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„KI ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine kulturelle Transformation“

Tatjana Wiebusch, Managing Director bei Deloitte, und Rachel Boskovitch, VP Sales and General Manager Central Europe bei Dataiku, im Gespräch.

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KI ist nicht nur eine technologische Revolution, sondern vor allem auch eine Frage, wie unsere Arbeitswelt zukünftig aussehen wird. (Bild: Metamorworks/Shutterstock)

Tatjana Wiebusch berät seit 2003 Mandant:innen in umfangreichen Analytics sowie digitalen Transformationsprojekten. Rachel Boskovitch ist VP Sales and General Manager Central Europe bei Dataiku. Bei Dataiku baut sie das Team aus und unterstützt in Europa große Unternehmen bei ihrem Wandel zu Enterprise AI.

Rachel, du hast mit anderen Entscheider:innen aus der Konzernwelt darüber diskutiert, wie Organisationen durch künstliche Intelligenz den Mehrwert aus ihren Daten maximieren und KI-Expert:innen für sich gewinnen können. Eingeladen hatte Dataiku gemeinsam mit Deloitte. Was steckt dahinter?

Rachel Boskovitch: Künstliche Intelligenz entscheidet über die Zukunftsfähigkeit ganzer Organisationen. Und eine Plattform wie Dataiku sorgt dafür, dass Organisationen effektiv skalierbare Lösungen für verschiedene Anwendungsfälle implementieren, ohne alles selbst aus eigener Kraft stemmen zu müssen. Vor allem aber betrachtet Dataiku KI nicht nur aus Sicht des technologisch Machbaren, sondern auch immer aus Perspektive der Fachkräfte, die KI in ihrem Arbeitsalltag anwenden.

Tatjana Wiebusch: Letzteres kommt oft viel zu kurz. Denn KI ist ja nicht nur eine technologische Revolution, sondern vor allem auch eine Frage, wie unsere Arbeitswelt aussehen wird. Was leistet zukünftig der Mensch am Arbeitsplatz, was kann die KI besser, zuverlässiger und schneller? Es geht darum, Organisationen mit Tausenden, Zehntausenden, teils Hunderttausend Mitarbeitenden zu transformieren. Diese Transformation in kurzer Zeit gelingt nur durch gründliches Change-Management.

Tatjana, nun erhoffen sich Organisationen von KI aber vor allem eine deutliche Steigerung ihrer Produktivität. Vor welchen großen Herausforderungen stehen sie denn auf ihrem Weg dorthin?

Tatjana Wiebusch: Zunächst geht es darum, den Status quo möglichst exakt zu erfassen. Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Welche Daten nutzt wer mit welchem Aufwand auf welche Art und Weise? Wo werden Daten gespeichert? Existieren Kataloge, die einen Überblick über nutzbare Daten-Assets geben, und klare Prozesse? Durch die transparente Diskussion über Ineffizienzen identifizieren wir, wo KI die Produktivität steigern kann. Jenseits dessen darf aber nicht vergessen werden, dass die Transformation hin zu einer datengetriebenen KI-Organisation auch eine kulturelle Transformation mit entsprechendem Mindset voraussetzt. Wir wollen Menschen ermutigen, das Potenzial von Technologie auszuschöpfen, um in einem hyperagilen Umfeld schnelle und zugleich valide Entscheidungen treffen zu können.

Der Einsatz von KI geht einher mit einer kulturellen Transformation in den Unternehmen. (Bild: G‑Stock Studio/Shutterstock)

Rachel, welche KI-Anwendung hat sich dabei denn als das Nonplusultra herauskristallisiert?

Rachel Boskovitch: Durch den Hype um ChatGPT vergessen wir manchmal, dass sich bereits seit mehr als zehn Jahren vielfältige und spezifische KI-Modelle entwickelt haben. Es kommt nun darauf an, die Weichen so zu stellen, dass nicht nur einzelne KI-Leuchtturmprojekte entstehen; die gesamte Organisation braucht eine holistische Strategie, die dann wiederum individuelle Vorgehensweisen ermöglicht. 

Ohne KI-Experten wird dies aber nicht gelingen. Nun ist der Fachkräftemangel in aller Munde. Wie gewinnen Organisationen denn in einem so kompetitiven Talentemarkt KI-Experten für sich?

Tatjana Wiebusch: Zunächst einmal geht es nicht nur um KI-Talente. Es ist eine Kombination von analytischen Fähigkeiten, technologischer Expertise und Branchenkenntnissen erforderlich, um erfolgreich zu einer KI-Organisation zu transformieren. Eine gesunde Unternehmenskultur, durch die sich bestehende Talente weiterentwickeln und länger in der Organisation bleiben, ist in diesem Falle mindestens so wichtig wie ein exzellentes Recruiting. Zudem ist es förderlich, inhouse eine verantwortliche Person im C‑Level nur für KI-Themen zu haben. Viele der operativen und analytischen Tätigkeiten lassen sich dann auch outsourcen.

Rachel Boskovitch: Genau. Wir sehen aktuell, dass sich der Chief-AI-Officer etabliert – nicht zu Unrecht, denn wenn sich der CIO um KI kümmert, droht sie zur Nebensache zu werden. Übrigens haben selbst große Konzerne erkannt, dass nicht alles auf eigene Faust gelingt, sondern externe Expert:innen unentbehrlich sind. Auch wenn der Vergleich an einigen Stellen hinken mag: In den Neunzigerjahren kam auch kaum jemand auf die Idee, ein Betriebssystem wie Windows 95 selbst zu entwickeln. Heutzutage geht es analog dazu darum, bereits bestehende KI-Modelle bestmöglich zu nutzen – und das KI-Rad nicht jeden Tag neu zu erfinden.

Habt ihr abschließend einen Tipp für alle Leser:innen? 

Tatjana Wiebusch: Klein anfangen, aber groß und langfristig denken, um möglichst rasch zu zeigen, dass sich die Kosten rentieren.

Rachel Boskovitch: Entscheidungen nicht länger hinauszuzögern! Denn wer viele kleine Schritte macht, dem kann KI frühzeitig nutzen. Wer dagegen abwartet, bis alle erdenklichen regulatorischen Vorschriften in Stein gemeißelt sind, und jede einzelne Anwendung bis zur Perfektion durchplanen will, wird die KI-Transformation erst beginnen, wenn die Konkurrenz schon enteilt ist. 

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