Interview

Enfore-CEO Marco Börries: „Es geht ums Überleben“

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t3n Magazin: Warum wusstest du so viel eher, was kommen die Zukunft bringen würde?

Marco Börries: Das ist mir bei Sun Microsystems klar geworden, wo ich nach der Übernahme meines ersten Startups zwei Jahre tätig war. Durch die Einblicke, die Partner, überhaupt durch die Art des Denkens  dort, habe ich eine Menge gelernt. Andy [von Bechtolsheim, Mitgründer von Sun Microsystems, Anm. d. Red.] und die Jungs haben viele grundlegende Entwicklungen wirklich sehr früh erkannt. Sie ­haben schon Anfang der 1990er gesagt: „The network is the ­computer.“ Das ist nichts anderes als die Beschreibung der Cloud. Oder: „Every­thing that has a digital heartbeat will be connected to the internet“ – das Internet of Things. Davon haben die vor 28 ­Jahren tatsächlich schon gesprochen! Mir ist in dieser Zeit klar geworden, dass sich alles immer weiter vernetzen wird – mit ­mobilen Endgeräten als Dreh- und Angelpunkt. Das Produkt, für das ich Sun 2001 verlassen habe und das mich schließlich zu Yahoo geführt hat, hieß nicht umsonst dann auch „Connected Life“.

„In fünf bis sieben Jahren werden wir das iPhone 1 der ­Augmented Reality ­sehen.“

t3n Magazin: Trotzdem musstest du dann noch eine Weile auf die mobile Ära warten …

Marco Börries: Ja, wann genau der Durchbruch kommen würde, wusste ich ­natürlich nicht. Der Katalysator war letztlich das iPhone.
Ich wusste sofort: „Das ist es jetzt.“ Genau wie in dem Moment, als ich das erste Mal Windows 3.0 gesehen habe, 1989, in der Beta-­Version. Da war auch klar: Jetzt kommt die grafische Oberfläche. Das Thema DOS ist Geschichte, auch in der Masse. Beim iPhone war sofort klar, dass es die Art von Computing verändern würde. Auch wenn es dann noch eine Weile gedauert hat, bis etwa die ­Netzperformance gut genug war, um wirklich darauf browsen zu können und so weiter.

t3n Magazin: Was kommt nach der mobilen Ära?

Marco Börries: Einige nennen es Ambient Computing, andere Augmented ­Reality. So oder so: Die Vernetzung wird uns noch weiter umwachsen. Ob das jetzt Räume sind, die unsere Stimmen erkennen, ob ich einen Knopf im Ohr habe wie bei „Her“ oder Kontaktlinsen oder eine Brille. Ich denke, dass wir in fünf bis sieben Jahren das „iPhone 1 der Augmented Reality“ sehen werden. Die Zahlen im Smartphone-Bereich stagnieren schon. Auch wenn die Geräte vielleicht noch flexibler werden, faltbar und bessere ­Kameras bekommen: Wir werden auf keinen Fall noch weitere zehn, fünfzehn Jahre mit portablen Screens vor unserer Nase ­herumlaufen und gegen irgendwelche Ampeln und Laternen knallen.

t3n Magazin: In welchem Bereich werden wir sonst noch große Ver­änderungen sehen?

Marco Börries: Richtig spannend wird das Thema Health. Auch wenn das noch etwas weiter in der Zukunft liegt. Das haben wir auch bei Enfore schon im Blick und ein entsprechendes Segment geplant. Schau dir nur an, welche Budgets dort bewegt werden, auch auf Staatsebene. Und das Optimierungspotenzial ist massiv: Irgendwann werde ich einfach meinen Finger irgendwo reinhalten, dann werden meine Werte analysiert und mein Medikament individuell auf mich zugeschnitten. Das verändert wirklich alles. Auch die Städte verändern sich. Die Logistik wird granularer, das ermöglicht Mikroproduktionen, Beispiel City Farming. Und was machen wir mit dem ganzen Platz, wenn wir 40 Prozent weniger Autos haben? Das sind alles keine Jetson-Fantasien mehr, sondern ich glaube, dass wir die alle in den kommenden 25 Jahren noch erleben, toi toi toi.

t3n Magazin: Du klingst so begeistert, als wolltest du da überall gerne mitmischen. Wird es nach Enfore, was ja bis vor Kurzem noch unter dem Arbeitstitel „Number Four“ firmierte, eine „Number Five“ geben?

Marco Börries: Ich habe zwar gelernt, dass man niemals nie sagen sollte, aber im Moment gibt es keinen Plan. Keine meiner Firmen bisher habe ich gemacht, um sie zu verkaufen, das hat sich immer erst später ergeben. Und zu Enfore habe ich nochmal eine ganz besondere Bindung: Ich scherze immer, dass ich mit den ersten drei Firmen 25 Jahre Ausbildung gemacht habe, um jetzt hier gelandet zu sein. Es hat acht Jahre gedauert, um mit Enfore den ersten Schritt rauszugehen. Und es wird noch mal acht Jahre dauern, bis wir das Potenzial erreicht haben, das ich jetzt heben will.

t3n Magazin: In acht Jahren bist du insgesamt mehr als 40 Jahre in ­diesem Business. Welcher Leitsatz hat dir in all den Jahren am meisten geholfen?

Marco Börries: „Respect the basics.“ Viele smarte Leute haben dieselbe Vision wie du. Am Ende machen die kleinen, unglamourösen Dinge den Unterschied: Die Fragen zu stellen, auf die du die Antwort nicht hören willst. Die Detailtreue zu haben. Den einen Mitarbeiter, der da am Freitagabend um 19 oder 20 Uhr noch sitzt, wenn du ­eigentlich schon spät dran bist, doch noch anzusprechen – auch wenn du weißt, dass dich das noch weitere zwei Stunden ­kosten wird. Diesen Willen zu beweisen, tagein, tagaus, jeden Tag, ­immer wieder. Gute Ideen zu haben ist schon schwierig genug. Gute Ideen zu haben, die auch umsetzbar sind, den Markt richtig abzustecken und so weiter, das ist noch schwieriger. Und das Schwierigste von allem ist: „Making ideas work“.

t3n Magazin: Marco, danke für das Gespräch.

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