Porträt

Fest oder frei? Berichte über 5 verschiedene Karrieren

(Foto: Shutterstock / Photographee.eu)

Die Beschäftigungsmodelle sind ­vielseitig wie nie. Das macht es leichter, sie den eigenen Arbeits- und Lebens­entwürfen anzupassen. Fünf Menschen ­erzählen, wie sie den besten Weg für ihre Karriere gefunden haben.

Der Entrepreneur: Stefan Jeschonnek hat 2 Startups gegründet und ist als Angel-Investor aktiv

Meine Leidenschaft, Probleme zu lösen, motiviert mich, morgens aus dem Bett zu kommen. Genau das ermöglicht mir mein Unternehmen Zeitgold. Zusammen mit zwei Mitgründern habe ich 2015 eine Technologie für Kleinunternehmer an den Start gebracht, mit der sie ihre Finanzen intuitiv managen können. Mittlerweile haben wir so viele Kunden, dass das Zeitgold-Team rund 100 Mitarbeiter in Tel Aviv und Berlin zählt.

Nach dem Studium habe ich zwei Jahre bei einer Strategie­beratung gearbeitet. Die Erfahrung war relevant, aber mir war früh klar, dass die Beratertätigkeit nicht meine Berufung ist und ich selbst gründen will. Über einen MBA an der Uni ­Stanford ging es also ins Silicon Valley, um zu verstehen, wie Technologieunternehmen funktionieren – dort, wo es am besten gemacht wird.

Stefan Jeschonnek: „Alle Hebel selbst in der Hand zu ­halten, treibt mich an“ (Foto: Stefan Jeschonnek)

Stefan Jeschonnek: „Alle Hebel selbst in der Hand zu ­halten, treibt mich an.“ (Foto: Stefan Jeschonnek)

Zeitgold ist bereits mein zweites Startup, und als Angel-­Investor spreche ich mittlerweile viel mit anderen Gründern. Viele von ihnen halten zu früh krampfhaft an einer spezifischen Geschäftsidee fest. Doch die erste Lösung ist selten die, die am Ende gelingt.

Das gilt auch im Startup-Alltag: An manchen Tagen ­verfolgen wir einen Ansatz nach dem anderen und kommen erst nach vielen Sackgassen ans Ziel. Dann wieder bin ich unglaublich euphorisch, beispielsweise wenn wir positives Kunden­feedback bekommen. Gründen ist eine ­emotionale Achterbahnfahrt und oftmals anstrengender als eine ­Festanstellung.

Doch als Angestellter könnte ich kein so hohes Maß an ­Motivation aufbringen. Wirklich etwas kreieren zu können und alle Hebel selbst in der Hand zu haben, treibt mich an. Für mich könnte ein Angestelltenverhältnis dieses Gefühl nicht reproduzieren.

Die Festangestellte: Julie Ng sammelte als Unternehmerin viele Erfahrungen, aber wenig Geld. Heute ist sie IT-Architektin bei einem ­Großkonzern

Ich hatte nie vor, Entwicklerin oder IT-Architektin zu werden oder im Konzern zu arbeiten. Doch genau das habe ich gemacht. Ich studierte Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaft, kam im Studium aus den USA nach Deutschland – und brauchte Geld. Webdesign wurde von meinem Hobby zu meinem ersten Job.

Julie Ng: „Die Anstellung im ­Konzern bringt mir Sicherheit und ­Struktur“ (Foto: Julie Ng)

Julie Ng: „Die Anstellung im ­Konzern bringt mir Sicherheit und ­Struktur.“ (Foto: Julie Ng)

Nach drei Jahren fühlte ich mich bereit für etwas Neues. Das war 2011, als alle von Startups sprachen. Ich wollte auch gründen und es zunächst durch Freelancing finanzieren. Dabei unterschätzte ich total, wie fertig einen die Selbstständigkeit machen kann.

Wenn ich mich heute als „Failed Entrepreneur“, gescheiterte Unternehmerin, bezeichne, stimmt das nur zum Teil: Ich habe viel geschafft, etwa mit Freunden Refresh Munich gegründet, der zwei Mal die Konferenz UX Munich organisierte. Eine großartige Erfahrung, die parallel zu einer Festanstellung nicht möglich gewesen wäre. Doch nach fünf Jahren Freiberuflichkeit hatte ich einfach keine Energie mehr. Und auch kein Geld. Zu meinen Schulden aus dem teuren US-­Studium hatte sich vielmehr ein Gründungsdarlehen addiert.

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