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Interview
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Alles offen, oder was?

Die Jedox AG aus Freiburg vertreibt seine Business-Intelligence-Lösung Palo als „Commercial Open Source“. Im Jahr 2002 gegründet, stellt Jedox zunächst den Palo OLAP Server unter Open-Source-Lizenz, später auch alle weiteren Produkte.

17 Min. Lesezeit
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Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender der OXID eSales AG.

Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender der OXID eSales AG.

t3n Magazin: Was war Ihr ursächlicher Antrieb, Oxid eShop auf Open Source umzustellen?

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Kristian Raue: Von der Commercial-Open-Source-Strategie erhofften wir uns, die Software schneller zu entwickeln, flexibler auf Innovationen und Trends reagieren zu können sowie die Qualität weiter zu verbessern. Genau das haben wir erreicht.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden?

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Kristian Raue: Die neue Strategie haben wir unseren Partnerentwicklern in einer Telefonkonferenz verkündet. Zuerst herrschte Schweigen. Dann äußerten einige Bedenken, dass sie die Geschäftsmodelle der Partner kannibalisieren würde. Diese Bedenken konnten wir zerstreuen, indem wir eine Produkt- und Vertriebsstrategie mit klarem Enterprise-Fokus vorstellten. Wir alle haben gesehen, dass es für die Entwickler, die Shopbetreiber sowie die Software-Entwicklung Vorteile bringt und es die Produkte und Services für das gehobene Segment sogar attraktiver macht.

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t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Der Wechsel auf Open Source hat unter anderem dazu geführt, dass wir das Community-Management aktiv ausgebaut haben. Wir bieten nun Dokumentationen, Wikis sowie den App-Store „Oxid eXchange“ für Shop-Extensions an. Die Community ist auf mehr als 10.000 Mitglieder gewachsen und ist mit monatlich rund 350 neuen Threads im Forum sowie rund 200 neuen Mitgliedern auf der Developer-Plattform „OXIDforge“ sehr aktiv. Die Community-Edition wurde bereits in 200 Ländern heruntergeladen, rund 60.000 neue Besucher kommen pro Monat auf unsere Seiten. Derzeit vertreiben mehr als 200 zertifizierte Partner die Software. Unterm Strich ist die Offenlegung für alle ein Gewinn, da die Software schneller zur Marktreife gelangt. Mit ihren komplexen Anforderungen werden Shops wie Babymarkt, Intersport oder Gravis sich immer für eine Enterprise Edition entscheiden. Aber es ist seitdem schon mehr als einmal vorgekommen, dass Oxid eShop wegen des starken Eindrucks der Community-Edition in einem Enterprise-Projekt sofort gesetzt war.

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t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen der Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Als Hersteller sehen wir uns in der Entwicklungsverantwortung der Software und treiben die Roadmap voran. Die Community weiß, dass sie sich jederzeit einbringen kann und soll. Viele Entwickler schlagen Optimierungen vor oder verweisen auf Bugs. Die proprietären Varianten Enterprise- und Professional-Edition enthalten zusätzlich Support. Beratung und Schulungen bieten wir Nutzern aller Editionen an. Sie können sich zudem aktiv in die Community einbringen und sich im Forum austauschen.

t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

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Kristian Raue: Die Community-Edition erhöht die Sichtbarkeit und Verbreitung bei potenziellen Kunden und Partnern. Eine direkte verkaufsfördernde Maßnahme ist sie nicht. Im Gegenteil, wir mussten Schritte einleiten, damit unsere Lizenzumsätze nicht einbrechen, denn die Community-Edition ist keine abgespeckte Demovariante, sondern hat den selben Umfang wie die Professional-Edition, die etwa 3.000 Euro kostet. Jeder, der sich mit der Anwendung beschäftigt, sieht, dass wir der Community etwas sehr Wertvolles bieten. Das ist kein Marketing-Gag, sondern ein offenes und faires Geben und Nehmen.

t3n Magazin: Was war Ihr ursächlicher Antrieb, Shopware auf Open Source umzustellen?

