Analyse

Airbnb: So kann der Wohnraumvermittler die Coronakrise überstehen

Airbnb hat in der aktuellen Coronakrise nicht viel zu lachen. (Foto: Shutterstock).

Airbnb könnte einer der größten Verlierer der Coronakrise werden. Denn dem Portal brechen empfindlich die Geschäfte weg. Doch in Wahrheit zahlen andere dabei die Zeche.

Wohnraumvermittler Airbnb gerät in Schieflage: Wenig überraschend hat sich der Umsatz der Wohnungsvermittlung zwischen Mitte Februar und Mitte März quasi halbiert. Das belegen zumindest Zahlen von Airdna, einer Analysefirma. Laut Handelsblatt habe der Umsatz Mitte Februar noch bei 31 Millionen Euro in Deutschland gelegen, einen Monat später seien es gerade einmal 16 Millionen Euro gewesen.

Ähnliche Zahlen weist die Analysefirma für Frankreich (120 zu 65 Millionen Euro), Italien (58 zu 31 Millionen Euro) und Spanien (59 zu 33 Millionen Euro) aus. Das Unternehmen, das wohl angesichts dieser Sondersituation den für dieses Jahr (und schon deutlich länger) geplanten Börsengang erst einmal auf Eis legen dürfte, gilt als eines der wertvollsten Startups der Welt und beschäftigt derzeit 15.000 Mitarbeiter weltweit. Das Unternehmen ist in 220 Märkten weltweit unterwegs, auf seinem Gebiet Marktführer und wird mit 35 Milliarden US-Dollar taxiert.

Airbnb hat den Großteil des Risikos ausgelagert

Dass ein Unternehmen dieser Größe die Coronakrise nicht überlebt, ist unwahrscheinlich. Dass es gerade bei der Zahl der Mitarbeiter zu empfindlichen Einschnitten kommt, dürfte dagegen auch klar sein. Airbnb betreibt die Plattform auf Provisionsbasis und kassiert rund ein Fünftel von jeder Buchung, in einzelnen Fällen etwas mehr, bei großen Vermietern wie Hotels teilweise weniger aufgrund entsprechender Verhandlungen. Man betriebt also lediglich die Plattform, ist nicht mit eigenen Objekten in der Verpflichtung. Es dürfte also problemlos möglich sein, das reichlich vorhandene Investorengeld effizienter einzusetzen oder beispielsweise langsamer in neue Funktionen und Geschäftsfelder zu investieren.

Hinzu kommt, dass bei den Gehältern in vielen vergleichbaren Fällen auch das Thema Firmenanteile beziehungsweise -optionen zumindest einen Teil des Deals ausmachen. Zudem ist insbesondere in den USA der erfolgsbezogene Anteil in der Regel deutlich höher ist als in Deutschland. Das senkt das Risiko für das Unternehmen und verlagert dieses auf die Mitarbeiter, für die ihr Vertrag mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Monaten und Jahren deutlich weniger attraktiv wird.

Aufatmen unter Mietern in Metropolen

Zudem muss man auch sagen, dass es nicht Airbnb ist, das den Großteil des Risikos in diesem Vermietungsgeschäft trägt, sondern die jeweiligen Besitzer der Wohnungen oder Zimmer. Wie lange deren Durststrecke in der Krise andauern wird, ist unklar – das können Monate, aber auch Jahre sein. Und für manchen wird die Finanzierung einer Wohnung, die mit einer bestimmten Vermietungsquote rechnet, einstürzen wie ein Kartenhaus.

Eine offenbar immer größer werdende Zahl an Vermietern setzt in der Krise auf langfristiges Vermieten der Objekte, wie entsprechende Erhebungen aus den USA und Zahlen aus Dublin zeigen. Hier steigt insbesondere in vielen typischen Airbnb-Gegenden in den Großstädten gerade das Angebot an Wohnungen sprunghaft an – Wohnungen, die angesichts von Wohnungsknappheit viele Mieter gerne schon früher auf dem Markt gesehen hätten.

Airbnb-Vermieter versuchen, langfristig zu vermieten

Auch in Deutschland dürfte es viele Großstadtbewohner, insbesondere wenn sie in touristisch attraktiven stadtnahen Vierteln wohnen wollen, freuen, wenn der Siegeszug des Wohnraumvermittlers erst einmal gestoppt ist. Laut der Tageszeitung sollen die Angebote alleine in Berlin im Zeitraum zwischen Mitte Februar und Mitte März um rund zehn Prozent gesunken sein. Auch bei den Wohnungen, die noch inseriert sind, hat man der Situation gemäß für die nächsten Wochen und Monate die freie Auswahl. Airbnb hat den Gästen angeboten, die Verträge unabhängig von den Stornobedingungen der jeweiligen Vermieter zu lösen. Alles andere hätte auch zu einem nachhaltigen Imageverlust geführt, von der Rechtmäßigkeit mal ganz abgesehen.

Unterm Strich wird Airbnb also keine existenziellen Zukunftsängste haben müssen, weil die Marke weltweit bekannt ist und das Geschäft in dieser Hinsicht solide dasteht und problemlos auch einen Gang zurückschalten kann, ohne dass hieraus gleich das Unternehmen selbst infrage gestellt wird. Für die Mitarbeiter wird’s dagegen ebenso ungemütlicher wie für die Vermieter, die teilweise in den letzten Jahren gezielt ein Business aufgebaut hatten und davon ausgingen, dass zumindest in den Ballungsräumen die Reise immer so weitergehen würde wie bisher. Der Fall Airbnb zeigt aber auch, dass kein Unternehmen – und sei es in einem Business noch so sehr der Platzhirsch – wirklich unangreifbar ist.

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Ein Kommentar
Titus von Unhold
Titus von Unhold

Es währe kein Verlust für die Menschheit wenn solche unsozialen Geschäftsmodelle alsbald verschwinden.

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