Startups

Finanzierungsmöglichkeiten von Startups im Überblick

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Bootstrapping

Was heute Bootstrapping genannt wird, ist im Grunde die älteste Form der Unternehmensfinanzierung. Man gibt das aus, was man angespart hat und fortlaufend einnimmt. Um den Baustein eines überschaubaren Kredits erweitert ist diese Vorgehensweise nach wie vor die gängigste Start- oder Erweiterungsfinanzierung. Es gibt eine tragfähige Idee, auf dem Sparkonto liegen ein paar Tausend Euro, und los geht es mit der Selbstständigkeit. Unternehmen, die schon einige Zeit am Markt sind, Gewinne erwirtschaften und belastbare Zahlen in der Bilanz ausweisen, stemmen neue Projekte aus dem Cash-Flow oder nehmen als Aufstockung ganz klassisch einen Bankkredit in Anspruch.

Bootstrapping ist für Gründer ein harter und steiniger Weg. Wenn sie nicht gerade auf eine größere Erbschaft zurückgreifen können, sollten sich Gründer bewusst machen, dass – außer in absoluten Nischen oder mit einem großen Quäntchen Glück – eine schnelle Markteroberung nicht machbar sein wird. Wenn ein Geschäftsmodell darauf beruht, schnell viele User, Kunden oder Marktanteile zu gewinnen und die Rentabilität erst einmal keine Rolle spielt, funktioniert Bootstrapping nicht.

Wenn Gründer jedoch an einem langfristig erfolgreichen Unternehmensaufbau interessiert sind und nicht am raschen, gewinnbringenden Exit, dann ist Bootstrapping zwar eine in der Internetbranche langweilig anmutende, aber letztlich nachhaltige Form der Finanzierung.

Beim Bootstrapping ist der Cash-Flow wichtiger als das Wachstum. YouTube und Facebook würde es heute in der Form nicht geben, hätten sich die Gründer nur aus ihren eigenen finanziellen Mitteln bedienen können. Das Konzept bedingt auch die Finanzierungsart. Es ist aussichtslos, eine europaweite Verkaufsplattform ohne eine starke Finanzierung anzugehen. Für ein smartes Startup aber, beispielsweise im Bereich der App-Entwicklung, ist Bootstrapping oftmals vollkommen ausreichend.

Wichtig für alle Gründer ist es, bei der Finanzplanung auf keinen Fall die zeitliche und finanzielle Anlaufphase zu unterschätzen. Gründer sollten konservativ und nicht allzu großspurig planen, was den Markterfolg betrifft. Damit soll keine Gründungseuphorie gebremst werden; aber eine konservative Planung schützt vielfach vor dem bösen Erwachen. Eine Kultur der zweiten Chance haben wir in Deutschland nicht. Bei einem Scheitern ist man nicht nur sein Erspartes, sondern meist auch seinen guten Ruf los. Langfristige Verträge für Server und Raummiete können stark belasten oder sogar in den Ruin führen. Deshalb der eindringliche Rat an Gründer, hier besonders vorsichtig zu agieren. Das Projekt und dessen Erfolg stehen im Mittelpunkt, nicht Nebensächlichkeiten wie ein teures Leasingfahrzeug.

Gemeinsam statt alleine

Der Aufbau mittels Bootstrapping lässt sich meist besser im Team als alleine bewältigen. Oftmals ist eine Idee sowieso nicht im Kopf einer einzelnen Person, sondern in Teamarbeit entstanden. Doch auch wenn dies nicht der Fall ist, ist es in den meisten Fällen sinnvoll, sich eine oder mehrere Personen zu suchen, denen man vertraut und deren Fähigkeiten ins Team passen. Gerade in der Startphase sind (Mit-)Gründer eher dazu bereit, ihre persönlichen Bedürfnisse zugunsten des Projekts hintenanzustellen. Von einem angestellten Mitarbeiter kann dies später nicht erwartet werden.

Geschichten über Gründer, die sich einen alten, klapprigen PKW teilen und in einer 2-Zimmer-WG wohnen und arbeiten, sind nicht nur Romantik. Nicht zu unterschätzen ist der finanzielle Vorteil, den ein mehrköpfiges Gründerteam einbringt. Die Ausgaben werden auf mehrere Schultern verteilt und umgekehrt können die gemeinsamen Ersparnisse häufig die gesamte notwendige Startfinanzierung abdecken. Ganz abgesehen davon, dass die Arbeit im Team mehr Spaß bringt und durch die gegenseitige Anregung meist erfolgreicher ist. Nicht ohne Grund investieren Venture-Capital-Gesellschaften nahezu immer in ein Team, nicht in Einzelpersonen. Auch das Risiko eines Stillstands durch den Ausfall eines Gründers, und sei es nur krankheitsbedingt für ein paar Wochen, wird drastisch reduziert.

Family, Friends & Fools

Family, Friends und Fans: Menschen, die einen kennen und lieben, investieren meist gerne und ohne bürokratische Hindernisse.

Als Existenzgründer bei der Bank nach einem Kredit zu fragen, ist in den letzten Jahren durch Basel II und die noch nicht ganz überwundene Bankenkrise nicht einfacher geworden. Vorbei die Zeiten, als Gründer bei der Bank vor Ort für eine gute Idee samt sauberem Businessplan 20.000 oder 50.000 Euro bekamen, ohne dass der Kredit zu 100 Prozent durch Sicherheiten abgedeckt war. Wer sich dem Seelen-Striptease vor dem Firmenkundenbetreuer nicht unterziehen möchte oder damit keinen Erfolg hatte, dem bleiben immer noch die berühmten drei „Fs“: „Family“, „Friends“ und „Fools“. Wobei die „Fools“ neuerdings durch das schöner klingende Wort „Fans“ ersetzt werden.

Die eigene Familie und die Freunde kennen einen bereits. Oftmals sind sie bei der Entwicklung einer Idee und auf dem Weg vom Angestellten zum Selbstständigen hautnah dabei. Deshalb ist die Finanzierung aus diesem Kreise eine schnelle Lösung ohne bürokratische Hindernisse. Jedoch dürfen Gründer und Darlehensnehmer einen Punkt nicht aus den Augen verlieren: Auch Familie und Freunde erwarten eine Rückzahlung des gewährten Kredits. Sofern die Finanzspritze nicht klar als Geschenk definiert wurde, muss der Kredit wie der von einer Bank behandelt werden. Um Differenzen und Streitigkeiten zu minimieren, ist auch bei Krediten innerhalb der Familie ein Kreditvertrag sinnvoll. Zu beachten sind vor allem Vereinbarungen, was bei einem Rückzahlungsverzug geschieht und wie eventuelle Stundungen geregelt werden. Abgedroschen aber wahr: Bei Geld hört Freundschaft eben auf.

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3 Kommentare
Wolke
Wolke

Eure Print-Routine ist Murks oder zumindest nicht zu Ende gedacht. Da der Druck-Button nur auf der letzten Seite des Artikels erscheint, könnte man ja davon ausgehen, dass damit der gesamte Artikel druckoptimiert angezeigt wird. Dem ist aber nicht so. Es wird nur die letzte Seite druckfertig angezeigt. Es macht natürlich Sinn, von einem dreiseitigen Artikel nur die letzte Seite auszudrucken… ;-)

Ach ja und der Druck-Button verschwindet manchmal auch einfach?!?

Antworten
Lars Budde

@Wolke: Vielen Dank für die Info. Ich habe das Problem weitergegeben.

Antworten
David Maciejewski
David Maciejewski

@Wolke Die Printfunktion druckt nun alle Seiten aus. Danke für den Hinweis.

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