Kristian Raue: Ziel der Offenlegung des Quellcodes war es, die Weiterentwicklung von Shopware und das Wachstum der Shopware-Community noch weiter voranzutreiben, um das Produkt so noch interessanter für Kunden zu machen. Schon vor der Veröffentlichung der Community-Edition gab es bei Shopware zahlreiche Anwender, die Plugins und Erweiterungen für Shopware erstellt haben. Diese Community konnte durch die Community-Edition stark wachsen. So konnten viele neue Plugins und interessante Lösungen entstehen. Davon profitieren alle Beteiligten, vor allem aber die Kunden und Partner.

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t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden?

Kristian Raue: Unsere Bestandskunden haben sehr schnell gesehen, dass eine starke Community rund um das Produkt Shopware etwas sehr Positives ist. Durch diesen Schritt gibt es, auch für die kommerzielle Version, viele neue Schnittstellen und Plugins, die es sonst vielleicht nicht gegeben hätte. Außerdem profitieren unsere kommerziellen Kunden auch weiterhin von umfangreichen Service- und Supportleistungen, die es bei der Community-Edition nicht gibt.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

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Kristian Raue: Der Einfluss der Community-Edition war sehr positiv. Schon vor der Veröffentlichung gab es sehr viele Fragen von Interessenten und neuen Kontakten. Als diese Version dann auf den Markt kam, wurde die Community-Edition innerhalb von Stunden mehrere hundert Mal heruntergeladen. Auch wurde die Bekanntheit von Shopware und der Verkauf der kommerziellen Version durch diesen Schritt deutlich gesteigert.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen der Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Wir freuen uns über jeden Beitrag, der zur Verbesserung des Produkts beiträgt – ob das nun Features, Bugfixes oder Feature-Wünsche sind. Über unsere Public-Roadmap kann jeder Verbesserungsvorschläge einreichen, die je nach Popularität auch recht schnell über Minor-Updates und Hotfixes bereitgestellt werden. Zum anderen können über den sehr modernen und modularen Aufbau der Architektur auch viele User-Contributions in Form von Plugins bereitgestellt werden. In Kürze wird es auch einen öffentlichen Bug-Tracker geben, sodass das Fehler-Reporting aus der Community direkt bei unseren Entwicklern ankommt.

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t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Es ist kein Geheimnis, dass wir diesen Schritt auch vollzogen haben, um eine erhöhte Aufmerksamkeit auf das Produkt Shopware zu lenken. Die vielen Presseberichte waren uns natürlich auch sehr willkommen. Jedoch geht es bei der Community-Edition um mehr: Unser Anspruch war es immer, mit Shopware ein führendes Produkt anzubieten, das kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert wird. Dadurch, dass nun jeder Entwickler Plugins für Shopware entwickeln kann, wachsen die Funktionen und Möglichkeiten von Shopware schneller, als es durch unsere eigene Entwicklungsabteilung möglich wäre. So profitieren nicht nur die Shopware AG, sondern alle Kunden, Partner und Interessenten gleichermaßen von diesem Schritt in die richtige Richtung.

Hennig Adam, Manager Partner Relations bei der Shopware AG.

Hennig Adam, Manager Partner Relations bei der Shopware AG.

t3n Magazin: Was war Ihr ursächlicher Antrieb, GraphDB auf Open Source umzustellen?

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Kristian Raue: Ursprünglich sah unser Geschäftsmodell vor, nur die Enterprise-Version zu vertreiben. Mitte 2010 stiegen wir auf das Modell „Commercial Open Source“ um. Der Grund: Wir wollten die Technik einer großen Zahl an Entwicklern und Nutzern zugänglich machen und nicht unter den Fortune 500 und öffentlichen Institutionen verstecken. Commercial Open Source erscheint uns dafür die beste Lösung. Die quelloffene GraphDB bietet die Grundlage für individuelle Erweiterungen und Anpassungen. Die Enterprise-Kunden erhalten weiterhin eine solide Software sowie den Support in dem Umfang, wie sie es für ihr jeweiliges Projekt wünschen.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden? Wie sind Sie damit umgegangen?

