Software & Infrastruktur

Ratgeber Mobile-Strategie: Tipps für eine sinnvolle Vorgehensweise

Seite 2 / 2

Multiscreen und Liquid Experience

Zwei Faktoren werden zukünftig den Erfolg mobiler Angebote bestimmen: die Sichtbarkeit und Verfügbarkeit des eigenen Angebots auf allen Screens, die von den Kunden genutzt werden, und die „Flüssigkeit“ und damit Durchlässigkeit der Lösungen von einem Screen zum anderen.

Mittelfristig stehen vier Endgeräte im Fokus: Smartphones, Tablet-PCs, Laptops oder Desktop-PCs sowie internetfähige TV-Geräte. Darüber hinaus muss man in Zukunft auch noch weitere Screens beachten, zum Beispiel in Fahrzeugen und Haushaltsgeräten.

Dies führt dazu, dass man die verschiedenen Endgeräte klassifizieren muss, was bereits heute teilweise schwer fällt – sind die Grenzen doch häufig fließend. Das entscheidende Merkmal bei der Konzeption eines mobilen Angebots ist der relevante Nutzungskontext, in dem sich Nutzer und Gerät befinden. Neben dem individuellen Nutzer und seinem Endgerät bestimmt insbesondere die Umwelt mit ihren verschiedenen Faktoren wie der Lokation, den Licht- und Geräuschverhältnissen, dem sozialen Umfeld, Zeitdruck, Ablenkung und Netzverfügbarkeit den mobilen Nutzungskontext. So haben Anbieter von mobilen Reiseführern von Beginn an ihre Lösungen offline verfügbar gemacht, um dem Nutzer die hohen Roamingkosten zu ersparen. Ein Nutzer, der zum Beispiel nachts eine Apotheke braucht, ist wahrscheinlich nicht hundertprozentig auf sein Smartphone konzentriert, sodass ein Anruf-Button für ihn besonders auffällig sein muss.

Bad Practice: Der Anruf-Button (oben rechts) ist zu klein und unscheinbar und damit ungeeignet für Notfallsituationen.

„Unter dem Begriff Mobile wird heute sehr viel in einen Topf geworfen. Da finden sich unterschiedliche Geräteklassen und Plattformen und damit auch ganz verschiedene Nutzungsszenarien. Unternehmen sollten nicht alle Funktionen unreflektiert auf das iPhone oder das iPad werfen, sondern sich die Frage stellen, welche Geräteklasse in welchem Kontext genutzt wird und wie die Nutzung channelübergreifend flüssig und sinnvoll realisiert werden kann,“ so Ralf Neugebauer, Produktentwicklung/ R&D Product Leader Mobile bei Immobilien Scout.

Immobilien Scout legte bei der iPhone-Suche den Fokus auf Umgebungsinformationen und „echte“ mobile Services wie das Anlegen von Notizen vor Ort oder das Routing. Bei der Suche auf dem iPad setzten die Entwickler stärker auf die visuelle Präsentation, und als Ersatz für das Vor-Ort-Sein implementierten sie eine kartenbasierte Suche.

Apps müssen Mehrwert liefern

Das Hotelportal HRS setzt neben mobilen Webseiten auch auf native Applikationen und ist mit diesen auf allen Plattformen vertreten, wobei iPhone, iPad und Android aufgrund ihrer Nutzungsintensität hohe Priorität genießen.

Direkter und zeitsparende Zugang zu Hotels in der Nähe mittels Geolokalisierung bei HRS.

„Apps liegen zwar im Trend, aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie für jedes Unternehmen Sinn machen. Daher sollten sich Unternehmen im Vorfeld einer App-Entwicklung vor allem intensiv mit ihrer Zielgruppe beschäftigen und klären, ob diese überhaupt an einem mobilen Angebot interessiert ist oder ob es Sinn macht, neue Nutzergruppen anzusprechen“, erklärt Marco Hauprich, Director Mobile & New Media bei HRS. „Ebenfalls wichtig ist, welche Endgeräte die Zielgruppe nutzt, um zu entscheiden, auf welche Plattformen ich mich bei der Entwicklung konzentriere und auf welchen Geräten die App angeboten werden soll. Denn die Vielfalt an Plattformen wird heute immer größer. So konzentriert sich HRS bei der Entwicklung auf fünf strategische Plattformen. Dabei sind vor allem die iPhone-Nutzer für HRS interessant, da Sie über ein überproportionales Nettohaushaltseinkommen verfügen und überdurchschnittlich viele Reisen buchen.“

Hauprich führt weiter aus: „Eine native App macht nur Sinn, wenn ich den Nutzern im mobilen Kontext einen klaren Mehrwert liefere, indem ich beispielsweise Geolokalisierungsdaten oder Augmented Reality nutze und die Funktionen des Geräts optimal ausschöpfe. Bei HRS beobachten wir beispielsweise, dass unsere Apps bevorzugt für die spontane Buchung unterwegs genutzt wird. Denn vor allem Geschäftsreisende müssen häufig flexibel auf neue Gegebenheiten reagieren und ihre Reisen spontan umplanen, weil das Meeting länger dauert oder ein unvorhergesehener Termin auf die Agenda gelangt. Dann findet die HRS-App mithilfe von Geolokalisierungsfunktionen schnell und einfach das passende Hotel in der direkten Umgebung, ohne zeitraubende Recherche oder Eingabe des Standortes.“

