Ratgeber

Tipps zu Inkasso-Verfahren im E-Commerce: Zahlungsausfälle minimieren

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„Die Gebühren eines Inkassounternehmens dürfen maximal so hoch wie die eines Rechtsanwaltes sein“, erläutert Martin Rätze. „Allerdings darf ein Inkassodienst nicht automatisch diese Höhe geltend machen. In der Regel fallen bei ihm diese Kosten gar nicht an, weil er zum Beispiel keine Prüfung der Forderung vornimmt, wie das der Rechtsanwalt tut“.

Gerade hat etwa das Amtsgericht Münster entschieden, dass ein Mobilfunkbetreiber keine Inkassogebühren verlangen durfte, weil die Einschaltung eines Inkassounternehmens in diesem Fall offener Kundenrechnungen unnötig war. Zwar könne das Unternehmen einen Inkasso-Dienstleister einschalten, wenn es die Forderungen nicht selbst geltend machen wolle, so das Urteil – der Kunde habe die entstandenen Kosten aber nicht zu erstatten. Mit anderen Worten: Wer ein Inkassounternehmen einschaltet, kann auf den Kosten sitzen bleiben.

Factoring

Es gibt echtes und unechtes Factoring. Im ersten Fall kauft eine Factoring-Gesellschaft die Forderungen eines Händlers und übernimmt das Forderungsausfallrisiko. Der Shop-Betreiber muss dafür Abschläge von 0,1 bis 4 Prozent hinnehmen. Die Höhe richtet sich nach dem Volumen der verkauften Forderungen. Bei Umsätzen von ein bis drei Millionen Euro liegt der Abschlag im Schnitt bei drei Prozent. Beim unechten Factoring übernimmt der Factoring-Dienstleister das Forderungsausfall-Risiko nicht. Zahlt der Kunde nicht, trägt der Händler das Risiko des Forderungsausfalls komplett. So gesehen ist das unechte Factorig nur eine Art Kredit, bei der der Factoring-Anbieter den Händler zugleich beim Debitorenmanagement unterstützt. Praktisch heißt das, dass die Factoring-Gesellschaft nach Rechnungsstellung zwischen 80 und 90 Prozent der Forderung innerhalb von ein bis zwei Tagen auf das Konto des Shop-Betreibers überweist. Kommt es zum Forderungsausfall, muss er den vorfinanzierten Betrag nebst Zinsen an den Dienstleister zurückerstatten.

Diese Option ist daher nur dann sinnvoll, wenn ein Shop-Betreiber zahlungszuverlässige Kunden hat und schnell liquide sein muss. So kann er Fremdkapitalzinsen reduzieren oder Lieferanten-Skonti in Anspruch nehmen. Auch beim Factoring sollten sich Onlinehändler aber darüber im Klaren sein, dass die Kundenbeziehung in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn ob die Zahlungsverweigerung durch den Kunden im Einzelfall vielleicht sogar berechtigt ist, prüft die Factoring-Gesellschaft nicht. Für sie steht der Dialog mit dem Kunden oder die Suche nach einer gemeinsamen Lösung nicht im Vordergrund.

 

Das sollten sich Händler vor Augen führen – vor allem vor dem Hintergrund zahlreicher Betrugsfälle an den Packstationen. Betrüger schicken fremden Personen ein DHL-Begrüßungspaket gegen Vorlage des Ausweises, um an echte Kundendaten zu kommen. Damit bestellen sie dann in verschiedenen Online-Shops und holen die Waren aus der Packstation. Der echte Kunde hat die Ware niemals zu Gesicht bekommen und wird sich daher weigern, sie zu bezahlen. Da ist Krach programmiert und das fällt letztlich negativ auf den Shop zurück.

Eine smarte Alternative ist die Zahlungsgarantie, wie sie etwa die Universum Group anbietet. Das Unternehmen prüft jeden Kunden, was jedoch kostspielig ist. (Bild: Universum Group)

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2 Kommentare
Florian.Kappert
Florian.Kappert

Gute Übersicht im Allgemeinen. Ich finde lediglich die Übersicht der Inkasso-Unternehmen am Ende irreführend. Mir fallen spontan 20+ Inkasso-Unternehmen ein, die sehr wohl auch für Händler arbeiten… die Übersicht würde ich mir deutlich ausführlicher wünschen.

Aus der Praxis kann ich sagen, dass viele Händler das Scoring für den KaR selbst machen. Als Scoring-Faktoren werden gerne Kombinationen aus z.B. folgenden Möglichkeiten genommen:
– Anzahl der Käufe
– Anzahl Käufe in Zeitraum x
– Umsatz
– Umsatz in Zeitraum x
– Bestellwert
– Retourenquote
– Durchschnittlicher Bestellwert
– Anzahl an Lieferadressen
– natürlich demografische Angaben falls man daraus etwas ableiten kann
– wenn möglich dann Kennzahlen wie DSO (Zeit zur Zahlung)

Darüber lassen sich in allen guten, gängigen Shop-Lösungen eigene Kriterien bauen die, je nach Anwendungsfall, ein externes Scoring in weniger Fällen wichtig macht.

Grundsätzlich macht es sicherlich auch Sinn darüber nachzudenken ob man ein eigenes Scoring mit einem automatischen Mahnwesen und Inkasso-Schnittstelle einsetzt. Das ist dann hilfreich wenn die Margen des Händlers so klein sind, dass sich ein Scoring ggf. nicht lohnt. Dienstleister wie Bilendo (ja ja, Werbung… schon gut, ich bin einer der Gründer) übernehmen für Händler dann den gesamten Prozess nach Rechnungsstellung. Das funktioniert natürlich auch mit vorgeschaltetem Scoring – kommt einfach auf den Dienstleister an. Hinten raus, also wenn das Mahnwesen im Einzelfall nichts eingebracht hat, können Händler ein Inkasso-Unternehmen als Partner einschalten und die Forderungen per 1-click oder voll-automatisch weitergeben.

Wer hier meiner Argumentation weiter folgen möchte gerne meinen Artikel zum Thema Mahnwesen & Inkasso lesen:
https://www.bilendo.de/blog/warum-es-sinn-macht-erst-bilendo-zu-nutzen-und-spater-einen-inkasso-dienstleister-einzuschalten

Antworten
Nina

Als kleiner Online-Händler fragen wir uns, ob wir ein Unternehmen für Inkasso bei Zahlungsverzug nutzen sollten. Es ist ja auch immer die Frage, ob man damit die Kunden verärgert. Die Übersicht zu den verschiedenen Treuhand-Optionen hilft uns auf jeden Fall weiter – danke dafür!

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