Künstliche Intelligenz spielt in der Gaming-Industrie schon lange eine bedeutende Rolle. Egal, ob Gegner oder NPC – irgendwie müssen sich diese Figuren ja durchs Spiel bewegen. Oftmals waren das rudimentäre Formen von KI; Skripte und nicht wirklich frei handelnde Intelligenz. Dennoch gibt es keine andere Industrie, die sich so sehr mit der KI auseinandergesetzt hat, wie diese.
In den letzten Monaten hat diese Entwicklung noch mal einen gigantischen Schritt gemacht. Mit generativer KI wie ChatGPT etwa können ganz neue Arten von Spielen entwickelt oder die Produktion vereinfacht werden. Wir zeigen euch hier einige Beispiele dafür, wie KI jetzt schon die Games-Branche und ihre Spiele verändert.
Als ChatGPT noch ganz frisch war, hat ein elfjähriger Gamer die Chance genutzt, um mit dem Tool ein eigenes Harry-Potter-Text-Adventure zu bauen.
Der Junge befahl der KI: „You are a text-based video game where you give me options (A, B, C, and D) as my choices. The setting is Harry Potter. I start out with 100 health.“ Das bedeutet auf Deutsch: „Du bist ein textbasiertes Videospiel, bei dem du mir Optionen (A, B, C und D) zur Auswahl gibst. Der Schauplatz ist Harry Potter. Ich habe zu Beginn 100 Lebenspunkte.“
Daraufhin erstellte das Tool ein rudimentäres Spiel, das jedoch funktionierte – und von Tausenden Reddit-Usern direkt ausprobiert wurde. Dieses Beispiel zeigt, dass ChatGPT dabei helfen wird, auch jungen und unerfahrenen Entwicklern und Entwicklerinnen einen Zugang zur Games-Industrie zu eröffnen. Denn das richtige Prompten wird zukünftig wohl eine ebenso wichtige Rolle spielen wie ein gekonnter Umgang mit Code.
Das Spiel Galaxies of Eden soll eine KI bekommen, die endlos neue Inhalte für Spieler generieren kann. Dabei sollen sogar Aufgaben auf bestimmte Spieler zugeschnitten werden.
Um die KI anzutreiben, kommen große Sprachmodelle, Diffusionsmodelle, die realistisches Audio und visuelle Inhalte erstellen sollen, und sogenannte Nerfs-Modelle, um 3D-Modelle zu erstellen, zum Einsatz. Es scheint also so, als ob die Entwickler nicht nur Dialoge per KI erstellen möchten, sondern auch 3D-Objekte und Sounds.
Dieses Beispiel zeigt, dass KI in der Lage ist, den Content eines Spiels selbst zu erstellen. Solang die Entwickler die passenden Parameter geben und darauf achten, dass das Resultat nicht verbuggt ist, könnten zukünftig Spiele im Handel erscheinen, die zu großen Teilen von einer KI erstellt worden sind.
Einige erinnern sich vielleicht noch an Spiele wie Grand Theft Auto 3, eine für damalige Verhältnisse unglaublich realistisch wirkende Open World. Die Stadt schien wirklich zu leben und ihre Einwohner täglichen Aufgaben nachzugehen. Wenn man dann aber mal auf die Straße lief, blieben die meisten Autos einfach hupend vor einem stehen. Solange, bis man aus dem Weg ging.
Heute aber, mit einer immer komplexer werdenden KI, können ganze Verkehrsströme realistisch simuliert werden – samt sich veränderndem Verhalten, das auf die Taten der Spieler und Spielerinnen reagiert. Zum Beispiel hat Cities: Skylines 2 etwa ein neues KI-System. „So kann der Verkehr seine Route im Handumdrehen anpassen und die Spur wechseln, um den Verkehrsfluss zu verbessern, genau wie es Autofahrer im echten Leben tun“, sagte uns ein Entwickler des Spiels.
Es ist davon auszugehen, dass genau diese Aspekte eines Spiels in den kommenden Jahren deutlich dynamischer und interaktiver werden dürften – dank KI.