„Nicht zuletzt ist eine klare Strategie zur Vermarktung der App erforderlich, um eine dauerhafte Nutzung und damit den Erfolg der App zu gewährleisten. Neben dem klassischen Mobile Marketing ist jedoch eine überzeugende App mit eindeutigem Mehrwert für den Kunden die beste Lösung. Damit gelange ich am schnellsten in die Top 10 der App-Stores und erhalte so kostenlose Promotion von iTunes & Co.“, so Hauprich.

Der Launch ist nicht alles

Hat man die Strategie definiert, das Konzept fertiggestellt, Entwickler und Designer beauftragt und den Launch-Termin festgelegt, gilt es, das mobile Angebot dauerhaft in die gesamte Unternehmenskommunikation einzubinden. Das Suchmaschinenmarketing muss man für Mobile anpassen und optimieren, Budgets für die Bewerbung des mobilen Angebots in anderen Medien bereitstellen und hierfür einen Mediaplan vorlegen. Daraufhin gilt es, das Feedback der Nutzer zu sammeln und dieses auszuwerten. Im Anschluss daran erstellt man einen Roll-Out-Plan für die weitere Entwicklung, den man dann natürlich auch umsetzen und überwachen muss. Nutzungsstatistiken liefern wertvolle Informationen über das Nutzerverhalten und helfen, Angebot und Inhalte weiter zu optimieren und den angestrebten Erfolg zu messen. Für webbasierte Angebote sind die Tools zur Messung die gleichen wie im stationären Internet. Für mobile native Applikationen stehen Codeschnipsel verschiedener Anbieter zur Verfügung, die man in die App einarbeiten kann. Diese Codeschnipsel liefern bei einer bestehenden Online-Verbindung regelmäßig anonymisierte Nutzungsdaten.

Apps mit einem eindeutigem Mehrwert landen in App-Stores deutlich häufiger in den Top 10.

Apps mit einem eindeutigem Mehrwert landen in App-Stores deutlich häufiger in den Top 10.

Fazit

Der Siegeszug der intelligenten und leistungsfähigen mobilen Endgeräte ist nicht aufzuhalten und verändert das Nutzungsverhalten der Menschen. Unternehmen sollten ihr Angebot schnellstmöglich diesen veränderten Marktgegebenheiten anpassen, jedoch nicht in blinden Aktionismus verfallen. Zunächst gilt es, eine detaillierte und integrierte Mobile-Strategie zu entwickeln und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Es gibt erfahrene und empfehlenswerte Dienstleister, vom unabhängigen Berater bis zur Full-Service-Agentur, die die in den Unternehmen oftmals fehlende Mobile-Expertise ergänzen können. Und dennoch ist es unerlässlich, im eigenen Haus tiefes Know-how in Sachen Mobile aufzubauen, denn Mobile wird mittelfristig zu einem der wichtigsten Kanäle in der Kommunikation.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
YUHIRO.DE
YUHIRO.DE

Danke für den ausführlichen Beitrag. Zum einen gibt es die Unternehmen die, wegen einer fehlenden Strategie im Bereich App Entwicklung, keine Erfolge mit diesen Mobilen Anwendungen erzielen. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, welche diese Systeme gut gebrauchen könnten, jedoch nicht umsetzen. Oftmals fehlt einfach eine passende Strategie.

Ich bin davon überzeugt, das man, wenn man die Strategien aus diesem Artikel umsetzt, der erfolgreichen Umsetzung einer App näher kommt.

Einen Tipp den wir geben können ist, das die App nicht mit Funktionalitäten überladen werden sollte. Speziell Apps sollten pro Ausgabe bestenfalls nur eine Funktion erfüllen. Zuviele Funktionen verwässern die App und der Nutzer weiss nicht was er mit dieser anfangen soll. Auch die kleinen Bildschirme lassen nur eine bestimmte Menge an Dingen zu, die man erledigen kann.

marlonb
marlonb

Vielleicht sollte man, bevor man sich Gedanken über Strategien macht, Gedanken darüber machen, wo eine mobile App anfängt: im heimischen Wohnzimmer mittels App-Baukasten, standardisierten Apps aus den Stores oder einer individuellen Entwicklung durch Agenturen. Sollte der Weg über eine Agentur gehen, dann finden sich dort ja automatisch Marketing Strategien. Ich habe hier eine Infografik zu dem Thema, die die Vor- und Nachteile von den drei Strategien beleuchtet.

http://www.flyacts.com/blog/business-apps-unternehmen-stehen-vor-der-auswahl-aus-drei-strategien/#wp-toolbar