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Coliving – Zusammen arbeiten und leben: Alles unter einem Dach

Manuel Dingemann und seine Mitbewohnerin Theresa Grotendorst leben nicht nur zusammen in einer WG, sondern arbeiten dort auch. (Foto: Coliving Hamburg)

Bei dem Konzept Coliving werden die heimischen vier Wände zum Arbeitsplatz und die Mitbewohner zu Kollegen. Langsam tasten sich die Arbeits-WG-Pioniere auch in Deutschland vor – und müssen dabei zwischen Idealismus und Finanzierbarkeit abwägen.

Zweieinhalb Jahre lang war Leon Hoffmann auf Weltreise – die Arbeit immer im Gepäck. Das Büro des Digitalarbeiters bestand aus seinem Laptop. Der wurde überall aufgeklappt, wo es sich ergab. Aber das Ideal des Mit-dem-Notebook-am-Strand-liegen sollte sich als wenig praxistauglich herausstellen: „Der Traum vom Arbeiten in der Hängematte war schnell ausgeträumt“, erinnert sich der Gründer der Agentur Click your ads, „man hat keinen Strom und die Sonne blendet ständig.“

Die passende Mischung aus Fernreise und Telearbeit fand er dabei in Coliving-Häusern. So nennt sich das Phänomen, das seit einigen Jahren immer häufiger von Digitalarbeitern gelebt wird – und langsam auch nach Deutschland kommt. Dahinter versteckt sich eine Weiterentwicklung des Coworking-Gedankens: Dort sitzen verschiedene Jungunternehmer eng zusammen und profitieren vom Austausch in der Kaffeeküche. Im Coliving ist die Küche die eigene, und an den Projekten wird nebenan im Wohnzimmer gebastelt. Leben und arbeiten unter einem Dach, mit dem Startup-Spirit als ständigem Mitbewohner.

Auf den ersten Blick passt das Konzept nicht in die Zeit. Heute bemühen sich insbesondere große Konzerne immer stärker, eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben zu ermöglichen: Einige Autobauer kappen nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub die Verbindung zum Firmen-Mailserver und erwarten ausdrücklich keine Antwort nach Dienstschluss. In Frankreich sind größere Firmen seit dem vergangenen Jahr sogar per Gesetz dazu verpflichtet, den Feierabend der Angestellten zu respektieren und sie nicht mehr zu kontaktieren. Und eine nach und nach wachsende Schar von jungen Unternehmern macht sich nun auf den Weg, genau diesen Trend wieder umkehren zu wollen: Aus dem Schlafzimmer stolpert man gewissermaßen ins Büro, aus dem Bad in das Besprechungszimmer.

Arbeit als Teil der Persönlichkeit

Die Arbeits-WG-Pioniere lieben ihr Modell. So kann man zum Beispiel eine Hamburger Festnetznummer anrufen, dann klingelt ein Telefon im trendigen Schanzenviertel und man hat Manuel Dingemann und Nathalie Richter am Telefon. Er produziert Videos für nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, sie vertreibt mit ihrem Startup Leev regional produzierte Säfte. In der Arbeits-WG wohnen außerdem noch eine PR-Beraterin für Startups und eine Beraterin für Digitalprojekte. Jeder hat sein Zimmer, Richter noch ein zusätzliches Büro, dazu kommen eine Diele mit großem Tisch, ein Wohnzimmer und eine geräumige Küche. An insgesamt zehn Arbeitsplätzen könnte man so in der Wohnung arbeiten. Zwei Mitarbeiter von Richter kommen morgens dazu und arbeiten mit ihr zusammen dort, wo es gerade passt.

Über gemeinsame Freunde und die Hamburger Gründerszene hat sich die aktuelle Besetzung gefunden – zwischen Arbeit und Privat will man hier nicht trennen: „Unsere Startups sind ein ganz fester Teil unserer Persönlichkeit, also sind sie auch ein Teil unseres Privatlebens“, sagt Nathalie Richter. Als sie eine Veranstaltung plante, entstand am Küchentisch die Idee, ein Video dazu zu drehen – für das Dingemann einsprang. Eine Rechnung schreibe man sich für solche Unterstützungen nicht: „Es ist ein freiwilliges Geben. Wir freuen uns, den Erfolg des anderen zu sehen“, sagt der Videospezialist. Ihre unterschiedlichen Projekte befruchten sich gegenseitig, sind die Mitbewohner überzeugt. „Es ist noch mal ein krasser Unterschied zum Coworking“, sagt Richter, „hier tauscht man sich mit weniger Leuten aus, aber dafür viel intensiver und auf einer ganz anderen Ebene.“

Die Hamburger berichten auf einer eigenen Website von ihren Zielen und Ideen [1], in Düsseldorf vermarktet ein Immobilienunternehmen „Business-WGs“, die sich junge globale Fachkräfte teilen, und in Berlin entstehen aktuell mehrere Immobilienprojekte, die Wohnen und Arbeiten zusammenrücken lassen. Selbst das Berliner Digital-Mekka, das Café Sankt Oberholz, vermietet Apartments und zusätzliche Räume in der Nähe der bisherigen Standorte. Weltweit findet man zahlreiche Angebote zu dem Stichwort – die sich in der Ausgestaltung allerdings selten gleichen [2].

Die große Herausforderung: Der Begriff Coliving bietet viel Platz zum Träumen. Am Ende ist die Vorstellung vom Wohnen jedoch wieder sehr persönlich und individuell. In Deutschland steht das Modell aktuell daher vor einer wichtigen Schwelle. Zufällig finden sich immer mal wieder Freiberufler-WGs zusammen, in denen beim Abendessen spannende neue Ideen entstehen. Um das Konzept größer zu machen, muss jedoch die Infrastruktur stimmen – und das kostet Zeit, Geld und das richtige Händchen beim Mitbewohner-Casting.

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Eine Reaktion
Verena2017

Das finde ich super, ich wohne in einem ähnlichen Haushalt. Wir sind alle kleine "Zocker" und spielen gerne online mit- und gegeneinander. Das funktioniert super. Es ist einfach unser Hobby und wenn man dann auch zusammen wohnt, ist das super praktisch. Es gibt ja heutzutage auch so coole Online Spiele, die man zusammen spielen kann, wie Live Roulette / Poker (am besten ist das von Drück Glück)...oder einfach irgendwelche Rennspiele, Kampfspiele :-)

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