Anfang 2021 hat der Entwickler Lee Vermeulen ein Sandbox-Framework gebaut, in dem Charaktere herumlaufen, die durch eine API mit GPT‑3 verbunden sind. Er stellte den Charakteren in VR Fragen: „Wohin gehst du?“ Die KI antwortete darauf – und sie konnte sogar Folgefragen beantworten. Das lief noch recht zeitverzögert, da das Tool nicht direkt im Framework integriert, sondern nur angebunden war. Aber es zeigt, wohin die Reise gehen kann.
Gerade mit generativer Sprach-KI könnten in Videospielen in nicht allzu ferner Zukunft Dialoge und Geschichten entstehen, die tatsächlich interaktiv sind und sich je nach Input der Spielenden verändern. In Genres wie Rollenspielen kann das zu einer deutlich größeren Immersion und zu einer geradzu singulären Erfahrung führen.
Der Entwickler Jussi Kemppainen hat Text-zu-Bild-KI wie Midjourney und Stable Diffusion genutzt, um Hintergründe und Charaktermodelle für den Prototyp seines Videospiels zu erstellen. Sein Fazit: Die KI hat ihm tatsächlich mehrere Tage an Arbeit gespart.
Auch in fertigen Blockbuster-Spielen sind schon Assets aufgetaucht, die eindeutig von Bild-KI erstellt wurden. High on Life ist ein solches Spiel, in dem einem Forum-User seltsame Poster aufgefallen sind. Solche Objekte sind wichtig, um die Spielwelt eines Games lebendig und bewohnt wirken zu lassen. Oft müssen Artists dafür viele Stunden Arbeit investieren, um solche Assets zu erstellen. So ist eine Bild-KI wie Midjourney oder Dall‑E auch ein Beispiel dafür, wie einige Arbeitsplätze in der Games-Branche zukünftig verloren gehen werden.
Anfang 2023 hat eine KI als Vtuberin auf Twitch gestreamt und sich sogar mit dem Chat unterhalten. Dabei kamen allerdings einige kontroverse Aussagen zustande.
In einem Clip wird die KI-Vtuberin etwa gefragt, wie sie das Trolley-Problem lösen würde, mit dem sich die Philosophie schon seit langer Zeit beschäftigt. Kurz gesagt geht es dabei darum, ob ihr einen Wagen auf der Schiene halten solltet, auf der ihr fünf Personen tötet, oder die Spur wechselt und somit nur eine Person tötet. Die Lösung von Neuro-sama: „Nun, ich würde den dicken Mann auf jeden Fall auf die Gleise schieben.“
Das Strategiespiel Galactic Civilization IV nutzt künstliche Intelligenz in Form von AlienGPT. Das ist eine generative KI, die euch im Spiel ganze Zivilisationen generieren kann. Dazu gehört ein Story-Text und auch das Erstellen eines Bildes, wie die fremde Spezies aussehen kann. Gefällt das generierte Wesen nicht, könnt ihr weitere Beispiele generieren lassen. AlienGPT fußt dabei direkt auf ChatGPT und wurde speziell auf das Spiel zugeschnitten.
Die ersten Computerspiele waren textbasierte Abenteuer. Jetzt könnt ihr quasi eine moderne Variante im Browser spielen. In AI Dungeon generiert euch eine künstliche Intelligenz eine Story, die ihr mit textbasierten Entscheidungen beeinflussen könnt. Anders als beim Urvater aller Gaming-Spiele verfolgt die KI dabei aber kein Muster, sondern kann sich individuell an eure Wünsche anpassen. So könnt ihr Settings wie Modern Fantasy, Super Hero, Cyberpunk und Science Fiction auswählen.
Der Microsoft Flight Simulator lässt euch durch die ganze Welt fliegen. Damit ihr keine flache Erde sondern jede Menge realistische Gebäude seht, setzte Microsoft damals auf die sogenannte blackshark.ai. Die half dem Entwicklerteam, mehr als 1,5 Milliarden fotorealistische 3D-Modelle von Gebäuden zu erstellen. Im kurzen Clip auf X seht ihr übrigens die Entwicklungsgeschichte aller Flugsimulatoren von Microsoft - vom einstigen Pixelspiel bis zum heutigen Grafikhit.