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Interview

Atomico-Partner Siraj Khaliq: „Kreativ sein können auch Maschinen“

Siraj Khaliq ist Partner bei Atomico. (Foto: Atomico)

Siraj Khaliq hat einst bei Google gearbeitet, später verkaufte er sein Startup für eine Milliarde Dollar. Beim VC Atomico liegt sein Fokus auf künstlicher Intelligenz. Wie es um die Technologie steht.

Siraj Khaliq muss nicht mehr arbeiten. Seit er sein Startup The Climate Corporation 2013 für fast eine Milliarde Dollar veräußerte, hat der ehemalige Google-Engineer ausgesorgt. Trotzdem heuerte er nach dem Verkauf bei dem prominenten Startup-Investor Atomico an. Der Grund dafür ist einfach: Sinn. „Jeder braucht etwas in seinem Leben, das ihn motiviert, das ihn morgens aus dem Bett treibt und auch am nächsten Tag noch etwas machen lässt“, sagt Khaliq beim Gespräch in Wien. Für ihn sei nicht die Frage gewesen, ob er weiterhin arbeite, sondern was er mache. Venture Capital passte gut ins Konzept: Die Erfahrung, die er gesammelt habe, könne auch für andere Gründer interessant sein. „Vielleicht können sie aus meinen Fehlern lernen.“

Der studierte Computerwissenschaftler hat schon mit 13 Jahren mit dem Programmieren angefangen. Der Anstoß kam durch das Spiel Atari 2600: „Ich wollte verstehen, wie jemand so etwas kreiert“, erklärt er. Das erste Programm, das er selbst konzipierte, war dementsprechend ebenfalls ein Computerspiel, „ein sehr einfaches“, wie Khaliq betont. Nach seinem Studium in Stanford arbeitete er bei Google, konzipierte unter anderem die Büchersuche, bevor er sich selbstständig machte. Das war keine plötzliche Idee: Er habe schon immer ein eigenes Unternehmen aufbauen wollen – wegen Bill Gates. „Ich habe ihn in den 90ern auf dem Time-Cover gesehen“, erzählt Khaliq, „und konnte mich gut mit ihm identifizieren: Er trug eine ähnliche Brille, wie ich sie als Kind hatte.“

Seit Januar 2016 hilft der Stanford-Absolvent bei Atomico anderen Startups bei der Entwicklung ihres Geschäftsmodells. Sein Fokus: künstliche Intelligenz, Machine Learning und maschinelles Sehen. Im Interview erklärt er, wo wir bei künstlicher Intelligenz eigentlich stehen und warum auch kreative Berufe von Maschinen ersetzt werden können.

Atomico-Partner Khaliq: „Krebs erkennen können Maschinen schon heute besser als wir“

Siraj, in den 1960er Jahren gab es einen ersten Hype um künstliche Intelligenz. Schon damals dachte man, dass Maschinen in wenigen Jahren intelligenter würden als wir Menschen. Das ist nicht passiert. Jetzt gibt es wieder einen Hype, wieder heißt es, Maschinen werden bald intelligenter sein. Wo stehen wir denn wirklich auf einer Skala von eins bis zehn?

Mit einer Skala ist das schwierig.

Warum? 

Weil es auf das Problem ankommt, das du löst.

Wie meinst du das?

Gucken wir uns Radiologie oder Computertomographie an: Ärzte schauen normalerweise auf die Bilder und müssen daraus erkennen, ob jemand Krebs hat oder nicht. Das können Maschinen schon heute besser. Zwar sind sie noch nicht überall im Einsatz, sie sind noch nicht kommerzialisiert. Aber das wird bald kommen. Auf einer Skala von eins bis zehn läge die künstliche Intelligenz bei sieben oder acht.

Das klingt, als wären wir nicht soweit davon entfernt, dass Maschinen unsere Jobs übernehmen. 

In diesem Bereich ja. Aber in anderen Branchen liegen wir noch zurück.

In welchen?

Bei selbstfahrenden Autos zum Beispiel. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich Fahrzeuge autonom bewegen können. Da sind wir vielleicht gerade bei fünf. Und in kreativen Berufen, beim Malen, Schreiben, Musizieren, sind die Maschinen nicht einmal nah dran, den Menschen zu ersetzen. Die Skala hängt also von der Branche ab.

Glaubst du, dass Maschinen jemals kreative Aufgaben übernehmen können?

Ja.

Das musst du erklären. 

Denk mal an Musik. Warum konnte Mozart Melodien schreiben, die wir auch heute, Hunderte Jahre später, noch hören? Ein Teil davon ist musikalisches Genie. Aber einen anderen Teil macht ein Verständnis von Komposition aus, also wie du Noten zusammenfügst, sodass sie eine angenehme Melodie ergeben. Dahinter stecken logische Regeln. Das können auch Maschinen.

Aber bisher heißt es doch immer, dass Maschinen kreative Berufe nicht ersetzen werden können, weil die Aufgaben dahinter zu kompliziert sind. 

Ich sage ja auch nicht, dass Maschinen schon so weit sind. Es wird eine lange Zeit dauern, bis künstliche Intelligenz auch nur ansatzweise kreativ sein und so etwas wie Mozart leisten kann. Aber wenn wir darüber nachdenken, wie Musik generiert wird, wie Kunst generiert wird, ist künstliche Intelligenz weiter, als wir denken.

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