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Zu Besuch bei… EnjoyYourCamera.com

Vom eBay-Powerseller über den eigenen Onlineshop bis hin zum Ladengeschäft – solche Storys gibt es wirklich. Eine erzählen wir hier. Ingo Quendler verrät, wie er sein Business aufgebaut hat und worauf es dabei besonders ankommt.

Im Jahr 2005 wollte sich Ingo Quendler eigentlich als Fotograf selbstständig machen. Er stellte fest: Die Auswahl beim Zubehör für seine Canon EOS 1D Mark II war unüberschaubar riesig, die Preise teils unverschämt hoch, die Qualität aber manchmal geradezu miserabel. Die wichtige Frage war: Welcher Kauf lohnt sich wirklich? Das war kaum zu entscheiden.

Dieses Erlebnis kann man, wenn man will, als den Anfang dessen sehen, was heute der Onlineshop enjoyyourcamera.com ist. Seinen Anfang nahm er in Ingo Quendlers Wohnzimmer im fünften Stock eines Altbaus. Heute ist es ein Unternehmen mit weiträumigen Loftbüros in Hannovers In-Stadtteil Linden. Rund 12 Angestellte hat Ingo Quendler inzwischen. Eine Erfolgsgeschichte, wie sie in dieser Form nur das Internet schreiben kann.

Vorläufiger Höhepunkt: Das kleine, aber feine Ladengeschäft, nur wenige Meter vom Büro entfernt. Trageriemen, Adapter, Taschen: Alles, was das Fotografieren leichter, interessanter oder einfach schöner macht, ist hier zu finden. Natürlich ist das nur eine Auswahl des Angebots der Website. Und irgendwie erscheint es widersinnig, Miete für Räume zu bezahlen, die weniger Besucher erreichen können als der Onlineshop. Aber wie Ingo Quendler uns verrät: Es trägt sich. Und vor allem gibt es nicht wenige Kunden, die sich die Ware direkt abholen möchten, anstatt sie zuschicken zu lassen. Ideal ist es auch für solche Kunden, die Produkte vor dem Kauf erst ausprobieren möchten.

Im ersten Jahr eine One-Man-Show. Firmenzentrale: Wohnzimmer

„Hinter vielen Onlineshops stehen Ladengeschäfte. Bei uns ist es genau umgekehrt“, sagt Ingo Quendler und lächelt. Er ist ein großgewachsener, schlanker Typ, freundlich und bescheiden. Man merkt: Hier sitzt man nicht neben einem eiskalten Businessprofi, der nur Zahlen im Kopf hat und laufend darüber nachdenkt, wie er wohl die Weltmarktführerschaft erringen könnte. Ingo Quendler ist mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache. Sein Bauchgefühl ist wichtig. Er wird seine Seele nicht verkaufen, um soundsoviel Prozent mehr Umsatz zu erreichen.

Den Einstieg in den Onlinehandel hatte er ganz klassisch bei eBay genommen. Bald aber wurde klar: Ein eigener Onlineshop musste her. Dessen erste Version hat Ingo Quendler noch selbst erstellt und setzte auf xt:Commerce. Auch der aktuelle Shop nutzt dieses System, ist aber soweit angepasst, dass es kaum noch etwas mit dem Ursprung zu tun hat. „Eigentlich müsste man ,based on xt:Commerce' dranschreiben“, scherzt er. Er entwickelt das alles längst nicht mehr selbst, sondern hat dafür seinen externen Fachmann parat. Open Source ist ihm dabei wichtig, um flexibel zu bleiben. Schließlich könne man da einfach einen PHP-Programmierer dransetzen und alles so anpassen, wie man es haben wolle.

