E-Commerce

E-Commerce: So gelingt die erfolgreiche Internationalisierung

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Muss ich hier selbst umrechen?

Die gesamten Inhalte eines Shops in eine andere Sprache zu übersetzen, ist je nach Artikelanzahl mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Für viele Anbieter scheinbar zu viel, um dann auch noch in das Shop-Backend einzusteigen, um Währungen und Maßeinheiten abhängig von der Länderselektion umgerechnet anzeigen zu lassen. Aber was bringt eine Produktbeschreibung in der eigenen Landessprache, wenn der Besucher dennoch die Hürde auf sich nehmen muss, den zu bezahlenden Betrag in seine eigene Währung oder die Schuhgröße in seine übliche Einheit umzurechnen?

Da der Mensch von Natur aus bekanntlich jeglichen Kognitionsaufwand zu vermeiden versucht, müsste die Kaufmotivation dazu an dieser Stelle schon sehr hoch sein – zum Beispiel bei einem besonders seltenen Produkt, welches in sonst keinem Shop mehr verfügbar ist. Davon kann ein Händler aber nur selten wirklich ausgehen.

Alle Preise sollten also grundsätzlich shopübergreifend angepasst werden, dies gilt natürlich auch für Rabatte, Aktionen und Versandkostenangaben. Ebenso wichtig ist es, an geeigneter Stelle lokal gewohnte Maßeinheiten anzuzeigen, etwa bei Kleidung oder Schuhen. Dazu bietet es sich an, auf Produktebene entweder automatisch die passende Einheit auszugeben oder alternativ Umrechnungs-Tools oder -Tabellen zur Verfügung zu stellen.

Clevere Shops geben Kunden die Möglichkeit, Kleidungsgrößen in unterschiedliche Einheiten umzurechnen.
Clevere Shops geben Kunden die Möglichkeit, Kleidungsgrößen in unterschiedliche Einheiten umzurechnen.

Warum muss ich meinen Nachnamen vor dem Vornamen eingeben?

Kulturelle und regionale Besonderheiten gilt es auch in Bestellformularen zu berücksichtigen. Folglich ist es auch hier nicht damit getan, diese einfach in die Landessprache zu übersetzen. Zumal sich manche Wörter nicht eins zu eins übersetzen lassen. Je nach Land zeigen sich teilweise sehr starke Differenzen in der Erwartungshaltung bezüglich Reihenfolge, Anordnung und generellem Vorhandensein von bestimmten Formularfeldern.

So ist es für englische Käufer üblich, die Hausnummer vor der Straße und den Postcode hinter dem Ort einzutragen. In den USA ist es zudem ganz normal, das Bundesland anzugeben. In Deutschland hingegen ist das Bundesland nur sehr selten relevant, und es ist üblich, die Postleitzahl vor der Stadt einzugeben. Um den Kaufprozess nicht unnötig zu verzögern und eventuelle Unsicherheiten zu vermeiden, sollte der Shopbetreiber die Formulare entsprechend der Erwartungen im Zielmarkt anpassen.

Auch wenn Europa immer enger zusammenwächst, die kulturellen Unterschiede bleiben. Auch beim Shopping gibt es Details, an die ein Shopbetreiber denken sollte, bevor er internationalisiert. Ein Beispiel ist die Art, wie der Nachname geschrieben wird – vor dem Vornamen oder durchgängig groß. Auch bei der Adresseingabe oder den juristischen Vorgaben gibt es zwischen den Ländern große Unterschiede, die zu beachten sind.

Wie läuft die Zahlung?

Paypal berücksichtigt kulturelle Unterschiede und fragt in Japan den Nachnamen vor dem Vornamen ab. Auch die Adressabfrage weicht von der uns bekannten ab.
Paypal berücksichtigt kulturelle Unterschiede und fragt in Japan den Nachnamen vor dem Vornamen ab. Auch die Adressabfrage weicht von der uns bekannten ab.

Wer im Ausland bestellt, möchte seine Zahlungsgewohnheiten oft beibehalten. Um Kaufabbrüche zu vermeiden, ist es also wichtig, dass der Kunde selbst entscheiden kann, wie er bezahlen möchte, indem der Anbieter passende und ausreichende Zahlungsmethoden bereithält.

