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Webprojekte mit Erfolg: Drei CTOs geben Tipps zu Tools, Methoden und Erfolgsfaktoren

Drei CTOs im Interview. (Foto: Illustra_belatungnangkai/iStock)

Wie arbeiten Teams effizient und agil zusammen? Wie finden Unternehmen hochkarätige Mitarbeiter und motivieren sie? Und was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren? Zwölf Fragen an die CTOs von Torch, United Prototype und Otto über ihre Methoden, Tipps und Tools.

Lennart Koopmann: Geschäftsführer und CTO von Torch

„Wir entwickeln standardmäßig öffentlich.“

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t3n Magazin: Können Sie sich, Ihr Unternehmen und Ihre Position kurz vorstellen?

Lennart Koopmann: Vor vier Jahren begann ich mit der Entwicklung des Open-Source-Log-Management-Tools Graylog2, das mittlerweile weltweit genutzt wird. Letztes Jahr gründete ich mit meinem Freund und Kollegen Hass Chapman Torch, das Unternehmen hinter Graylog2. Hier arbeiten inzwischen mehrere fest angestellte Entwickler an verschiedenen Dienstleistungsformen rund um Graylog2.Im Geschäftsführungs-Team fokussiere ich mich auf die technischen Bereiche. Da wir keine Jobtitel verwenden, nenne ich mich aber nicht CTO. Fragen der Entwicklung lösen wir im gesamten Team, nur bei der Produktstrategie und -vision gebe ich einen groben Weg vor.

t3n Magazin: Welche kostenpflichtigen Tools empfehlen Sie?

Lennart Koopmann: Da wir ein Open-Source-Produkt entwickeln, läuft bei uns sehr viel über GitHub. Wir möchten ein möglichst transparentes Produkt gestalten und alle User in die Entwicklung einbinden. Deshalb sind alle Produktentwicklungen standardmäßig öffentlich. Wir nutzen die GitHub-Tools aber auch für Internes: Die Party im neuen Büro haben wir zum Beispiel über ein privates GitHub-Wiki organisiert.Ein anderer Service, der uns viel Arbeit abnimmt, ist Travis CI. Dort laufen all unsere Tests, sogar die Browser-Integrationstests. Jeder git-Push führt dort zu einem kompletten Lauf aller Tests. Travis CI alarmiert uns, wenn nicht alles rund läuft. Das Tool lässt sich per Klick über GitHub einrichten und unterstützt alle Sprachen, die wir verwenden. Sogar unsere Abhängigkeiten – wie Datenbanken – stehen dort automatisch zur Verfügung.Für die Support-Tickets unserer Kunden verwenden wir HelpScout. Es bietet eine ausführliche Behandlung überschaubarer Ticket-Mengen. Für die interne Kommunikation nutzen wir eine Mischung aus Google Apps und Slack. Das Chat-Tool Slack haben wir erst kürzlich entdeckt und sofort geliebt: Es bietet uns File-Sharing, private und Gruppen-Chats sowie die Integration unter anderem von GitHub, Travis CI oder HelpScout: Immer wenn dort etwas passiert, schickt uns Slack eine Meldung. Bis auf zwei oder drei Services liegt bei uns alles in der Cloud. In den Raum, in dem unsere Vormieter ihre Server hatten, haben wir eine Dusche eingebaut.

t3n Magazin: Und wie sieht es bei Open-Source-Tools aus?

Lennart Koopmann: Neben Graylog2? Im Ernst: Wir haben vor kurzem unseren Blog auf die Ghost-Plattform umgestellt. Endlich ein Blog-Interface, das richtig Spaß macht und komfortabel ist. Es ist komplett Open Source und auch in der Cloud verfügbar.

t3n Magazin: Welche Erfahrungen haben Sie mit agilen Methoden?

Lennart Koopmann: Noch ist unser Entwicklungsteam zu klein, um eine agile Methode zu benötigen. Unsere Kommunikation funktioniert ad hoc, wir arbeiten sowieso zu sehr unregelmäßigen Zeiten. Einer unserer Entwickler ist nur ab und zu in unserem Hamburger Büro. Die Kommunikation läuft über GitHub Issues und Chat. Wichtig ist nur, dass alle diszipliniert sind und zum Beispiel die Milestones richtig setzen. Sonst gehen Dinge zu einfach unter oder gar ganz verloren.Wir wollen das auch so lange wie möglich aufrecht erhalten. Sollte es irgendwann notwendig werden, werden wir wohl ein an Kanban angelehntes System einsetzen. In meinen vorherigen Jobs habe ich jedoch gelernt, dass man für sich und sein Team den richtigen Prozess finden muss. Man kann nicht einfach blind machen, was im Kanban- oder Scrum-Buch steht. Vor allem wollen wir keine Projekt-Manager oder Agile-Coaches – es muss aus dem Team heraus entstehen.

