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Blockchain-Hotspot: Berlin wird zur Hauptstadt der Kryptofans

Room 77 ist einer der Knotenpunkte der Berliner Kryptoszene. In der Bar konnten Gäste bereits mit Bitcoin zahlen, als die Kryptowährung noch für Schulterzucken sorgte. (Foto: Dirk Murschall)

Die deutsche Hauptstadt ist eine der weltweit wichtigsten Anlaufstellen für Blockchain-Startups geworden. Das liegt auch an dem einzigartigen politischen Klima in der Stadt, das wir euch im Rahmen unserer Themenwoche Digitales Deutschland näherbringen wollen.

Die Liste an prominenten Namen aus der Krypto-Szene, die in den vergangenen Monaten in Berlin anzutreffen waren, ist lang: Lightning-Labs-CEO ­Elizabeth Stark, Ari Paul von ­Blocktower Capital oder Steven Waterhouse von Orchid Labs gaben sich im Rahmen von Konferenzen wie der C3 Crypto ­Conference oder der Blockstack Berlin ein Stelldichein in der deutschen Hauptstadt. Sogar Nick Szabo, der nicht nur als ­Vater der für die Blockchain-Idee zentralen Smart Contracts gilt, sondern den manch Insider auch für Satoshi Nakamoto hält, der sagenumwobene Erfinder von Bitcoin, war hier zu Gast.

Berlin ist europäischer Mittelpunkt der Blockchain-Szene

Die Speaker sind unisono begeistert von Berlin als „europäischem Mittelpunkt der Blockchain-Szene“: Mittlerweile habe sich aus vereinzelten Knotenpunkten ein beeindruckendes, die Stadt umfassendes, Netzwerk gebildet. Rund 70 Blockchain-­Startups und -Projekte operieren bereits aus Berlin, Tendenz steigend.

Einer der Knotenpunkte des Netzwerks ist der Room77. Die Bar in Kreuzberg ermöglichte schon Zahlungen in ­Bitcoin, als das Konzept der Kryptowährung noch von den meisten belächelt wurde. Zahlreiche Café- und Ladenbesitzer folgten, 2013 würdigte der „Guardian“ Berlin als „Bitcoin Capital of Europe“.

Berlin wird in der Kryptoszene immer größer.Dieser Ruf ist heute aktueller denn je. Bekannte Projekte wie die Ethereum Foundation, die Application-Plattform Lisk, die Prediction-Plattform Gnosis, IOTA, Neufund oder auch Bitwala, eine Art Schnittstelle zwischen klassischer Bank und Kryptowährungen, – sie alle bevorzugen Berlin als Standort. Für ­Ash­ley Tyson, Sprecherin der Web3-­Foundation, die sich die Förderung dezentraler Web-Software-Protokolle zur Aufgabe gemacht hat, ist Berlin daher „schon heute die wichtigste Stadt der Welt für die Blockchain-Entwicklung.“ Hier finde sich immerhin die größte ­Konzentration an Core-Developern überhaupt. Zwar haben viele Blockchain-Startups ihren Firmensitz aus steuerlichen und regulatorischen Gründen im Cryptovalley im schweizerischen Zug. Aber, ergänzt Bruce Pon, der mit seinem Unternehmen BigchainDB hinter dem Ocean ­Protocol steht, das den Datenaustausch zwischen KIs ermöglichen soll: „Zug ist keine ­Region, die Entwickler anlockt.“ Die Vordenker, Entwickler und technischen ­Spezialisten fänden sich eher in Berlin. Tyson erklärt das so: „Berlin weist ein Maß an Freiheit, Experimentierfreudigkeit sowie einen unfassbar spannenden Mix aus Hacker-Kultur, Musik, Kunst und Regierungsinstitutionen auf, die die Stadt für die Blockchain-Szene zu einem weitaus besser geeigneten Standort machen, als es Zug in der Schweiz oder Singapur je sein können.“

