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Dieses Jahr knallt’s! Die wichtigsten Trends im Webdesign 2019

(Grafik: Shutterstock/Andrew Krasovitckii)

Viel Weißraum, knallige Farben, extrovertierte Typografie und ein empathisches Design: Das erwartet Webdesigner in diesem Jahr. Wir erklären, was hinter den Trends steckt.

Auch im kommenden Jahr gibt es keine Ausnahme: im ­Webdesign ist nichts so beständig wie der Wandel. Neben Dauerthemen wie eine gute Performance gibt es auf technischer Seite viel Neues – etwa, dass Webdesigner JavaScript künftig mittels ECMAScript-Modules im Browser modularer schreiben und dabei kleinere Bundles ausliefern können. Oder, dass es das CSS-Grid nun endlich in allen Browsern gibt. Gestalterisch geht der Trend weg von der Individualität und dem Neuen, das in den letzten Jahren so wichtig war. Jetzt steht ein klar strukturiertes benutzbares ­Erlebnis im Vordergrund, das zugleich Wiedererkennbarkeit schafft. Vor allem aber sind Hintergrundinformationen zu Produkten und eine emotional überzeugende Produktgeschichte immer wichtiger. Was also sollten Webdesigner im kommenden Jahr berücksichtigen? Dazu gibt es hier nun die wichtigsten Trendthemen.

Individualität trotz Vereinheitlichung

Neben speziellen und aufwendigen Landingpages mit vielen Spielereien und jeder Menge Animationen steht die Vereinheitlichung von Layouts weiter im Mittelpunkt. Blogs und Leseplattformen werden sich 2019 zum Beispiel an das einfache Layout des ­Marktführers ­Medium mit seiner guten Lesbarkeit anpassen. Und bei ­Social-Media- und Kommunikationsplattformen breitet sich das sogenannte Stream-­Layout weiter aus. Aber auch ­Chatbot- und Messenger-­Layouts kommen vermehrt zum Einsatz. Interessant wird, ob und wie Firmen es schaffen, trotz der vereinheitlichten Layouts, ihre Marke wiedererkennbar darzustellen. Bereits jetzt zeigt sich, dass die Unternehmen dafür Akzente setzen müssen und das sparsame Design extrem gut funktionieren muss. So müssen Webdesigner Typografie, Farben und andere Elemente perfekt aufeinander abstimmen und die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich ziehen, ohne dass dies die Lesbarkeit der Texte beeinträchtigt.

Wie können Marken trotz simplem, einheitlichem Layout etwas Besonderes und Unverwechselbares bieten? Die Website des Restaurants Völlerei macht es vor: Zum Beispiel mit schmackhaften und appetitanregenden Geschichten, die die Marke authentisch und emotional machen. (Screenshot: Restaurant Völlerei)

Knallige Farben und viel Weißraum

Eine Folge dieses Trends ist, dass knallige Farben bei der ­Farbschmiede Pantone 2019 im Trend sind. Das klingt nach einem Widerspruch zu der Entwicklung hin zu reduzierten ­Webdesigns mit viel Weißraum, klaren Linien und kurzen ­Texten. Es ist jedoch nur logisch: Bei den einfachen Layouts müssen eben die kleinen Elemente die ­Blicke des Besuchers auf sich lenken. Und dafür eignen sich markante Farben, extravagante ­Verzierungen oder ein ungewohnter Grafikstil nun mal besonders gut.

