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Enfore-CEO Marco Börries: „Es geht ums Überleben“

(Foto: Andreas Borowski)

Als Gründer von Star Division erlangte Marco Börries schon Ende der 1980er Jahre internationale Bekanntheit – mit nicht einmal 20 Jahren. Jetzt will Börries Kleinunternehmen weltweit den Weg in die digitale Zukunft ebnen.

Wenn Marco Börries die Zukunft beziffert, redet er von 200 ­Millionen. So groß ist der Markt für die Lösung seiner Firma ­Enfore: Weltweit will Börries mit ihr kleine mittelständische Betriebe dazu ­befähigen, endlich auch von der Digitalisierung zu profitieren. Mindestens 60 Prozent der Zielgruppe will er als ­Kunden für ­Enfore gewinnen.

Das System dahinter? Eine B2B-Plattform für Klein- und Kleinstbetriebe jeder Couleur, etwa Handwerker, Gaststätten oder Frisöre. Enfore liefert ihnen nicht nur die am Point of Sale benötigte Hard-, sondern auch die Software, die sie für ihre ­Geschäftsprozesse benötigen. Alles aus einer Hand, von Kundenkontakt und Marketing über das eigene Supply Chain ­Management bis hin zur Buchhaltung. Durch die Masse der an die Plattform angebundenen Betriebe erzielt Enfore bei den externen Anbietern besonders günstige Konditionen – und reicht die Rabatte an seine Nutzer weiter. Auf diese Weise will Börries Kleinunternehmern helfen, ihr Geschäft mit minimalen finan­ziellen Risiken zu digitalisieren.

Nach den POS-basierten Ladengeschäften sollen Fertigungsbetriebe und B2B-Zulieferer, die Kreativbranche und schließlich das Gesundheitswesen folgen. Zudem ist der weltweite Roll­out geplant: Nachdem im September der Startschuss für das Deutschlandgeschäft gefallen ist, wird der Markteintritt in Groß­britannien und den USA von Börries und seinem Team aktiv ­vorbereitet.

Geht ihr Plan auf, könnte mit Enfore eine B2B-Marktmacht entstehen, vergleichbar mit Apple oder Facebook im Konsumentenbereich. Nicht zuletzt deswegen ist das Startup des Hamburger Tech-Unternehmers ein Liebling der Investoren: Knapp 40 Millionen US-Dollar hat Enfore schon vor dem Marktstart gesammelt, unter den Geldgebern sind bekannte Namen wie Klaus Hommels, Lars Hinrichs oder Yahoo-Mitgründer Jerry Yang.

Sie alle trauen Börries Großes zu, dem Mann, der schon als 16-Jähriger mit Star Division, seiner Alternative zu Microsofts Office-Paket, für Furore sorgte. 1999 verkaufte er Star Division für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Sun Microsystems und war dort auch kurze Zeit beschäftigt. Es folgten zwei ­weitere erfolgreiche Startups: Schon während des Aufbaus von Star Division gründete Börries Star Finanz als Joint Venture mit der Deutschen Sparkassen Organisation. Im August 2001 folgte dann Verdisoft. Das Team entwickelte die neue Technologie „Yahoo! Go“ , die einen für Handydisplays optimierten Zugriff auf E-Mails, Fotos und Nachrichten ermöglichte. Yahoo kaufte 2005 schließlich Firma und Technologie-Know-how – Börries wechselte ebenfalls zu dem einstigen Vorzeigeunternehmen. Seit 2009 ist Börries aus Kalifornien zurück und arbeitet an Enfore – das Manager Magazin spricht schon jetzt von „Deutschlands heißester Tech-Wette“.

Marco Börries: „Auch große Unternehmen haben Interesse an der Digitalisierung der kleinen“

t3n Magazin: Marco, mal ehrlich: Wie sehr nervt dich dein Ruf als deutscher Bill Gates?

Marco Börries: Den Vergleich gibt es schon seit 1986 oder 1987 – dabei ist das, was Bill geleistet hat, natürlich ganz was anderes. Aber die Menschen brauchen immer ein Raster, in das sie jemanden sortieren können. Beeinflussen kann ich das ohnehin nicht, also mache ich mir keine Gedanken darüber. Und es ist ja auch ganz nett, mit 50 Jahren noch als „Wunderkind“ bezeichnet zu werden.

t3n Magazin: Und hilfreich noch dazu, könnte ich mir vorstellen. Wie sonst hättest du Investoren und Partner von Enfore fast acht Jahre lang ohne ein vorzeigbares Produkt bei der Stange halten können?

