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Interview

Was den Atari-Gründer heute umtreibt: Nolan im Wunderland

Er ist der Ur-Vater der Videospielindustrie: Nolan Bushnell spricht mit t3n über seinen ehemaligen Mitarbeiter Steve Jobs, seine Faszination für Amazon Alexa und die Zukunft der ­virtuellen Realität.

Von Luca Caracciolo
6 Min.
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(Foto: Campus Party Brazil / Flickr)

Nolan Bushnell hat einmal gesagt, dass er ­spätestens nach fünf Jahren ein neues Projekt starten müsse, sonst werde ihm langweilig. So ist es nicht verwunderlich, dass er im Laufe seines Lebens 20 Unter­nehmen aus der Taufe gehoben hat. Eines davon war Atari, womit er den Grundstein der Videospiel-Industrie gelegt hat. 1972 brachte Bushnell mit Pong das erste kommerzielle Videospiel fürs Wohnzimmer auf den Markt, damals noch als Steckmodul für den Fernseher. 1976 verkaufte er Atari für 28 Millionen US-Dollar an Time Warner, blieb aber zwei weitere Jahre beratend tätig. 1977 brachte Atari dann die erste Spielkonsole für den Massenmarkt heraus: den Atari 2600, mit 30 Millionen verkauften Exemplaren ein Welterfolg.

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Im gleichen Jahr gründete er die Fastfoodkette Chuck E. Cheese’s, 1983 ­mit Etak ein Unter­nehmen, das eines der ersten Navi­gationssysteme für Autos entwickelte. Eine seiner letzten Gründungen war Brainrush – ein Unternehmen, das digitale Lern­inhalte für Schulen ent­wickelt.

Die Faszination für fremde Welten hat den heute 74-Jährigen immer noch nicht verlassen. Aktuell arbeitet er unter anderem an Modal VR, einem Virtual-Reality-System, das für groß­flächige VR-An­wendungen gedacht ist. Das komplette System soll kabellos funktionieren, ein Ganzkörper-Tracking bieten und sich an Be­treiber von Spielhallen oder Vergnügungsparks richten. Wir haben Bushnell am Rande der diesjährigen Cebit getroffen.

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t3n Magazin: Nolan, ein gewisser Steve Jobs hat in den 70ern für Atari gearbeitet.

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Nolan Bushnell: Oh Gott, ja – diese Geschichte. Um es kurz zu machen: Als er Atari verließ, bot er mir an, in sein Unternehmen zu investieren, das er gründen wollte. Sein Angebot: 50.000 US-Dollar für ein Drittel der Anteile.

t3n Magazin: Und?

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Nolan Bushnell: Ich habe abgelehnt. Und ja: Ich habe es bereut.

t3n Magazin: Wie war er als Mitarbeiter?

Nolan Bushnell: Steve war eine schwierige Person, aber sehr wertvoll. Er war oftmals der smarteste Typ im Raum und er hat das die Leute auch wissen lassen. Unternehmen brauchen solche Persönlichkeiten, auch wenn sie schwierig sind. Wenn ich an Atari oder auch Chuck E. Cheese’s zurückdenke, dann gingen einige der besten Projekte, die damals in den Unternehmen entstanden sind, auf irgendwelche Schul- oder Collegeabbrecher zurück. Einer von ihnen war sogar mal im Gefängnis.

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t3n Magazin: Menschen mit sehr anderen Erfahrungen kommen schon mal auf ganz neue Ideen.

Nolan Bushnell: Absolut – ich sage den Leute immer: Geht raus aus eurer Komfortzone und probiert Dinge aus, die ihr nicht könnt.

t3n Magazin: Genau das hast du ja in den vergangenen Jahrzehnten ständig gemacht: Du hast in deinem Leben über 20
Unternehmen gegründet. Wie kommt es, dass du lieber immer wieder neu anfängst, statt bei einem Projekt zu bleiben?

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Nolan Bushnell: Ich bin der Typ, der ins Kaninchenloch kriecht und dabei etwas von der Zukunft erhaschen will. Meine oberste Motivation war schon immer die Neugier. Ich habe schon in den 80ern an einer Karten-Software für Autos entwickelt – zu einer Zeit also, als es noch gar keine Navigationssysteme gab.

t3n Magazin: Wie kam das denn?

Nolan Bushnell: Ich war damals viel auf Segelbooten unterwegs. Und eine möglichst genaue Navigation ist auf dem Wasser sehr wichtig. GPS gab es noch gar nicht und man musste sich anderer Hilfsmittel bedienen, um die Position des Bootes zu berechnen. Mir und meinem damaligen Kollegen Stan Honey kam schließlich die Idee, dass eine einfach funktionierende Navigation auch auf Land sinnvoll wäre – etwa für Autos. Und so gründeten wir nachts um vier Uhr auf einem Segelboot mitten auf dem Meer Etak. Wir waren eines der ersten Unternehmen, das die Welt digital kartographiert hat. Einer unserer ersten Kunden kam aus Deutschland – BMW. Unsere Technologie war der Vorreiter für Systeme wie Google Maps.

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t3n Magazin: Was für Technologien findest du aktuell denn besonders spannend?

Nolan Bushnell: Ich finde Spracherkennung sehr interessant, insbesondere Geräte wie Amazon Echo mit Alexa oder Google Home. Solche Spracherkennungssysteme können ein komplett neues Gaming-Ökosystem schaffen.

Der Atari 2600 war mit 30 Millionen verkauften Exemplaren ein Millionenseller. (Foto: Atari2600_public domain)

t3n Magazin: Wie denn?

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Nolan Bushnell: Hast du jemals Dungeons & Dragons gespielt?

t3n Magazin: Ja.

