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How-To

KI-Tools: Wie Unternehmen eigene Custom GPT erstellen

Sprach-KI wie ChatGPT können Prozesse optimieren und Mitarbeiter:innen entlasten – das schafft großes Potenzial für Unternehmen. Doch wer einen eigenen KI-Chatbot bauen will, muss einiges beachten – vom richtigen Prompt bis zum Datenschutz.

Von Imran Hossain
8 Min.
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(Abbildung: Tada Images /Shutterstock)

Seit OpenAI ChatGPT im November 2022 öffentlich vorgestellt hat, hat sich unsere digitale Landschaft spürbar verändert. Während anpassbare KI-Tools in Forschungskreisen und unter Entwickler:innen längst zum Alltag gehören, um innovative Lösungen zu erproben, standen Endverbraucher:innen bisher oft vor technologischen Barrieren. Die Einführung von ChatGPT symbolisiert jedoch einen Wendepunkt: Sie ebnet den Weg für eine breitere Zugänglichkeit und Anpassungsfähigkeit von KI-Technologien. Und damit auch den Einsatz in Unternehmen, die KI dem eigenen Bedarf entsprechend anpassen können.

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Solche Custom-KI können beispielsweise Mitarbeiter:innen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen, Aufgaben im Kund:innenservice übernehmen, komplexe Berechnungen durchführen oder bei der Suchmaschinenoptimierung helfen. Tatsächlich macht es OpenAI seinen Nutzer:innen sehr einfach, ein eigenes KI-Sprachmodell einzurichten.

Allerdings ist es nur für Bezahlkund:innen von ChatGPT möglich, eigene GPT-Modelle, sogenannte Custom GPT, zu erstellen. Die Investition in die Bezahlversion öffnet nicht nur die Tür zur Erstellung individuell angepasster GPT-Modelle, sondern gewährt auch Zugang zu fortgeschritteneren Funktionen und Ressourcen, die die KI-Erfahrung auf ein neues Level heben.

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Ein eigenes GPT erstellen

Nach dem Einloggen und einem Klick auf „MyGPTs“ wird über „Create a GPT“ der Prozess gestartet. Die Arbeitsfläche ist dann in zwei Hauptbereiche unterteilt: Auf der linken Seite befinden sich die Tools und Optionen zur Konfiguration des individuellen GPT-Modells. Auf der rechten haben Nutzer:innen die Option, die Kreation unmittelbar nach den ersten Schritten zu testen.

OpenAI erleichtert den Prozess der GPT-Erstellung durch zwei Hauptfunktionen: „Create“ und „Configure“. Wer sich zunächst einmal ausprobieren möchte, sollte mit der „Create“-Option starten. Diese nutzt eine interaktive Chat-Funktion, die schrittweise durch den Erstellungsprozess des eigenen GPT führt. Wer schon konkrete Vorstellungen hat und bestimmte Parameter direkt ein-stellen möchte, legt über die „Configure“-Option los.

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Zu Beginn empfiehlt sich ein einfaches Experiment über die „Create“-Funktion: Nach dem Klick auf „Create“ öffnet sich ein Chatfenster, in dem das Ziel für das GPT-Modell formuliert wird. Beispielsweise könnte ein Anliegen lauten: „Ich möchte, dass du eine Präsentation mit mindestens zehn Seiten erstellst, wenn ich dir ein Thema gebe.“

Im Anschluss an die Eingabe schlägt ChatGPT einen Namen für das Modell vor und generiert sogar ein passendes Profilbild. Die Vorschläge können übernommen oder durch die Frage nach Alternativen ausgetauscht werden.

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Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht in der t3n 76.