Graylog2 ist eines der durchdachtesten Open-Source-Analytiktools für Maschinendaten. Mit Torch bieten die Macher kommerziellen Unternehmenssupport an.
Graylog2 ist eines der durchdachtesten Open-Source-Analytiktools für Maschinendaten.
Mit Torch bieten die Macher kommerziellen Unternehmenssupport an.

t3n Magazin: Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit zwischen Frontend- und Backend-Entwicklern?

Lennart Koopmann: Wir legen Wert darauf, dass alle Entwickler am Frontend und Backend arbeiten können, damit sie ein ganzes Feature am Stück entwickeln können und die APIs schön aufeinander passen. Natürlich sind manche Entwickler spezialisiert. Aber sie müssen zumindest die Grundlagen des jeweils anderen Bereiches kennen. Gibt es mal ein Frontend-Feature, das mehr Detailliebe braucht, geht es an einen entsprechenden Spezialisten – oder wird direkt gemeinsam entwickelt.

t3n Magazin: Welche IT-Prozesse kann man outsourcen?

Lennart Koopmann: Bei uns übernehmen die Entwickler den gesamten Prozess selbst: Von einer Idee im Team über QA bis zum Release. Da bleibt eigentlich gar nicht mehr viel zum Outsourcen. Wir halten nicht viel davon, weil damit immer ein Teil der Team-Kultur verloren geht.

t3n Magazin: Wie finden und motivieren Sie talentierte Entwickler?

Lennart Koopmann: Ganz einfach: Wir bieten einen wunderbaren Arbeitsplatz mit vielen Freiheiten, Herausforderungen und Verantwortungen. Wir zählen keine Stunden oder Urlaubstage, sondern messen uns an dem, was wir produzieren und daran, wie gut das bei den Usern ankommt. Und wenn morgens die Sonne scheint und keine festen Termine anstehen, verabreden wir uns auch schon mal spontan zum Fahrradtraining und verschieben die Arbeit einfach auf den Abend.

t3n Magazin: Wie validieren Sie gute Entwickler und was erwarten Sie?

Lennart Koopmann: Wir stellen in erster Linie nach Einstellung und Motivation ein. Wer für uns arbeiten will, sollte nicht jeden Tag zur Arbeit kommen, weil es Aufgaben zu erledigen gibt, sondern um das Produkt weiterzuentwickeln und Spaß daran zu haben. Bei so einem komplexen Produkt müssen Mitarbeiter natürlich auch gute Programmierfähigkeiten mitbringen – wir glauben aber, dass man fehlendes technisches Wissen lernen kann. Eine falsche Einstellung kann aber die ganze Firmenkultur vergiften und das lässt sich ganz schwer korrigieren.

t3n Magazin: Empfehlen Sie die Arbeit mit ortsunabhängigen Teams? Und wenn ja, wie organisieren Sie diese?

Lennart Koopmann: Ja. Allerdings muss man die Team-Mitglieder, die nicht im Hauptbüro arbeiten, ständig in alles einbinden und auf dem Laufenden halten. Wenn möglich, sollte man sich regelmäßig für ein paar Tage sehen oder zumindest beim wöchentlichen Team-Frühstück eine Skype-Session offen halten. Ich habe schon gehört, dass manche Firmenmitarbeiter regelmäßig über Skype gemeinsam einen Whiskey trinken. Warum auch nicht? Die Kommunikation muss auch außerhalb der alltäglichen Arbeit stattfinden.

t3n Magazin: Arbeiten Sie auch mit ausländischen Entwicklern?

Lennart Koopmann: Wir haben derzeit noch keine Entwickler aus anderen Zeitzonen, sehen das aber nicht als Problem. Spannend finde ich in diesem Zusammenhang das Buch „REMOTE“, in dem die Basecamp-Erfinder Jason Fried und David Heinemeier über ihre eigenen Erfahrungen mit verteilten Teams berichten.

t3n Magazin: Wie motivieren Sie Ihr Team in Krisenzeiten?

Lennart Koopmann: Allen ist klar, dass es auf dem Weg nach vorne auch mal Krisen gibt, und alle geben von sich aus das Beste, um möglichst schnell wieder aus so einer Krise heraus zu kommen. Gerade am Anfang, vor unserem ersten richtigen Funding, gab es immer mal wieder Momente, in denen nicht ganz klar war, wie es weiter geht. Motivation war aber das kleinste Problem. Jeder weiß immer über die finanzielle Situation der Firma Bescheid. Das schafft Vertrauen.

t3n Magazin: Was sind die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Lennart Koopmann: Wenn es irgendwie geht, sollte man das Produkt, das man entwickelt, auch selbst nutzen. Kombiniert mit einem technisch hervorragenden und extrem motivierten Team ist das die beste Voraussetzung. Man ist in der Lage, das Produkt ständig iterativ weiterzuentwickeln, jeder bringt von sich aus neue Ideen ein. Kurz gesagt: bottom-up statt top-down, agil statt Wasserfall.

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