Mit trickreichem Code kann man aber auch Batterien für eine der JeeNodes verwenden.

Fazit und Ausblick

Das Beispiel demonstriert, wie sich mit geringem Aufwand beeindruckende Effekte erzielen lassen. Man kann ohne weiteres eine der beiden JeeNodes an einen Raspberry Pi anschließen und per OpenHAB das Deckenlicht flackern lassen, wenn es klingelt. Die Tür öffnet man mit der OpenHAB-App auf Smartphone oder Tablet.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt – und das betrifft nicht nur das Haus. Es gilt auch für die Materialauswahl: Obsolete Elektronik kommt so noch einmal sinnvoll zum Einsatz. Je mehr Hacker- und Makerspaces es gibt, desto mehr Werkzeuge wie CNC-Fräsen oder Lasercutter gibt es für Hobbybastler – die CAD-Software muss allerdings noch bedient werden. Aber dann gilt: Was man sich vorstellen kann, kann man auch bauen.

Alexander Meyer
Alexander Meyer

beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Elektronik. Seit 1998 entwickelt er Software, seit 2010 beschäftigt er sich zudem mit Mikrocontrollern, worüber er auf testblog.arles-electrique.de bloggt. Beruflich ist Meyer Systemadministrator bei der hamburger Commerce Plus GmbH.

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4 Reaktionen
EvaB

Hier noch ein tolles Projekt für die Hausatomatisierung über das Raspberry Pi: http://raspberrypiguide.de/howtos/powerpi-raspberry-pi-haussteuerung/

Benny

Leichter gehts mit homecontrol4me, einfach mal googlen, dort gibts ne fertige anleitung, flashbare roms für arduino und ne app für android, hab mit nem funkrelais mein türöffnerknopf gebrückt und das läuft 1A

John Wayne

Also einen elektronischen Kreislauf anzuzapfen ist immerhin noch machbar. Ich dachte wirklich ich könnte mehr darüber lesen, wie ich wirklich mein Haus anzapfen kann und nicht lediglich den elektron. Türöffner einer Mietwohnung modifiziere. Also ich dachte jetzt wirklich an ein Haus, wie es in der Überschrift auch plakatiert ist.

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