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Nolan Bushnell: Okay, dann denk mal darüber nach, ob Alexa nicht eines Tages die Funktion des Dungeon-Masters übernehmen könnte. Oder du setzt Alexa als zentrale Funktion in einem Brettspiel ein und baust eine neue Version von „Die Siedler von Catan.“

t3n Magazin: Schon heute gibt es immer mehr Brettspiele, in denen eine Computerstimme eine zentrale Rolle spielt und die rudimentäre Funktion des Spielleiters übernimmt.

Nolan Bushnell: Genau. Ich glaube, das wird mit neuen Technologien der Sprach­erkennung in Zukunft noch interessanter.

t3n Magazin: Du persönlich ziehst aktuell mit Modal VR ein Virtual-Reality-Startup auf. Was überzeugt dich so von dieser Technologie?

Nolan Bushnell: Dass sie jetzt wirklich funktioniert. Ich habe schon immer darauf geachtet, wann Technologien gut genug sind. Erinnerst du dich an den Virtual-Reality-Hype Anfang der 90er? Irgendwann war er ganz plötzlich wieder vorbei. Ich hatte wirklich viele Möglichkeiten, in den 90er Jahren in Virtual Reality zu investieren – ich habe die verantwortlichen Entwickler dann immer gebeten, mir vor­zuführen, ob sie in ihren VR-Technologien eine Latenz von unter zehn Millisekunden erreichen. Keiner konnte das damals. Heute ist das möglich.

t3n Magazin: Glaubst du denn, dass Virtual Reality sich nur in der Gaming-Branche durchsetzen wird – oder wird die Technologie auch in anderen Bereichen wie in der Bildung und im Arbeitsalltag eine Rolle spielen?

Nolan Bushnell: Gaming wird ein großes Business werden. Aber was ich darüber hinaus spannend finde ist klassisches Training – wie Polizei­training, Sicherheitstraining, Training für Ölplattformen oder fürs Militär. All diese Bereiche erfordern Personal, das innerhalb von Sekunden-Bruchteilen die richtige Entscheidung trifft. Was tust du, wenn die Ölplattform in die Luft fliegt? Oder wenn dich als Polizist ein Verbrecher mit einer Waffe bedroht und du entscheiden musst, was zu tun ist? Der Großteil unseres heutigen Gehirns wurde entwickelt, als wir noch als Jäger und Sammler durch die Natur streiften. Lernprozesse in unserem Gehirn laufen entsprechend bildlich und räumlich ab – wir katalogisieren. Und wenn Menschen bestimmte Zusammenhänge besser erlernen können, indem sie diese buchstäblich erleben, dann ist das doch besser, als sie theoretisch in Büchern nachzulesen.

Mit Modal VR arbeitet Bushnell an einem Virtual-Reality-System für große Flächen – etwa für Arcade-Hallen oder Vergnügungsparks (Screenshot: modalvr.com)

t3n Magazin: Was hältst du von Facebooks Plänen, massiv in Social-­VR zu investieren – also die Möglichkeit, virtuell mit anderen Menschen zu interagieren?

Nolan Bushnell: Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr schon so weit sind. Aber in fünf Jahren könnte Social-VR durchaus funktionieren. Hast du jemals Ready Player One gelesen?

t3n Magazin: Du meinst den Roman von Ernest Cline, in dem die Menschen vor der desolaten, von Gewalt und Armut geprägten Realität in eine virtuelle Welt flüchten. Die Story ist gut, aber ich persönlich glaube nicht an die in dem Buch entworfene Zukunft.

Nolan Bushnell: Ich bin mir da nicht sicher. Überleg doch mal: Wenn du ein einfacher Arbeiter bei Subway bist und täglich immer nur Sandwiches zubereitest, und du kommst nach Hause und kannst in der virtuellen Realität ein Rockstar sein, ein Luxus-Penthouse besitzen und mit den teuersten Autos herumfahren. Was würdest du tun?

t3n Magazin: Das müsste dann aber eine perfekte Simulation der Realität sein.

Nolan Bushnell: Ich würde sagen, es reicht, wenn sie gut genug ist, um sie glaubhaft zu erleben. Sicher wird es da auch Unterschiede geben: Bei einigen muss jedes Detail stimmen, andere wieder begnügen sich mit weniger. Aber Menschen mit einem eher tristen „Real Life“ könnten der Versuchung erliegen, immer größere Zeiträume in der virtuellen Realität zu verbringen.

t3n Magazin: Was sind die größten Heraus­forderungen auf dem Weg zum perfekten virtuellen Abbild der Realität?

Nolan Bushnell: Ein guter Ausgangspunkt für diese Frage ist der Vergleich zwischen echter und virtueller Realität. Für den visuellen Bereich glaube ich, dass wir in vier bis fünf Jahren ein Niveau erreichen werden, das die Unterscheidung zwischen echter Welt und Fiktion fast unmöglich machen wird. Im Bereich Audio sind wir bereits heute an dem Punkt. Auch Geruch ist heute bereits gut simulierbar. Die größte Herausforderung sehe ich allerdings bei der Haptik und vor allem dem Geschmackssinn. Essen wird den Turing-Test für Virtual
Reality vorerst nicht „bestehen“.

t3n Magazin: Wie meinst du das?

Nolan Bushnell: Essen kombiniert Geruchs- und Geschmackssinn und ist eine Herausforderung für die perfekt simulierte Oberflächenstruktur. Essen als echt zu erleben, obwohl es virtuell ist, wird mehr erfordern als eine Weiterentwicklung der heutigen virtuellen Realität. Es wird eine Manipulation des Nervensystems nötig sein. Keine Ahnung, ob das große Geräte sind, die am Nacken angebracht werden. Aber ich glaube, dass wir in circa sieben Jahren erste solcher tragbaren Technologien sehen werden.

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