Marco Börries: Naja, öffentlich haben wir nichts gezeigt. Intern hatten wir schon 2011 die ersten Interaktionen auf den Screens, 2013 haben wir das erste Mal mit unseren Kunden gesprochen. Ich hatte im ­Übrigen mit vier bis fünf Jahren bis zum Marktstart gerechnet. Aber dadurch, dass wir 2013 entschieden haben, auch Hardware zu produzieren, ist das Projekt viel komplexer geworden.

t3n Magazin: Was meinst du mit „komplexer“?

Marco Börries: Wir haben in den Gesprächen mit unseren Kunden gemerkt, dass es nicht reicht, eine Software zu entwickeln, die auf dem iPad läuft. Ein traumhaftes Gerät, aber nichts fürs Business und schon gar nicht für den Point of Sale.

„In der vernetzten Welt ist Digitalisierung ­keine ­Frage der Effizienz­steigerung mehr, sondern des ­Überlebens.“

t3n Magazin: Warum nicht?

Marco Börries: Ein iPad ist ein persönliches Gerät, das will ich nicht teilen. ­Business-Devices haben aber per se viele Nutzer. Außerdem muss der Bildschirm entspiegelt sein: Schließlich kann ich nicht meinen ganzen Laden umbauen, wenn mich das Licht auf der Ladentheke blendet. Wie schließe ich eine Waage an? Wie ­schließe ich einen Micro-Scanner an? Mit enormem Aufwand finden sich zwar Lösungen für all diese Probleme. Uns war trotzdem schnell klar: Wir müssen einfach selbst das beste POS-Terminal bauen – mobil und stationär. So ist der Dasher entstanden.

t3n Magazin: Ihr habt aber nicht nur den Dasher gebaut, sondern auch noch ein eigenes Payment-Terminal. Warum?

Marco Börries: Weil es zu einer wirklich brauchbaren POS-Lösung einfach dazu­gehört. Beide Komponenten bereiten Mittelständlern in der heutigen Marktsituation Kopfschmerzen. Für ein herkömmliches Kassensystem müssen sie mehrere tausend Euro ausgeben. Beim Payment sieht es ähnlich aus: Hier haben sie momentan die Wahl zwischen iZettle und Sumup auf der einen und einem professionellen Terminal auf der anderen Seite. Die Hardware der Startups ist zwar gut gemacht, aber sie verlangen zum Beispiel für Kredit­kartenzahlungen Gebühren von 2,75 Prozent. Und jetzt schau dir die Margen klassischer POS-Geschäfte an: Wenn die hoch ein­stellig sind, sind die happy! Von dieser Marge, unter zehn Prozent, sollen sie 2,75 Prozent fürs Payment Processing ausgeben? Das ist ja gar nicht machbar. Das werden auch Startups wie Deliveroo noch merken, die eine 20-prozentige Umsatzbeteiligung von ­ihren Partnern verlangen. Solche Modelle funktionieren nur für die Betreiber, aber nicht für die Händler.

t3n Magazin: Und was ist mit den Anbietern professioneller Payment-­Terminals?

Marco Börries: Zum Beispiel Verifone oder Ingenico: Die kommen mit einem 48- bis 60-Monats-Vertrag und zweistelliger monatlicher ­Device-Miete. Plus Servicegebühren und so weiter. Das wird auf Dauer auch richtig teuer. Uns ist klar geworden: Nicht nur das Tablet ist ein Problem, sondern der ganze Markt in seiner Komplexität, mit den vielen Distributions­ebenen, wo jeder noch mal profitieren will. Und natürlich hat keiner der Mittelsmänner ein Interesse daran, den Status quo zu ändern. Dabei ist sonnenklar, was die Kleinunternehmer eigentlich haben wollen: eine funktionierende POS-Lösung mit der Usability vom iPad. Eigentlich hätten wir gleich drauf kommen können, dass das, was Apple im Konsumentenbereich macht, auch hier am besten ist: eine integrierte Lösung, die zwar offen ist, aber trotzdem so „aus einem Guss“, dass sie sinnvoll am Markt platziert werden kann.

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