Trendreport

Wir nannten es Arbeit! Was Künst­liche Intelligenz auch für deinen Arbeitsplatz bedeutet

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Engere Kooperation mit der KI

Peter Buxmann glaubt nicht, dass wir in absehbarer Zukunft alle von Maschinen ersetzt werden. Wohl aber: uns auf neue Arbeitsabläufe einstellen müssen. Buxmann ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt und hat sich in den vergangenen Jahren intensiv sowohl mit Machine Learning als auch mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auseinandergesetzt: „Künstliche Intelligenz wird in Unternehmen und in der Gesellschaft Einzug halten, wir werden immer enger mit Algorithmen zusammenarbeiten“, sagt er. „Das wird den Arbeitsalltag verändern.“

Für die Mitarbeiter der Personalvermittlung Randstad hat diese Entwicklung bereits begonnen. Die Firma ist ein globaler Zeitarbeitsgigant, alleine bei der deutschen Tochtergesellschaft sind mehr als 50.000 Menschen beschäftigt, die im Auftrag anderer Firmen eingesetzt werden. Dazu kommen fast 3.000 Mitarbeiter, die eine riesige Personalabteilung bilden – an allen Ecken geht es um das Recruiting, das Einstellen und Anlernen neuer Mitarbeiter, die Bearbeitung von Arbeitsverträgen.

Beim Vermitteln der Jobs hilft seit einiger Zeit eine Software namens „Automatic Pre Match“. Mit ihr können die Personaler wie in einer Internet-Suchmaschine ihre Anfrage formulieren. Im Hintergrund durchsucht das Programm mehrere Jobplattformen und Bewerbermanagementsysteme nach passenden Kandidaten. Stolz ist das Randstad-Team auch auf den Einsatz einer Sprachanalysesoftware des Aachener Startups Precire: Aus Stimmen und Texten, die im Bewerbungsprozess anfallen, kuratiert das Programm ein Persönlichkeitsprofil: Wie flüssig drückt sich ein Kandidat aus? Wie kompetent oder wie extrovertiert ist er oder sie? All das kommt jetzt gewissermaßen nebenbei ans Licht.

„Die Technologie wird unsere Art zu arbeiten verändern, aber der Mensch wird dabei weiterhin im Mittelpunkt stehen“, sagt Lars Hewel, bei Randstad Deutschland verantwortlich für
Business Intelligence, Konzepte und Strategien. Konkret heißt das auch: „Wir wollen die Teile der Tätigkeit ersetzen, die ersetzbar sind.“ Viel Arbeit wurde den Personaldisponenten etwa durch eine neue Plattform abgenommen, auf der Mitarbeiter selbst ihre Einsätze planen können – und daraus automatisch Dienstpläne entstehen. „Da greift der zuständige Mitarbeiter nur noch ein, wenn es haken sollte“, sagt Hewel. Und in Frankreich sind jetzt schon Chatbots im Einsatz, die immer mal wieder bei ehemaligen Bewerbern nachhaken – ist man immer noch an einem Job bei Randstad interessiert, welche Branchen wären interessant?

Randstad gilt als Vorreiter, aber auch in anderen Unternehmen arbeiten Menschen bereits mit virtuellen Kollegen zusammen. Im engeren Sinne intelligent sind die nicht immer. Häufig geht es bei den Automatisierungsideen vor allem darum, sich wieder­holende Prozesse ohne menschliches Zutun ablaufen zu lassen. Das ist zwar schlau – aber nicht intelligent.

„Wirkliche intelligente Automatisierung ist zumindest im großen Stil in den allermeisten Unternehmen noch Zukunfts­musik“, sagt Robert Laube. Als Chief Technology and Innovation Officer des IT-Dienstleisters Avanade in Deutschland sieht er täglich, auf welche Produkte größere Firmen hierzulande häufig setzen. Er unterscheidet zwischen einfacher Automatisierung mit dem Ziel, bestimmte Prozesse von Programmen oder Bots ausführen zu lassen. Dazu kann das simple Zusammenstellen von Reports gehören, für das vorher Hilfskräfte manuell Daten zwischen
Tabellen hin- und herkopieren mussten. Zum anderen sieht er die komplexere Enterprise-Automatisierung, die ganze Abläufe quer durch Abteilungen abbildet. Der entscheidende Unterschied: Künstliche Intelligenz hilft den Programmen, aus den Daten zu lernen und so immer selbstständiger die Aufgaben zu erledigen. „Die meisten Unternehmen konzentrieren sich im Moment auf die einfache Variante“, sagt Laube.

Getrieben wird die Entwicklung oft weniger von großen Konzernen als von kleinen KI-Schmieden. Zwölf Milliarden Dollar Wagniskapital haben Startups in diesem Bereich im vergangenen Jahr eingesammelt, ergab eine Erhebung von KPMG – eine Verdopplung gegenüber 2016. Nach Einschätzung von Tim Dümichen, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, fließt künftig noch mehr Geld in den Sektor. „Angesichts der breiten Anwendungsmöglichkeiten künstlicher Intelligenz quer über die unterschiedlichsten Industrien hinweg dürfte das Thema auch in diesem Jahr weit oben auf der Agenda der Investoren stehen“, sagte er im Januar.

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