Auch für viele andere Tätigkeiten sucht Ingo Quendler sich möglichst einen passenden Dienstleister. Hatte er beispielsweise im ersten Jahr alles noch selbst verpackt und verschickt, setzt er heute auf einen professionellen Fulfilment-Service: Die Waren lagern also nicht in Hannover und werden auch nicht hier verschickt. Auch andere Dinge haben sich verändert: eBay spielt für ihn nur noch eine untergeordnete Rolle. „Mit großem Abstand der wichtigste Verkaufs-Channel ist unser Onlineshop. Das Amazon-Geschäft ersetzt die rückläufigen Umsätze bei eBay. Auf eBay zu kaufen oder zu verkaufen, lohnt sich hingegen immer weniger.“

Um sich von anderen Händlern im Netz zu unterscheiden, legt Ingo Quendler bei seinem Shop viel Wert darauf, dass alle Produkte ausprobiert und getestet sind, bevor sie ins Programm aufgenommen werden. Alles wird zudem selbst fotografiert, ausführlich beschrieben und auch mit Videos in Szene gesetzt. Bei komplizierten Produkten investieren die Mitarbeiter auch einmal einen Arbeitstag. Im Gegenzug hat der Shop eigene Inhalte und gewinnt an Glaubwürdigkeit. „Von vielen Produkten haben wir nur die Variante im Angebot, die wir selbst am besten finden“, sagt er. Eher dünne man das Sortiment aus, als es weiter aufzublähen.

Das Ladengeschäft in Hannover-Linden ist vor allem ein Anlaufpunkt für Kunden, die Produkte selbst abholen oder vor Ort ausprobieren wollen.
Das Ladengeschäft in Hannover-Linden ist vor allem ein Anlaufpunkt für Kunden, die Produkte selbst abholen oder vor Ort ausprobieren wollen.
Mindestens genauso wichtig wie die technische Grundlage und die inhaltliche Umsetzung des Shops ist aber noch ein anderes Thema: gefunden werden. Die Suchmaschinen-Optimierung übernimmt ebenfalls ein externer Dienstleister. Und zugleich spielt die Mundpropaganda eine wichtige Rolle. Schließlich sei Fotografie ein Thema, über das sich Enthusiasten und Profis intensiv austauschen, beispielsweise in Onlineforen. „Da freut es mich natürlich, wenn ich sehe, dass wir dort weiterempfohlen werden.“

Ingo Quendler und sein Team setzen daneben auf viele Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen und um mit Kunden und Interessenten ins Gespräch zu kommen. So sind sie beispielsweise bei Twitter, Facebook und YouTube zu finden, verschicken einen E-Mail-Newsletter und sind seit Neuestem richtig old-school: Es gibt einen gedruckten Katalog.

In Ingo Quendlers Wohnzimmer nahm alles seinen Anfang, heute sitzt das Unternehmen in großzügigen Büros.
In Ingo Quendlers Wohnzimmer nahm alles seinen Anfang, heute sitzt das Unternehmen in großzügigen Büros.

Über Facebook & Co. zeigen, „dass hier echte Menschen sitzen“

Social Media ist für Ingo Quendler allerdings weniger ein Marketingkanal. „Dienste wie Twitter nutzen wir praktisch nie werblich“, erklärt er zum Vorgehen. „Alle 20 bis 30 Tweets gibt es vielleicht einmal eine Werbung, wenn es mir wirklich wichtig ist.“ Ähnlich bei Facebook: Hier gehe es mehr darum, die Leute hinter die Kulissen blicken zu lassen. „Wir wollen zeigen, dass hier echte Menschen sitzen.“ Rabattcodes und ähnliche Werbeaktionen gibt es hingegen nicht. „Das ist einfach nicht mein Ding.“

Ebenso gilt beim E-Mail-Newsletter: weniger ist mehr. Er erscheint einmal im Monat, damit es wirklich ein Newsletter mit Neuigkeiten sei. Zudem wolle er den Leuten nicht auf die Nerven gehen, sagt Ingo Quendler.

Diese Reduktion findet sich in vielen Bereichen des Shops wieder, bis hin zu den Zahlarten. „Wir haben zwar mehrere integriert, aber es darf die Nutzer nicht verwirren“, erklärt er. Bankeinzug, PayPal und Kreditkarte sind aktuell die wichtigsten Wege.

Als einen weiteren wichtigen Erfolgsfaktor hat er guten Service ausgemacht. Viel Wert legt er darauf, dass die Waren schnell verschickt werden. Und wenn Probleme auftreten, müssten die schnell und unbürokratisch gelöst werden.

