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Die Open-Source-Shop-Systeme Magento und OXID im Vergleich: Kampf der Giganten

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Erweiterbarkeit

Bei MagentoConnect [10] handelt es sich um einen Marktplatz für Erweiterungen, auf dem Drittanbieter ihre Magento-Module anbieten können. Derzeit finden sich dort gut 3.000 Zusatzmodule, wobei ungefähr ein Drittel davon freie Module sind, die sich einfach über die Eingabe des so genannten Extension-Keys im MagentoConnect-Paketmanager des Magento-Admin-Panels installieren lassen. Den anderen Teil machen kommerzielle Module aus, die direkt vom Hersteller bezogen und separat über FTP installiert werden.

Wer mehrere Shops in einer Installation verwalten muss, findet in Magento das passende System.
Wer mehrere Shops in einer Installation verwalten muss, findet in Magento das passende System.
Die Zusatzmodule decken vielfältige Einsatzmöglichkeiten ab, wobei die Anbindung von Magento an Drittsysteme zu den wichtigsten gehört. Mittlerweile gibt es zahlreiche Erweiterungen, die den Datenaustausch mit den wichtigsten Payment- und Logistikanbietern sowie Warenwirtschafts- und CM-Systemen sicherstellen. So können beispielsweise unterschiedliche Zahlweisen mit Hilfe von Anbietern wie Expercash, Ogone, Payone oder Wirecard genau so angebunden werden wie Drittsysteme, etwa TYPO3, Wordpress oder Joomla [11].

OXID ist ebenfalls durch Zusatzmodule erweiterbar. OXID eXchange, der zugehörige Marktplatz, beinhaltet aktuell ungefähr 250 Erweiterungen, mit denen Shopbetreiber bestimmte Funktionalitäten nachrüsten können [10]. Diese Erweiterungen decken ebenfalls Themen wie Produktdarstellung, Bezahlung, Marketing und Kundenmanagement ab, sind teils kostenlos, teils kostenpflichtig und lassen sich über FTP installieren.

Beim Datenaustausch hat OXID mit eFire aber noch einen Trumpf im Ärmel [12]. Es handelt sich dabei um eine Plattform, über die sich ein OXID-Shop mit Hilfe von sogenannten Portlets ohne weiteren Programmieraufwand an Drittsysteme, etwa Preisvergleichsportale oder eBay, anbinden lässt [13]. Der Datenaustausch mit den externen Anbietern wird dabei nutzungsbasiert abgerechnet.

Kunden und Community

Mit eFire bietet OXID eine Plattform für zahlreiche Anbindungen an Drittanbieter.
Mit eFire bietet OXID eine Plattform für zahlreiche Anbindungen an Drittanbieter.
Beide Systeme können mittlerweile auf eine Reihe hochkarätiger Referenzkunden verweisen. Bei Magento sind das beispielsweise der internationale Skype-Shop, The North Face oder auch der jüngst veröffentlichte Shop der deutschen Münzhandelsgesellschaft MDM. Weitere sehenswerte Beispiele werden regelmäßig in der Showcase-Kategorie des offiziellen Magento-Blogs veröffentlicht. Im Falle von OXID wurden zuletzt Fressnapf, Gravis sowie Intersport umgesetzt, und auch hier findet sich eine umfangreiche Referenzliste auf der Firmen-Website.

Umgesetzt wurden diese Shops von Agenturen verschiedener Größe. Sowohl Magento als auch OXID bieten dazu Partnerprogramme an, die unterschiedlich ausgestaltet sind: Bei Magento unterscheidet man zwischen Solution-, Hosting- und Industry-Partnern. Hierbei ist die Solution-Partnerschaft für Agenturen gedacht, die entweder Community-, Professional- oder Enterprise-Partner werden können und in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Support Unterstützung erhalten [14]. Eine solche Partnerschaft kostet zwischen 2.000 und 10.000 US-Dollar pro Jahr. OXID unterscheidet zwischen Hosting- und Solution-Partnern [15] und bietet diesen ebenfalls Hilfestellung beim Verkauf kommerzieller Software-Lizenzen und bei technischen Fragen an. Die Partnerschaften sind ebenfalls an Jahresgebühren geknüpft, die zwischen 500 und 3.000 Euro liegt.