Kristian Raue: Bevor wir umstiegen, galt es, unsere Investoren von der neuen Strategie zu überzeugen. Rückenwind bekamen wir von der LiSoG und RedHat, sie halfen uns bei der Umsetzung und stehen uns beim Community-Management zur Seite. Der Aufbau der Community erfolgt nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit, das Produkt in der Open-Source-Welt bekannt zu machen. Das Wichtigste ist, dass es akzeptiert wird. Wer seinen Code öffnet, muss einen sauberen Code bieten und erlauben, dass er auf Herz und Nieren geprüft wird.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Die Software ist nun weiter verbreitet. Der Traffic auf unserer Website hat sich erhöht. Wir zählen bisher mehrere Tausend Downloads. Der Umsatz ist gleich geblieben: Enterprise-Kunden kaufen den Support. Community-Mitglieder verwirklichen mit unserer Technik eigene Projekte. Zum Long-Tail der Open-Source-Strategie haben wir noch keine Erfahrungswerte.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen für die Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Die Grenze dazu ist die Lizenz. Was unter der GPL steht, ist offen. Veränderungen aus der Community sind das A und O und ein wichtiges Ziel. Indem wir eine nachvollziehbare Roadmap und ein funktionierendes Bugsystem bieten, können wir sachneutral Code aus der Community aufnehmen oder ablehnen. Dieser Prozess sollte offen und transparent sein, um Misstrauen der Community zu vermeiden. Genau das ist unsere Aufgabe.

t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Alle Maßnahmen von der Entwicklung bis hin zum Verkauf sind darauf ausgerichtet, die Entwicklung des Unternehmens sowie der Software voranzutreiben und somit allen Nutzern Sicherheit für ihre Geschäfte zu geben. Der Vorteil von Commercial Open Source liegt auf der Hand: Einerseits bringt die Community frischen Wind in die Entwicklung. Andererseits kontrollieren wir den Ausbau der Software. Alle Anwender haben die Garantie, dass der Code kontinuierlich und kontrolliert verbessert wird.

Alexander Oelling, Gründer und Leiter New Business Development der sones GmbH.

Alexander Oelling, Gründer und Leiter New Business Development der sones GmbH.

t3n Magazin: Was war der ursächliche Antrieb, Ihre Produkte unter Open-Source-Lizenz anzubieten?

Kristian Raue: Schon vor der Entwicklung unseres Produkts haben wir sehr viel mit Open-Source-Technologien wie PHP, Apache oder Linux zu tun gehabt und damit exzellente Erfahrungen in Bezug auf Stabilität, Anpassbarkeit und Kosten gemacht. Als dann die Neuentwicklung von Palo anstand, war es für uns gar keine Frage, dass wir diese Vorteile auch an unsere Kunden weitergeben wollten.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden? Wie sind Sie damit umgegangen?

