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Neues in der aktuellen Version – wo steht Ubuntu heute?: Der Erpel ist gelandet

  Knapp zwei Jahre sind vergangen, seit Ubuntu Linux das Licht der Welt erblickte. Aufgrund überzeugender Eigenschaften wie Stabilität, Benutzerfreundlichkeit und dem konsequenten Spagat zwischen der Ausrichtung auf Einsteiger und Profis, hält Ubuntu den ersten Platz der beliebtesten Linux-Distributionen. Aber die Ansprüche steigen stetig. Dieser Artikel soll klären, ob die aktuelle Ausgabe Ubuntu 6.06. LTS „Dapper Drake“ (engl. für Eleganter Erpel) die Ansprüche auch im Praxiseinsatz befriedigen kann.

7 Min. Lesezeit
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Ubuntus aktuelle Version Dapper Drake präsentiert sich optisch erneuert.Ubuntu ist seit seinem ersten Erscheinen grandios erfolgreich. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen ist ein überzeugendes Konzept vorhanden: Ubuntu sollte von Anfang an für jedermann zu bedienen sein und Benutzerfreundlichkeit steht seitdem an erster Stelle. Auf der anderen Seite sollten professionelle Anwender nicht aus den Augen verloren werden. Debian als Basis sorgt für größtmögliche Stabilität und eine professionelle Stiftung im Hintergrund sichert mit dem Kapital des Millionärs Mark Shuttleworth den sicheren Fortbestand und das regelmäßige (halbjährliche) Erscheinen der Distribution. Reduzierung aufs Wesentliche ist eine weitere Eigenschaft, die Ubuntu von der Konkurrenz abhebt. Für jeden Zweck gibt es nur ein Programm. Und schließlich tut das Versprechen, dass Ubuntu für immer kostenlos bleibt, ein Übriges, um die User in Scharen zu dieser Distribution zu treiben.

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Aber Ubuntu hat auch Glück gehabt. Es profitierte von der großen Verunsicherung rund um Suse Linux. Der Verkauf an Novell, die Querelen innerhalb des Suse-Teams und der Frust der User über die aktuellen Suse-Versionen, all das hält weiterhin an und beschert Ubuntu einen enormen Zulauf.

Was gibt es Neues?

Der elegante Erpel erschien im Juni 2006 und hat einige Neuerungen zu bieten, die ihn von seinen Vorgängern unterscheiden. Als erstes fällt das Kürzel „LTS“ hinter der Versionsbezeichnung auf. LTS steht für Long Term Support und kennzeichnet besondere Versionen von Ubuntu, die für den Einsatz in Unternehmen prädestiniert sind. Shuttleworth, der Initiator, spricht deutlich über den gestiegenen Anspruch und nennt Dapper Drake „äußerst stabil und zuverlässig und damit sehr geeignet für den Produktiveinsatz“. Mehrmals präsentierte er die aktuelle Version als Alternative zu Microsoft Windows Vista. Die LTS-Versionen erscheinen alle zwei Jahre und stellen den Abschluss einer Entwicklung der drei Vorgängerversionen dar. Bei der aktuellen Version waren das „Warty Warthog“ (Warziges Warzenschwein), „Hoary Hedgehog“ (Altersgrauer Igel) und „Breezy Badger“ (Frechdachs). Der Support erstreckt sich bei LTS-Versionen auf drei Jahre für die Desktop- und fünf Jahre für die Serverversionen, normalerweise sind es nur eineinhalb bzw. drei Jahre.

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Besonders hervorzuheben ist die Server-Variante von Ubuntu, die gleichzeitig mit der Desktop-Variante erschienen ist. Diese Version bringt zwei speziell konfigurierte Kernel mit, einen für kleinere Rechner und einen für Server mit mehr als acht CPUs. Die Server-Version verspricht das besonders einfache Aufsetzen eines zertifizierten LAMP-Servers. Support erhalten Firmen und Privatanwender über Canonical, die Firma von Mark Shuttleworth. Sie bietet für die Distribution wie für das LAMP-System Support ab 700 US-Dollar pro Jahr an, weitere zertifizierte Software-Stacks mit Support-Angeboten sollen hinzukommen. Die professionelle Aus-

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richtung ist unter anderem daran zu erkennen, dass IBM und MySQL den Server bereits für ihre Datenbanken zertifiziert haben.