Dabei ist es wichtig, einen intuitiven Dialog zwischen User:in-nen und dem maßgeschneiderten GPT-Modell zu integrieren. Nur so wird sichergestellt, dass die Ergebnisse den Vorstellungen entsprechen. Deshalb sollten Nutzer:innen dem Custom GPT einge-ben, jedes Mal die Frage nach der Präferenz zwischen visuellen und textlastigen Präsentationen zu stellen. So personalisieren sie das Modell weiter und machen es zu einem wertvollen Werkzeug, das speziell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Im nächsten Schritt sollte das erste Custom-GPT-Modell getestet werden. Der Prozess beginnt mit der Aufforderung, eine Präsentation über ein bestimmtes Thema – in diesem Fall über ChatGPT – zu erstellen. Entsprechend der Vorgaben fragt das GPT, ob die Präsentation einen visuellen oder textlichen Schwerpunkt haben soll. Die Wahl der visuellen Variante setzt den Erstellungsprozess in Gang, bei dem zunächst die Struktur und anschließend die einzelnen Bilder, die in die Präsentationsfolien einfließen sollen, erstellt werden.

Sobald die Gestaltung und Strukturierung der Präsentation abgeschlossen sind, ist es an der Zeit, die finale Datei vorzubereiten. Doch Vorsicht: Das Modell stellt die Gestaltung, Struktur und Bilder bereit, überlässt den User:innen jedoch die Zusammenstellung der endgültigen Datei.

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Spätestens jetzt sollte der bisherige Fortschritt gespeichert werden. Das sichert nicht nur die Arbeit, sondern gibt auch die Möglichkeit, später Anpassungen vorzunehmen, ohne von vorne beginnen zu müssen.

Ein GPT nachträglich verändern

Maßgeschneiderte GPT können jederzeit verändert werden, auch wenn sie vor längerer Zeit erstellt wurden. Im Bereich „MyGPTs“ sind alle erstellten GPT übersichtlich aufgelistet. Dort findet sich neben jedem Eintrag ein Stiftsymbol, das sinnbildlich für die Bearbeitung steht.

Nutzer:innen sollten jedoch beachten, dass der ursprüngliche Chatverlauf, über den das GPT erstellt oder modifiziert wurde, später nicht mehr sichtbar ist. Das könnte besonders dann eine Herausforderung darstellen, wenn man sich nicht genau an alle spezifischen Einstellungen oder Anpassungen erinnert. In solchen Fällen bietet die „Configure“-Option eine wertvolle Ressource. Sie liefert eine detaillierte Übersicht über die aktuellen Einstellungen und Konfigurationen des GPT-Modells. Hier können direkte Eingaben und spezifische Anpassungen am GPT vor-genommen werden, ohne dass Nutzer:innen den interaktiven Chat zu nutzen.

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Der Bereich für Anweisungen („Instructions“) ist besonders wichtig. Hier legen User:innen die Regeln und Richtlinien fest, denen das GPT folgen soll. Diese präzisen Vorgaben steuern das Verhalten des Modells in verschiedenen Szenarien und gewähr-leisten, dass es die Anforderungen erfüllt. Darüber hinaus liefern die „Conversation Starters“ eine Liste mit Vorschlägen, die Nutzer:innen beim Starten der Interaktion mit ihrem GPT-Modell angezeigt werden. Diese initialen Anregungen sind entscheidend, um Anwender:innen Orientierung zu geben und das Potenzial des Modells von Beginn an aufzuzeigen. Die vordefinierten „Conversation Starters“ können auch entfernt und durch eigene Anweisungsvorschläge ersetzt werden.

Dieser Grad an Personalisierung und Anpassungsfähigkeit verstärkt nicht nur die Nutzer:innenbindung, sondern macht das GPT-Modell auch effizienter und wirksamer. Mithilfe der „Configure“-Option können User:innen also umfassend in die Tiefen der KI-Kreation einsteigen und präzise Anpassungen vornehmen. So steigern sie die Qualität und Relevanz der Interaktionen mit dem Modell.