Aussagekräftige Typografie

Auch bunte Type oder gar Schriften mit Texturen oder Verläufen auf weißem oder schwarzem Hintergrund eignen sich bestens, um aus der Masse der einheitlichen, einfachen Layouts hervorzustechen. Bislang gab es das nur im Plakatdesign. Im Web waren solche typografischen Extravaganzen dagegen nur selten zu finden. Das lag vor allem daran, dass die meisten Browser dies nicht unterstützten. Jetzt können Webdesigner mit CSS-Masken und ähnlichen Effekteigenschaften Texte mit Verlaufs- oder Hintergrundbildfarben darstellen. Vor allem bei Teaser-Texten oder Produktvorstellungen lässt sich das effektvoll einsetzen, wie ­Apple auf seiner aktuellen Produktseite zum neuen iPhone zeigt. Überhaupt gewinnt eine gute Typografie bei einfacheren Layouts natürlich an Bedeutung. Die Schriftwahl rückt zunehmend in den Fokus. Während Webdesigner früher noch viel zulasten der Lesbarkeit mit Typo experimentierten, setzen sie heute eher auf Kontraste und kombinieren eine hervorstechende Schriftart mit guter Lesbarkeit. Oft sehen wir daher auf bunten Hintergründen oder Fotos Schriften, die so fett laufen, dass sie trotz des unruhigen Hintergrunds lesbar bleiben. Technisch warten die modernen Browser jetzt zudem mit variablen Fonts auf. Damit können Webdesigner eine einzige Schriftart mit beliebig vielen Schnitten, Laufweiten, ­Glyphenbreiten oder Verzierungen (Ligaturen) ausstatten – und all das bei geringen Ladezeiten.

Menschen sind es leid, ­austauschbare Business-Websites zu ­sehen. Newsletter-Anbieter Mailchimp setzt für seinen Relaunch deshalb auf handgefertigte ­Zeichnungen – und kreiert um sein bekanntes ­Affen-Logo eine ­stimmige und witzige Geschichte. (Screenshot: Mailchimp)

Handgezeichnete Grafiken

Handgezeichnete oder gemalte Elemente sollen Abwechslung, Individualität und Wiedererkennbarkeit in schlichte Webdesigns bringen – und das längst nicht mehr nur in Blogbeiträgen, sondern auch bei den Icons der Nutzeroberfläche. Zwei nennenswerte Marken, die das schon konsequent umgesetzt haben, sind Dropbox und Mailchimp. Der bekannte Newsletter-­Anbieter beispielsweise hat sein Design komplett überarbeitet. Logo, Typo und Farbpalette sollten der Marke Stabilität und Wiedererkennbarkeit geben. Bei den handgezeichneten Illustrationen und Animationen ist der Spielraum dagegen größer. Das spiegelt die Kreativität und Emotionalität der Marke wider. „Unser neues System für Illustrationen, Animationen und Fotos ist der perfekte Kontrapunkt zu den standardisierten Grundelementen unserer Marke”, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Aber auch kleinere Anbieter wie Intercom oder Basecamp wollen so schon länger in positiver und persönlicher Erinnerung bleiben. Dieser Trend wird sich auch 2019 fortsetzen. Auch wenn manch einer die Handskizzen kindlich oder gar plump finden mag, die Menschen sind es leid, die nächste austauschbare Business-Site zu sehen. Ein gezeichnetes Layout nehmen viele Nutzer als persönlicher, individueller und freundlicher wahr. Und so trohnt der freundlich ­grinsende Mailchimp-Affe neuerdings im Logo auf ­bananengelbem Hintergrund und hat handgezeichnete Tierkollegen bekommen wie einen Vogel oder Pilze, mit denen er sich austauschen kann. So entsteht eine stimmige Geschichte, die uns, egal ob als Privatmensch oder Profi, anspricht und fröhlich stimmt.

Dropbox will sich vom ­Cloud-­Speicheranbieter zur kreativen Wissensplattform wandeln. Diverse Illustrationen und die Schriftart Sharp Grotesk mit 259 Schnitten sollen der Marke ein Gesicht geben. (Screenshot: Dropbox)

Barrierefreiheit & virtuelle Realität

Themen wie Barrierefreiheit und Machine Readability von Web-­Inhalten werden auch 2019 interessanter. Ausreichend hohe Farbkontraste, lesbare Schriftgrößen und ein linear logisches Layout sind hier gefragt. Dass Virtual- und Augmented-­Reality-Technologien darauf angewiesen sind, dass Web-Inhalte Maschinen zugänglich sind und sich über Audio oder Video verarbeiten und ausgeben lassen, unterstützt diesen Trend. Der willkommene Nebeneffekt: Menschen mit Screen-Readern oder anderen Hilfsmitteln profitieren davon. So bekommt das bisher ­vernachlässigte Thema Barrierefreiheit neue Anreize. Und auch gesellschaftlich und politisch gewinnt das Thema an Bedeutung. Somit ist es auch ein Marketingmittel, denn es hebt eine Firma von der ­Konkurrenz ab – und jeder neue Nutzer bedeutet schließlich meist auch mehr Geld.

