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Coworking und Job-Sharing unter Startups: Auf erfolgreiche Nachbarschaft

Bei dem Berliner Inkubator Makers sitzen (fast) alle Startups unter einem Dach. (Foto: Hegemann) 

Immer mehr Gründerfirmen schließen Bündnisse und teilen Räume, Wissen, Mitarbeiter und andere Ressourcen. Die Kooperationen sind so vielseitig wie die Unternehmen selbst – und bieten viel Potenzial für Innovationen.

„Halbe Kraft voraus!“ lautet das Motto von Horst Wenzel. Dennoch ist er alles andere als ein Zauderer, schließlich treibt er als Geschäftsführer sein Startup mit vollem Einsatz voran. Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber keiner. Bis zu acht Online-Redakteure stoßen dieses Jahr laut Wachstumsplan zur fünfköpfigen Stammbelegschaft hinzu – allerdings teilt sich Wenzels Flirtuniversity die Redaktion mit dem Startup Bauerntüte. Das passt gut: Beide Jungunternehmer kennen sich schon lange aus der Kölner Gründerszene. Jetzt regeln sie ihre Geschäfte in den gemeinschaftlich genutzten Räumen einer Lagerhalle in Ehrenfeld, dem nachtaktiven Stadtteil der Kreativen. „Wie in der Kneipe, wo einer die erste Runde Bier übernimmt, der andere die zweite, so teilen die Bauerntüte und wir uns die Entlohnung der neuen Arbeitskräfte“, erläutert Wenzel. Der Vorteil des Mitarbeiter-Sharings: Die Online-Redakteure sind besser ausgelastet. Ist bei der Bauerntüte ausnahmsweise einmal weniger zu tun, konzentrieren sie sich auf die Flirtuniversity und umgekehrt. Außerdem ist so ein zweigeteilter Job für die Redakteure deutlich abwechslungsreicher – und Arbeitgeber, die attraktive Jobs bieten, haben im Rennen um die besten Kräfte die Nase vorn.

Ob gemeinsame Büroflächen, geteiltes Personal, regelmäßiger Wissensaustausch oder gemeinschaftliches Marketing – „die Bedeutung von Kooperationen wächst“, sagt Kunal Sachdeva, Berater und Startup-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. Vor allem junge Unternehmen übertragen zunehmend in die Geschäftswelt, was man aus dem Privatleben schon lange als „gute Nachbarschaft“ kennt: Wer Tür an Tür arbeitet, will von gegenseitiger Hilfe profitieren. Laut dem Verband European Startup Network befindet sich mittlerweile gut jedes zweite deutsche Startup in einer Kooperation mit anderen. Die Formen der Zusammenarbeit sind kreativ, vielseitig, effektiv und sie erfassen fast alle Geschäftsfelder.

Eine moderne Dreiecksbeziehung unter Unternehmen

Im Kölner Gründerzentrum Startplatz beispielsweise haben sich die Startups Currassist, Radbonus und Gridscale zu einer Dreierbande zusammengetan und betreiben untereinander eine Art Dienstleistungstauschbörse. „Jeder von uns kann etwas, was der andere nicht kann, auch neben der eigentlichen Kernkompetenz“, sagt Thomas Müller, Geschäftsführer von Curassist, der mit fünf Mitarbeitern via Internet private Pflegekräfte vermittelt.

Müller ist Strategie-Experte. Er unterstützt Radbonus, Entwickler einer App für Fahrradfahrer, zum Beispiel bei der Finanzplanung und bei der Kundenansprache. Dafür erhält Curassist von Radbonus Beratung in Personalfragen, denn Geschäftsführerin Nora Grazzini weiß aus eigener Erfahrung, wie man ein Startup binnen sechs Monaten auf eine Personalstärke von gut 20 Mitarbeitern hochjazzt. Als Müller vor der Entscheidung zwischen zwei Bewerbern stand, lautete ihr Rat: „Schau weniger auf die Qualifikation eines Bewerbers als darauf, dass er für dein Unternehmen brennt.“ Müller ist der Empfehlung gefolgt: „Wir haben das nicht bereut“, sagt er.