Bei einer großen Firmeninstallation ist es möglich, für einzelne Systeme Support zu kaufen, ohne für alle Installationen einen Service-Vertrag abschließen zu müssen. Hierin unterscheidet sich Ubuntu von Novell und Red Hat. Bei der Konkurrenz sind die Firmen verpflichtet, für jede Installation Support zu kaufen.

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Xubuntu (http://www.xubuntu.org), ein Ubuntu mit XFCE als Standard-Desktop, wird nun erstmals offiziell unterstützt und schließt hiermit zu den bisherigen Varianten Ubuntu (mit GNOME) und Kubuntu (mit KDE) auf. Alle Versionen sind über die Server von Ubuntu zu bekommen und sogar kostenlos zu bestellen – sie werden nach einigen Wochen per Post zu Ihnen nach Hause geliefert [1]. Edubuntu (http://www.edubuntu.org) verfolgt das gleiche Ziel wie Skolelinux und ist mit diesem inzwischen eng verknüpft; das Ziel ist der Einsatz in Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Universitäten.

Ubuntu 6.06. LTS startet mit dem etwas veralteten Kernel 2.6.15. Mit an Bord sind X.org 7.0.0, OpenOffice 2.0.2, Firefox 1.5.0 und GNOME 2.14.1. Kubuntu nutzt KDE 3.5.2, Xubuntu setzt auf XFCE 4.3.9. Teilweise sind die Softwareversionen in Dapper Drake nicht ganz aktuell – ein Zugeständnis an die Stabilität, die bei dem Release im Vordergrund stand. Bemerkenswert ist, dass die Unterschiede zu Debian, von dem sich Ubuntu durch eine deutlich verstärkte Aktualität abheben will, immer mehr verschwinden, zumindest wenn man sich die LTS-Versionen ansieht. Es wird sich noch zeigen, in welche Richtung diese Entwicklung in Zukunft gehen wird. Der etwas ältere Kernel wirkt sich jedenfalls nicht negativ auf die Hardwareerkennung aus. Ubuntu bietet hier immer

Der neue graphische Installer Ubiquity (engl. Allgegenwärtigkeit) ist eine faszinierende Möglichkeit, Ubuntu im Hintergrund zu installieren, während man zum Beispiel im Internet surft. Leider wartet das Programm mit einigen Tücken auf.

Der neue graphische Installer Ubiquity (engl. Allgegenwärtigkeit) ist eine faszinierende Möglichkeit, Ubuntu im Hintergrund zu installieren, während man zum Beispiel im Internet surft. Leider wartet das Programm mit einigen Tücken auf.

noch eine hervorragende Hardwareerkennung, die mit zum Besten gehört, was Linux-Distributionen zu bieten haben. Viele Treibermodule wurden zusätzlich in den alten Kernel implementiert.

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Leider ist Dapper Drake nicht so ausgereift veröffentlicht worden, wie sich die Entwickler dies wohl gewünscht hätten. Schon kurz nach der Veröffentlichung am 1. Juni 2006 hagelte es Updates, sodass inzwischen mehrere hundert Megabytes an aktualisierten Paketen zum Download bereitstehen. Diese beheben teilweise sicherheitsrelevante Fehler, aber auch Sprachpakete wurden eifrig überarbeitet. Es bleibt festzuhalten, dass Ubuntu von Anfang an sehr internetlastig war. Dieser Trend wird bei der aktuellen Version noch einmal verstärkt. Wer nicht DSL oder einen anderen Breitbandanschluss sein Eigen nennt, wird sich bei Ubuntu über das ein oder andere Update ärgern. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich Ubuntu entschlossen, aktualisierte Dapper-Versionen zum Download anzubieten. Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist die Version 6.06.1 frisch auf den Servern zu finden.

