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Event-Sourcing: Das steckt hinter dem Software-Kontenbuch

Wer Software nachträglich ohne großen Aufwand um zusätzliche Funktionen ­erweitern will, kann zu Microservices greifen. Oder sich am Architekturmuster von ­Event-Sourcing bedienen. So funktioniert das digitale Kontenbuch.

6 Min. Lesezeit

(Abbildung: Shutterstock/  Aleksandar Karanov)

Microservices machen es einfach, ein Softwaresystem nachträglich um neue Komponenten zu erweitern. Ein häufiges Problem sind allerdings die von den Microservices verwalteten Daten – vielleicht werden nach einem Jahr im Betrieb für eine neue Anforderung auf einmal Informationen benötigt, die eigentlich von Anfang an hätten erhoben werden müssen. Oder es fehlen historische Daten, die von der Software schon längst verworfen wurden. In solchen Fällen kann Event-Sourcing helfen.

Das Kernprinzip des Event-Sourcings ist einfach: Eine Software speichert nicht nur den aktuellen Zustand ihres Anwendungsbereichs, sondern auch jedes Ereignis, das jemals aufgetreten ist und zu einer Veränderung dieses Zustands geführt hat.

Das dahinterstehende Prinzip ist nicht besonders neu, sondern im Grunde genommen seit Jahrtausenden bekannt. Denn auch ein analog mit Stift und Papier geführtes Kontenbuch ­eines Buchhalters ist nichts anderes: Ab der Eröffnung eines ­Kontos wird jede Buchung (also jedes Event) einzeln festgehalten. ­Innerhalb der Buchung sind alle relevanten fachlichen Informationen gespeichert, etwa die Veränderung des Bestands und – wer es genauer will – die Soll- und Habenseite der ­Buchung sowie ­zuge­hörige Metadaten wie etwa das Datum und ein ­beschreibender Text.

(Abbildung: Martin Helmich / t3n)

Fragt den Buchhalter nun jemanden nach dem aktuellen ­„Zustand“ des Kontos, lässt sich dieser jederzeit aus der Gesamtheit aller Buchungen rekonstruieren: Es müssen nur die Beträge aller einzelnen Transaktionen verrechnet werden. Das Spannende dabei: Mit so einem Rebuild lässt sich anhand der Events nicht nur der aktuelle Zustand des Kontos rekonstruieren, sondern der Zustand zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Um den Kontostand zu einem bestimmten – aber beliebigen – Zeitpunkt zu ermitteln, müssen beim Rebuild lediglich die Events bis zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt und alle Nachfolgenden vernachlässigt werden – und schon ist die Point-in-Time Recovery geglückt.

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Sind irgendwann richtig viele Buchungen im Kontenbuch, wird es der Buchhalter womöglich leid, für einen aktuellen ­Saldo immer wieder alles neu aufsummieren zu müssen. Deshalb ­wendet er einen Trick an: In regelmäßigen Abständen – beispielsweise am Ende jedes Tages, jeder Woche oder jedes ­Monats – ­ermittelt er den aktuellen Saldo (also den Zustand des Kontos) und hält ihn im Kontenbuch fest. Falls dann zwischendurch jemand nach einem aktuellen Kontenstand fragt, braucht er nur noch Buchungen dazurechnen, die seitdem hinzugekommen sind. Auf diese Art erstellt er einen Snapshot, auf dem er zu einem späteren Zeitpunkt einfach wieder aufbauen kann.

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