Horst Wenzel von der Flirtuniversity teilt sich mit dem Startup Bauerntüte die Arbeitskraft. Das sei „wie in der Kneipe“, wenn einer die erste Runde Bier übernehme und der andere die zweite. (Foto: Horst Wenzel / Flirtuniversity)
Für den Cloudcomputing-Anbieter Gridscale verbessert die gelernte Designerin Grazzini dessen Online-Nutzerführung. Im Gegenzug übernimmt das Unternehmen für Radbonus das Managed Hosting, also die Verwaltung der Server. „Diese Dienstleistung entspricht zwar nicht unserer Kernkompetenz, aber wir können daraus eventuell ein weiteres Geschäftsmodell ableiten“, erläutert Gridscale Marketingleiterin Nicola Römer einen zusätzlichen Vorteil der unternehmerischen Symbiose. Bleibt noch die Beziehung zwischen Currassist und Gridscale: Die beiden tauschten bislang Pitch-Training gegen Kundenbedarfsanalyse.

Eine Dreiecksbeziehung wie die am Kölner Startplatz ist unter Startups nicht selten. Jedes vierte europäische Jungunternehmen hat nach eigenen Angaben zwei Partner. Das erklärte der European Startup Monitor (ESM) des Verbands European Startup Network, der Firmen in 28 EU-Ländern befragte. Nur ein Prozent mehr beschränkt sich auf einen Partner – und ganze 14 Prozent arbeiteten mit sechs oder mehr Partnern zusammen.

Curassist-Chef Thomas Müller teilt sich mit den Startups Radbonus und Gridscale nicht nur die Räumlichkeiten. Die drei greifen sich gegenseitig unter die Arme – zum Beispiel bei Strategie- oder Personalfragen. (Foto: Horst Wenzel)
Oft knüpfen die Gründer erste Bande in Coworking-Spaces, also in Bürogemeinschaften, die Arbeitsplätze, Räume und Infrastruktur auch für kurze Zeit vermieten. Diese Orte gelten eigentlich eher als Biotop für Einzelkämpfer. Doch mittlerweile bilden sich dort auch ganze Unternehmensverbünde, die von dem Schulterschluss unter Gleichgesinnten profitieren. „Die örtliche Nähe verringert die Dauer von Entscheidungszyklen – und Geschwindigkeit ist eine wichtige Währung im Startup-Bereich“, sagt Sachdeva.

Coworking-Space mit unterstützender Beratung

Diese Form der Zusammenarbeit stellt sich auch Erdbär vor. Der Berliner Anbieter von Kindernahrung der Marke Freche Freunde startete 2010 und hat seinen Umsatz mittlerweile auf 20 Millionen Euro pro Jahr hochgeschraubt. Erdbär hat daher ein typisches Startup-Schicksal ereilt: der Umzug. 45 Mitarbeiter sind Ende vergangenen Jahres in die Schönhäuser Allee am Prenzlauer Berg gezogen. Im neuen Gebäude ist noch Platz. 100 Quadratmeter, weiße Wände, große Fenster, eine tragende Säule mitten in einem großen Raum.

Erdbär hat ganz bewusst zu viel Fläche angemietet. Damit erschließt sich der Berliner Anbieter neben dem Vertrieb von Kindernahrung ein Zusatzgeschäft. Die Firma ist dabei, einen Coworking-Space mit 24 Arbeitsplätzen einzurichten. Einen, der sich von den üblichen Angeboten unterscheidet und die Idee des Coworkings einen Schritt weiterdenkt. Der Klischee-Coworker – Mann mit Internet-Idee und Notebook – ist hier unerwünscht. „Wir suchen ausschließlich Startups aus dem Foodsektor“, sagt Erdbär-Gründer Alexander Neumann. Die Beschränkung auf die eigene Branche soll Kollaborationen zwischen Erdbär und den neuen Mietern, aber auch zwischen Mietern untereinander erleichtern, so Neumanns Kalkül.

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2 Reaktionen
Keyyz

Ich finde die Überschrift etwas irreführend. Coworking ok , aber Job-Sharing ist meines Erachtens etwas anderes, nämlich eher so wie hier beschrieben: https://www.ubc-collection.com/blog/vor-und-nachteile-des-jobsharings/ . Also das Aufteilen einer Stelle auf mehrere, meist 2 Arbeitnehmer.

Zum Thema Coworking muss ich sagen, dass ich das eine großartige Möglichkeit finde, schnell zu Networken und aber auch Fixkosten gering zu halten. Das Konzept hat eine blühende Zukunft!

marcusmeier

Super das das Thema jetzt auch mal in Deutschland ankommt. Ich denke vor allem Startups können hier eine menge voneinander lernen und natürlich auch an Miete sparen.

Wir selber teilen uns mit einem anderen StartUp eine Räumlichkeit und konnten bisher nur positives davon mitnehmen.

Von daher kann ich allen StartUps nur dazu raten sich Räumlichkeiten zu teilen. Profitieren werdet ihr davon auf jeden Fall :)

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