Zu beachten ist dabei, dass die bevorzugten Bezahlarten je nach Region sehr stark voneinander abweichen. So sind laut Forrester in Europa und Asien Überweisungen üblich, wohingegen diese in den USA bis zu 40 US-Dollar Gebühren kosten und deshalb nicht so gängig sind. Dort ist es eine weit verbreitete Praxis, mit Schecks zu zahlen, die in Deutschland wiederum nur noch sehr selten genutzt werden. Darüber hinaus haben sich viele länderspezifische Zahlungsverfahren etabliert, die auf internationaler Ebene zwar keine Rolle spielen, für den lokalen Markt allerdings unverzichtbar sind. Beispiele dafür sind iDeal in den Niederlanden, Carte Bleue in Frankreich und Giropay in Deutschland.

Im Checkout von Paypal wird deutlich, dass sich die bevorzugten Zahlungsmethoden in Frankreich trotz gleicher Währung stark von denen in Deutschland unterscheiden.
Im Checkout von Paypal wird deutlich, dass sich die bevorzugten Zahlungsmethoden in Frankreich trotz gleicher Währung stark von denen in Deutschland unterscheiden.

Aktuell verkaufen etwa die Hälfte aller Onlinehändler an ausländische Kunden. Dabei werden dem Kunden jedoch meist nur internationale Zahlungsmethoden wie Kreditkarte oder Paypal angeboten. Der Grund dafür liegt meist darin, dass diese Zahlungswege für den Anbieter ein nur sehr geringes Risiko und auch wenig Aufwand bedeuten. Demgegenüber steht der Wunsch vieler Kunden, auch weiterhin wie gewohnt per Lastschrift, per Rechnung oder über eine andere länderspezifische Methode zahlen zu können.

Sehr erfolgversprechende Lösungen, die sowohl auf die Bedürfnisse der Händler als auch auf die Wünsche der Konsumenten eingehen, bieten externe Anbieter wie der Payment-Service-Provider Ogone. Dieser stellt seinen Kunden, also den Shops, in 40 Ländern die von den Konsumenten vor Ort gewünschten Bezahlverfahren zur Verfügung. Insgesamt handelt es sich dabei um mehr als 45 Zahlungsmethoden für die verschiedenen Regionen. Darüber hinaus übernimmt der Anbieter auch die Übersetzungen der Zahlungsseiten und passt diese an die jeweiligen lokalen und kulturellen Besonderheiten an.

Um die angebotenen Zahlungs- und Lieferoptionen für den Besucher implizit erfassbar zu gestalten, werden häufig Logos von den jeweiligen Zahlungsanbietern angezeigt. Selbstverständlich müssen auch diese Icons entsprechend länderspezifisch angepasst werden.

Im Footerbereich der Mexx-Website werden die Logos der Zahlungsmethoden abhängig vom selektierten Land angezeigt.
Im Footerbereich der Mexx-Website werden die Logos der Zahlungsmethoden abhängig vom selektierten Land angezeigt.

Fazit

Die erfolgreiche Internationalisierung eines Onlineshops ist zweifelsohne eine sehr große Herausforderung mit Disziplinen in zahlreichen Aufgabenbereichen. Die Hürden sind hoch, die Chancen aber auch! Nur sollte man vor der Internationalisierung gut informiert über die Regeln und Details der anderen Länder sein. Neben allen strategischen, logistischen, rechtlichen und technischen Aspekten dürfen Shopbetreiber demnach nie aus den Augen verlieren, wie das Einkaufserlebnis aus der Perspektive der lokalen Interessenten aussieht – denn sie sollen ja schließlich zu zahlenden Kunden werden.

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2 Kommentare
Martin

Interessanter Artikel. Sollte aber mehr in die Tiefe bzgl. Marketing usw. gehen – wie mache ich meinen Shop im Ausland bekannt? Welches Marketing usw. Dass einfach eine Übersetzung heute nicht ausreicht, dass ist selbstverständlich.

Antworten

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