Zusätzliche Funktionen für ein GPT

Im „Knowledge“-Bereich können Anwender:innen ihre GPT-Kreation noch einmal weiter personalisieren und spezifizieren, indem sie das GPT-Modell mit einer Fülle von spezifischen Informationen versorgen. Dazu laden sie eigene Dateien hoch. Diese Funktion ist besonders wertvoll, wenn man GPT für Aufgaben einsetzen will, die detaillierte und firmenspezifische Inhalte erfordern, wie zum Beispiel die Erstellung von Präsentationen, die verschiedene Aspekte des Unternehmens wie Produkte, Teams oder Geschäftsbereiche beleuchten.

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Im Bereich „Capabilities“ können Nutzer:innen die Funktionalitäten des GPT-Modells gezielt steuern und erweitern. Hier legen sie fest, welche Fähigkeiten das GPT haben soll, um seinen Anwendungsbereich und seine Effektivität zu maximieren.

  • Web-Browsing: Durch das Aktivieren erhält das GPT die Fähigkeit, Informationen aus dem Internet zu suchen und in seine Antworten oder Kreationen einzubeziehen.
  • Dall-E: Die Integration von Dall-E ermöglicht es GPT, Bilder zu generieren oder bestehende Bilder im Kontext der Anfragen zu verwenden.
  • Code-Interpreter: Soll das GPT-Modell die Fähigkeit besitzen, hinzugefügte Dateien zu lesen, zu analysieren und daraus zu lernen, ist es essenziell, den Code-Interpreter zu aktivieren. Das ist besonders wichtig für technische Anwendungen oder wenn GPT aus spezifischen Daten oder Dokumenten lernen soll.

Darüber hinaus bietet die „Actions“-Funktion die Möglichkeit, das GPT-Modell mit externen Diensten zu verbinden und Informationen über API zu integrieren, zu verarbeiten und zu nutzen. Beispielsweise kann man das aktuelle Wetter oder andere dynamische Daten in Echtzeit in die Funktionalitäten des GPT einbinden.

Wer regelmäßig Präsentationen erstellen muss, kann mit einem Custom GPT viel Zeit sparen: Die KI wird mit den entsprechenden Informationen gefüttert und erledigt den Rest. (Abbildung: Custom GPT)

Zugriffsoptionen festlegen

Im GPT-Bearbeitungsfenster leitet ein Klick auf den „Create“-Button in der oberen rechten Ecke zu einem Fenster, das drei Optionen für die Freigabe des GPT bietet:

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  • Only me“: Diese Option gewährleistet, dass ausschließlich die erstellende Person Zugang zum GPT hat. Es bleibt ein privates Werkzeug oder Forschungsprojekt, auf das sonst niemand zugreifen kann.
  • „Anyone with the Link“: Diese Einstellung öffnet das GPT für alle, die den spezifischen Link besitzen – sofern sie die Bezahlversion von ChatGPT nutzen.
  • „GPT Store“: Die ambitionierteste Option ist, das GPT für alle Nutzer:innen der Bezahlversion von ChatGPT zugänglich zu machen, indem es im GPT-Store veröffentlicht wird.

Wie sieht es mit Datenschutz aus?

Datenschutz und Datensicherheit sind entscheidende Aspekte beim Einsatz von KI-Technologien wie ChatGPT, insbesondere wenn es um den Umgang mit sensiblen oder unternehmensspezifischen Informationen geht.

Das britische National Cyber Security Centre weist darauf hin, dass ChatGPT und andere große Sprachmodelle (LLM) derzeit nicht automatisch aus den spezifischen Abfragen der Nutzer:innen lernen. Allerdings sind diese Abfragen für die Organisation, die das LLM bereitstellt, sichtbar und werden dort gespeichert. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Daten zu einem späteren Zeitpunkt für Trainingszwecke der Modelle verwendet werden könnten.