Abgesehen von diesen offiziellen Partnerschaften liegt die wahre Stärke einer Open-Source-Software in der Größe und Zusammensetzung der Community. Im Magento-Forum gibt es mittlerweile weltweit knapp 300.000 angemeldete Nutzer [16], bei OXID sind es gerade 10.000 [17]. Allerdings ist der Unterschied wohl damit zu begründen, dass OXID einerseits weniger international ausgerichtet ist und andererseits erst vor zwei Jahren eine Open-Source-Version veröffentlicht hat.

Fazit

Beiden Systemen gemein ist ein modernes Programmierkonzept und die Möglichkeit, individuelle Funktionen umzusetzen, ohne dazu den Programmkern verändern zu müssen. Magentos Programmierkonzept macht deutlich, dass es eher als E-Commerce-Framework anstatt eines reinen Shop-Systems gesehen und verwendet werden will und kann – man denke an das komplexe Template-System, das EAV-Datenmodell und die Anleihen an die Architektur des Zend-Frameworks. Wird ein Projekt geplant, das hohe Anforderungen an die Systemflexibilität stellt und nicht auf den Multishop-Ansatz verzichten will, ist Magento sicherlich der ideale Kandidat.

Für OXID sollten sich diejenigen entscheiden, denen eine gut gewartete Code-Basis und ein funktionierendes Schulungs- und Zertifizierungsumfeld wichtig sind. Auch die Tatsache, dass OXID schon wesentlich länger im dem deutschsprachigen Markt aktiv ist, spricht für die Software aus Freiburg; dank eFire stehen nämlich zahlreiche Anbindungen an Drittanbieter komfortabel zur Verfügung.

Beide Systeme haben letztlich ihre individuellen Stärken und Schwächen, und so sollten es die Anforderungen des jeweiligen Projekts sein, die schlussendlich über die Wahl des einen oder des anderen Systems entscheiden.

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12 Reaktionen
peter_s

Mittlerweile sind fast 3 Jahre ins Land gegangen. Magento wurde von ebay geschluckt, wie da die Strategie ist und wie es weiter gehen soll ist für mich unklar. Aber es gibt auch noch anderes als oxid oder Magento. Wir nutzen z.B. vermehrt Shoppilot. Die haben eine eigene Template Engine und eine eigene Scriptsprache zur Erweiterung und Modifikation. Ich bin damit sehr gut zurecht gekommen. Oder Shopware ist auch nicht schlecht. Und sicherlich noch weitere gute Shopsysteme.

h_klauke

Hallo,
habe für meine Frau, eine leidenschaftliche Schmucksammlerin, den Shop http://www.gebraucht-schmuck.com eingerichtet. Habe mich für Oxid entschieden. Der Testshop lief direkt lokal und auch als Eclipse Projekt.
Das Layout ist gut strukturiert, das Datenbankmodell einfach und der PHP-Code geradlinig. Die Antwortzeiten sind gut. Für die Implementation musste ich nur 2 Punkte bearbeiten.
Die Gebühr für Nachnahme wurde angezeigt aber nicht in die Bestellung übernommen, und mehr als 4 Hauptkategorien wurden nicht dargestellt.
Als nächstes steht die PayPal Anbindung an. Werde das aber mit Express Checkout implementieren und auf e-fire verzichten.
Für einen „kleinen“ Shop wie den unsrigen finde ich Oxid ideal.
Abstriche gibt’s für den Admin Modus, den ich unübersichtlich finde.

Mr. Foo

Hallo,

ich habe vor einiger Zeit ein langen und ausführlichen Artikel über die Nachteile von Magento geschrieben.

Jetzt, zwei Jahre später, beschweren sich die Nutzer immer noch über die Nachteile von Magento.
Der Artikel hat schon über 170 Kommentare, ist lang aber sehr lesenswert.