Kristian Raue: Wir haben zunächst nur unsere damalige Neuentwicklung, den Palo OLAP Server, unter Open-Source-Lizenz gestellt. Die bestehenden Produkte blieben zunächst unter einer proprietären Lizenz. Als dann neue Releases auch für die bestehenden Produkte anstanden, haben wir auch hier jeweils eine Open-Source- und eine Premium-Lizenz angeboten. Das wurde von den Kunden sehr positiv aufgenommen. Kunden der bestehenden proprietären Produkte konnten dann nahtlos auf die Premium-Version updaten.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Die Open-Source-Strategie hatte einen gewaltigen und sehr positiven Einfluss auf das Unternehmen. Es ist uns mit Open Source gelungen, in ganz kurzer Zeit als international sichtbarer Player im Business-Intelligence-Markt Platzhirschen wie SAP oder IBM Paroli bieten zu können. Und wir können zeigen, dass Open Source ein kommerziell sehr erfolgreiches Modell ist. So konnten wir 2010 ein Umsatzwachstum von 35 Prozent erreichen, im 1. Quartal 2011 sogar ein Wachstum von 60 Prozent – Zahlen, die weit über dem Branchendurchschnitt der proprietären BI-Anbieter liegen.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen für die Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Unsere Open-Source-Version von Palo ist komplett offen. Beiträge aus der Community werden in die Community-Version integriert. Die Premium-Version von Palo ist codemäßig auf einem neueren Stand als die Open-Source-Version. Aber auch der optimierte Stand der Premium-Version findet nach circa 12 bis 15 Monaten seinen Weg in die Open-Source-Version.

t3n Magazin: Was entgegen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Ich würde entgegnen, dass sie das Open-Source-Modell vielleicht noch nicht in seiner ganzen Bandbreite verstanden haben. Bei Open Source steht ja gerade die Mitwirkung der Anwender im Vordergrund, was auch deutlich Kosten einspart. Diese Mitwirkung beschränkt sich nicht auf die Code-Entwicklung, sondern wirkt auch kostensenkend bei den Marketing- und Vertriebsprozessen. Wenn man sich etwa die Geschäftszahlen von einem kürzlich an die Börse gegangenem proprietären Marktbegleiter ansieht, stellt man fest, dass die Vertriebs- und Marketingkosten fast exakt der Höhe des Lizenzumsatzes entsprechen. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FundE) betragen dagegen nur ein Zehntel dieser Summen. Bei Jedox liegt das Verhältnis zwischen Vertriebs- und Marketingkosten sowie FundE dagegen bei circa 1:1.

Kristian Raue, Vorstand und CEO der Jedox AG.

Kristian Raue, Vorstand und CEO der Jedox AG.

t3n Magazin: Was war Ihr ursächlicher Antrieb, Oxid eShop auf Open Source umzustellen?

Kristian Raue: Von der Commercial-Open-Source-Strategie erhofften wir uns, die Software schneller zu entwickeln, flexibler auf Innovationen und Trends reagieren zu können sowie die Qualität weiter zu verbessern. Genau das haben wir erreicht.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden?

Kristian Raue: Die neue Strategie haben wir unseren Partnerentwicklern in einer Telefonkonferenz verkündet. Zuerst herrschte Schweigen. Dann äußerten einige Bedenken, dass sie die Geschäftsmodelle der Partner kannibalisieren würde. Diese Bedenken konnten wir zerstreuen, indem wir eine Produkt- und Vertriebsstrategie mit klarem Enterprise-Fokus vorstellten. Wir alle haben gesehen, dass es für die Entwickler, die Shopbetreiber sowie die Software-Entwicklung Vorteile bringt und es die Produkte und Services für das gehobene Segment sogar attraktiver macht.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in Puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Der Wechsel auf Open Source hat unter anderem dazu geführt, dass wir das Community-Management aktiv ausgebaut haben. Wir bieten nun Dokumentationen, Wikis sowie den App-Store „Oxid eXchange“ für Shop-Extensions an. Die Community ist auf mehr als 10.000 Mitglieder gewachsen und ist mit monatlich rund 350 neuen Threads im Forum sowie rund 200 neuen Mitgliedern auf der Developer-Plattform „OXIDforge“ sehr aktiv. Die Community-Edition wurde bereits in 200 Ländern heruntergeladen, rund 60.000 neue Besucher kommen pro Monat auf unsere Seiten. Derzeit vertreiben mehr als 200 zertifizierte Partner die Software. Unterm Strich ist die Offenlegung für alle ein Gewinn, da die Software schneller zur Marktreife gelangt. Mit ihren komplexen Anforderungen werden Shops wie Babymarkt, Intersport oder Gravis sich immer für eine Enterprise Edition entscheiden. Aber es ist seitdem schon mehr als einmal vorgekommen, dass Oxid eShop wegen des starken Eindrucks der Community-Edition in einem Enterprise-Projekt sofort gesetzt war.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen der Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Als Hersteller sehen wir uns in der Entwicklungsverantwortung der Software und treiben die Roadmap voran. Die Community weiß, dass sie sich jederzeit einbringen kann und soll. Viele Entwickler schlagen Optimierungen vor oder verweisen auf Bugs. Die proprietären Varianten Enterprise- und Professional-Edition enthalten zusätzlich Support. Beratung und Schulungen bieten wir Nutzern aller Editionen an. Sie können sich zudem aktiv in die Community einbringen und sich im Forum austauschen.

