Interview

Fidor-Chef Matthias Kröner: „Die Bank der Zukunft ist unsichtbar”

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t3n Magazin: Du hast anschließend wieder ein Unternehmen gegründet: den Vorläufer der heutigen Fidor-Bank. Ein Job bei einer normalen Großbank kam nicht infrage?

Matthias ­K­röner: Nein. Es gab zwar einige Bewerbungsgespräche, aber was ich dort gesehen habe, war erschreckend. Von Technologieverständnis und Mut zum Risiko konnte überhaupt keine Rede sein. Außerdem ist es sowieso schwierig, in etablierten Bankstrukturen etwas zu verändern. Daher fiel die Entscheidung schnell auf eine Neugründung – auch aus finanziellen Motiven.

Wie meinst du das?

Matthias ­K­röner: Wer sich wirklich ein Vermögen aufbauen will, muss Unter­nehmer sein. Mit einem zu versteuernden Angestelltengehalt schafft das heute leider niemand mehr. Das belegt jede Statistik. Zum Glück war damals wieder mehr Risikokapital im Markt vorhanden. Das hat die Gründung der Fidor Bank begünstigt.

t3n Magazin: Die Fidor Bank wirbt vor allem mit ihrer Community. Aber ist Geld nicht ein Tabuthema? Warum sollten sich Bankkunden überhaupt offen über ihre Finanzen austauschen wollen?

Matthias ­K­röner: Weil die Aktienhändler an den Börsen alles Schwätzer sind. Sie reden den ganzen Tag über Wertpapiere und ihre Erfolge. Jeder hält sich für den nächsten Warren Buffet. Ist ja alles super, nur werden Pleiten tunlichst verschwiegen. Das halte ich gerade unter Verbrauchern für gefährlich. Zumal man schon mit einfachen Bankprodukten wie einem Girokonto oder einer Kreditkarte viel Geld verlieren kann. Deshalb ist der Austausch wichtig.

t3n Magazin: Was ist denn mit dem Bankberater? Hilft der nicht ­weiter?

Matthias ­K­röner: Auf den braucht niemand hören. Das ist lediglich ein Verkäufer mit Gewinnabsichten. Besser ist es, wenn sich jeder eigenes Wissen aneignet. Meine Erfahrung ist: Wenn man sich nicht selbst mit seinem Geld beschäftigt, tut es jemand anderes.

t3n Magazin: Mit wem konkurriert ihr? Mit der Commerzbank oder doch eher mit jungen Fintechs wie N26?

Matthias ­K­röner: Rein zahlenmäßig sicher mit der Commerzbank, von der Positionierung her eher mit N26. Allerdings weniger über den technologischen Anspruch als vielmehr über den emotionalen Markengedanken. Kennst du den Werbespot der Commerzbank?

t3n Magazin: Du meinst den Spot mit der Bankerin, die nachts im Kapuzenpulli durchs Frankfurter Bankenviertel joggt?

Matthias ­K­röner: Genau. Ich habe selten einen Werbespot gesehen, der so viel Häme erzeugt hat. Was mir das als Bankkunde sagen soll, weiß ich nicht und hinterher sitzt die Dame dann mit Blazer im 30. Stock und erzählt mir was von Kundennähe. Das ist nicht glaubwürdig.

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Ein Kommentar
puz65
puz65

Ich teile die Einschätzung des Fidor-Chefs zu Bitcoins nicht. Wie kann man den ernsthaft behaupten, Bitcoins seien bereits heute ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel, weil es von Verbrechern genutzt wird? Das ist ja eher ein Gegenbeispiel und dient vor allem der Geldwäsche. Habe vor kurzem eine Doku gesehen, in der jemand sein Bier in einer Berliner Bar mit Bitcoins gezahlt hat. Beim aktuellen Kurs umgerechnet 200 Euro für ein Bier! Für eine Währung sind Bitcoins viel zu volatil, und ich bezweifle, dass sich dies jemals ändern wird, und zwar aus Prinzip. Die größte Schwäche von Bitcoins ist, das deren Menge nicht an die Nachfrage/Wirtschaftsleistung gekoppelt ist, sondern an die Rechenleistung. Das macht Bitcoins nicht zu einer Währung, sondern zu einem Rohstoff wie Tulpenzwiebeln. Bitcoins sind also keine Revolution, sondern eher eine Restauration, wieder weg vom Fiatgeld. Demokratisch sind Bitcoins auch nicht. Es gibt keine Kontrolle durch eine demokratisch legitimierte Instanz wie eine Zentralbank, die mit geldpolitischen Massnahmen für Stabilität sorgen könnte. Es gibt insgesamt nur etwas mehr als 16 Millionen Bitcoins mit einem Wert von nichtmal 200 Mrd, Euro – Peanuts für die Big Player, und diese haben bereits jetzt immer mehr EInfluss auf den Bitcoin-Markt. Ein Bankenkonsortium könnte sich mühelos die Mehrheit an den Bitcoins sichern und so den Markt kontrollieren – somit wäre das eigentliche Ziel fehlgeschlagen, eine von Banken unabhängige Währung zu schaffen. Statt einer Währung , die von einer demokratisch kontrollierten Zentralbank gesteuert wird hätte man dann sozusagen eine von Privatbanken kontrollierte Währung – vermutlich aus China oder Japan. Auch das Bitcoins keine nationale Währung sind, bringt noch wesentlich mehr Probleme mit sich, als sie z.B. der Euro hat. Solange es keinen weltweit einheitlichen Wirtschaftsraum gibt, und die Transportkosten nicht marginal sind, scheiden Sie damit für reale Wirtschaftsgüter aus. Geld basiert auf Vertrauen – das plötzlich von sich aus Wirtschaftsverbände und Verbraucher Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn irgendwann Staaten Digitalwährungen einführen – wieso sollten es dann vom Ausland kontrollierte Bitcoins sein und nicht eine eigene Digitalwährung?

Antworten

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