Künstliche & kollektive Intelligenz

Künstliche Intelligenz lässt sich schon heute nicht mehr aus unserem Leben wegdenken. Interessant ist vor allem, wie ­Webdesigner die Daten und Ergebnisse einsetzen können. Sich nur auf Nutzerdaten und eine Machine-Learning-Software zu verlassen, wäre jedoch oft ein fataler Fehler. Beispielsweise bei einer mobilen Karten- und ­Navigations-App. Würde ein ­App-­Entwickler hier lediglich die Daten der Autofahrer sammeln, um die schnellste Route zu berechnen, käme er in Teufels Küche. Denn die Software muss immer auch prüfen, ob ein Fahrer das Tempolimit eingehalten hat. Hilfreich hingegen ist die künstliche Intelligenz, wenn das Kartenmaterial nach einer Baustelle noch nicht aktualisiert ist, und auch die Nutzer der App die Neuerungen einpflegen können. Im kommenden Jahr müssen Designer und Entwickler daher einmal mehr zusammen an Konzepten ­arbeiten, die die Inhalte möglichst flexibel und einfach an Maschine und Mensch weitergeben – und zwar egal, ob jemand eine Website auf seinem Smartphone in der Sonne liest oder mit seiner Smart-Brille.

Empathisches Design

Eigentlich lässt sich dieser Trend als eine Art Zusammenfassung sehen: Der Nutzer steht voll und ganz im Mittelpunkt aller Entscheidungen rund um ein Web-Projekt. Das beginnt bei der Produktausrichtung, geht über Content und Layout bis hin zur ­Performance. Abheben können sich Unternehmen emotional auch durch das Erzählen von Geschichten, etwa über die Herkunft eines Produktes oder dessen Nachhaltigkeit. Denn lokal produzierte, in schönem Papier statt Plastik­folie verpackte, Produkte punkten gegenüber billigen Wegwerf­artikeln allemal.

Daneben hat die Privatsphäre an Bedeutung gewonnen. Und zwar nicht nur durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), sondern auch durch den Missbrauch von Daten für Werbezwecke oder fulminante Hacks – wie kürzlich den von ­Facebook, bei dem Millionen von privaten Facebook-Daten öffentlich zugänglich waren. Die Unsicherheit und Intransparenz smarter Systeme sowie künstlicher Intelligenz macht viele Anwender besorgt und hält einige sogar von der Nutzung ab. Kein Wunder also, dass Firmen wie Apple aktiv damit werben, dass sie sorgsam mit Nutzerdaten umgehen (angeblich anders als die Konkurrenz). Das belohnt die Börse prompt mit Rekordzahlen und zeigt, dass hier der Trend weg vom datenverkaufenden Werbungsservice geht. ­Webdesigner können das nutzen. Etwa indem sie Cookie-­Banner mit einer klaren und verständlichen Sprache gestalten, bei ­denen Nutzer eine echte Wahl in Sachen Werbung und Datenschutz haben. So unliebsam das Thema ist, wer seinen Nutzern 2019 eine gute Experience bieten möchte, sollte sich intensiv damit ­beschäftigen.

Was kommt, was bleibt, was soll ich tun?

Es ist immer schwer, Trends richtig einzuordnen. Soll eine Firma ihr ganzes Design für einen Trend umwerfen, der vielleicht gar nicht gut funktioniert oder in einem halben Jahr schon wieder passé ist? Nun, es gibt Trends, die sollte jeder ernst nehmen. Eine gute ­Performance gehört definitiv dazu. Bei anderen Entwicklungen sollte ein Web­designer gut überlegen, ob er mitmacht.

Handgezeichnete Grafiken können zum Beispiel zwar Eindruck schinden, brauchen aber ein stimmiges Design, einen erfahrenen Zeichner und müssen zum Produkt passen. Generell eignen sich schnelllebige Trends eher für kleine und agile Projekte, beispielsweise Landingpages. Langfristige Trends sind dagegen selbst bei den Websites alteingesessener Unternehmen sinnvoll.

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