t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Die Community-Edition erhöht die Sichtbarkeit und Verbreitung bei potenziellen Kunden und Partnern. Eine direkte verkaufsfördernde Maßnahme ist sie nicht. Im Gegenteil, wir mussten Schritte einleiten, damit unsere Lizenzumsätze nicht einbrechen, denn die Community-Edition ist keine abgespeckte Demovariante, sondern hat den selben Umfang wie die Professional-Edition, die etwa 3.000 Euro kostet. Jeder, der sich mit der Anwendung beschäftigt sieht, dass wir der Community etwas sehr wertvolles bieten. Das ist kein Marketing-Gag, sondern ein offenes und faires Geben und Nehmen.

t3n Magazin: Was war Ihr ursächlicher Antrieb, Shopware auf Open Source umzustellen?

Kristian Raue: Ziel der Offenlegung des Quellcodes war es, die Weiterentwicklung von Shopware und das Wachstum der Shopware-Community noch weiter voranzutreiben, um das Produkt so noch interessanter für Kunden zu machen. Schon vor der Veröffentlichung der Community-Edition gab es bei Shopware zahlreiche Anwender, die Plugins und Erweiterungen für Shopware erstellt haben. Diese Community konnte durch die Community-Edition stark wachsen. So konnten viele neue Plugins und interessante Lösungen entstehen. Davon profitieren alle Beteiligten, vor allem aber die Kunden und Partner.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden?

Kristian Raue: Unsere Bestandskunden haben sehr schnell gesehen, dass eine starke Community rund um das Produkt Shopware etwas sehr positives ist. Durch diesen Schritt gibt es, auch für die kommerzielle Version, viele neue Schnittstellen und Plugins, die es sonst vielleicht nicht gegeben hätte. Außerdem profitieren unsere kommerziellen Kunden auch weiterhin von umfangreichen Service- und Supportleistungen, die es bei der Community-Edition nicht gibt.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in Puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Der Einfluss der Community-Edition war sehr positiv. Schon vor der Veröffentlichung gab es sehr viele Fragen von Interessenten und neuen Kontakten. Als diese Version dann auf den Markt kam, wurde die Community-Edition innerhalb von Stunden mehrere hundertmal heruntergeladen. Auch wurde die Bekanntheit von Shopware und der Verkauf der kommerziellen Version durch diesen Schritt deutlich gesteigert.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen der Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Wir freuen uns über jeden Beitrag, der zur Verbesserung des Produkts beiträgt – ob das nun Features, Bugfixes oder Feature-Wünsche sind. Über unsere Public-Roadmap kann jeder Verbesserungsvorschläge einreichen, die je nach Popularität auch recht schnell über Minor-Updates und Hotfixes bereitgestellt werden. Zum Anderen können über den sehr modernen und modularen Aufbau der Architektur auch viele User-Contributions in Form von Plugins bereitgestellt werden. In Kürze wird es auch einen öffentlichen Bug-Tracker geben, so dass das Fehler-Reporting aus der Community direkt bei unseren Entwicklern ankommt.