Berlin: Starke Hacker-Szene und Hang zum Anti-Establishment

Dass die Idee eines dezentralen ­Finanzsystems, das ohne Banken und Regierungen auskommt, in Berlin auf besonders fruchtbaren Boden fiel, liegt auch an einem gewissen Hang zum Anti-Establishment in der Stadt, dessen Wurzeln bis weit in die Zeit vor der Blockchain-Ära zurückreichen. Ihre Entscheidung, Bitcoin-Zahlungen zu ermöglichen, begründeten beispielsweise viele Berliner Ladenbesitzer damit, unabhängig von staatlichen und unternehmerischen Kontrollmechanismen sein zu wollen. Für BigchainDB-CEO Pon haben zudem die starke Hacker-Szene rund um den CCC sowie ein allgegenwärtiger ­Kollaborationsgedanke zum Aufstieg ­Berlins beigetragen. Selbst heute, nachdem die große Goldgräberstimmung vielerorts wieder abgeflaut ist, stehen vor allem die Berliner Enthusiasten zu der Vision hinter der Blockchain. Die Krypto-­Gründerin ­Rhian Lewis formuliert das gegenüber dem Magazin thelocal.de so: „Berlin ist der einzige Ort, an dem die Menschen sich immer noch für Dezentralität als Idee begeistern, nicht nur als Mittel, um schnell reich zu werden.“

Natürlich hat der zwischenzeitliche Boom auch in Berlin einiges verändert. Konnte der Room77 sich 2011 noch auf das Bezahlen in Bitcoin konzentrieren, tummeln sich heute viele alternative Blockchains und Kryptowährungen auf dem Markt. Eine von ihnen ist Ethereum, deren interessantestes Merkmal weniger die Währung Ether ist, als das Konzept, Anwendungen auf der Blockchain zu entwickeln. Viele Core-Developer dieses Projekts leben und arbeiten in Berlin. „Es ist absolut logisch, dass sich zum Beispiel Ethereum nicht im Silicon Valley, sondern in Berlin herauskristallisiert hat“, erklärt Gnosis-CEO Martin Köppelmann in der Portrait-Serie Berlincryptocapital. „Immerhin geht es bei dem Projekt nicht ­darum, das Wirtschaftssystem zu optimieren, sondern völlig neu zu denken.“

Fabian Spielberger, Gründungsvorstandsmitglied des ICO-Inkubators ­Catena Capital, benennt einen weiteren Vorteil für den Standort Berlin: „Immer mehr Investoren und Blockchain-Unternehmen aus den USA, China, Singapur und Hong Kong suchen nach einem neuen Hub, da speziell China und die USA strenge Regularien haben.“

Auch hierzulande spielt die maß­volle Regulierung eine Schlüsselrolle für den noch jungen Sektor. Deutschland sei dafür „nicht schlecht aufgestellt“, findet Spielberger: „Verbände wie der Bundesblock wirken daran mit, die Regulierung aktiv zu gestalten, und sowohl die ­Bafin als auch die Regierung scheinen die ­Potenziale zu verstehen.“ Sollte ­Spielberger Recht behalten, wird Berlins Aufstieg zum Blockchain-Hotspot Europas nichts mehr im Weg stehen.

Weitermachen

Der Blockchain Hub ist eine Non-Profit-Organisation, die ­Interessierte mittels Workshops und Showcases über dezentrale ­Lösungen aufklärt.

blockchainhub.net

Der Bundesblock ist ein Verein, der sich für ­innovationsfreundliche ­Regulierung der Blockchain in Deutschland einsetzt.

bundesblock.de

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Fabian Vogelsteller ist ­Core-­Developer der Ethereum ­Foundation. @feindura

Shermin Voshmgir ist B­­lockchain-Vordenkerin und Gründerin des Blockchain Hub. @sherminvo

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Eine Reaktion
Heinrich Peter Maria Radojewski Schäfer von Leverkusen

Der Bitcoin approach ist meines Erachtens zwar gut gemeint, aber zum Scheitern verurteilt.

Jede Transaktion wird komplett erhalten. So weit so gut. Die distributet leger, die blockchain,
wächst mit dem Eintrag jeder einzelnen Transaktion. Dann wird der chain an alle nodes
weiterkopiert.

Ist es nicht voraussagbar, das nach einer gewissen Zeit das Fass überläuft?
Das die Menge der eingetragenen Transaktionen, von denen ja keine wieder gelöscht wird,
die Kapazität aller Speichermedien der Welt beansprucht?
Das die Menge der jedesmal zu übertragenen Daten zu allen nodes alle Übertragungskapazität
der Welt für sich beansprucht?

Das ganze sieht doch allzusehr nach einer neuen Auflage des alten Schneeballsystem oder Pyramidensystems aus.

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