Interview

Fidor-Chef Matthias Kröner: „Die Bank der Zukunft ist unsichtbar”

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t3n Magazin: Und als Fidor Bank seid ihr glaubwürdiger?

Matthias ­K­röner: Banking mit Freunden ist unser Markenkern. Offenheit, Transparenz und Vertrauen. Das ist für mich Ausdruck von Freundschaft, die wir allerdings nicht als Bank suchen, sondern zwischen den Kunden innerhalb der Community ermöglichen. Auch produktseitig verstehen wir uns als offene Plattform. Jeder kann unsere Software-Schnittstellen nutzen und eigene digitale Finanzdienstleistungen für das Konto entwickeln. Am Markt sehe ich niemanden, der das so konsequent macht wie wir.

t3n Magazin: Trotzdem scheint der Erfolg von N26 ja nicht spurlos an euch vorbeizugehen. Im vergangenen Jahr habt ihr mit dem Mobilfunkanbieter O2 ebenfalls ein Smartphone-Konto gestartet.

Matthias ­K­röner: Das stimmt. In erster Linie wollen wir damit aber zeigen, was mit unserer Technologie möglich ist. Ein Feature ist zum Beispiel, dass das Guthaben auf dem Konto nicht in Euro, sondern mit Datenvolumen verzinst wird. Auch der Versand von freiem Datenvolumen an Freunde ist über die App möglich. Und das ist quasi auch wieder eine Übersetzung unseres Community-Gedankens.

t3n Magazin: Die Fidor Bank brüstet sich seit Jahren mit Innovationspreisen. Hat auch mal etwas nicht funktioniert?

Matthias ­K­röner: Schwierigkeiten gab es immer wieder mal. Etwa mit unserem Kreditgeschäft: Ich erinnere mich an einen Fall, wo wir anderthalb Millionen Euro an ein Unternehmen vergeben haben, das sich im Nachhinein als Betrugsfall entpuppt hat. Das ärgert mich. Aber das Bankgeschäft ist eben von Natur aus ein Risiko.

t3n Magazin: Stichwort Risiko: Mit dem Robo-Adivsor Cashboard, der Bezahl-App Cookies oder dem N26-Konkurrenten Avuba gingen zuletzt mehrere Fintechs insolvent. In den Medien war sogar schon von einem „Fintech-Sterben“ die Rede. Wie schätzt du das ein?

Matthias ­K­röner: Finanzdienstleistungen sind nicht so einfach, wie sie von außen aussehen. Der Teufel steckt im Detail. Wir haben es häufig erlebt, dass Startups zu uns gekommen sind, die von Regulierung nicht den Hauch einer Ahnung hatten. Viele Gründer bringen nicht mal eine gewisse Grunderfahrung mit. Da überwiegt die Euphorie die Professionalität. Man sollte zumindest wissen, wen man fragen kann. Leider tragen auch die Investoren eine Mitschuld.

t3n Magazin: Das musst du erklären.

Matthias ­K­röner: Auch da ist viel Halbwissen mit dabei. Manche Investoren glauben, sie könnten heute mal 200.000 Euro in ein Startup stecken und morgen mit zwei Millionen aus der Nummer herausgehen. Aber wie soll das klappen? Wir hatten Investoren im Haus, die dachten, die Kundeneinlagen seien gleich Eigenkapital. Die haben nicht mal gewusst, dass SEPA-Überweisungen der Bank etwas kosten. Da wundern mich die Pleiten nicht.

t3n Magazin: Also haben sich die Fintechs mit ihrem Anspruch, die Bankenkiller zu sein, überschätzt?

Matthias ­K­röner: Auf jeden Fall. Allein die Nutzerzahlen zeigen ja, dass die Fintechs bis heute weder disruptiv noch relevant im Markt sind. Da kann ich dann auch die Banker verstehen, die sich ins Fäustchen lachen und denken: Vor dem Ende meiner Vertragslaufzeit passiert da eh nichts mehr. Aber die Ruhe trügt.

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Ein Kommentar
puz65
puz65

Ich teile die Einschätzung des Fidor-Chefs zu Bitcoins nicht. Wie kann man den ernsthaft behaupten, Bitcoins seien bereits heute ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel, weil es von Verbrechern genutzt wird? Das ist ja eher ein Gegenbeispiel und dient vor allem der Geldwäsche. Habe vor kurzem eine Doku gesehen, in der jemand sein Bier in einer Berliner Bar mit Bitcoins gezahlt hat. Beim aktuellen Kurs umgerechnet 200 Euro für ein Bier! Für eine Währung sind Bitcoins viel zu volatil, und ich bezweifle, dass sich dies jemals ändern wird, und zwar aus Prinzip. Die größte Schwäche von Bitcoins ist, das deren Menge nicht an die Nachfrage/Wirtschaftsleistung gekoppelt ist, sondern an die Rechenleistung. Das macht Bitcoins nicht zu einer Währung, sondern zu einem Rohstoff wie Tulpenzwiebeln. Bitcoins sind also keine Revolution, sondern eher eine Restauration, wieder weg vom Fiatgeld. Demokratisch sind Bitcoins auch nicht. Es gibt keine Kontrolle durch eine demokratisch legitimierte Instanz wie eine Zentralbank, die mit geldpolitischen Massnahmen für Stabilität sorgen könnte. Es gibt insgesamt nur etwas mehr als 16 Millionen Bitcoins mit einem Wert von nichtmal 200 Mrd, Euro – Peanuts für die Big Player, und diese haben bereits jetzt immer mehr EInfluss auf den Bitcoin-Markt. Ein Bankenkonsortium könnte sich mühelos die Mehrheit an den Bitcoins sichern und so den Markt kontrollieren – somit wäre das eigentliche Ziel fehlgeschlagen, eine von Banken unabhängige Währung zu schaffen. Statt einer Währung , die von einer demokratisch kontrollierten Zentralbank gesteuert wird hätte man dann sozusagen eine von Privatbanken kontrollierte Währung – vermutlich aus China oder Japan. Auch das Bitcoins keine nationale Währung sind, bringt noch wesentlich mehr Probleme mit sich, als sie z.B. der Euro hat. Solange es keinen weltweit einheitlichen Wirtschaftsraum gibt, und die Transportkosten nicht marginal sind, scheiden Sie damit für reale Wirtschaftsgüter aus. Geld basiert auf Vertrauen – das plötzlich von sich aus Wirtschaftsverbände und Verbraucher Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn irgendwann Staaten Digitalwährungen einführen – wieso sollten es dann vom Ausland kontrollierte Bitcoins sein und nicht eine eigene Digitalwährung?

Antworten

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