t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Es ist kein Geheimnis, dass wir diesen Schritt auch vollzogen haben, um eine erhöhte Aufmerksamkeit auf das Produkt Shopware zu lenken. Die vielen Presseberichte waren uns natürlich auch sehr willkommen. Jedoch geht es bei der Community-Edition um mehr: Unser Anspruch war es immer, mit Shopware ein führendes Produkt anzubieten, das kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert wird. Dadurch, dass nun jeder Entwickler Plugins für Shopware entwickeln kann, wachsen die Funktionen und Möglichkeiten von Shopware schneller, als es durch unsere eigene Entwicklungsabteilung möglich wäre. So profitiert nicht nur die Shopware AG, sondern alle Kunden, Partner und Interessenten gleichermaßen von diesem Schritt in die richtige Richtung.

Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender der OXID eSales AG.

Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender der OXID eSales AG.

t3n Magazin: Was war Ihr ursächlicher Antrieb, GraphDB auf Open Source umzustellen?

Kristian Raue: Ursprünglich sah unser Geschäftsmodell vor, nur die Enterprise-Version zu vertreiben. Mitte 2010 stiegen wir auf das Modell „Commercial Open Source“ um. Der Grund: Wir wollten die Technik einer großen Zahl an Entwicklern und Nutzern zugänglich machen und nicht unter den Fortune 500 und öffentlichen Institutionen verstecken. Commercial Open Source erscheint uns dafür die beste Lösung. Die quelloffene GraphDB bietet die Grundlage für individuelle Erweiterungen und Anpassungen. Die Enterprise-Kunden erhalten weiterhin eine solide Software sowie den Support in dem Umfang, wie sie es für ihr jeweiliges Projekt wünschen.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden? Wie sind Sie damit umgegangen?

Kristian Raue: Bevor wir umstiegen, galt es, unsere Investoren von der neuen Strategie zu überzeugen. Rückenwind bekamen wir von der LiSoG und RedHat, sie halfen uns bei der Umsetzung und stehen uns beim Community-Management zur Seite. Der Aufbau der Community erfolgt nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit, das Produkt in der Open-Source-Welt bekannt zu machen. Das wichtigste ist, dass es akzeptiert wird. Wer seinen Code öffnet, muss einen sauberen Code bieten und erlauben, dass er auf Herz und Nieren geprüft wird.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in Puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Die Software ist nun weiter verbreitet. Der Traffic auf unserer Website hat sich erhöht. Wir zählen bisher mehrere Tausend Downloads. Der Umsatz ist gleich geblieben: Enterprise-Kunden kaufen den Support. Community-Mitglieder verwirklichen mit unserer Technik eigene Projekte. Zum Long-Tail der Open-Source-Strategie haben wir noch keine Erfahrungswerte.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen für die Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Die Grenze dazu ist die Lizenz. Was unter der GPL steht, ist offen. Veränderungen aus der Community sind das A und O und ein wichtiges Ziel. Indem wir eine nachvollziehbare Roadmap und ein funktionierendes Bugsystem bieten, können wir sachneutral Code aus der Community aufnehmen oder ablehnen. Dieser Prozess sollte offen und transparent sein, um Misstrauen der Community zu vermeiden. Genau das ist unsere Aufgabe.

t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Alle Maßnahmen von der Entwicklung bis hin zum Verkauf sind darauf ausgerichtet, die Entwicklung des Unternehmens sowie der Software voranzutreiben und somit allen Nutzern Sicherheit für ihre Geschäfte zu geben. Der Vorteil von Commercial Open Source liegt auf der Hand: Einerseits bringt die Community frischen Wind in die Entwicklung. Andererseits kontrollieren wir den Ausbau der Software. Alle Anwender haben die Garantie, dass der Code kontinuierlich und kontrolliert verbessert wird.

Hennig Adam, Manager Partner Relations bei der Shopware AG.