Unternehmen, die planen, Custom GPT für interne Zwecke wie die Erstellung von SWOT-Analysen oder andere analytische Berichte zu nutzen, müssen besondere Vorsicht walten lassen, wenn es um den Umgang mit nicht öffentlich verfügbaren Firmenstrategien oder anderen sensiblen Informationen geht. Sie sollten deshalb einige Richtlinien für den Datenschutz im Umgang mit KI beachten:

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  • Kein Hochladen von sensiblen Informationen: Besonders wenn diese Daten über Links geteilt oder öffentlich im GPT-Store zur Verfügung gestellt werden, besteht ein erhöhtes Risiko des unbeabsichtigten Datenzugriffs.
  • Vor der Entscheidung, Daten in einem KI-System zu verwenden, sollte eine Risikobewertung durchgeführt werden, um potenzielle Datenschutz- und Sicherheitsrisiken zu identifizieren und zu mindern.
  • Datenschutz durch Design: Datenschutzmaßnahmen in die Entwicklung und Nutzung von GPT integrieren, um den Schutz persönlicher und unternehmenskritischer Daten von Anfang an sicherzustellen
  • Die angebotenen Datenschutzeinstellungen und Freigabeoptionen bewusst nutzen, um die Kontrolle darüber zu be halten, wer Zugang zu den von den GPT generierten Informationen hat.
  • Aufklärung und Schulung: Sicherstellen, dass alle Nutzer:innen innerhalb einer Organisation über die Risiken und besten Praktiken im Umgang mit KI und sensiblen Daten informiert sind.

Eigene, Datenschutzkonforme GPT erstellen

Die Einschränkungen beim Umgang mit sensiblen Daten können auf den ersten Blick entmutigend wirken, doch künstliche Intelligenz bietet Möglichkeiten, die weit über die Nutzung sensibler Daten hinausgehen. Mit einem kreativen Ansatz und der richtigen Technologie können Unternehmen KI-Modelle effektiv in ihre Geschäftsprozesse integrieren, ohne dabei Datenschutzbestimmungen zu verletzen.

Die Option, leistungsstarke Sprachmodelle wie ChatGPT lokal auf einem Firmenserver oder Firmenrechner zu betreiben, be-steht zwar derzeit nicht direkt über OpenAI, doch es gibt eine Vielzahl alternativer Modelle und Lösungen, die eine lokale Aus-führung ermöglichen. Modelle wie Phi2 von Microsoft, Llama von Meta, Gemini von Google und Mistral von Mistral AI bieten ähnliche Funktionalitäten und können auf lokalen Systemen betrieben werden, was einen signifikanten Vorteil in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit darstellt.

Tools wie LM-Studio, AnyLLM und GPT4ALL erleichtern den Zugang zu diesen Modellen erheblich. Sie ermöglichen es, ohne tiefgreifende technische Kenntnisse oder Entwicklerfähigkeiten auf eine Vielzahl von leistungsstarken Sprachmodellen zuzugreifen und diese zu nutzen. Vor allem GPT4All bietet einen einfachen Weg, um mit diesen Modellen zu experimentieren und sie für lokale Anfragen zu nutzen, ohne dass Daten extern geteilt werden müssen.

Durch die Installation von GPT4All und das Herunterladen spezifischer Modelle wie EM German Mistral können Unternehmen beginnen, lokale Abfragen durchzuführen. Das gewährleistet, dass alle generierten Daten und Insights innerhalb der Sicherheitsgrenzen der eigenen IT-Infrastruktur bleiben. Solche Lösungen sind besonders wertvoll für Unternehmen, die die Vor-teile KI-gestützter Prozesse nutzen möchten, ohne dabei Kompromisse beim Datenschutz eingehen zu müssen.

Fazit

Mit einem Custom GPT können Unternehmen ein individuelles und spezifisches KI-Sprachmodell entwickeln. Dank der intuitiven Benutzungsoberfläche, die OpenAI Bezahlkund:innen zur Verfügung stellt, funktioniert das auch ohne Programmierkenntnisse. Das GPT-Modell kann zudem mit eigenen Dateien angereichert und so noch weiter verfeinert werden. Hier sollten Unternehmen jedoch den Datenschutz nicht aus den Augen verlieren – und im Zweifelsfall lieber auf ein KI-Modell setzen, das sie selbst hosten können.

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