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Analyse

Der undankbare Abstieg von Redcoon: Media-Saturn bedauert den Kauf

So richtig glücklich ist man in der Media-Saturn-Zentrale nicht mehr mit dem einstigen Vorzeige-Unternehmen Redcoon. (Bild: Martin Hangen, Media-Saturn)

Bei der Akquisition 2011 war das Unternehmen Redcoon für die behäbigen Retailer Media Markt und Saturn noch das Tor zum E-Commerce. Jetzt würde man offenbar Redcoon am liebsten loswerden.

Das Verhältnis zwischen Media Markt und Redcoon ist offenkundig ein schwieriges. 2011, als sich der Elektroriese das einigermaßen erfolgreiche Online-Geschäft sicherte (zunächst 90 Prozent davon, später den Rest), war man selbst mit Online noch nicht wirklich weit. Im Gegenteil: In der Zentrale in Ingolstadt bastelte man zwar an verschiedenen E-Commerce-Projekten bis hin zu einem Kompendium zu Unterhaltungselektronikthemen, aber die Händler in der Fläche waren alles andere als begeistert über die Konkurrenz aus dem Netz im eigenen Haus.

Media-Saturn: Redcoon-Kauf soll rückabgewickelt werden

Noch bei der Vorlage der aktuellen Halbjahreszahlen hatte Metro-Vorstand und Media-Saturn-Chef Pieter Haas ausgeschlossen, dass man sich von der Vertriebstochter trennen wolle. Hinter den Kulissen sieht das aber offenbar ganz anders aus. Wie die Lebensmittelzeitung aus Unternehmenskreisen erfahren haben will, will Media-Saturn die Akquisition von Redcoon vor einem Schiedsgericht rückabwickeln. Begründet wird dies mit vermeintlichen Kartellrechtsverstößen. Für Kaufpreis und zwischenzeitliche Verluste fordere das Unternehmen von den Alteigentümern Reiner Heckel, Johannes Majdic und Jürgen Bartsch bis zu 300 Millionen Euro.

Die Vorgehensweise mit der schiedsgerichtlichen Einigung hatten die beiden Parteien bei Vertragsschluss ausgehandelt. Ob diese Rückabwicklung nach sechs Jahren Geschäftstätigkeit mit zahlreichen Veränderungen und Maßnahmen noch schlüssig zu begründen ist, scheint zumindest mit den Maßstäben gesunden Menschenverstands eher zweifelhaft.

Media-Saturn-Gruppe: Hat Redcoon seine Schuldigkeit getan?

Doch der deutsche E-Commerce in der Unterhaltungselektronikbranche hat sich seitdem grundlegend gewandelt. Inzwischen wirkt der Aschaffenburger Webshop eher wenig innovativ, während Media Markt in seiner Online-Sparte kräftig aufgeholt hat und insgesamt mit einer Kombination aus E-Commerce und Filialgeschäft zusammen mit Kundenbindungsinstrumenten wie dem Club vieles richtig macht. Insgesamt setzt die Media-Saturn-Gruppe inzwischen 1,8 Milliarden Euro im Jahr um, das Plus lag im vergangenen Jahr bei 23 Prozent.

Redcoon dagegen hat die erfolgreichsten Tage offenbar hinter sich. Der (zudem schlecht kommunizierte) Relaunch Anfang Mai wurde von vielen als eher uninspiriert beschrieben und auch einige der lokalisierten Redcoon-Shops wurden bereits abgestellt. Im vergangenen Jahr wurde Redcoon laut Medienberichten zudem verdächtigt, Teil eines Warenkarussells gewesen zu sein mit dem Ziel der Steuervermeidung. Allerdings wären hier Media-Saturn und Redcoon eher die Geschädigten, da es sich um Aktivitäten der Zwischenhändler handelte.

Abgesehen von der aktuellen Entwicklung im Unternehmen ist aber sicher, dass sich Media-Saturn mit Redcoon seinerzeit reichlich Digital-Know-how und Erfahrungswerte in der eigenen Branche ins Unternehmen geholt hat und es nun zu einer Konkurrenzsituation zwischen Redcoon und dem Media Markt Online kommt. Die Zukunft der Aschaffenburger dürfte daher ungewiss sein, egal ob Media-Saturn es schafft, die letzten sechs Jahre zumindest aus vertraglicher Sicht ungeschehen zu machen.

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Eine Reaktion
caro

Geht wohl eher darum ein bisschen Geld zurückzuerhalten, ganz rückabwickeln wird nicht drin sein.

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