E-Commerce

Die richtigen Zahlungsarten im internationalen E-Commerce [Erfahrungsbericht]

Um die Risiken zu minimieren bieten diverse Payment-Dienstleister Sicherheiten an. So setzt PayPal etwa auf seinen Käuferschutz, der bei Konflikten die Hoffnung auf das Geld nicht sofort schwinden lässt.

Das Internet ermöglicht internationale Geschäfte ohne großen Mehraufwand. Doch eine der wenigen großen Hürden stellt die Bezahlung dar. Unterschiedliche Länder setzen auf unterschiedliche Zahlungsarten. Und die Kreditkarte als Allheilmittel vertreibt im schlimmsten Fall potenzielle Kunden. Worauf soll man als Verkäufer also im globalen Zahlungsverkehr achten? Ein Erfahrungsbericht.

Ein Startup von Grund auf international auszulegen, erfordert Mut und Überzeugung vom eigenen Produkt. Beides bewies Jimdo und setzte bei seinem Baukasten für Webseiten von Vornherein auf diverse Sprachen und viele Märkte. Inzwischen ist Jimdo weltweit in elf Sprachversionen verfügbar.

Doch mit der internationalen Ausrichtung kam schnell die Erkenntnis, nicht überall dieselben Zahlungsmodalitäten anbieten zu können. So bezahlen zwar hierzulande viele Nutzer mit PayPal, doch in diversen anderen Ländern ist diese Form der Bezahlung weitgehend unbekannt. Ein Produkt international anzubieten heißt demnach auch, in der jeweiligen Währung und mit den vor Ort üblichen Zahlungsmethoden anzubieten.

Andere Länder, andere Sitten

Studien zufolge bricht eine erhebliche Anzahl von potenziellen Kunden den Bestellprozess ab, wenn die gewünschte Zahlungsmethode nicht angeboten wird. Diese variiert aber je nach Land. Was in Deutschland Sofortüberweisung ist, heißt in Brasilien „Boleto“ und ist nichts anderes als ein Barcode-Beleg, mit dem Kunden bei der Bank eine Bar-Einzahlung leisten können – in Brasilien durchaus gängige Praxis. In Deutschland hingegen ist diese Zahlungsart gänzlich unbekannt. Ganz ähnlich die Schweizer Postcheck-Zahlung, auf die Kunden Jimdo irgendwann aufmerksam machten.

Viele Länder haben lokal etablierte Zahlungsmethoden und in einigen ist etwa die Bezahlung per Kreditkarte im Internet unüblich. Aus mangelndem Vertrauen, aus Kostengründen oder aufgrund formeller Kriterien.

So müssen Russische Unternehmen bei Transaktionen eine Steuernummer angeben und bevorzugen entsprechend die klassische – und weniger komplizierte – Überweisung. In Frankreich senden Vereine gerne einen Scheck per Post – in Deutschland undenkbar, hier sind Bankeinzug und Überweisung beliebter.

Egal ob lokale Kreditkarten, nationale Online-Payment-Lösungen wie Alipay in China oder Einzahlscheine wie die Boletos in Brasilien – es gilt, die Bedeutung der lokalen Zahlungsmethoden für die Zielgruppe abzuschätzen und einen Dienstleister zu finden, der sie zu akzeptablen Konditionen anbietet. Denn nicht selten befinden sich Produkte zwar in der Angebotspalette der Payment-Dienstleister, sind de facto aber noch im Testlauf oder an bestimmte Währungen gebunden.

Jimdo betreibt ein Baukastensystem für Webseiten und ist damit in vielen Ländern erfolgreich. Bedingungslose Mehrsprachigkeit und global anerkannte Zahlungsmodalitäten gehören dabei zu den Hauptanforderungen.

Darüber hinaus empfiehlt es sich aber, möglichst viele Modalitäten bei einem Anbieter zu bündeln. So arbeitet Jimdo aktuell mit einem Zahlungsdienstleister zusammen, der den Großteil der angebotenen Methoden abdeckt. Da aber die chinesische Zahlungsmethode Alipay fehlt, werden die Transaktionen für China über einen anderen Anbieter abgewickelt.

Doch was passiert, wenn bei der Zahlung etwas schief läuft? Geht beispielsweise eine Postcheck-Zahlung wegen eines Tippfehlers in der Kontonummer zurück, gibt es keine Rückbuchung auf das Bankkonto. Im Zweifel klingelt ein Schweizer Postbeamter beim Kunden persönlich und händigt den Betrag bar aus. Das Geld ist aus Unternehmersicht dann erstmal weg und es ist dem guten Willen des Kunden überlassen, ob dieser nach soviel Zusatzaufwand in Zukunft tatsächlich noch einmal wiederkommen möchte.

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5 Kommentare
Jonas Wendler

@Hans Knoechel: PayPal ja, aber im internationalen Kontext sind Vorkasse und Sofortüberweisung sicherlich alles andere als bewährt. Es gibt teils drastische Vorlieben und Abneigungen. (Meine eigene Erfahrung)

Beste Grüße aus Frankreich ;)
Jonas

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David Schoenfeld

Ein toller Artikel und ein brisantes Thema für internationale Online Shop Betreiber und Service Anbieter.

In den letzten Jahren habe ich häufig Probleme bei der Internationalisierung verschiedener online Business Modelle aufgrund der Zahlungsabwicklung gesehen. Wie im Artikel schon genannt machen Länder wie Brasilien, Chile, Argentinien oder eben die Deutschen gewisse Dinge anders. Vom Ausland aus betrachtet sind deutschsprachige Länder häufig ein Problem da die Deutschen für das „nicht verwenden“ bekannt sind. Überweisungen oder Sofortüberweisung ist etwas sehr deutsches und wird im Ausland häufig nicht berücksichtigt. Und Pay Pal ist meiner Meinung nach ein nettes extra denn bei hohen Zahlungsvolumen und kleinen Margen ist die Pay Pal Fee oftmals nicht gut. In Spanien zum Beispiel ist die Akzeptanz von Pay Pal viel geringer als in Deutschland oder den USA. In Ländern wir Brasilien ist es (wie im Artikel schon benannt) ein grosser Fehler nur auf Kreditkarten zu hoffen, denn viele haben gar keine. Um mit dem „boleto“ abrechnen zu können benötigt man eine Aussenstelle oder einen Mitarbeiter in Brasilien, denn das Brasilianische Gesetz lässt keine Kontoeröffnung aus dem Ausland zu. In Südamerika wird häufig auf das Bezahl System von „MercadoLibre“ oder „MercadoLivre“ (in Brasilien) – MercadoPago zurückgegriffen, sozusagen das PayPal für Südamerikaner.

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David Schoenfeld

für das „nicht verwenden“ … von Kreditkarten…

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Alex
Alex

Das mit Russland finde ich ganz witzig, hab ich echt nicht gewusst, dass man dort die Steuernummer angeben muss. Na ja, zum Glück lebe ich dort nicht. Ich finde die Prepaid Kreditkarte auf jeden Fall ganz praktisch! Zum Glück kann ich mit meiner yuna auch praktisch überall bezahlen, weil sie die Mastercard Kooperation hat und mit Mastercard kann man alles bestellen…

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