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Dienstleister und Tools für Amazon: Garanten für den Marktplatzerfolg

(Foto: Hajny Studio/Shutterstock)

Amazon ist als Marktplatz nicht nur Geschäftsgrundlage für viele Marken, Hersteller und Händler geworden. Es hat auch ein breites Ökosystem aus Dienstleistern und Tools entstehen lassen. Ein Überblick über die noch junge Branche der Amazon-Spezialisten.

Der Amazon-Marktplatz hat sich zu einem komplexen Ökosystem entwickelt, das weit mehr als die eigenen, vielfältigen Geschäftsbereiche wie Cloud, Logistik und Werbevermarktung umfasst. Kein Wunder, dass sich innerhalb dieses Ökosystems ein eigener, zunehmend wichtiger Bereich entwickelt hat: ein vielfältiges Geflecht an Amazon-Tools und Dienstleistern. Amazon ist damit sogar mehr Biosphäre als Ökosystem.

Amazon-Dienstleister sind Unternehmen, die selbst nichts verkaufen, aber trotzdem vom Handel auf Amazon leben: ­Spezialisierte Unternehmen, die Händler oder Vendoren auf ­Amazon mit Tools, SaaS-Lösungen, Dienstleistungen und Consulting unterstützen. Das Wachstum dieses Segments ist beachtlich, aber weitgehend unbemerkt geschehen – jedenfalls außerhalb der sogenannten Private-­Label-Szene. Diese meist kleinen Marken und Importeure bieten ihre Produkte oft nur auf Markt­plätzen an und sind, gerade in den Anfangszeiten der neuen ­Amazon-Dienstleister-Branche eine bevorzugte Zielgruppe gewesen. Mittlerweile wird die Luft dünner und das Geschäft härter, daher zielen immer mehr Dienstleister nun auch auf Marken, ­große Händler und Hersteller ab. Doch auch für kleine Händler sind immer noch jede Menge Dienstleister und Freelancer am Markt tätig. Das Wachstum der Branche ist alles andere als abgeschlossen: Hier schlummert noch jede Menge Potenzial für SaaS-Start­ups, Agenturen und Dienstleister.

Für viele Prozesse im Unternehmen, vor allem wenn sie ­diverse Vertriebskanäle abdecken oder von mehreren Abteilungen genutzt werden, bieten sich zwar nach wie vor Lösungen an, die nicht ausschließlich auf Amazon spezialisiert sind. Während es bei Systemen wie ERP, Warenwirtschaft oder ­Multichannelsoftware empfehlenswert ist, mehrfach und übergreifend einsetzbare Lösungen zu nutzen, ist bei allen spezifischeren Aufgaben ein Amazon-Spezialist aktuell hilfreicher. Die Marktplatzwelt ist sehr eigen – und jeder Wissensvorsprung der spezialisierten Dienstleister ist im Zweifelsfall ein Wett­bewerbsvorteil. Eine Marketingagentur beispielsweise, die auf Google Adwords spezialisiert ist, kann sich zwar in die Eigen­heiten der Amazon-­Marketing-Services einarbeiten, das Lehrgeld zahlt dann aber der Kunde. Die Pay-per-Click-Strategien und -Logiken unterscheiden sich je nach Plattformen zum Teil enorm, der Amazon-­Algorithmus tickt völlig anders als der Google-­Algorithmus. Dieses Beispiel lässt sich für viele Bereiche fortführen, denn es gibt aktuell kaum ein Feld, für das kein spezialisierter Amazon-Dienstleister existiert.

Analyse und Angebotsmanagement

Klassische Multichannelsoftware ist meist gut in der Lage, ­Angebote bei Amazon einzustellen und Bestellungen zu verarbeiten, dazu ist kein Amazon-Spezialist nötig. Die Lage verändert sich, wenn es um Wettbewerbsanalyse, Produktrecherche und Verwaltung der Angebote geht: Dazu werden spezielle Tools benötigt. Das Analysetool Amalyze hat beispielsweise über vier Millionen Produkte indiziert und bietet historische Daten zu ­vielen Faktoren wie ­Bestsellerränge, Umsätze oder Preisentwicklungen von Produkten. 32 Millionen Keywords geben zusätzlich Auskunft über die Beliebtheit bestimmter Suchbegriffe. Ähn­liches leisten auch Tools wie Sellerlogic, Amalytix oder ­Uberseller. Business-Intelligence-Funktionen haben die meisten Tools in unterschiedlichem Umfang zu bieten. Aber auch hier gibt es ­spezialisierte Anbieter wie Am-Visor, ein Reporting-Tool, das wesentliche Key-Performance-Indikatoren im Blick behält und auf Knopfdruck auswertet. Für den Einstieg sind günstige Analyse­lösungen wie Amz-Check eine Möglichkeit. Die anderen Anbieter haben aber meist auch kostenfreie Testphasen oder kleinere Pakete im Angebot.

Tools wie Amalytix ­überwachen ­automatisch alle Verkäuferbewertungen auf allen Marktplätzen, damit Händler zeitnah auf Beschwerden reagieren können. Die Verwaltung erfolgt direkt im Backend der Software. (Screenshot: Amalytix)

Viele zeitaufwendige Aufgaben im Alltagsgeschäft lassen sich mittlerweile komplett automatisieren. Preisvergleiche mit dem Wettbewerb, um Marktpreise zu realisieren, bieten Tools wie Sellerlogic oder Logicsale an – aber auch Amazon hat einen einfachen, regel­basierten Repricer im Angebot.

Über die Bereiche Analyse und Angebotsmanagement ­hinaus bieten viele der Tools am Markt noch weitere ­Funktionalitäten. ­Amalytix und Sellic beispielsweise überwachen eingehende Verkäufer­bewertungen und Produktrezensionen und weitere Faktoren wie die Buybox, oder berechnen FBA-Lagerreichweiten und automatisieren das Bestellwesen. In einigen Tools sind auch schon Funktionen zur Automatisierung von Amazon-­Werbekampagnen zu finden, für Pay-Per-Click-Kampagnen in der ­Sellercentral oder für Amazon-­Marketing-Services. Ein Punkt, der für Händler immer wichtiger wird – deshalb bildet sich auch hier eine eigene kleine Branche.

Ad-Management

Amazon bietet sowohl Händlern als auch Marken und Lieferanten Werbeformate mit Pay-per-Click-Abrechnung (PPC) zur aktiven Bewerbung von Amazon-Artikeln im Amazon-Onlineshop: ­Sponsored Products (SP), Headline Search Ads (HSA) und Product Display Ads (PDA). Außerdem bietet das Unternehmen über die Amazon-­Advertising-Plattform (AAP) Programmatic ­Advertising an, beworben werden können dort Amazon-­Produkte, ­Android-Apps und externe Websites. Theoretisch lässt sich mit den am Markt befindlichen Tools nahezu der gesamte Ablauf der Werbekampagnen realisieren, von der Keywordrecherche bis zum Gebotsmanagement der Klickpreise. Grundsätzlich sollten Keyword- und SEO-Strategien zu Beginn nicht automatisiert werden, da eine individuelle Marktanalyse für die Erstellung einer Strategie nötig ist. Das erarbeitete Set an Keywords und Regeln dann automatisiert umzusetzen, ist hingegen sinnvoll – sollte aber trotzdem manuell überwacht werden.

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