Wer sich an der bisherigen textbasierten Installationsroutine von Debian gestört hat (aus Gründen der Ästhetik, nicht der Funktionalität), der kann nun Ubuntu mit Hilfe eines graphischen Installers direkt von der Live-CD auf die Festplatte zaubern. Das verläuft, wie von Ubuntu gewohnt, selbsterklärend. Die eigentliche Installation verläuft dabei im Hintergrund.

Die neue Installationsmethode ist zweifellos faszinierend, birgt aber auch einige Tücken:

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  • Das Programm Ubiquity wird aus der Live-CD heraus gestartet. Dies setzt voraus, dass die Live-CD erst einmal startet. Was sich zunächst trivial anhört, ist es nicht. Für diesen Vorgang sind mindestens 256 MByte RAM zu empfehlen.
  • Die manuelle Partitionierung der Festplatten ist nur eingeschränkt möglich. So ist das Einrichten von LVM- oder RAID-Systemen unmöglich und die Installation in eine vorhandene Partition ist nicht machbar, solange man diese nicht vorher neu angelegt hat. Eine bestehende Partition muss vorher gelöscht werden.
  • Der Bootmanager GRUB wird standardmäßig in den Bootsektor der ersten Festplatte installiert. Hierbei nimmt er zwar alle Windows-Varianten und alle anderen Linux-Distributionen, die ebenfalls GRUB verwenden, mit auf. Bei Xandros zum Beispiel, welches lilo benutzt, versagt dies aber und GRUB muss manuell editiert werden.

Der Einsteiger wird vielleicht nicht diese Anforderungen an eine Linux-Installation stellen, aber für den fortgeschrittenen Benutzer sind die eben genannten Hindernisse ärgerlich. Eine Alternative zum graphischen Installer steht aber bereit, und zwar in Form der althergebrachten textbasierten Methode, die „Alternate“ heißt. Die CD ist ebenfalls auf den Servern von Ubuntu verfügbar und kann dort heruntergeladen werden [2]. Alt ist hier nicht gleichbedeutend mit schlecht. Der mittlerweile sehr ausgereifte textbasierte Installer von Debian ist sehr benutzerfreundlich und überfordert auch den Einsteiger nicht mit sinnloser Komplexität. Diese Installationsmethode ist eindeutig zu bevorzugen, sie geht schneller und bietet wesentlich mehr Möglichkeiten.

Nach dem ersten Start präsentiert sich Ubuntu 6.06 optisch verfeinert. Nach der vielen Kritik an dem bisher vorherrschenden Braun dominieren in dem aktuellen Release Orange- und Karamelltöne. Ansonsten ist auf den ersten Blick wenig Neues zu finden. Durch das neue GNOME startet der Desktop wesentlich schneller, viele Softwarepakete wurden aktualisiert. Einschneidende Veränderungen im Umgang mit Dapper Drake sind nicht vorhanden, aber größtenteils auch nicht nötig gewesen.

Großartige Veränderungen stehen erst mit dem Nachfolger „Edgy Eft“ an, der im Oktober dieses Jahres erscheinen soll. Erst dann sollen Dinge wie die Virtualisierung Xen oder der neue Desktop XGL integriert werden. Apropos XGL: Schon jetzt sind Pakete dafür vorhanden und für Bastler ist es kein Problem, diesen innovativen aber auch verspielten Desktop zu installieren. Auf einer modernen Grafikkarte dürfte die Installation keine Schwierigkeiten bereiten [3].

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Fazit

Wenn Sie mit ihrer bisherigen Ubuntu-Installation zufrieden sind, dann spricht nichts dagegen diese weiterzuverwenden. Kostenlose Bugfixes und Updates erhalten Sie ohnehin 18 Monate lang. Andererseits bietet Dapper Drake eine Basis, die besondere Unterstützung genießt und mit der Sie auf Jahre hinaus ein Produktivsystem an die Hand respektive auf den Rechner bekommen. Updates und Bugfixes werden für drei Jahre angeboten. Unternehmen sei aus diesen Gründen dringend angeraten, die aktuelle Version zu installieren. Der Nachfolger ist schon jetzt als Spielwiese für die Entwickler ausgerufen und dürfte niemals den Grad an Stabilität erreichen, den Dapper bereits hat.

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