Hennig Adam, Manager Partner Relations bei der Shopware AG.

t3n Magazin: Was war der ursächliche Antrieb, Ihre Produkte unter Open-Source-Lizenz anzubieten?

Kristian Raue: Schon vor der Entwicklung unseres Produkts haben wir sehr viel mit Open-Source-Technologien wie PHP, Apache oder Linux zu tun gehabt und damit exzellente Erfahrungen in Bezug auf Stabilität, Anpassbarkeit und Kosten gemacht. Als dann die Neuentwicklung von Palo anstand, war es für uns gar keine Frage, dass wir diese Vorteile auch an unsere Kunden weitergeben wollten.

t3n Magazin: Welches waren die größten Hürden bei der Umstellung? Es gab doch sicher kritische Stimmen, etwa von zahlenden Kunden? Wie sind Sie damit umgegangen?

Kristian Raue: Wir haben zunächst nur unsere damalige Neuentwicklung, den Palo OLAP Server, unter Open-Source-Lizenz gestellt. Die bestehenden Produkte blieben zunächst unter einer propritären Lizenz. Als dann neue Releases auch für die bestehenden Produkte anstanden, haben wir auch hier jeweils eine Open-Source- und eine Premium-Lizenz angeboten. Das wurde von den Kunden sehr positiv aufgenommen. Kunden der bestehenden proprietären Produkte konnten dann nahtlos auf die Premium-Version updaten.

t3n Magazin: Welchen Einfluss hatte der Schritt auf Ihr Unternehmen in puncto Verbreitung, Traffic und Umsatz?

Kristian Raue: Die Open-Source-Strategie hatte einen gewaltigen und sehr positiven Einfluss auf das Unternehmen. Es ist uns mit Open Source gelungen, in ganz kurzer Zeit als international sichtbarer Player im Business-Intelligence-Markt Platzhirschen wie SAP oder IBM Paroli bieten zu können. Und wir können zeigen, dass Open Source ein kommerziell sehr erfolgreiches Modell ist. So konnten wir 2010 ein Umsatzwachstum von 35 Prozent erreichen, im 1. Quartal 2011 sogar ein Wachstum von 60 Prozent – Zahlen, die weit über dem Branchendurchschnitt der proprietären BI-Anbieter liegen.

t3n Magazin: Wie gehen Sie mit Veränderungen für die Code-Basis aus der Community um? Wo hört die Offenheit für Sie auf?

Kristian Raue: Unsere Open-Source-Version von Palo ist komplett offen. Beiträge aus der Community werden in die Community-Version integriert. Die Premium-Version von Palo ist codemäßig auf einem neueren Stand als die Open-Source-Version. Aber auch der optimierte Stand der Premium-Version findet nach circa 12 bis 15 Monaten seinen Weg in die Open-Source-Version.

t3n Magazin: Was entgegnen Sie Kritikern, die den Umstieg auf Open Source primär als Marketing-Maßnahme bezeichnen?

Kristian Raue: Ich würde entgegnen, dass sie das Open-Source-Modell vielleicht noch nicht in seiner ganzen Bandbreite verstanden haben. Bei Open Source steht ja gerade die Mitwirkung der Anwender im Vordergrund, was auch deutlich Kosten einspart. Diese Mitwirkung beschränkt sich nicht auf die Code-Entwicklung, sondern wirkt auch kostensenkend bei den Marketing- und Vertriebsprozessen. Wenn man sich etwa die Geschäftszahlen von einem kürzlich an die Börse gegangenen proprietären Marktbegleiter ansieht, stellt man fest, dass die Vertriebs- und Marketingkosten fast exakt der Höhe des Lizenzumsatzes entsprechen. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FundE) betragen dagegen nur ein Zehntel dieser Summen. Bei Jedox liegt das Verhältnis zwischen Vertriebs- und Marketingkosten sowie FundE dagegen bei circa 1:1.

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