Anzeige
Anzeige
MIT Technology Review Feature

Steigende Gefahr: Was beim Hochwasserschutz getan werden kann

Die Wahrscheinlichkeit für Starkregen wächst, wie man aktuell in Süddeutschland sehen kann. Und auch der Meeresspiegel steigt. Was bedeutet das für den Hochwasserschutz?

Von Pauline Schinkels
11 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige
In einer Marktstraße der indonesischen Hauptstadt Jakarta spielen Kinder im Wasser. Überflutungen, wie hier im November 2021, gehören für sie zum Alltag. Die Regierung plant bereits eine Umsiedlung der Hauptstadt.

Foto: REUTERS/Willy Kurniawan

Er sei im Ahrtal, wieder einmal, sagt Holger Schüttrumpf am Telefon. Während des Gesprächs schaue er auf den zerstörten Flusslauf der Ahr. 2021 schossen gigantische Wassermassen durch das enge Tal in der Eifel. Sie fluteten Häuser bis ins oberste Stockwerk, rissen Autos und Wohnwagen mit sich. 134 Menschen starben hier. „Mit einer derartigen Katastrophe in einem deutschen Mittelgebirge hat niemand gerechnet“, sagt Schüttrumpf. Der Professor für Wasserwirtschaft der RWTH Aachen arbeitet im Verbundprojekt KAHR an neuen Konzepten für den Hochwasserschutz im Ahrtal und begleitet den Wiederaufbau. Damit es nicht noch einmal so schlimm wird, wenn das Wasser kommt.

Anzeige
Anzeige

Mit dem Klimawandel nimmt die Häufigkeit von Überflutungen zu. Im Binnenland ist gerade im Sommer öfter mit Extremregen zu rechnen – unter anderem, weil warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. An der Küste wiederum steigt der Meeresspiegel, weil die Polkappen schmelzen und sich wärmeres Wasser stärker ausdehnt.

Bisher ging es beim Hochwasserschutz meist darum, das Wasser auszusperren – durch Deiche, Schutzmauern oder Talsperren. Doch wie lange kann das angesichts der Erderwärmung gut gehen?

Anzeige
Anzeige

Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 3/2023 von MIT Technology Review erschienen. Darin beschäftigen wir uns damit, was gegen zu viel und zu wenig Wasser getan werden kann. Hier könnt ihr die TR 3/2023 bestellen.

An der Nordseeküste kämpfen die Menschen seit Jahrhunderten gegen die Kraft des Meeres, im Laufe der Zeit wurden die Deiche immer höher. Noch sei der Schutz ausreichend, sagt Torsten Schlurmann, Professor für Wasserbau und Küsteningenieurwesen an der Uni Hannover. Doch irgendwann komme man an finanzielle und materielle Grenzen. So sei etwa Klei, der wichtigste Baustoff für Seedeiche, nicht unbegrenzt vorhanden. „Es ist auch eine gesellschaftliche Frage: Wie viel ist es uns wert, gefährdete Gebiete langfristig zu schützen?“

Küstenkarte Deutschlands

Die dunkel markierten Küstenabschnitte liegen tiefer als zehn Meter über dem Meeresspiegel und sind besonders gefährdet.
Grafik: CORRECTIV / searise.correctiv.org/de/explore

Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg haben bereits eine weitere Erhöhung aller Deiche beschlossen. Zunächst wollten sie nur um 50 Zentimeter aufstocken, 2022 setzten sie den Standard auf einen Meter. Die Deiche werden nicht nur erhöht, sondern auch verbreitert. Denn mit steigendem Meeresspiegel wächst auch die Belastung für den unteren Teil des Deiches. In Schleswig-Holstein entstand der erste „Klimadeich“ 2013, nach und nach erhalten dort immer mehr Deichkilometer ein Upgrade.

Anzeige
Anzeige

Gegen die Fluten anbauen

Im Unterlauf der Elbe, der sogenannten Tideelbe, treffen Fluss und Meer aufeinander. Zweimal täglich rollt die Flutwelle der Nordsee flussaufwärts. Wegen der Trichterwirkung des Flussbetts ist der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser im Hamburger Hafen sogar deutlich höher als auf dem offenen Meer.

Schon nach der Hamburger Flutkatastrophe von 1962, bei der über 300 Menschen starben, wurden die Deiche dort massiv erhöht. Für die kommenden Jahrzehnte sei die Stadt gut geschützt, sagt Peter Fröhle, Professor für Wasserbau an der TU Hamburg. Doch Fröhle blickt schon bis ins Jahr 2200. Im Projekt TideelbeKlima, das er leitet, simulieren Forscher Szenarien für Wasserstände an Nordsee und Elbe – und deren Wirkung auf Schutzbauwerke. Am Rechner lösen sie Sturmfluten aus, lassen Deiche virtuell brechen oder erhöhen sie.

Anzeige
Anzeige

Und sie experimentieren mit neuen Bauwerken: So wird seit Jahren über ein gewaltiges Sperrwerk im Mündungsbereich der Elbe diskutiert. Seit den neunziger Jahren schützt ein ähnliches Sperrwerk mit zwei jeweils über 200 Meter langen, schwenkbaren Toren den Großraum Rotterdam. „Die Elbe ist allerdings noch einmal deutlich breiter als die Hafeneinfahrt von Rotterdam“, sagt Fröhle. Denkbar sei etwa, den Fluss durch zwei Dämme künstlich zu verengen und in der verbleibenden Öffnung in der Flussmitte ein Sperrwerk zu installieren.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Kommentare

Community-Richtlinien

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Kommentar abgeben

Melde dich an, um Kommentare schreiben und mit anderen Leser:innen und unseren Autor:innen diskutieren zu können.

Anmelden und kommentieren

Du hast noch keinen t3n-Account? Hier registrieren

Anzeige
Anzeige