Alles in allem können Ingo Quendler und sein Team optimistisch in die Zukunft blicken. Und in die Richtung geblickt zeichnet sich hier das Thema „Mobile Shopping“ ab. „Irgendwann sitzen wir gar nicht mehr am Computer“, ist sich Ingo Quendler sicher. Noch ist das für seinen Shop aber kein Thema. Wenn, dann müsse es eine individuelle Lösung sein. Wann das umgesetzt wird? Das wird ihm wohl wieder sein Bauchgefühl sagen...

Eckdaten von enjoyyourcamera.com
Shopsystem xt:Commerce v3.0.4 SP1
Payment-Anbieter Payone, PayPal
Hosting 1und1 Dedicated Server
SEO externe Agentur
Warenwirtschaft Eigenentwicklung
Logistik externer Fulfilment-Dienstleister
Mitarbeiterzahl 12
Sortimentsgröße ca. 3.000 Artikel
Kaffeemaschine Krups XN 7106 Nespresso

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2 Reaktionen
besuch bei

@Axel: Das sind Nischen- und Spezial-Geschäfte wo die Kunden auch bereit sind, Aufpreise für Beratung zu bezahlen.

Der normale Händler auf dem Land oder in der Kleinstadt ist nicht so flexibel. Auch als Programmierer kann man eher schlecht rechts- sicher mit denen zusammenarbeiten wenn deren Warenwirtschaft zwar SQL ist, aber vermutlich mit Juristen von der Firma verteidigt wird, die ihre eigenen (teuren) Plugins, Apps (oder auch nicht) oder Im/Exports verkaufen will. Auch muss man diverse Verordnungen für z.B. Umsatzsteuer-Relevante oder testierungs-relevante Software erfüllen usw. Das dann nur Sage und SAP dann sowas bieten ist die Folge rot-grüner Internet/Software-Politik. Wie oft muss ein Einzelhändler einen Elektriker rufen ? Und wie oft einen Computer-"Spezialisten" und wie viel teurer ist der ? Also gewinnen Redlaser(jetzt Ebay) und Amazon oder die Japaner alle Einzelhändler weil die aus USA (bzw. Japan) weniger rot-grüne Gesetze erfüllen müssen und eigene Patente haben um sich gegen Konkurrenten zu wehren was der kleine deutsche Programmierer nicht kann, der genug mit EU-Normen und ständig neuen WinPhone-Versionen und .NET-Updates und Impressums-Verordnungen zu tun hat.

Ich würde gerne Call-to-Order-Systeme als Fortentwicklung des "Bestell von zu Hause mit Kupfer-DSL und lass es von der Post liefern" zum heutigen hyper-lokalen "ich steh in Hamburg am Messegelände und hätte gern ein USB-Kabel, eine Salamipizza, Theaterkarten und einen Sixpack meines Lieblingsbieres und meine Lieblings-Zahncreme weil die im Hotel s*ckt". Die Orders würden bei den Händlern auf den Ipads auftauchen und die könnten antworten ob sie sowas haben.
Für die Ludolfs und Auto-Ersatzteile wollte ich sowas immer schon mal machen. Die Anfragen ("Golf 98 Zündkupplungs-Dichtung") werden automatisch rundenbasiert an entferntere Händler mitgeteilt. Da die Bezeichnungen und Dinge sehr normiert sind, sehen andere dann in einer Explosions-Skizze oder Tabelle Preise und Verfügbarkeit aller Golf98-Teile die bisher eingegeben wurden und wann es eingegeben wurde und können dann die Händler gezielt anrufen oder an"chatten" wobei man auch mal ein paar Stunden warten muss. Sowas ist schnell programmiert und noch schneller abgemahnt wegen was auch immer. Also gehen täglich tausende Arbeitsstunden für einsparbare Telefonate und gigantische Hyper-Lokale Umsätze verloren.

Axel Kopp

Toller Artikel! Besonders, weil er den "Jammerern" unter den Einzelhändlern zeigt, wie's gemacht wird. In diesem Sinne wünsche ich Ingo Quendler & Co. weiterhin viel Erfolg!

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