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Kolumne

Irgendwas mit Schreiben: Wenn niemand versteht, was du beruflich machst

Unserer Kolumnistin Melanie Petersen ist in letzter Zeit immer wieder aufgefallen, dass niemand, den sie kennt, weiß, was sie beruflich macht.

Von Melanie Petersen
3 Min.
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Weiß eigentlich irgendwer, was die Leute in digitalen Berufen zu machen? (Abbildung: Shutterstock / fizkes)

Immer wieder merke ich in Gesprächen, dass Freunde und Familie keinen blassen Schimmer haben, was ich beruflich ­mache. Nehmen wir mal die Freunde aus, die einen sehr ähnlichen Job haben oder (Ex-)Kollegen.

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Zum Kontext: Ich habe Journalistik studiert und bei t3n und beim Spiegel im Content-­Marketing überwiegend in der Kreation gearbeitet. Jetzt bin ich seit mehr als einem Jahr bei einer Buchhaltungssoftware im Content-Marketing. Wenn ich es kurz erklären sollte: Ich erkläre potenziellen Kunden ein Produkt, welches Problem es löst, und finde beziehungsweise schaffe den richtigen Ort und die richtige Zeit dafür.

Aber wenn ich genau überlege, hat mich auch lange keiner mehr gefragt, was ich arbeite oder wie meine Tage aussehen. Frankfurt, Marketing, Software – das reicht den meisten, keine Fragen mehr zu stellen. Der Online-­Marketer wird es eher nicht erleben, dass einer freudig und neugierig ausruft: „Ach cool, und was machst du da so den ­ganzen Tag?“

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Die rein digitalen Berufe …

Vermutlich kennt das jeder, der einen rein digitalen Beruf hat. Wenn das Unternehmen dann noch eine digitale Dienstleistung anbietet, ist der Struggle real: Die eigenen Eltern, Freunde und meist sogar der Partner tappen komplett im Dunkeln, was man so treibt im Büro. Gespräche über die Arbeit beschränken sich auf Kollegen und Logistisches.

Petra ist doof, Ole cool und am Donnerstag steht eine Präsentation an. Wird über einen geredet, klingt das dann ungefähr so: Der arbeitet in so einem Startup. Irgendwas mit Apps. Die machen so Steuern, glaube ich. Der schreibt. Managerin ist die, glaube ich. Irgendwas mit Marketing.

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Wer im Marketing arbeitet, erhöht für seine Engsten den Druck noch erheblich, denn meist wissen die Menschen eben nicht, was man macht, sondern nur, welches Produkt die Firma anbietet, für die man arbeitet. Und da kann ja bei drei, vier Jobwechseln ein buntes Potpourri an Branchen zusammenkommen. Ich habe zum Beispiel jahrelang in Verlagen gearbeitet.

Da konnte man dem Nachbarn dann sagen „Die arbeitet für Magazin XY“. Und der ist dann davon ausgegangen, dass man journalistisch für die schreibt. Und gut wars. Meine Tante hat zum Beispiel in meinen zweieinhalb Jahren in Hamburg jedes Spiegel-Magazin gekauft und beharrlich geschaut, ob sie nicht doch mal einen Artikel von mir findet. Sie wurde nie fündig. Sorry, Wilma.

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„Mama hat gesagt, du bist jetzt in Frankfurt bei so einer Bank.“

Für diese Kolumne habe ich mal meine Lieben gefragt, was sie eigentlich glauben, was ich so tue. Mal abgesehen davon, dass mich jetzt einige meiner Freunde ghosten, bekam ich folgende Antworten:

Mama: „Wenn ich das richtig verstanden habe, brauchen Firmen Werbung für ihr Unternehmen und du setzt das digital um – zum Beispiel, wo sie am besten werben oder wie ein Logo oder ein Plakat für die gut aussieht. So eine Beratung eben.“

Freund: „Du schreibst überwiegend Texte. Ich würde mal denken, du schreibst also alles, was so bei der Entwicklung von IT-Software gebraucht wird.“

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Freundin: „Irgendwie Online-Marketing, oder? Vielleicht planst du dann den Social-­Media-Kram des Spiegels mit?“

Kumpel: „Ich weiß, dass du bei einem Unternehmen bist, das irgendwas mit Steuer­software macht. Ich würde sagen: journalistisch im Social-Media-Bereich.“

Tante: „Mama hat gesagt, du bist jetzt in Frankfurt bei so einer Bank.“

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Darf ich mich vorstellen? Melanie, 39, Consultant, Grafikdesignerin, Spiegel-Redakteurin, Social-Media-Journalistin und Bänkerin, angenehm.

Während ich noch dabei war, meiner Tante zu erklären, dass ich nicht im Bankenbusiness bin, kamen plötzlich andere Nachrichten. Die trugen etwa den Tenor: „Nö, weiß ich nicht. Weißt du denn, was ich mache?“ Und ehrlich: Ich wusste es oft auch nicht genau. Mit Ausnahme einer Gruppe: Ich weiß, wie die Tage meines Kumpels aussehen, der Kameraassistent ist.

Ich weiß, was meine Freundin im Labor macht, die Biotechnologin ist. Ich weiß, wie meine Bekannte, die Hebamme ist, und wie der Schuhmacher, den ich kenne, ihre Arbeitszeit verbringen. Allem gemein: Ihre Berufe haben einen analogen Charakter. Wenn sie arbeiten, kommt am Ende was Richtiges dabei raus: Haus, Pille, Baby, Schuh.

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Aber womit kann meine Mutter sich bei den Nachbarn brüsten? Ist doch einfach, Mama: awesome Klicks, steile CTR und massive Purchases. Bitteschön.

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