Bitte wundert euch nicht über den vielleicht etwas rüden Titel des Artikels, aber wer sich die Zeit nimmt alles durchzulesen wird wissen, warum der Artikel so genannt wurde:

Magento im Test

peter

ich finde diesen artikel sowas von ungeignet diese beiden system zu vergleich...

noch mehr ärgere ich mich das er immer wieder un wieder in den rss feed twitter usw. verwursted wird.

ich habe heute mein abo gekündigt, einfach alles zu flach, das bringt nix und ich kanns eh irgendwann oline lesen.

gute nacht.

indi

danke für die info!

Chriz

@indi: Ja - leider hab ich mit OXID so ähnliche Erfahrungen gemacht. Über Sicherheitslücken kann ich allerdings nichts sagen. Updates zum Einspielen gibt es aber genug :-)
Besonders nervig wird die Updateproblematik vor allem, weil es keine integrierte Updatefunktion gibt. Hier bietet Magento deutliche Vorteile.

indi

@chriz: oh, das erinnert mich an TYPO3....stäääändig hakelt irgendwas, geht wieder irgendwas nicht. und leider hat das ding sicherheitslücken ohne ende, sodaß man schon bald im wochenturnus updaten muß. wie ist das bei oxid?

mori

Magento arbeitet auch sehr gut mit Drupal zusammen !!!

Jörg Glinka

Die technische Leistungsfähigkeit der Software ist Grund-Voraussetzung. Im Funktionsumfang tun sich die Systeme nicht soooo viel und orientieren sich an der aktuellen Nachfrage.

Allerdings ist die Anpassung und erfolgreiche Einführung gerade bei großen Installationen ein sehr wichtiges Thema, das bei der Auswahl geeigneter Software und Lösungsanbieter massiv unterschätzt wird. Die funktional beste Lösung bringt nichts, wenn der "Solutionpartner" nicht in der Lage ist, den Kunden zu verstehen und Individualprogrammierungen innerhalb kurzer Zeit zu attraktiven Konditionen vorzunehmen.

Die meisten Geschäftsmodelle lassen sich auch nicht hundertprozentig mit einer Standardlösung abbilden und müssen individualisiert werden. Das geht von der Realisation komplexer Schnittstellen zu ERP-Systemen bis hin zu komplexen Individualprogrammierungen, mit der sich der Shopbetreiber von Mitbewerbern unterscheidet und dem Kunden Komfort bietet. Hier gibt es wenig "Out of the box".

Es ist immer hilfreich, sich bei Referenzkunden über Haken und Ösen zu informieren.

Chris

Also entgegen der Angabe in diesem Artikel finde ich persönlich, das Magento doch schon in vielen Bereichen sehr gut dokumentiert ist. Klar gibt es auch Bereiche, da hakt es noch, oder ist noch einiges zu verbessern, aber die Einarbeitungszeit ist doch relativ gering. Im Vergleich zu Oxid, mit dem ich auch schon gearbeitet habe. Auch findet man im Umfangreichen Forum eigentlich auch immer etwas. Es könnte allerdings teilweise etwas geordneter sein.

Auch die Angabe mit der EAV Struktur in diesem Artikel ist nicht ganz korrekt. Zwar ist dies der Standard der Datenspeicherung in Magento, jedoch kann man im Backend sowohl für Produkte als auch für Kateogorien auch die Flat-Speicherung nutzen. Dadurch ist dies vergleichbar mit Oxid.

Chriz

Ich habe sowohl Magento, als auch OXID Shops für Kunden umgesetzt. Leider haben wir mit OXID und im Speziellen mit e-fire ständig Probleme. Auch Updates gestalten sich bei OXID oft sehr zäh. Eigentlich funktioniert nach einem Update immer irgendwas NICHT!
Ich persönlich werde zukünftig keinen OXID-Shop mehr aufsetzen. Lieber etwas mehr Entwicklungsaufwand mit Magento am Anfang, als dieser dauerhafte Ärger mit OXID während der Laufzeit.

Vajra Niemeyer

Die OXID Professional Edition liegt derzeit bei 2.990,- € + 1.990,- € für die ERP-Schnittstelle. Eine für meinen Geschmack etwas willkürliche Preispolitik, die nicht jedem Kunden gefallen dürfte und die Nachfrage nach Projekten mit der CE oder Magento erhöht hat. Schade denn das Shop-System ist wirklich hochwertig.

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