Digitale Gesellschaft

Vom Koffein-Junkie zum Gourmet mit der richtigen Auswahl und Zubereitung: Kaffee für Geeks

Seite 2 / 3

Die Röstung entscheidet

Neuerdings wird Kaffee mit rohen, grünen Bohnen darin als „Healthy Food“ angeboten. Vielleicht wird damit das Leben nicht länger, aber mit Sicherheit kommt es einem länger vor. Für alle Röster mit einer weniger starken Marketing-Abteilung ist die Auswahl der Rohkaffees nur der erste Schritt in der Verarbeitung. Erst bei der Röstung entfaltet der Kaffee seine rund 800 verschiedenen Aromen (die meisten in einer Maillard-Reaktion, für die Chemie-Nerds). Die Röstung kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Der Supermarkt-Arabica ist laut Packung „schonend geröstet“, das heißt meist tonnenweise bei 500°C für wenige Minuten. Die anspruchsvolle Kaffeerösterei versteht unter „schonend“ etwa 15 bis 20 Minuten bei Temperaturen um 200°C. Den Unterschied versteht jeder, der schon einmal gebacken oder gekocht hat. Die Aromen kommen stärker zur Geltung, vor allem werden aber bei längerer Röstdauer mehr der im Kaffee enthaltenen Säuren zersetzt, was den Kaffee magenverträglicher macht. Der Unterschied lässt sich am deutlichsten schmecken, wenn man Kaffee erkalten lässt. Schnellgerösteter Kaffee wird dann nahezu ungenießbar, während der langzeitgeröstete Kaffee, nun ja, kalter Kaffee ist, aber immer noch Kaffee.

Für Spezialitäten-Röstung gibt es Qualitätssiegel wie das der Deutschen Röstergilde. Die meisten Röster sind aber auch stolz auf ihre Arbeit und lassen sich bei der Arbeit über die Schulter sehen. Das ist besser als ein Siegel. Der Kauf direkt beim Röster hat, neben dem Röstverfahren und dem tollen Erlebnis, einen weiteren Vorteil: man kennt das Röst-Datum, das in der Regel beim Industriekaffee fehlt. Um in den vollen Genuss zu kommen, sollte man Kaffee innerhalb von zwei Wochen nach der Röstung konsumieren. Danach lässt das Aroma nach, da hilft auch eine Vakuum-Verpackung wenig. Erst recht, wenn der Kaffee schon gemahlen ist, denn beim Mahlen steigt das Verhältnis von Oberfläche zu Masse um ein vielfaches – überall kommt Sauerstoff an den Kaffee. Die Uhr tickt! Kaffee kauft man daher als ganze Bohne. Wenn er frisch geröstet ist, gibt er noch Gase ab. Zum Druckausgleich haben viele Kaffeebeutel ein Ventil. Das ist schlau: der Kaffee kann sich so ganz natürlich seine eigene Schutzatmosphäre schaffen.

Wer keine Rösterei in der Nähe hat oder es gern etwas bequemer mag, findet mittlerweile eine Reihe spezialisierter Onlineshops und eine handvoll Kaffee-Blogs, die regelmäßig deren Produkte testen.

Kaffee sollte man kühl und dunkel lagern. Nicht in eine Dose umfüllen, sondern – wenn die Packung nicht wiederverschließbar ist – die Packung als ganzes in eine luftdichte und möglichst passgenaue Dose stellen. Sauerstoff ist der Feind!

Tag X: jetzt wird aufgebrüht

Die händische Kaffeezubereitung in einer Bistrokanne ist kostengünstig und bringt das volle Aroma hervor.

Die händische Kaffeezubereitung in einer Bistrokanne ist kostengünstig und bringt das volle Aroma hervor.

Für das Material ist also gesorgt und man hat alle Untiefen der Qualität umschifft, was nun? Kaffee machen! Es gibt unzählige Varianten, Kaffee und heißes Wasser miteinander in Kontakt zu bringen: von der traditionellen äthiopischen Jebena, einem Tongefäß, in dem das Wasser mitsamt zerstoßenem Kaffee aufgekocht wird, bis zum Vollautomaten. Die beste Kombination aus einfacher Handhabung, günstigem Preis und hervorragendem Geschmack ist wohl die Bistrokanne oder „French Press“. Für diese Zubereitungsweise gibt man den grob gemahlenen Kaffee in eine dafür vorgesehene Kanne, gießt mit Wasser auf, lässt den Kaffee eine Weile ziehen und drückt dann mit einem Siebstempel das Kaffeepulver auf den Boden der Kanne. Durch die lange Kontaktzeit lösen sich verhältnismäßig viele Kaffeeöle und der Kaffee wird sehr aromatisch.

Das Produkt jeder billigen Mühle ist besser als alter Pulverkaffee. Allerdings machen sich Qualitätsunterschiede bei der Mühle auch deutlich im Endergebnis bemerkbar. Ein ordentliches Mahlwerk schneidet die Bohnen wirklich auseinander, ein oller Flohmarkt-Fund oder eine schnell verschlissene Billigmühle quetscht eher und liefert daher nicht den gewünschten Mahlgrad. Gerade für eine grobe Mahlung braucht man eine gute Mühle.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

5 Kommentare
torben.leuschner
torben.leuschner

Der Quellcode für den perfekten Kaffee auf Seite 3 ist der Wahnsinn! Auch ansonsten sehr schöner Artikel und eine gute PR – sonntagmorgen.com werde ich mir mal genauer anschauen ;-)

Antworten
Tanja Handl
Tanja Handl

Genial – besonders der Code ist äußerst unterhaltsam. :-)
Ich werd dennoch nicht zum 150-Liter-Kaffeejunkie werden und bleibe meiner Devise treu: Kaffee gibt’s nur im Café.

Antworten
Kaffeeprojekt

Ein schöner Artikel. Mir dem richtigen Kaffee macht das Ausspannen außerdem gleich viel mehr Spaß.

PS: Nette Idee mit dem Quellcode :-)

Antworten
THO
THO

Der Quellcode ist nicht ganz korrekt – $faktorenZumExperimentieren ist nicht gesetzt. Deswegen ist der Kaffee wohl immer etwas ähnlich.
$womitManExperimentiert würde meiner Meinung nach zu besseren Ergebnissen führen ;-)

Ansonsten könnte man sich überlegen, ob man den Algorithmus als Software-Patent anmeldet … solange man keine Angst davor hat sich mit den erwähnten Branchen-Größen wie Java anzulegen!

Antworten
Till Achinger

Freut mich, dass Euch der Artikel gefällt. Einen Fehler im Detail habe ich noch selbst gefunden: Kaffee wird nicht nur zwischen dem 10. Breitengrad nord und süd angebaut (in diesem Bereich wächst der kälteempfindliche Robusta), sondern bis ca. zum 25.
Viel Spaß beim Kaffee-Test und „-Taste“!

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung