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Psychedelische Medizin: Warum Investoren wie Angermayer auf Magic Mushrooms setzen

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Das Marktpotenzial für psychedelische Medizin

Sollte sich bestätigten, dass psychedelische Therapie in vielen Fällen besser anschlägt als die bisher als Psychopharmaka verwendeten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), wäre das ein enormer Durchbruch. Denn psychische Krankheiten sind extrem weit verbreitet. Schätzungen zufolge leiden weltweit inzwischen rund 350 Millionen Menschen an einer Depression. Laut einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation sind ­Depressionen oder affektive Störungen inzwischen die zweithäufigste Volkskrankheit weltweit.

„Psychedelisch unterstützte Therapien könnten der Gesell­schaft Kosten in einer Größenordnung von 350 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit Störungen des Substanz­konsums (Opioide, Alkohol und Nikotin), beinahe 150 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit Depressionen in den USA und 12,4 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit posttrauma­tischen Belastungsstörungen allein in den USA und der EU sparen“, schreibt Prohibition Partners in einem Report.

Dementsprechend groß ist auch der Markt, der sich für die Behandlung dieser Krankheiten eröffnet: Die Analyse-Firma Data Bridge prognostiziert, dass er bis 2027 auf ein Volumen von fast sieben Milliarden US-Dollar wächst. Seit einigen Jahren entstehen immer mehr Unternehmen, die Präparate entwickeln und Therapiemethoden erforschen. Die deutsche Non-Profit-­Organisation Mind listet rund 90 Unternehmen auf, die zur „Psychedelic Industry“ gehören, viele davon wurden erst 2019 gegründet.

(Grafik: t3n)

Auch wegen der Illegalität der Substanzen wird der Markt immer wieder mit dem für medizinisches Cannabis verglichen. „Ich würde den Vergleich nicht überstrapazieren“, sagt aber ­Analystin Byrne von Prohibition Partners. Das medizinische ­Potenzial der Psychedelika sei deutlich größer als bei Cannabis. Eines könne der Sektor aber auf jeden Fall von den Erfahrungen der ­Cannabis-Diskussion lernen: „Es ist wichtig, das Thema nicht zu sehr zu hypen. Der Cannabis-Markt war in gewisser Weise ­Opfer seines eigenen Erfolgs.“

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Sie betont das, denn derzeit ist eine ähnliche Goldgräber­stimmung zu spüren wie zu Beginn des Cannabis-Booms. ­Insbesondere, seit im März die zwei kanadischen Unternehmen Champignon Brands und Mindmed an die Börse gingen, gelten psychedelische Aktien in einschlägigen Investorenforen als Geheimtipp. Die Rede ist vom Shroom-Boom. Auch außerhalb der Börse wird kräftig investiert: Das von Angermayer gegründete Unternehmen Atai Life Sciences sitzt in Berlin und ist wiederum der größte Investor am US-Unternehmen Compass Pathways, das erst im April 80 Millionen US-Dollar eingesammelt hat.

„Wir sind noch in der Entwicklungsphase“, sagt Florian Brand, CEO von Atai Life Sciences. Die Therapiemethode, die Compass Pathways für die sogenannte „Treatment-Resistant-Depression“, also eine Depression, die nicht auf klassische Behandlung anspricht, testet, wurde von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA mit dem Status „Breakthrough Therapy“ versehen. Die dazu aktuell laufende Studie ist die größte aller Zeiten mit medizinischem Psilocybin.

Marktanalystin Byrne geht ihrerseits davon aus, dass ­psilocybin-gestützte Therapien frühestens 2023 oder 2024 in den USA zugelassen werden. Das ultimative Ziel sei, sagt Atai-Manager Brand, dass eine solche Behandlung auch von der Krankenkasse erstattet werde. Bis es so weit ist, könnte es jedoch noch deutlich länger dauern. Das gilt auch für die meisten anderen Therapieformen.

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